Börsenschluss Dax gewinnt fast acht Prozent
Frankfurt am Main Dank einer massiven technischen Erholung hat der Dax am Montag knapp 90 Prozent der gesamten Verluste der Vorwoche wieder wettgemacht. Einzelne Händler sprachen bereits vom Durchschreiten der Talsohle. Im Mittelpunkt des Interesses stand nach erneuten Spekulationen um einen Führungswechsel die Deutsche Telekom , während die Aktien der Allianz den größten prozentualen Tagesgewinn seit Anfang 2000 verbuchten.
Händlern zufolge handelte es sich bei der Erholung vor allem um eine technische Reaktion nach den teilweise drastischen Verlusten der vergangenen Woche. "Der ganze Markt entspannt sich etwas und die Verkäufer halten sich fern", sagte ein Börsianer. Boris Schakowski, Fondsmanager von Union Investment, ergänzte, die Stimmung könne sich zwar nicht so schnell grundlegend ändern, dennoch glaube er, dass die deutschen Aktienkurse ihre Talsohle erreicht hätten.
Der Dax schoss bis zum Handelsschluss um 7,9 Prozent oder 280 Punkte auf 3859 Zähler. Damit schloss der Leitindex auf Tageshoch und verbuchte die größte prozentuale Tagesveränderung seit den Anschlägen vom 11. September. Etwas verhaltener fiel das Plus bei den Nebenwerten aus: Der MDax kletterte um 3,5 Prozent auf 3475 Punkte. Am Neuen Markt ging der Nemax 50 rund 4,1 Prozent fester aus dem Handel auf 551 Zählern.
Auch in den USA überzeugten die Börsen mit beeindruckenden Gewinnen. Der Dow Jones legte bis zum Handelsschluss in Deutschland um 4,1 Prozent auf 8599 Punkte zu. Die entsprach einem Gewinn von mehr als 330 Zählern. Der Nasdaq notierte auf 1322 Punkten, ein Plus von 4,8 Prozent. Dabei ist die Liste der US-Bilanzskandale erneut gewachsen. Diesmal sorgte der Telekom-Konzern Qwest für Aufregung. Das Unternehmen gab zu, mehr als eine Milliarde Dollar an Umsätzen falsch verbucht zu haben. Auch die Umsatzprognose in Höhe von rund 18 Milliarden Dollar für das Jahr 2002 wurde zurückgenommen.
Allianz-Aktien legen über zwölf Prozent zu
Gefragt waren insbesondere Versicherungsaktien, die an den Tagen zuvor deutlich verloren hatten: Allianz-Papiere rückten 12,98 Prozent auf 164,95 Euro vor und Anteilsscheine der Münchener Rück schoben sich mit einem Plus von 11,3 Prozent auf 207,95 Euro und belegten den zweiten Platz auf der Gewinnerliste im Dax.
Börsianer sagten, die jüngsten Verluste bei den Finanztiteln seien übertrieben gewesen. Viele Anleger nutzten nun die Chance zum günstigen Wiedereinstieg. Selbst die Aktien der HypoVereinsbank , die trotz ihrer Kurseinbruchs von einem Drittel in der vergangenen Woche zunächst weiter verloren hatten, wurden von der guten Branchenstimmung ins Plus gezogen.
Autotitel mit massiven Aufschlägen
Ein Wertpapierhändler in Frankfurt sagte: "Gekauft werden die Aktien, die optisch billig erscheinen und zuvor deutlich nachgegeben haben." Dies galt auch für die Autotitel DaimlerChrysler , Volkswagen und BMW , die sich allesamt in der oberen Hälfte des Gewinnerfeldes befanden.
Die T-Aktie konnte trotz des guten Kundenzuwachses der Mobilfunktochter T-Mobil mit einem Plus von 4,9 Prozent auf 12,48 Euro nur unterdurchschnittlich zulegen. Auch Gerüchte, dass der geschasste Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff auf den Telekom-Vorstandssessel gehievt werden könnte, verhalfen der Aktie nicht zu einem überdurchschnittlichen Gewinn.
"Aktie Gelb" klettert über Zehn-Euro-Marke
Die Papiere der Deutschen Post kletterten um 8,3 Prozent auf 10,30 Euro, obwohl der ehemalige Staatskonzern die Preise nach einem Beschluss der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post für bestimmte Produkte senken muss. Die Preissenkung liege nach Angaben der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post im Schnitt bei 4,7 Prozent.
