Börsenschluss: DaimlerChrysler dreht ins Plus - DER SPIEGEL
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Börsenschluss DaimlerChrysler dreht ins Plus

Die deutschen Aktienmärkte sind im Schlepptau der Wall Street fester aus dem Handel gegangen. Zu den größten Kursgewinnern gehörten die Finanztitel und DaimlerChrysler. Gerüchte beflügelten die Mobilcom-Aktie.
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Frankfurt am Main – Der Dax ging nahe seines Tageshochs auf 5265 Punkten aus dem Handel, ein Plus von 1,8 Prozent. Der Nebenwerte-Index MDax verbuchte ein Plus von 0,4 Prozent auf 4479 Zähler. Am Neuen Markt gewann der Nemax 50 um 0,4 Prozent auf 963 Punkte. Die derzeit beobachtete Kurserholung sei jedoch nicht nachhaltig, warnte ein Händler. Das Geschäft werde weitgehend von technischen Faktoren bestimmt. Außerdem belaste die anhaltende Gewalt im Nahen Osten die Stimmung, ergänzte ein anderer Börsianer.

Die US-Börsen präsentierten sich im Handelsverlauf freundlich. Zum Börsenschluss in Frankfurt notierte der Dow Jones auf 10.332 Punkten, ein Plus von 1,2 Prozent. Die Nasdaq kletterte um 0,9 Prozent auf 1757 Zähler. Merrill Lynch hatte zuvor mitgeteilt, man erwartet trotz der Umsatzwarnung des kanadischen Netzwerkausrüsters Nortel Networks nicht, dass Konkurrent Cisco Systems mit einer ähnlichen Meldung aufwarten müsste. Cisco dürfte die Prognosen von Merrill treffen, hieß es.

Finanzwerte deutlich fester

Angetrieben wurde der Aufschwung von einer Erholung der Banken und Finanzwerte. Eigene Bilanzen und die guten Geschäftszahlen von Mitbewerbern ließen Münchener Rück   , HypoVereinsbank   , Commerzbank   und Allianz   deutlich fester notieren. Die beiden Versicherer profitierten von der vorgelegten Bilanz der Schweizer Rückversicherung. So zogen Münchener-Rück-Titel um 3,6 Prozent auf 294,10 Euro an, während Allianz-Papiere sich um 2,8 Prozent auf 277,61 Euro verteuerten.

Erneute Übernahmespekulationen nach den am Vortag vorgelegten Zahlen ließen die Anteilsscheine der Commerzbank   drei Prozent auf 20,03 Euro gewinnen. Weil sich der verlorene Prozess vor dem Bundesgerichtshof bei der HypoVereinsbank   wohl längst nicht so verheerend in den Büchern auswirken wird wie befürchtet, erholten sich die Aktien der Münchener Großbank um 4,7 Prozent auf 39,90 Euro und eroberten damit den Spitzenplatz in der Gewinnerliste.

MLP-Titel   stiegen um 1,1 Prozent auf 76,90 Euro. Händler begründeten die Nachfrage für den Finanzdienstleister erneut mit der besser als erwartet ausgefallenen Bilanz für 2001 und den nachfolgenden Reaktionen von Investmentbanken. So hat JP Morgan das Kursziel für den Wert von 77 Euro auf 90 Euro angehoben. "Der Cash-Flow wird sich 2002 weiter verbessern, denn wir erwarten ein weiter starkes Lebensversicherungsgeschäft", sagte ein Frankfurter Aktienhändler. Zudem könnten die Margen bei MLP weiter steigen.

DaimlerChrysler am Tag der HV schwächer

Nach einer schwachen Eröffnung haben die Aktien von DaimlerChrysler   parallel zu den gestiegenen Kursen der Wall Street ins Plus gedreht und schlossen 3,8 Prozent fester bei 52 Euro. Mit Blick auf die anfänglichen Verluste sagten Börsianer, der auf der Hauptversammlung des Konzerns in Berlin gegebene konservative Ausblick habe die Titel belastet. Außerdem hatten Daimler-Aktionäre angesichts der Milliardenverluste die Übername des US-Autobauers Chrysler sowie den Einstieg bei Mitsubishi und Hyundai erneut als Fehler bezeichnet und den Verkauf von Chrysler gefordert.

Die Technologiewerte haben erfolgreich den Gerüchten um enttäuschende Geschäftszahlen beim US-Netzwerkspezialisten Cisco getrotzt. Während SAP-Titel   um 0,3 Prozent auf 153,25 Euro nachgaben, legten die Titel von Siemens   (plus 1,5 Prozent auf 70,70 Euro), Epcos   (plus 0,5 Prozent auf 51 Euro) und Infineon   (plus 1,3 Prozent auf 24,05 Euro) zu.

