Börsenschluss Dax erholt sich deutlich
Frankfurt am Main Der Dax ist mit 4258 Punkten auf seinem Tageshöchststand aus dem Handel gegangen. Damit hat der deutsche Leitindex im Vergleich zum Vortag rund 2,9 Prozent gutgemacht. Die Nebenwerte präsentierten sich leicht schwächer. Mit einem Minus von 0,3 Prozent schloss der MDax auf 3835 Punkten. Am Neuen Markt kletterte der Nemax 50 auf 546 Zähler, ein Plus von 2,9 Prozent.
"Der Handel verläuft in ruhigen Bahnen, da die Impulse aus den USA wegen des Feiertags fehlen", sagte ein Händler. Die US-Börsen blieben am Donnerstag geschlossen und haben an diesem Freitag nur einen verkürzten Handel. Von einer Trendwende wollten Händler trotz der Kurszuwächse nicht sprechen. Vielmehr handele es sich um eine Reaktion auf die Verluste zuvor.
So hat der Dax seit Mitte Mai knapp ein Fünftel seines Wertes eingebüßt. Die von Experten erwartete Entscheidung der europäischen Zentralbank, den Leitzins unverändert bei 3,25 Prozent zu belassen, habe sich nicht auf die Märkte ausgewirkt, hieß es auf dem Parkett.
Techwerte mit deutlichen Gewinnen
Zu den Gewinnern zählten die zuletzt arg gebeutelten Werte aus der Technologie- und Telekommunikationsbranche: So gewannen Papiere des Chipherstellers Infineon 6,2 Prozent auf 14,82 Euro. Eine Erholung des Chip-Sektors könne man aber nicht in den Kursanstieg hineininterpretieren, sagte ein Händler. Alfred Kaiser, Analyst beim Bankhaus Nols, ergänzte: "Der Anstieg ist eine kurzfristige Erholung. Auf längere Sicht bin ich kein Freund des Sektors."
Siemens-Papiere verteuerten sich um 4,4 Prozent auf 58,55 Euro. Der Elektronik-Konzern rechnet im defizitären US-Geschäft trotz der schlechten amerikanischen Konjunktur mit einer baldigen Wende. "Ich bin verhalten optimistisch. Unsere Arbeit trägt erste Früchte", sagte Siemens-US-Chef Klaus Kleinfeld dem "Handelsblatt". Epcos-Papiere stiegen um 1,7 Prozent auf 30,81 Euro. Auch die Anteilsscheine der Deutschen Telekom kletterten um 5,4 Prozent auf 9,60 Euro.
Eon-Aktien zogen um 3,7 Prozent auf 59,60 Euro an. Wie aus der Regierungskoalition in Berlin verlautete, wird das Bundeswirtschaftsministerium dem Düsseldorfer Konzern die Übernahme des Gaskonzerns Ruhrgas unter Auflagen erlauben. Offiziell wir die Entscheidung an diesen Freitag bekannt geben. "Strategisch macht die Ruhrgas-Akquisition viel Sinn und dürfte daher Eon und der Aktie helfen", sagte Analyst Martin Dixon-Ward vom Broker Williams de Broe in London. Er empfiehlt die Aktie zum Kauf.
Technische Erholung bei der Metro
Die Aktie des Einzelhandelskonzerns Metro gewann rund 3,9 Prozent auf 29,34 Euro hinzu, nachdem die Aktie auf Grund der am Vortag veröffentlichten schwachen Einzelhandelszahlen um knapp sechs Prozent gefallen war.
Größter Gewinner im Dax war das Papier der Münchener Rück . Die Anteilsscheine des Schwergewichts verteuerten sich um über sieben Prozent auf 239 Euro. Allianz-Papiere verteuerten sich um 4,8 Prozent
Zu den wenigen Verlierern gehörte die Aktie von SAP , die 1,3 Prozent auf 69,90 Euro verlor. Die rote Laterne hielt Henkel mit einem Abschlag von 2,8 Prozent.
