Börsenschluss Arbeitsmarktzahlen drücken die Kurse
Schwache Nachrichten aus den USA haben die deutschen Börsen kurz vor Handelsschluss noch in die Verlustzone gedrückt. Bei einem lustlosen Handel schloss der Dax mit einem Minus von 0,2 Prozent auf 6108 Punkten. Der Nemax 50 verlor 0,2 Prozent auf 1880 Zähler. Die Nebenwerte zeigten sich dagegen fest. Der M-Dax schloss mit 0,4 Prozent im Plus bei 4605 Punkten.
In New York notierten die Börsen weiterhin uneinheitlich. Nach einer behaupteten Eröffnung fiel der Dow Jones um 0,6 Prozent auf 10.865 Punkte, die Nasdaq legte 0,1 Prozent auf 2176 Zähler zu. Der Kursverlauf in New York wird von den jüngsten Konjunkturdaten geprägt, die am Markt negativ aufgenommen worden sind.
Händler und Analysten zeigen sich besorgt über einen Rückgang der Produktivität. Zum ersten Mal seit sechs Jahren fielen die Zahlen zur Arbeitsproduktivität in den USA im ersten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 0,1 Prozent. Im Vorquartal wurde noch ein Anstieg von revidierten zwei Prozent gemessen, teilte das US-Arbeitsministerium mit. Der Rückgang wurde von Analysten nicht erwartet. Diese hatten mit einem Anstieg der Arbeitsproduktivität von 0,9 Prozent gerechnet. Zudem stiegen die Lohnstückkosten, ein wichtiger Indikator für die Inflation, im ersten Quartal im Quartalsvergleich um 5,2 Prozent nachdem sie im vierten Quartal noch um 4,5 Prozent geklettert waren.
Auch in Deutschland lasteten Daten zum Arbeitsmarkt auf den Kursen: Trotz des üblichen Frühjahrsaufschwungs hat sich die Lage am deutschen Arbeitsmarkt auf Grund der schwächeren Konjunktur zum vierten Mal in Folge verschlechtert. Bereinigt um Saisoneinflüsse stieg die Arbeitslosenzahl im April gegenüber März um 6000 auf rund 3,809 Millionen, teilte die Bundesanstalt für Arbeit mit. Volkswirte sind zuvor von einem geringerem Anstieg ausgegangen.
Auf den Verkaufslisten der Börsianer standen die deutschen Automobilwerte. Für leichte Verwirrung habe die Bilanzierungsumstellung des Volkswagen-Konzerns gesorgt, sagte ein Händler. Diese neue Bilanzierung nach internationalem Standard IAS sei unübersichtlich und belaste den Kurs, hieß es. Die Zahlen für das erste Quartal seien nicht so schlecht, sagten Börsianer. Die Bilanzierung einmal nach den Richtlinien HGB und IAS sei jedoch etwas unübersichtlich. VW-Titel gaben um 0,8 Prozent ab, BMW-Aktien schlossen kaum verändert.
- Börsenschluss in New York
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Die Aktien von DaimlerChrysler verbilligten sich um 0,6 Prozent auf 56,40 Euro. Händler führten die Abwärtstendenz auf einen Zeitungsbericht zurück, wonach die Garantieleistungen für die deutsche Marke Mercedes-Benz um mehr als das Dreifache zugenommen habe. Eine DaimlerChrylser-Sprecherin bestätigte einen Anstieg der Kosten, nannte aber keine Zahlen.
Unter Druck gerieten auch die Anteilsscheine der Lufthansa. Anhaltende Unsicherheit über den Ausgang der Tarifverhandlungen mit den Piloten der Fluglinie habe den Kurs belastet, hieß es. "Die Gespräche ziehen sich länger hin als erwartet", sagte ein Händler. Die Aktie notierte zum Schluss 1,6 Prozent schwächer bei 22,14 Euro.
Größter Dax-Gewinner waren die Papiere von Preussag mit einem Aufschlag von 4,6 Prozent. Ein Händler sagte, dass zyklische Werte wieder gesucht seien.
Gefragt waren auch die Aktien von Schering, die 2,9 Prozent auf 55,85 Euro gewannen. Der Pharmakonzern erhielt nach eigenen Angaben von der US-Gesundheitsbehörde die weltweite erste Zulassung zur Vermarktung des neuen Krebs- Medikaments Campath.
