Börsenschluss Dax gewinnt über sechs Prozent
Frankfurt am Main Dank guter Unternehmensnachrichten, starken Kursaufschlägen bei den Finanzwerten und einem freundlichen Börsenverlauf in den USA haben die deutschen Aktienmärkte am Donnerstag deutlich zulegen können. Der Dax gewann 6,2 Prozent und schloss auf seinem Tageshoch bei 3679 Punkten. Etwas gemächlicher kletterten die Nebenwerte: Der MDax ging mit einem Plus von 1,3 Prozent auf 3402 Zählern aus dem Handel. Am Neuen Markt stieg der Nemax 50 um 1,7 Prozent auf 493 Punkte.
Händlern zufolge profitierten die deutschen Banken ebenso wie ihre US-Mitbewerber von der psychologischen Wirkung eines Rekordkredites des Internationalen Währungsfonds (IWF) für Brasilien. Zur Verhinderung einer Krise in der größten Volkswirtschaft Südamerikas hat der IWF Brasilien einen Kredit von 30 Milliarden Dollar gewährt. Der Großteil der Erholung der deutschen Werte gehe jedoch auf die technische Reaktion auf die Kursverluste der vergangenen Wochen zurück, hieß es. Die kräftige Kurssteigerung bei MLP basiere unter anderem auf Käufe der zur Deutschen Bank gehörenden Fondsgesellschaft DWS.
Angesichts der unklaren Konjunkturaussichten bleibe die Nervosität am Markt bestehen, sagten Händler weiter. Viele Anleger engagierten sich daher derzeit nur kurzfristig. Der VDax, der über die Schwankungsbreite des Börsenbarometers Auskunft gibt, rutschte am Donnerstag zwar um gut sechs Prozent ab, lag damit aber immer noch auf dem Niveau kurz nach den Anschlägen vom 11. September.
Wall Street gewinnt an Fahrt
In New York gewannen die Börsen nach einer uneinheitlichen Eröffnung im Verlauf deutlich an Kraft. Der Dow Jones notierte zum Handelsschluss in Deutschland auf 8578 Punkten, ein Plus 1,5 Prozent. Der Nasdaq kletterte um 1,4 Prozent auf 1298 Zähler nach.
Die zum Auftakt veröffentlichten Konjunkturdaten sind positiv aufgenommen worden. Die US-Erzeugerpreise sind im Juli unerwartet gefallen. Wie das US-Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte, sank der entsprechende Index für Juli um saisonbereinigt 0,2 Prozent zum Vormonat und um 1,1 Prozent zum Vorjahr. Experten hatten im Vormonatsvergleich dagegen mit einem Anstieg der Produzentenpreise um 0,1 Prozent gerechnet.
Auch die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist deutlicher als erwartet zurückgegangen. Sie sank in der Woche bis 3. August um 15.000 auf saisonbereinigt 376.000, teilte das Arbeitsministerium mit. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Rückgang um 6000 auf 381.000 gerechnet. In der Vorwoche waren die Erstanträge noch um revidiert 25.000 auf 391.000 gestiegen. Zunächst war von einem Zuwachs von 20.000 auf 387.000 ermittelt worden.
Banken wieder im Aufwind
Der Branchenindex für den Bankensektor im Dax stieg um 7,1 Prozent. Seit Mai hatte der Subindex mehr als ein Drittel seines Wertes eingebüßt. Spitzenreiter im Dax war die MLP-Aktie mit einem Gewinn von knapp 30 Prozent auf 14,30 Euro. Händler erklärten die Kursgewinne mit Spekulationen um einen weiteren Verbleib im Dax und einer Reaktion auf die dramatischen Verluste der vergangenen Wochen. Zudem kauft die DWS, die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, den Wert. "Wir erachten die Aktie als attraktives Engagement und kaufen sie derzeit ein", sagte Henning Gebhardt, Leiter des deutschen Aktienfonds-Managements der DWS in einem Interview.
