Börsenschluss: Ausverkauf in Frankfurt - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Ausverkauf in Frankfurt

Rezessionsängste haben die Aktienmärkte weltweit tief in die Verlustzone gedrückt. Der Dax verlor annähernd 200 Punkte. Vor allem die Finanz- und Technologiewerte stürzten ab.
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Frankfurt am Main/New York – Mit massiven Verlusten ist der Dax zum Wocheauftakt aus dem Handel gegangen. Der Leitindex verlor bis zum Schlussgong um 5,7 Prozent auf 3332 Punkte. Die Talfahrt wurde ausgelöst durch überraschend schlechte US-Konjunkturdaten. Zudem wurden unter der Marke von 3500 Zählern so genannte Stop-Loss-Verkäufe zur Begrenzung von Verlusten ausgelöst, sagte ein Händler.

Die Nebenwerte rutschten um durchschnittlich drei Prozent nach unten und drückten den MDax auf 3301 Zähler. Am Neuen Markt fiel der Nemax 50 um 5,9 Prozent auf 488 Punkte. Im Handelsverlauf markierte der Auswahlindex ein Allzeittief bei 482 Zählern.

"Es kann noch weiter deutlich nach unten gehen, aber noch fehlen die Umsätze um zu sagen: Das war der finale Verkaufstag," sagte ein Aktienhändler. Ein weiterer Börsianer sagte: "Es fehlt jeglicher Impuls, Aktien zu kaufen." Zudem seien eine Reihe von Dax-Werten von der Charttechnik her angeschlagen. "Da ist noch viel Luft nach unten."

"Es herrscht Frustration am Markt", sagte ein Händler. Viele Anleger hätten sich zuletzt die Finger verbrannt und hielten sich daher zurück. Neben der anhaltenden Unsicherheit über die Bilanzierungspraktiken trübten nun vermehrt die schwachen Konjunkturdaten aus den USA die Stimmung. Zu den vielen Verlierern zählten vor allem die Finanz- und Technologiewerte.

Miese Wirtschaftsdaten aus den USA

In New York präsentierten sich die Börsen schwächer. Der Dow Jones verlor bis zum Handelsschluss in Deutschland rund 2,2 Prozent auf 8133 Punkte. Der Nasdaq notierte auf 1220 Zählern, ein Minus von 2,2 Prozent.

Zum Auftakt wurden wieder einmal schlechte Konjunkturdaten vermeldet wurden. Der Einkaufsmanagerindex ISM für den Dienstleistungssektor ist stärker als erwartet gefallen. Der Index sei von 57,2 Punkte im Juni auf 53,1 Punkte im Juli gesunken, teilte das Institute for Supply Management (ISM) in Washington mit. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Rückgang auf 55,4 Punkte gerechnet.

Das sei die letzte Hoffnung auf eine Erholung der US-Konjunktur gewesen und nun komme es zu Kursverlusten auf breiter Front in Frankfurt und New York, sagte Analyst Alfred Kaiser vom Bankhaus Nols. An den erneut schwächeren US-Börsen geht Händlern zufolge bereits die Angst vor einer neuen Rezession um. Auch ein möglicher US-Angriff auf den Irak werde am deutschen Markt bereits diskutiert, ergänzte ein Düsseldorfer Händler. "Irak könnte bald ein heißes Thema werden", sagte der Börsianer mit Blick auf den dann vermutlich stark steigenden Ölpreis und die damit verbundenen höheren Unternehmenskosten.

Telekom-Vorstand droht Strafanzeige

Aktien der Deutschen Telekom   fielen zuletzt um 5,1 Prozent auf 10,25 Euro. Aktiven und ehemaligen Spitzenmanagern des Bonner Konzerns droht nach Presseberichten eine Strafanzeige wegen des Verdachts der Untreue. Ihnen werde vorgeworfen, durch einen Aktienoptionsplan im Jahr 2001 die Anteilseigner um mindestens 375 Millionen Euro geschädigt zu haben. Die Deutsche Telekom wies die Vorwürfe zurück. Mit Epcos  , Infineon  , SAP   und Siemens   standen auch die Technologiewerte mit zwölf bis sieben Prozent im Minus.

Versicherer wieder unter Wasser

Auch Finanzwerte gingen wieder unter. So setzten Allianz-Titel   ihre Talfahrt fort und rutschten um 8,2 Prozent auf 122,50 Euro. Auf einem ähnlich niedrigen Niveau war das Papier zuletzt vor mehr als sechs Jahren. Die Anteilsscheine der Münchener Rück   verloren 9,1 Prozent auf 171,50 Euro. Aktien der HypoVereinsbank   gaben 6,4 Prozent auf 18,51 Euro nach. Die der Deutschen Bank   büßten 4,9 Prozent auf 55,01 Euro ein.

Der Markt spekuliere auf eine erneut schrumpfende US-Konjunktur - gleichgültig, ob dies eintrete oder nicht, sagte der Fondsmanager Andreas Thomae von Activest. Finanzwerte würden hiervon derzeit überproportional belastet, böten aber dadurch im Fall einer Erholung entsprechende Gewinnchancen.