Die Technologiewerte drehten zum Schluss ins Minus, nachdem sich die Gewinne an der Nasdaq verkleinerten. SAP-Aktien verbilligten sich um 1,4 Prozent, Siemens-Titel um 0,6 Prozent. Die T-Aktie vom Indexschwergewicht Deutsche Telekom rutschte um 2,8 Prozent auf 26,80 Euro.
Im M-Dax sorgten die Titel von MLP und Philipp Holzmann für Bewegung. Der Kurs des potenziellen Dax-Kandidaten MLP stieg um 3,7 Prozent. Der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse kommt am Dienstagabend zusammen, um über die neue Indexzusammensetzung zu beraten.
Die Aktien von Philipp Holzmann sprangen um über zehn Prozent auf 19,20 Euro in die Höhe. Allerdings wurden lediglich 7662 Aktien umgesetzt. Die Europäische Kommission hatte zuvor nach langer Prüfung öffentliche Beihilfen und Kredite für den Baukonzern von insgesamt 375 Millionen Mark gebilligt.
Leichte Verluste am Neuen Markt
Die Wachstumswerte am Neuen Markt haben sich überwiegend seitwärts bewegt. Bis kurz vor Handelsschluss pendelte das Börsenbarometer zwischen der Gewinn- und Verlustzone hin und her. Seinen Höchststand mit 1924 Punkten verbuchte der Nemax 50 in den Mittagsstunden - offenbar beflügelt durch die Heraufstufung des US-Netzwerkspezialisten Cisco Systems durch die Investmentbank Morgan Stanley Dean Witter. "Ich habe keine richtige Begründung für den schnellen Anstieg", sagte ein Frankfurter Händler. Es sei so, als ob mit der positiven Meinung zu Cisco zum Einstieg in die Technologie-Werte aufgerufen werden sollte. Das Unternehmen veröffentlicht heute nach US-Börsenschluss seine Bilanz für das abgelaufene Quartal.
Ihre frühen Gewinne konnte Qiagen nicht halten. Phasenweise war der Kurs der Aktie bis auf 32,20 Euro gestiegen, am Ende gab es jedoch einen Abschlag von 3,9 Prozent auf 29,47 Euro. Das Biotechnologie-Schwergewicht hatte seine Zahlen für das erste Quartal veröffentlicht und einen Gewinn je Aktie von 0,06 Dollar ausgewiesen, eine Steigerung um 0,02 Dollar.
Die Aktie von Pfeiffer Vakuum verbilligte sich um 3,8 Prozent auf 47,25 Euro. Das Vakuumpumpen-Spezialist hatte Quartalszahlen vorgelegt, die deutlich unter den Erwartungen der Analysten geblieben waren. Das Ergebnis je Aktie stieg zwar auf 0,65 Dollar, die Experten waren jedoch von 0,70 Dollar ausgegangen.
Carrier 1 kletterten dagegen um 3,1 Prozent auf 8,40 Euro. Der Telekom-Dienstleister will in Italien expandieren; insgesamt sollen zwölf neue "Points of Presence" dort erworben werden.
Unter Druck standen SER Systeme, die um 5,4 Prozent auf 9,84 Euro leichter aus dem Handel gingen. Am Vortag war der Kurs noch um über 26 Prozent angestiegen, nachdem der Software-Entwickler angekündigt hatte, er wolle eigene Aktien zurückkaufen.
Auch Intershop fanden sich auf der Verliererseite wieder und verloren 6,2 Prozent auf 5,56 Euro. Die Zukunftsaussichten des Software-Entwicklers konnten bislang nur wenige Analysten überzeugen. Der einstige Börsenliebling müsse sich das Vertrauen der Anleger erst wieder erarbeiten, sagten Händler.
T-Online-Aktien stiegen um 2,7 Prozent auf 13,80 Euro. Berichte, wonach die Europäische Kommission eine tiefergehende Untersuchung gegen das geplante Reise-Joint-Venture zwischen der Preussag-Tochter TUI, C&N Touristik und T-Online einleiten wolle, brachten den Kurs nicht in Bedrängnis.
Euro stark unter Druck
Der Euro verlor am Dienstag deutlich. An den Devisenmärkten fiel der Kurs der Gemeinschaftswährung bis zum Abend um 0,77 Prozent auf 0,8834 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Mittag bei 0,8866 Dollar festgelegt. Das waren 0,0053 Dollar weniger als am Montag. Im Vergleich zur Mark verteuerte sich die US-amerikanische Währung damit von 2,1929 auf 2,2060 Mark.
Der Rentenindex Rex notierte unverändert mit 112,07 Punkten. Auch der Bund-Future bewegte sich nicht von der Stelle und notierte mit 107,44 Zählern.