Aktien der zuletzt arg gebeutelten Commerzbank legten um neun Prozent auf 10,68 Euro zu. Die Zahlen lagen Händlern zufolge im Rahmen der Erwartungen. Allerdings sei der Ausblick eher schwach ausgefallen. Auch HypoVereinsbank-Papiere kletterten um 14,7 Prozent auf 21,39 Euro. Die Münchener wollen nach dem Willen des Vorstands intern noch massiver auf die Kostenbremse treten. Das drastische Sparprogramm sieht unter anderem den Verkauf oder die Schließung von Verlustbringern sowie eine Haushaltssperre vor.
Die Anteilsscheine der Deutschen Bank standen 6,2 Prozent im Plus bei 60,43 Euro. Nach Ansicht von Analysten mildert der Milliardenkredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) für das wirtschaftliche angeschlagene Brasilien die Turbulenzen an den Finanzmärkten. Hiervon profitierten auch die Banken.
BASF nach guten Zahlen im Plus
BASF-Titel profitierten von besser als erwartet ausgefallenen Zahlen und einem optimistischen Ausblick. Das Papier des Chemiekonzerns stieg um 7,2 Prozent auf 41,96 Euro. "Die Zahlen liegen über den Erwartungen der Branchenspezialisten", sagte ein Münchner Analyst. Zudem habe das Unternehmen einen sehr guten Ausblick für das dritte Quartal gegeben. Auch die Aktien von Bayer verteuerten sich um 10,6 Prozent auf 23,55 Euro. Die Leverkusener wollen bis Jahresende einen Partner für die schwächelnde Pharmasparte präsentieren.
BMW gibt Gewinne wieder ab
Dagegen verloren BMW-Papiere nach frühen Gewinnen zuletzt 2,4 Prozent auf 38,55 Euro. Die Zahlen seien zwar im Rahmen der Erwartungen ausgefallen. Allerdings gebe es weder bei den Ergebnissen noch beim Ausblick irgendwelche außergewöhnlichen Überraschungen, sagte ein Händler.
ProSiebenSat.1 vor den Zahlen unter Druck, Aixtron dreht ins Plus, Euro unter 0,97 Dollar
Zittern vor den Zahlen von ProSiebenSat.1
Die Aktie des Medienunternehmens ProSiebenSat.1 ist vor der Veröffentlichung von Geschäftszahlen am morgigen Freitag kräftig unter Druck geraten. Das Papier fiel um 8,2 Prozent auf 7,16 Euro. Ein Händler meinte, die Unsicherheit der letzten Monate würde sich nun im Kursverlauf niedergeschlagen. Die am Freitag zur Veröffentlichung anstehenden Zahlen zum Verlauf des zweiten Quartals und des ersten Halbjahres 2002 dürften schwach ausfallen. Der Werbemarkt sei derzeit "noch flauer als flau". Auch die zurückgehenden Spekulationen über ein Übernahmeangebot könnten auf den Kurs drücken. Der Markt hatte darauf gehofft, dass die potenziellen Käufer von KirchMedia ein Angebot für die ausstehenden Vorzugsaktien von ProSiebenSat.1 Media machen würden.
Rückstufungen von Investmentbanken in den vergangenen Tagen für die ProSieben-Aktie seien mitverantwortlich für den heutigen Kursrückgang, meinte ein Analyst. Der Tenor der Erwartungen sei, dass das Unternehmen am Freitag bescheidene Halbjahreszahlen vorlegen werde. Die bisherige Kursentwicklung sei stark geprägt gewesen von Spekulationen über ein Übernahmeangebot. Jetzt richte sich der Blick wieder verstärkt auf die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens. Im zweiten Quartal sei mit einem ähnlich starken Ergebnisrückgang zu rechnen wie im ersten Quartal (minus 70 Prozent). Der Umsatz werde seiner Einschätzung nach um 4,4 Prozent zurück gegangen sein.
