Börsenschluss: Dax hängt Dow ab - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Dax hängt Dow ab

Autowerte machten einen Teil der Verluste wett. Bankentitel drehten ins Plus. Hegdefonds trieben Commzerbank an. Auch bei SAP griffen die Anleger zu. Analysten gaben keine Entwarnung für den Dax. Der Index könnte auf 2000 Punkte fallen.
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Frankfurt am Main – Die deutschen Standardwerte haben am Mittwoch ihre Verluste deutlich reduziert. Der Dax hatte gegen Mittag bei 2519 Punkten und Abschlägen von mehr als vier Prozent ein weiteres Rekordtief markiert. Nach einer Berg- und Talfahrt am Nachmittag schloss der Index 0,9 Prozent leichter auf 2597 Zählern. Am Neuen Markt beendete der Auswahlindex Nemax 50 den Handel mit einem Plus von 1,2 Prozent auf 318 Punkte. Der MDAX der 70 wichtigsten Nebenwerte gab um 1,33 Prozent auf 2735 Punkte nach.

Dow im späten Geschäft im tiefroten Bereich

Der Dax konnte sich zum ersten Mal seit langer Zeit von der Entwicklung der Wall Street abkoppeln. Zum Handelsschluss in Deutschland fiel der Dow Jones um 2,3 Prozent auf 7326 Punkte und baute die Verluste bis 21 Uhr auf 2,5 Prozent aus. Der Nasdaq Composite war mit 0,6 Prozent auf 1122 Zähler in die Verlustzone gerutscht.

Damit seien die Kursaufschläge vom Vortag wohl eine Eintagsfliege gewesen, hieß es an der Wall Street. Belastend wirkten auch die anhaltenden Sorgen hinsichtlich der schwachen Konjunktur, der anstehenden Unternehmensergebnisse und der Kriegsgefahr.

Goldman Sachs senkt Erwartungen für US-Indizes

Als negativen Faktor für die Kurse werteten Teilnehmer ebenso die neueste Einschätzung von Abby Joseph Cohen zum Dow. Die Chefstrategin von Goldman Sachs hatte das Kursziel für den Index auf Sicht von zwölf Monaten auf 10.800 von 11.300 Punkten und für den S&P-Index auf 1150 von 1300 Stellen reduziert. Die Märkte seien zwar unterbewertet, die Investoren scheuten allerdings noch für geraume Zeit das Risiko eines Investments. Die Analystin verwies zur Begründung auf das unsichere wirtschaftliche Gesamtumfeld, die Verärgerung und Enttäuschung nach den Bilanzskandalen und schließlich die geopolitische Lage. Händler sahen eine nachhaltige Erholung der Märkte in weite Ferne gerückt.

General Electric   verloren zu Handelsschluss in Deutschland mehr als fünf Prozent. Morgan Stanley hat das Kursziel und die Gewinnerwartung 2003 für das Unternehmen reduziert. Zuvor hatten sich bereits Lehman Brothers und Credit Suisse First Boston kritisch geäußert. Auch Automobilwerte gaben nach. Die Herunterstufung der Branche durch CSFB vom Vortag wirke noch nach, sagten Händler. Andererseits belaste die Reduzierung des Kursziels für General Motors (GM)   durch Lehman Brothers. GM fielen um rund zehn Prozent.

Analyst: Dax kann auf 2000 Punkte fallen

Analyst: Dax kann auf 2000 Punkte fallen

Aktien der Autohersteller im Dax konnten ihre Verluste deutlich reduzieren, zählten aber weiter zu den größten Verlierern. Bankentitel legten einen Schlussspurt hin und konnten sich mehrheitlich in die Pluszone vorschieben. SAP   schlossen mit einem Plus von rund zehn Prozent als Tagessieger vor den Titeln der Commerzbank  , die mehr als neun Prozent hinzugewannen.

Trotz der Erholung gegen Handelsende äußerten sich Börsianer skeptisch über die weiteren Aussichten am Aktienmarkt. "Es gibt immer weniger Hinweise auf einen möglichen Wendepunkt", sagte der technische Analyst Wilhelm Schmid von der HypoVereinsbank. Seinem Kollege Klaus Tafferner von Concord Effecten zufolge ist ein Fall des Dax auf 2000 Punkte nicht ausgeschlossen.

Absatzsorgen und Abstufungen drückten Autowerte

Auf den Automobilwerten lasteten Börsianern zufolge Absatzsorgen. Am Vortag hatten bereits kritische Kommentare von Morgan Stanley vor allem zum amerikanischen Automarkt und DaimlerChrysler die Autowerte auf breiter Front unter Druck gebracht.

Die Aktien von Volkswagen   verbuchten mit einem Minus von zeitweise mehr als elf Prozent den größten prozentualen Tagesverlust seit Oktober 1998. VW schlossen 6,44 Prozent leichter auf knapp 33 Euro und waren damit schwächster Wert im Dax. Das Unternehmen will im Januar die traditionellen Werksferien verlängern. Dies diene der technischen Vorbereitung des kommenden Golf-Modells. Die Aktien von DaimlerChrysler   verloren 5,3 Prozent auf 31,10 Euro. BMW   gaben mehr als drei Prozent auf knapp 30 Euro ab.

