Börsenschluss Aufwärtstrend setzt sich fort
Frankfurt am Main Nach einer leichten Schwächephase am Nachmittag rappelten sich die deutschen Aktienmärkte im späten Handel wieder auf und schlossen deutlich im Plus. Der Dax ging auf 5318 Punkten aus dem Handel, rund 0,9 Prozent stärker als am Vortag. Am Neuen Markt gewann der Nemax 50 um 1,2 Prozent auf 1268 Zähler.
In den USA präsentierten sich die Börsen unterdessen freundlich. Der Dow Jones notierte zwei Stunden vor Handelsschluss mit 0,9 Prozent im Plus auf 10.260 Punkten, die Nasdaq kletterte ebenfalls um 0,9 Prozent auf 2062 Zähler.
"Wir haben hier in den letzten Tagen eine Kursrallye der High-Techs gesehen. Zum Schluss haben wir noch einige an Freitagen durchaus übliche Gewinnmitnahmen gesehen", sagte ein Aktienhändler. Gefragt waren besonders die Titel von Lufthansa , DaimlerChrysler und vom Einzelhändler Metro . "Nächste Woche sollte noch mehr Liquidität in den Markt kommen, da viele Anleger aus dem Urlaub zurückkehren. Das dürfte dem Markt noch etwas Auftrieb geben", sagte Oliver Lange, Händler beim Börsenmakler Schnigge.
Aus charttechnischer Sicht bewege sich der Markt seit Mitte November 2001 zwischen 4874 und 5351 Punkten. "Solange die Notierungen nicht nachhaltig in die eine oder andere Richtung ausbrechen, stellt sich die Charttechnik neutral dar", sagten die technischen Analysten der Bayerischen Landesbank. Am Freitag stieg der Dax zeitweise auf 5352 Punkte, konnte die Marke im weiteren Handelsverlauf jedoch nicht verteidigen.
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Am Nachmittag waren in den USA wichtige Konjunkturdaten veröffentlicht worden. Sowohl die US-Arbeitslosenquote für den Monat Dezember als auch der gestiegene Einkaufsmanagerindex der Dienstleistungsbranche fielen besser aus als erwartet. Börsianer glauben allerdings noch nicht recht an eine nachhaltige Erholung.
Stärkster Dax-Wert waren die Titel der Lufthansa . Beflügelt von den positiven Passagier-Zahlen der niederländischen Airline KLM und der britischen Fluglinie British Airways zogen die Papiere um 4,9 Prozent auf 16,48 Euro an. Börsianer deuteten die Zahlen als Signal, dass sich nach dem Einbruch infolge der September-Anschläge die Nachfrage im stark angeschlagenen Luftfahrtsektor langsam bessere.
Metro profitierten von einer Heraufstufung der Investmentbank Merrill Lynch und stiegen um 3,5 Prozent auf 41,65 Euro. Der Einzelhandelskonzern wird am Mittwoch seine Geschäftszahlen für das vierte Quartal vorlegen. Infineon-Titel , die das Börsengeschehen in den vergangenen zwei Handelstagen bestimmt hatten, gewannen 2,4 Prozent auf 26,83 Euro. Der Halbleiterwert hat damit in der ersten Handelswoche rund 17 Prozent gewonnen.
Die Anteilsscheine von DaimlerChrysler stiegen nach Veröffentlichung der US-Absatzzahlen um 3,7 Prozent auf 51,00 Euro. Zusätzlichen Auftrieb erhielten die Titel von den vorläufigen Umsatz- und Gewinnzahlen für das Jahr 2001. Danach hat der Automobilkonzern seine im Februar angekündigten Ergebnisziele erreicht.
Unter Druck gerieten die Versorger. RWE , die am Dienstag Zahlen vorlegen werden, fielen um 1,8 Prozent auf 41,40 Euro. Eon verbilligten sich um 0,9 Prozent auf 56,85 Euro.
Neuer Markt: Durchatmen nach der Rallye
Der Neue Markt hat seine Gewinne am Freitag weiter ausgebaut. Gewinnmitnahmen nach den Kursgewinnen seit Neujahr sowie ein Abflauen der Hausse an der Wall Street ließen die Indizes aber wieder von ihren Tageshöchstständen zurückkommen. Für nächste Woche rechneten Händler mit einer weiterhin freundlichen Tendenz. "Es wäre ganz gesund für den Markt, wenn sich das alles ein bisschen setzt", sagte ein Börsianer. Es sei an der Zeit, nach dem "zu kräftigen Schluck aus der Pulle" einmal durchzuatmen. Ein anderer Marktteilnehmer sagte: "Eigentlich ist nicht viel passiert." Die beiden Indizes hätten lediglich das Niveau von Mitte Dezember 2001 wieder erreicht.
Positiv wirke sich aus, dass institutionelle Anleger wieder tätig seien. "Da wird in Zukunft sicher selektiver vorgegangen", sagte ein Händler. Gekauft würden nur noch "Unternehmen, die eine Geschichte haben und auch in vier bis fünf Jahren noch existieren".
Für die Abschwächung der positiven Tendenz machten Händler Gewinnmitnahmen bei T-Online verantwortlich. Die Aktie der Telekom-Tochter sank um 1,9 Prozent auf 12,70 Euro. Der Anstieg des Nemax 50 sei in den vorangegangenen Tagen "sehr stark von T-Online getrieben" gewesen, sagte ein Händler.
Die größten Kursgewinne verzeichnete die Aktie des Telekom-Unternehmens Carrier1 . Sie kletterten um 16,8 Prozent auf 1,81 Euro. Carrier1 hatte zuvor angekündigt, alle ausstehenden hochverzinslichen Anleihen und damit die Schulden zurückzukaufen. Das werteten Händler als Beleg für eine stabile Finanzlage. Skeptisch waren dagegen die Analysten von SES Research. Eine derartige Maßnahme sei vor dem Hintergrund der Geschäftssituation des Unternehmens "nachrangig relevant".
Gefragt waren Unternehmen, die mit der Halbleiter-Industrie zu tun haben. Deren Aktien waren bereits am Mittwoch und Donnerstag an der Nasdaq kräftig gestiegen. Der Nemax Technology Index legte 1,9 Prozent zu.
Aktien des Chiphändlers ACG kletterten 6,8 Prozent auf 8,16 Euro. CE Consumer gewannen 0,5 Prozent auf 9,35 Euro. Papiere des Telekom-Zulieferers AT&S stiegen um 4,6 Prozent auf 17,18 Euro.
Kurs des Euro gefallen
Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs der Gemeinschaftswährung bei 0,8954 (Donnerstag: 0,9036) Dollar fest. Gegen Handelsschluss in Deutschland notierte der Euro bei 0,8953 Dollar. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6217 (0,6254) Pfund, 117,18 (119,02) Yen und 1,4789 (1,4856) Schweizer Franken fest.