Aixtron dreht trotz schwacher Zahlen ins Plus
Aixtron-Aktien gewannen rund 17 Prozent auf 7,29 Euro und gingen damit als Tagessieger im Nemax 50 aus dem Handel. Zwischenzeitlich hatte das Papier knapp 15 Prozent verloren. Händler und Analysten verwiesen auf die am Vorabend vorgelegten schwachen Zahlen, auch der Ausblick sei enttäuschend ausgefallen. Aixtron hatten nach einem Ergebnis-Einbruch im zweiten Quartal die Ergebnisprognose für das Gesamtjahr deutlich gesenkt.
Die GFN-Aktie kletterte um 7,1 Prozent auf 0,30 Euro. Der Computer-Schulungsanbieter verlässt nach Rechtsstreitigkeiten nun freiwillig den Neuen Markt. Die Aktie des Unternehmens solle ab dem 29. August im Geregelten Markt notiert werden, teilte GFN am Donnerstag mit. Gründe seien die schwache Entwicklung des Segments und die hohen Kosten. GFN hatte zunächst gegen einen Zwangsausschluss vom Neuen Markt wegen Verstoßes gegen die "Penny-Stocks-Regeln" geklagt und vor dem Frankfurter Oberlandesgericht Recht erhalten.
Mobilcom deutlich fester
Am Neuen Markt präsentierten sich neben Aixtron eine Reihe von Schwergewichten sehr fest und stützten damit den Nemax 50. Deutliche Aufschläge verzeichnete auch die Aktie von Mobilcom . Das Papier verteuerte sich um 7,1 Prozent auf 5,44 Euro. Auch Steag Hamatech , BB Biotech , Qiagen und Thiel Logistik gewannen kräftig.
Die Anteilsscheine von Süss Microtec verloren im frühen Handel kräftig, kletterten bis zum Schlussgong jedoch noch auf 9,11 Euro, ein Plus von 7,2 Prozent. Der Hersteller von Fertigungs- und Prüfgeräten hatte am Vorabend einen deutlichem Umsatz- und Ergebnisrückgang im zweiten Quartal präsentiert.
Die rote Laterne hielt IM Internationalmedia . Die Anteilsscheine verbilligten sich um über acht Prozent auf 1,38 Euro. Auch Mühlbauer Holding und Lion Bioscience gaben kräftig nach.
Gewinnmitnahmen belasten den Nikkei
Die Aktienbörse in Tokio hat am Donnerstag in Folge von Gewinnmitnahmen leichter geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte fiel um 34,83 Punkte oder 0,4 Prozent und endete bei 9799 Punkten. Der breit angelegte Topix gab um 2,30 Punkte oder 0,2 Prozent nach und schloss mit 959 Zählern.
Technologiewerte verbuchten Verluste. Nikon verloren zehn Yen auf 1036 Yen. Advantest fielen um 230 Yen auf 5560 Yen und Tokyo Electron sanken um 230 Yen auf 5170 Yen. Fujitsu fielen um 30 Yen auf 630 Yen. NEC verloren 13 Yen auf 663 Yen und Toshiba gaben um zwölf Yen auf 413 Yen nach.
Die Aktien des weltweit viertgrößten Autoherstellers Toyota legten 55 Yen auf 2995 Yen zu, nachdem das Unternehmen mitgeteilt hatte, im ersten Geschäftsquartal 2002/03 Umsatz und Gewinn kräftig gesteigert zu haben. Honda verloren 20 Yen auf 4940 Yen. Suzuki gaben 20 Yen auf 1307 Yen ab. Nissan legten unterdessen fünf Yen auf 870 Yen zu. Daihatsu kletterte um 15 Yen auf 425 Yen.
Euro notiert unter 0,97 Dollar
Der Kurs des Euro ist am Donnerstag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9687 (Mittwoch: 0,9698) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0323 (1,0311) Euro. Bis 20 Uhr gab die Einheitswährung weiter nach auf 0,9667 Dollar.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6335 (0,6311) Pfund, 116,92 (116,89) Yen und 1,4621 (1,4590) Schweizer Franken fest.