Börsenschluss: "Ausgezeichnete Stimmung" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börsenschluss "Ausgezeichnete Stimmung"

Gute US-Konjunkturdaten und eine feste Wall Street haben die deutschen Aktienmärkte beflügelt. Der Dax hat in einer Woche fast fünf Prozent gewonnen. Am Neuen Markt sprechen Händler von einem "Kaufdrang".
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Der Dax schloss mit 1,3 Prozent im Plus bei 5359 Punkten - binnen Wochenfrist legte der Leitindex damit um rund fünf Prozent zu. Am Neuen Markt gewann der Nemax 50 um 2,9 Prozent auf 1078 Zähler. Der MDax der mittelgroßen Werte stieg um 0,2 Prozent auf 4445 Punkte.

"Einmal mehr haben gute Konjunkturdaten aus den USA die deutschen Aktienkurse beflügelt", sagte ein Aktienhändler. Die am Nachmittag veröffentlichte US-Arbeitslosenquote für Februar lag bei 5,5 Prozent und fiel damit niedriger aus als erwartet.

"Wir kämpfen hier jetzt gerade mit einer starken Widerstandslinie bei 5350 Punkten", kommentierte ein Händler das Geschehen am Markt. Damit der Dax noch weiter steigen könnte, müsse er diese Marke nachhaltig durchbrechen.

Der Dow Jones notierte bei Börsenschluss in Deutschland 0,8 Prozent fester auf 10.615 Punkten. Der Technologieindex Nasdaq verbesserte sich um 2,6 Prozent auf 1929 Zähler.

Finanzwerte waren gefragt

Auf der Gewinnerseite standen einige Finanztitel: Die Aktie des Finanzdienstleisters MLP   zog bei geringen Umsätzen um sieben Prozent auf 73,15 Euro an. Kursrelevante Nachrichten hatte es am Freitag zur dem Papier nicht gegeben. Papiere der HypoVereinsbank   stiegen um 3,1 Prozent auf 37,70 Euro. Händlern zufolge profitierte der Titel von den positiven Zahlen der zum Münchener Konzern zählenden Bank Austria für das Geschäftsjahr 2001. Auch Commerzbank   und Deutsche Bank   legten deutlich zu.

Stark unter Druck stand dagegen die Aktie des Berliner Pharmaunternehmens Schering   , die 1,9 Prozent auf 65,47 Euro verlor. Händler erklärten den Kursverlust mit der US-Zulassung des Multiple-Sklerose-Medikaments "Rebif" des Schweizer Konkurrenten und größten Biotechnologie-Unternehmens Europas Serono.

Adidas: Lahmer Sprinter

Um zwei Prozent auf 75,00 Euro tiefer schloss das Papier des Sportartikel-Herstellers Adidas-Salomon   . Händlern zufolge wurde der Titel von den Investmentbanken UBS Warburg und ABN Amro heruntergestuft. Zudem hatte das Unternehmen am Vortag die Gewinnprognose nach unten revidiert.

Infineon-Aktien   verloren 1,5 Prozent auf 27,94 Euro, obwohl die Investmentbank Morgan Stanley ihre Verlustschätzung für den Münchner Chiphersteller angesichts anziehender Speicherchip-Preise gesenkt hatte. Händler begründeten dies mit Gewinnmitnahmen und der eher verhaltenen Umsatzprognose, die der weltgrößte Halbleiterhersteller Intel   am Vortag bestätigt hatte. Auch die anderen Technologiewerte wie SAP und Epcos   waren schwächer als der Gesamtmarkt.

ProSiebenSat.1 auf Achterbahnfahrt

Spekulationen über ein Interesse der US-Medienkonzerne AOL Time Warner und Viacom an der ProSiebenSat.1 bescherten der Aktie am Morgen kräftige Kursgewinne von deutlich mehr als zehn Prozent. Die KirchGruppe teilte jedoch mit, dass sie sich nicht von den Sendern ProSieben und Sat.1 trennen wolle. Bis Handelsschluss lag die Aktie noch um 7,2 Prozent im Plus bei 9,11 Euro.

"Ausgezeichnete Stimmung" am Neuen Markt

Gute Daten provozieren "Kaufdrang"

Auch die Indizes am Neuen Markt sind mit deutlichen Kursgewinnen in das Wochenende gegangen. "Die Stimmung am Markt ist ausgezeichnet", sagte ein Wertpapierhändler in Frankfurt. Die befürchtete Konsolidierungsphase sei ausgeblieben. "Eigentlich ist der Markt überkauft, aber keinen scheint es zu stören", sagte er.

Als Grund für den "Kaufdrang" der Anleger nannten Händler die "vielen guten Konjunkturdaten" aus den USA, die den Markt in dieser Woche fast durchweg positiv überraschen konnten. "Erst der Einkaufsmanager-Index, dann die Auftragseingänge und jetzt noch die Arbeitsmarktdaten - die Konjunkturwende scheint wirklich da zu sein", hieß es in Frankfurt.

T-Online gewinnt fünf Prozent

T-Online-Titel   gewannen 4,9 Prozent auf 13,74 Euro, nachdem das Bundeskartellamt dem Einstieg des Internetanbieters bei der zum Springer-Konzern gehörenden Bild.de AG unter Auflagen genehmigt hatte.

Bei hohen Umsätzen verlor der Anlagenbauer Aixtron   deutlich an Börsenwert. Das Unternehmen hatte am Vortag nach Handelsschluss gute Geschäftszahlen 2001 veröffentlicht, aber einen "flauen Ausblick" für 2002 gegeben. "Die Börse bewertet die Zukunft, nicht die Vergangenheit, so erfolgreich sie auch sein mag", erklärte ein anderer Händler den Kursverlust. Die Aktie sackte 6,2 Prozent auf 21,30 Euro.

Bilanzfälschung bei Comroad vermutet

Deutlich verlor auch die Aktie des Telematik-Anbieters Comroad   . Sie gab bis Handelsende 8,7 Prozent auf 2,05 Euro ab, nachdem der Comroad-Aufsichtsrat dem Unternehmenschef Bodo Schnabel am Donnerstagabend gekündigt hatte. Der "Rauswurf Schnabels" sei für die Anleger ein weiteres Zeichen dafür, dass an den Gerüchten um Bilanzfälschung bei Comroad etwas dran sei, sagte ein Händler.

Im Nemax All Share beantragte die insolvente Elsa den Wechsel in den Geregelten Markt mit Wirkung zum 2. April. Die Anleger reagierten drastisch und ließen das Papier zunächst um mehr als zehn Prozent einbrechen, am Abend ging das Papier mit einem Verlust von 5,4 Prozent auf 0,88 Euro in das Wochenende.

Die Aktie der auf Internet-Beteiligungen spezialisierten United Internet   sackte leicht um 0,3 Prozent auf 5,90 Euro. Das Unternehmen hatte zwar für 2001 einen Umsatz und Ergebnis über den Erwartungen der Analysten präsentiert. Der Verlust pro Aktie fiel dagegen mit 63 Cent pro Aktie schlechter aus als erwartet.