Technische Erholung bei MLP

Nach den dramatischen Verlusten der Vorwoche stieg die MLP-Aktie   um 12,5 Prozent auf neun Euro und führte damit die kurze Gewinnerliste im Dax an. Nachdem der Finanzdienstleister am Freitag seine Prognosen gesenkt hatte, brach das Papier um knapp die Hälfte ein. Es handele sich um eine technische Erholung, sagten Händler übereinstimmend. Allerdings könnten Spekulationen um einen Rausfall aus dem Dax das Papier in den nächsten Tagen wieder belasten, hieß es.

Verluste von neun Prozent auf 27,19 Euro mussten auch die Anteilsscheine von Fresenius Medical Care   erleiden. Der Titel des Anbieters von Dialyse-Systemen war nach Senkung der Unternehmensprognosen für 2002 in der vergangenen Woche von einigen Analystenhäusern herabgestuft worden.

Puma legt wieder zu, Euro notiert etwas leichter

Puma gegen den Trend fester

Die im MDax notierten Puma-Aktien   kletterten um 0,9 Prozent auf 54,99 Euro. Händler verwiesen auf optimistische Äußerungen der Unternehmensführung. Puma will nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" im kommenden Jahr beim Umsatz die Milliarden-Euro-Grenze überspringen. Das bedeute gegenüber dem erwarteten Umsatz für 2002 von 840 Millionen Euro nochmals einen Anstieg um 20 Prozent, sagte Vorstandschef Jochen Zeitz der Zeitung. In diesem Jahr werde der Gewinn vor Steuern aber noch stärker wachsen als der Umsatz. Ein Analyst indes sagte, die Aussagen seien nicht neu. "Vielleicht greifen die Anleger auch nur zu, weil Puma ein guter Wert ist." Zudem hatten sich Banken wie ABN Amro zuletzt positiv zu dem Wert geäußert.

Die Aktie des Pharma- und Spezialchemie-Konzerns Altana   präsentierte sich 0,2 Prozent fester auf 49,60 Euro. Es gebe die Hoffnung, dass das Unternehmen nächste Woche in den Dax aufgenommen werde, sagten Händler. Außerdem habe die US-Investmentbank Goldman Sachs die Gewinnschätzungen für den Konzern angehoben. Goldman Sachs hatte die Prognose für den Gewinn je Aktie (EPS) für 2002 von 2,29 auf 2,44 Euro angehoben. Im Geschäftsjahr 2003 wird das Unternehmen der Analyse zufolge ein EPS von 2,65 Euro erzielen, bisher war die Investmentbank von 2,55 Euro ausgegangen. Für das Jahr 2004 hob Goldman die Prognose von 3,00 auf 3,12 Euro an.

Qiagen vor Zahlen im Minus

Vor Bekanntgabe der Geschäftszahlen verlor die Aktie vom Biotechnologie-Schwergewicht Qiagen   um rund 2,7 Prozent auf 6,43 Euro. Nachdem das Biotech-Unternehmen Anfang Juli seine Umsatz- und Gewinnschätzung für das laufende Geschäftsjahr nach unten revidiert hatte, rechnen die von dpa-AFX befragten Analysten für das zweite Quartal mit einem deutlichen Abschlag beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit).

Die Verliererliste im Nemax 50 wurde angeführt von Singulus  . Mit einem Minus von über 20 Prozent kosteten die Papiere nur noch 18,15 Euro. Ein Aktienhändler begründete den hohen Verlust damit, dass Singulus die Prognosen der Analysten im ersten Halbjahr knapp verfehlt habe. "Deshalb ist das Misstrauen groß, ob das versprochene Wachstum erreicht werden kann." Zudem sei die Aktie an fundamentalen Daten gemessen trotz des Kurssturzes immer noch teuer: "Wenn Singulus im zweiten Halbjahr eben soviel verdient, dann beträgt das aktuelle Kurs-Gewinnverhältnis etwa 20." Damit sei das Unternehmen "ambitioniert bewertet."

Nikkei fällt im Sog der Wall Street

Die Börse in Tokio hat am Montag knapp behauptet geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte gab um 4,73 Punkte auf 9704 Punkte nach. Der breit angelegte Topix sank um 0,45 Punkte und beendete das Geschäft beim Stand von 955 Zählern. Die schwachen US-Vorgaben hätten den Markt belastet, sagten Händler.

Tokyo Electron   verloren 420 Yen auf 5270 Yen. Am Freitag hatte das Unternehmen nach Börsenschluss seine Vorsteuergewinnprognose für das Jahr 2003 von fünf auf drei Milliarden Yen gesenkt.

Auch andere Technologiewerte notierten schwächer: Rohm   verloren 160 Yen auf 15.050 Yen. Nikon   fielen um 32 Yen auf 1009 Yen und Advantest   verbilligten sich um 80 Yen auf 5590 Yen.

Euro etwas leichter

Der Kurs des Euro ist am Montag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9836 (Freitag: 0,9873) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0167 (1,0129) Euro. Bis 20 Uhr gab die Einheitswährung weiter auf 0,9826 Dollar nach.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6297 (0,6295) Pfund, 117,10 (117,62) Yen und 1,4543 (1,4504) Schweizer Franken fest.