Babcock Borsig auf Achterbahnfahrt
Im MDax vollführten die Aktien des angeschlagenen Maschinenbauers Babcock Borsig wahre Kurssprünge. Nach einem Minus von zeitweise mehr als 30 Prozent stieg der Titel zum Schluss um 28,9 Prozent auf 1,74 Euro, da die Verhandlungen über die Rettung des Konzerns nach Angaben der Regierung von NRW offensichtlich vorankommen.
Nach guten Umsatzzahlen stiegen die Aktien des Brillenherstellers Fielmann um 8,5 Prozent auf 38,50 Euro. Das Unternehmen steigerte den Umsatz in den ersten fünf Monaten dieses Jahres entgegen dem Branchentrend um fünf Prozent auf 268,7 Millionen Euro.
Qiagen verliert wieder deutlich Euro leicht unter Druck
Qiagen leidet unter Abstufungen
Am Neuen Markt setzte die Aktie von Qiagen ihre Talfahrt fort und verlor 9,4 Prozent auf 6,44 Euro. Das Biotech-Unternehmen hatte am Mittwoch seine Prognosen für 2002 und 2003 gesenkt. "Nach der Reduzierung der Prognosen und dem Wechsel der Wirtschaftsprüfer wird nun auf die Aktie eingeschlagen", sagte ein Händler. Die Analysten der Deutschen Bank und von HSBC stuften die Aktie herunter. Am Mittwoch war der Qiagen-Kurs bereits um rund ein Drittel eingebrochen.
Ohne neue Nachrichten führten die Aktien von Thiel Logistik (plus 23,7 Prozent auf 5,26 Euro) und Steag Hamatech (plus 18,6 Prozent auf 4,21 Euro) die Gewinnerliste im Nemax 50 an.
Die am Vortag verprügelte Aktie Aixtron konnte um 4,8 Prozent klettern. CE Consumer dagegen gaben ihre Gewinne wieder ab und rutschten mit 2,2 Prozent in die Verlustzone. Der Chipbroker hatte in dieser Woche eine Gewinnwarnung herausgegeben.
Kurs des Euro gefallen
Der Kurs des Euro hat am Donnerstag auf die Leitzinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) kaum mit Kursbewegungen reagiert. Die EZB hatte ihren maßgeblichen Leitzins bei 3,25 Prozent belassen. Zuvor hatte die britische Notenbank ihren Leitzins mit 4,00 Prozent ebenfalls bestätigt. Beide Entscheidungen seien erwartet worden und hätten deshalb nicht für größere Kursausschläge gesorgt, sagten Händler. Wegen des Nationalfeiertages in den USA sei es am Devisenmarkt ohnehin sehr ruhig geblieben.
Die Europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen 20 Uhr 0,9784 Dollar, nachdem sie im frühen Handel mit 0,9752 Dollar ein Wochentief erreicht hatte. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Nachmittag bei 0,9790 (Mittwoch: 0,9780) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,0215 (1,0225)
Dollar wieder leicht im Aufwind
Für Volkswirtin Elga Bartsch von Morgan Stanley Dean Witter kommt die leichte Erholung des Dollar gegenüber dem Euro nicht überraschend. "Die Finanzmärkte haben die Konjunkturaussichten in den USA zuletzt zu negativ eingeschätzt", sagte sie. "Die ökonomischen Daten in den USA dürften aber in der nächsten Zeit besser ausfallen als erwartet."
Die schwache Wall Street und unsichere Wachstumsaussichten hatten den Dollar in den vergangenen Tagen unter Druck und den Euro in die Nähe der Parität zur US-Währung gebracht. Volkswirtin Bartsch rechnet kurzfristig nicht mit einem ausgeglichenen Wechselkursverhältnis. "Die Parität ist eine wichtige psychologische Barriere, die nicht so einfach zu durchbrechen ist."
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6414 (0,6421) Pfund, 117,46 (117,44) Yen und 1,4646 (1,4620) Schweizer Franken fest.
Die Feinunze Gold wurde am Mittag in London bei 310,90 (310,85) Dollar gefixt. Der Kilobarren Gold kostete 10 240 (10 285) Euro.