Hugo Boss schließt deutlich fester, Logistiktitel am Neuen Markt gefragt, Euro stark unter Druck
Hugo Boss trotzt Herabstufung
Im MDax verbuchten zwei Aktien Gewinne im zweistelligen Bereich. Papiere der Hugo Boss gewannen trotz einer Herabstufung der Commerzbank-Analysten 11,1 Prozent auf 11,98 Euro. Auch die Anteilsscheine der Stada legten mit 10,2 Prozent auf 38,15 Euro überproportional zu.
Nach der überraschenden Vorlage von Eckzahlen für das erste Halbjahr hat die Aktie des Bad Homburger Pharma- und Spezialchemieunternehmen Altana zugelegt. Der Titel zog um 5,3 Prozent auf 51,61 Euro an. "Die Eck-Zahlen liegen über unseren Erwartungen und kamen überraschend", sagte eine Analystin. Das Unternehmen meldete unerwartet hohe Zuwächse bei Betriebsgewinn und Umsatz. Am Freitag veröffentlichen die Bad Homburger ihren vollständigen Bericht für das erste Halbjahr 2002.
Positiv sei, dass Altana die Umsatzprognose für den Hauptumsatzträger Pantoprazol für 2002 angehoben habe, sagte ein weiterer Analyst in Frankfurt. Angesichts wachsender Marktanteile in den USA erwartet Altana für das Magen-Darm-Präparat nun einen weltweiten Umsatz von rund 1,9 Milliarden Euro und damit 200 Millionen Euro mehr als bislang geplant.
D.Logistics-Kurs explodiert
Am Neuen Markt gewann die Aktien von D.Logistics über 40 Prozent auf 2,45 Euro. "Die Leute können wahrscheinlich nicht rechnen, wenn sie sagen die Aktie sei billig und dann noch 15 Cent auf den Kurs drauflegen," sagte ein Händler einer Privatbank in Düsseldorf. Fundamentale Gründe gebe es keine.
Medigene und Thiel Logistik verbuchten Aufschläge von über 20 Prozent.
Aktien des Mobilfunkanbieters T-Online schoben sich um 2,9 Prozent nach oben auf 8,80 Euro. Gerüchte über eine im zweiten Quartal deutlich gestiegene Kundenzahl treiben laut Händlern Zuversicht in die Aktie des Telekom-Ablegers.
Balda weiter auf Höhenflug
Balda-Titel knüpften an den Höhenflug der vergangenen Tage an und verteuerten sich um über 15 Prozent auf 5,49 Euro. Anfang Juli notierten die Anteilsscheine noch unter der Marke von drei Euro. Ein Sprecher des Handy-Ausrüsters sagte, offenbar wirkten die kürzlich vorgelegten Geschäftszahlen und der Ausblick noch nach. Das Unternehmen hat den Angaben zufolge im zweiten Quartal einen Vorsteuergewinn verbucht und beim Umsatzplus die eigenen Ziele übertroffen. Das Unternehmen erwarte zudem für das laufende Quartal weitere Zuwächse. Die Prognosen für das Gesamtjahr blieben bestehen.
Die Verliererliste wurde angeführt von Teleplan und Kontron . Beide Aktien gaben um mehr als drei Prozent nach.
Fester Wochenauftakt in Tokio
Die Aktienbörse in Tokio hat am Montag in Folge der positiven Vorgabe aus New York vom Freitag und der Festigung des Dollars zum Yen zugelegt. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte stieg um 75,64 Punkte oder 0,8 Prozent und ging beim Stand von 9666 Punkten aus dem Markt. Der breit angelegte Topix zog um 8,84 Punkte oder 0,9 Prozent an und beendete den Handel bei 951 Zählern.
Der weltweit drittgrößte Automobilhersteller Toyota hat sein Absatzziel für 2002 angehoben. Trotz des derzeit starken Yen-Wechselkurses erwartet der Konzern ein starkes Auslandsgeschäft. Das Unternehmen wolle im laufenden Jahr 3,3 Prozent mehr Autos verkaufen als bisher geplant, teilte Toyota am Montag mit. Gute Absatzzahlen in Europa und Asien und ein etwas besserer Ausblick für die USA rechtfertigten eine Anhebung der Gesamtzahl auf nunmehr 6,19 Millionen Wagen nach 5,93 Millionen im Kalenderjahr 2001.
Euro unter der Dollar-Parität
Der Kurs des Euro ist am Montag deutlich gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9821 (Freitag: 1,0008) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0182 (0,9992) Euro. Bis 20 Uhr gab die Einheitswährung weiter auf 0,9782 Dollar ab. Händler erklärten die Verluste unter anderem mit dem ermutigenden Verbrauchervertrauen in den USA vom vergangenen Freitag.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6285 (0,6337) Pfund, 117,42 (117,55) Yen und 1,4529 (1,4502) Schweizer Franken fest.