Auch MAN   gaben rund vier Prozent nach, obwohl der LKW-Hersteller seine Umsatzprognose bekräftigt hatte.

Kursrallye bei Commerzbank und SAP

Hedgefonds-Käufe zogen Commerzbank-Titel hoch

Banktitel zählten lange Zeit des Handelstages mit zu den größten Verlierern, machten zum Schluss aber deutlich Boden gut. Die Titel der Commerzbank  stiegen um 9,6 Prozent auf 5,81 Euro, nachdem sie am Vormittag noch mehr als vier Prozent verloren hatten. Nach einer Reuters-Meldung, der zufolge die Bank im dritten Quartal ohne drastische Abschreibungen auf Beteiligungen bleibe, waren die Titel deutlich ins Plus gedreht.

Die Meldung habe massive Deckungskäufe bei Hedge Fonds und anderen institutionellen Anlegern ausgelöst, sagten Händler. Diese hatten offenbar in den vergangenen Tagen auf fallende Kurse gesetzt und Commerzbank-Aktien leer verkauft. Bei Leerverkäufen handelt es sich um den Verkauf von geliehenen Aktien. Der Verkäufer setzt bei derartigen Geschäften darauf, dass er sich bis zum Rückgabetermin zu einem geringeren als seinem Verkaufspreis wieder mit diesen Papieren eindecken kann.

Zuvor hatte bereits die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) Voruntersuchungen wegen möglicher Falschmeldungen über die drittgrößte börsennotierte deutsche Geschäftsbank und deren Auswirkungen auf den Aktienkurs eingeleitet. In den vergangenen Tagen war in Medienberichten spekuliert worden, die Commerzbank habe ein Liquiditätsproblem. Die Bank hatte die Gerüchte mehrfach als falsch zurückgewiesen.

HypoVereinsbank   schlossen mit einem Plus von 1,45 Prozent, nachdem der Titel am Nachmittag noch rund fünf Prozent verloren hatte. Deutsche Bank   konnten ihre Verluste von ebenfalls fünf Prozent auf ein halbes Prozent bei 37,53 euro reduzieren.

SAP: Plattner meckert, die Aktie steigt kräftig

In einen wahren Kaufrausch gerieten die Anleger bei SAP  . Die Aktie gewann rund zehn Prozent auf 47,57 Euro. Vorstandssprecher Hasso Plattner hatte am Vortag am Rande einer Veranstaltung Analysten heftig kritisiert. Die Experten lägen so falsch, dass er sich wundere, warum professionelle Anleger ihrem Rat folgten, sagte Plattner. Die Aussagen waren von den Märkten als Kritik an den Erwartungen für das dritte Quartal gewertet worden. Einem SAP-Sprecher zufolge bezogen sich Plattners Aussagen lediglich auf die Vergangenheit. Zum Geschäftsverlauf im dritten Quartal wollte er sich nicht äußern. Zudem hatte die Commerzbank den Titel am Mittwoch von "Reduzieren" auf "Halten" hochgestuft.

BASF   erholten sich leicht von ihrem am Vortag erreichten Allzeittief und stiegen auf 33,40 Euro. Auch die am Vortag arg verprügelten Aktien von Metro   gewannen mehr als ein Prozent hinzu. Börsianer bewerteten aber auch hier die Kursaufschläge lediglich als eine technische Gegenreaktion.

T-Aktie im Plus, Analysten begrüßen Stellenstreichungen

Scharfe Kritik gab es zu den geplanten massiven Stellenstreichungen der Deutsche Telekom   aus dem Unternehmen selbst und von der Gewerkschaft. "Die Kürzungen werden sich bitter rächen", hieß es. "Wenn es irgendwann nur noch den Vorstand gibt, wird es schwierig, operativ etwas zu verdienen."

Viele Analysten äußerten sich dagegen positiv zu den Plänen. Frank Wellendorf von der WestLB erklärte, er sehe sich in seiner Auffassung bestärkt, dass die Telekom derzeit die "überzeugendste Restrukturierungsstory" der Branche in Westeuropa vorzuweisen habe. Der Stellenabau werde die Rentabilität 2005 um mehr als 0,5 Euro je Aktie erhöhen. Auch Ilona Hassenbring von der Berenberg Bank stellte eine Verbesserung ihrer Gewinnschätzungen in Aussicht. Die T-Aktie   schloss rund ein Prozent fester auf knapp neun Euro.

Der Kurs des Euro stieg deutlich über die Marke von 0,98 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9814 (Dienstag: 0,9800) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0190 (1,0204) Euro. Gegen 20.45 Uhr kletterte der Euro sogar über die Marke von 99 US-Cents.