Defensive Werte im Minus

Verhalten zeigten sich vermeintlich defensive Werte. Der Kurs von ThyssenKrupp-Aktien   sank um 1,3 Prozent auf 17,24 Euro, und damit an das Ende des Kurszettels. Neben dem Transrapid-Nachbau der Volksrepublik China beunruhigten Händlern zufolge auch der andauernde Stahlstreit zwischen der EU und den USA die Anleger.

Gleichfalls auf der Verliererseite standen MAN   mit einem Abschlag von 0,6 Prozent auf 27 Euro.

Mobilcom klettern nach Gerüchten um Abfindung

"Das spannendste an diesem Tag ist das Bayern-Spiel nach Börsenschluss", sagte ein Händler einer Münchner Großbank. Zudem hatte der Neue Markt seinen bisher größten Skandal zu verkraften: Von den 98 Millionen Euro Umsatz, die der Telematikdienstleister Comroad   im vergangenen Jahr offenbar vorgegaukelt hatte, blieben nach einer Prüfung noch 1,4 Millionen Euro übrig. "So etwas Krasses habe ich noch nie erlebt", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Die von Concord Effekten und der Privatbank Hauck & Aufhäuser im November 1999 zu 20,50 Euro platzierte Comroad-Aktie verlor weitere 52,1 Prozent auf 0,35 Euro. "Man kann nur hoffen, dass die ganzen Münchhausens bald aus dem Markt sind und dann auch richtig bestraft werden", sagte ein Börsianer. Ein Händler in Düsseldorf meinte: "Der Treppenwitz ist, dass der inhaftierte Großaktionär Bodo Schnabel für die Hauptversammlung wahrscheinlich noch Freigang bekommt."

Müssen alle Mobilcom-Aktionäre ein Abfindungspaket bekommen?

Mobilcom-Papiere   kletterten mit extrem hohen Umsätzen um 11,2 Prozent auf 15,01 Euro. Auf dem Parkett waren Gerüchte aufgekommen, dass Mitinhaber France Telecom den verbliebenen Aktionären ein Abfindungsangebot vorlegen müsse. Großaktionär und Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid hatte seine millionenschweren Anteil zuvor bei verschiedenen Banken geparkt - unter anderem, um genau dieses Angebot zu vermeiden.

Größter Gewinner im Nemax 50 war das Papier des Medienunternehmens Highlight   , das sich um 20,4 Prozent auf 2,89 Euro verteuerte. Das Unternehmen wird wegen des Insolvenzantrags der KirchMedia im Geschäftjahr 2001 alle ausstehenden Forderungen an den Münchner Konzern abschreiben.

Die Aktie des Reparatur-Dienstleisters Teleplan   fiel unterdessen auf ein neues Jahrestief. Das Papier gab weitere neun Prozent nach und kostete 10,83 Euro. Das bisherige Jahrestief der Aktie lag bei 11,55 Euro. Händler sagten, es sei nur erschreckend, wie das Papier bei diesen dünnen Umsätzen regelrecht geschlachtet werde.

Tokio schließt fester – Euro leicht gestiegen

Tokio: Banken und Versicherer gewinnen

Die Aktienbörse in Tokio hat am Mittwoch dank der Gewinne von Bank- und Versicherungsaktien zugelegt. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte stieg bis Handelsschluss um 0,9 Prozent auf 11.218 Punkte. Der breit angelegte Topix gewann 0,6 Prozent auf 1078 Zähler.

Die Anleger scheinen gute Nachrichten von der Untersuchung der Financial Services Agency zur Gewinn- oder Verlustsituation bei den Banken zu erwarten, erklärte ein Händler. Auch Lebensversicherer seien gut gelaufen. Angesichts der moderaten Umschichtungen seien hier auch keine größeren Abschläge zu erwarten. Mizuho Holdings gewannen 21.000 auf 323.000 Yen, UFJ Holdings stiegen um 33.000 auf 331.000 Yen Mitsubishi Tokyo Financial Group gewannen 34.000 auf 899.000 Yen.

High-Tech-Aktien waren hauptsächlich leichter. Vor Beginn der Berichtssaison in den USA mehrten sich die Sorgen um weiter sinkende Unternehmensgewinne: Rohm verloren 230 auf 18.000 Yen, Kyocera büßten 30 Yen auf 8600 Yen ein. TDK schlossen 110 Yen leichter bei 6740 Yen.

Kurs des Euro gestiegen

Der Kurs des Euro ist am Mittwoch gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8798 (Dienstag: 0,8763) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1366 (1,1412) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6123 (0,6123) Pfund, 114,74 (115,29) Yen und 1,4666 (1,4665) Schweizer Franken fest.