Börsenschluss Dax bröckelt weiter ab
Frankfurt am Main Mögliche Vergeltungsschläge der USA und die wirtschaftlichen Folgen haben am Dienstag die Kurse an den deutschen Aktienmärkten gedrückt. "Die heutigen Verluste resultieren allein aus einer großen Verunsicherung der Anleger und Angst vor einem größeren Krieg", sagte ein Händler. Bis zum Handelsschluss konnten der Dax und der Nemax ihre Verluste dank fester US-Börsen jedoch wieder reduzieren.
Der Blue-Chip-Index ging 0,9 Prozent schwächer aus dem Handel auf 4194 Punkten. Am Neuen Markt gab der Nemax 50 um 1,7 Prozent auf 817 Zähler nach.
Die Aktienmärkte in New York hatten sich nach den drastischen Verlusten des Vortages weitgehend beruhigt. Bis zum Handelsschluss in Deutschland legte der Dow Jones um 0,8 Prozent auf 8994 Punkte zu. Die Nasdaq kletterte um 0,3 Prozent auf 1583 Zähler.
Realwirtschaftliche Nachrichten schienen Marktteilnehmer kaum zu interessieren. So blieben die Leitzinssenkung der Bank of England um 25 Basispunkte sowie Konjunkturdaten aus der Eurozone und den USA ohne Auswirkung auf die Kurse der deutschen Standardwerte.
Adidas droht Eigentor
Die Aktie von Adidas stand in Frankfurt im Blickpunkt der Anleger. Das Papier schloss mit einem Verlust von 8,9 Prozent auf 55,75 Euro und war der größte Verlierer im Dax. Händler sagten, die beschlossene Kapitalerhöhung belaste den Kurs und verwässere den zukünftigen Gewinn. Das Unternehmen gab am Morgen bekannt, für etwa 75 Millionen Euro zehn Prozent der Anteile der zu gründenden FC Bayern AG zu übernehmen. Nach Angaben von Adidas-Chef Herbert Hainer sei "zunächst" kein Börsengang geplant.
Preussag befand sich wieder auf Erholungskurs. Die seit den Terrorattentaten in den USA arg gebeutelte Aktie legte 3,7 Prozent auf 25,37 Euro zu. Offenbar halten mutige Anleger nach dem Kurseinbruch die Zeit für Schnäppchenkäufe gekommen.
Die Titel der Deutschen Telekom , der Versicherungskonzerne Allianz und Münchener Rück sowie der Post behaupteten sich gegen den schwachen Trend und gewannen teils deutlich.
Die Technologiewerte standen wieder deutlich unter Druck. Infineon-Anteilsscheine verbilligten sich um 7,7 Prozent auf 17,35 Euro. Der Titel finde seit Erreichen des Tiefstkurses einfach keinen Boden, hieß es auf dem Parkett. Andere Börsianer sprachen von umfangreichen Verkäufen durch amerikanische Investoren. Ebenfalls schwach notierten die Aktien von Siemens (minus 0,2 Prozent auf 43,26 Euro), Epcos (minus drei Prozent auf 33,85 Euro) und SAP (minus 3,4 Prozent auf 109,60 Euro).
Die Unsicherheit über die weitere politische und wirtschaftlich Entwicklung lastete auch auf den exportstarken Automobilherstellern. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Absatzzahlen in den USA in den kommenden Wochen und Monaten unter Druck geraten könnten. BMW , Volkswagen und DaimlerChrysler gaben zum Teil massiv nach.
Die Aktie der Lufthansa rutschte um über sieben Prozent auf 10,50 Euro ab. Hiobsbotschaften bei den Fluggesellschaften häufen sich. KLM erwartet einen Gesamtjahresverlust. Auch die belgische Fluggesellschaft Sabena hat Alarm geschlagen. Die Fluggesellschaft US Airways will 11.000 Stellen streichen.
Neuer Markt: Sicherheit gefragt
Der Neue Markt gab bei geringen Umsätzen weiter nach. Trotz des derzeit niedrigen Niveaus haben sich nur wenige Käufer gefunden. "Keiner weiß, was er tun soll, jeder hält sich zurück und die Umsätze sind dementsprechend gering", sagte ein Händler.
Die Aktien von Biodata setzten sich mit zweistelligen Zuwächsen an die Spitze im Nemax 50. Das Unternehmen bietet Sicherheitslösungen für Telefone, Faxe, PCs oder Videokonferenzen an. "Nach den Anschlägen in den USA ist der Sicherheitsbedarf zum Beispiel im Internet-Bereich gestiegen", sagte ein Händler."Ob die Entwicklung nachhaltig ist, muss sich aber noch zeigen."
Die Aktien des Biotechnologie-Unternehmens Qiagen gaben bei hohen Umsätzen nach. Die Aktie sei ein "qualitativ gutes Papier", sagte ein Händler. Jedoch habe sie aufgrund der relativen Stärke und der hohen Bewertung in den vergangenen Tagen starke Verluste hinnehmen müssen.
Euro-Kurs gesunken
Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs den Euro auf 0,9256 (Montag: 0,9269) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1130 (2,1101) Mark. Gegen Handelsschluss in Deutschland notierte die Gemeinschaftswährung mit 0,9236 Dollar.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf unverändert 0,6304 Pfund, 108,50 (108,61) Yen und 1,4788 (1,4880) Schweizer Franken fest.