Börsenschluss: Dax rettet sich ins Plus - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Dax rettet sich ins Plus

Nur mit Mühe hat der Blue-Chip-Index am Donnerstag seine Gewinne verteidigen können. Kursaufschläge bei der Münchner Rück und Allianz stützten die Börse. Der Neue Markt präsentierte sich freundlich.
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Frankfurt am Main - Der Dax hat einen unruhigen Handelstag knapp im Plus beendet. Auf einem Indexstand von 4936 Punkten ging das Börsenbarometer rund 0,4 Prozent stärker aus dem Handel. Am Neuen Markt gewann der Nemax 50 um 1,6 Prozent und schloss bei 1235 Zählern. Vor allem deutliche Kursgewinne bei dem Schwergewicht T-Online hoben den Auswahlindex nach oben.

An der Wall Street kämpfte der Dow Jones unterdessen mit der Vortagesschlusslinie, hielt sich dabei aber meist im grünen Bereich. Zum Handelsschluss in Deutschland notierte der Index bei 9736 Punkten, ein knappes Plus von 0,3 Prozent. Die Nasdaq kletterte um 1,3 Prozent auf 1912 Zähler. In den USA standen vor allem die Finanzwerte unter Druck, da eine Pleite des Energieriesen Enron als immer wahrscheinlicher gilt. Bei einem Bankrott drohen Kredite in Milliardenhöhe zu platzen.

Auch die neusten Konjunkturdaten drückten auf die Stimmung. Das US Arbeitsministerium hatte mitgeteilt, dass die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in der Woche bis zum 24. November unerwartet stark um 54.000 auf saisonbereinigt 488.000 gestiegen ist. Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Anstieg von lediglich 16.000 neuen Erstanträgen gerechnet. Ein Grund für das starke Anwachsen war nach Einschätzung des Ministeriums die zurückliegende Urlaubszeit. Im Urlaub würden Arbeitnehmer oft die Beantragung von Arbeitslosenunterstützung verschieben, sagte eine Sprecherin.

In Luxemburg gab das europäische Statistikamt Eurostat ebenfalls schwache Konjunkturdaten bekannt. Wie schon im Frühjahr wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auch vom zweiten zum dritten Quartal nur um 0,1 Prozent. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ergab sich nur noch ein realer Zuwachs von 1,3 Prozent nach 1,7 Prozent im Quartal zuvor. Als Stütze für den Konsum erwiesen sich im Sommer vor allem die Ausgaben der privaten Haushalte, die immerhin um 0,2 Prozent zulegten. Dagegen sanken die Investitionen um 0,3 Prozent, die Exporte sogar um 0,6 Prozent. Die deutsche Wirtschaft war nach früheren Angaben im dritten Quartal bereits an den Rand einer Rezession gerutscht. Das BIP schrumpfte gegenüber den drei vorangegangenen Monaten um 0,1 Prozent.

Versicherungstitel stützen den Dax

In Frankfurt waren die Versicherungskonzerne am Donnerstag die Stars auf dem Parkett. Trotz der hohen Belastungen in Folge der Terrorangriffe am 11. September hat die Münchener Rück   die Dax-Gewinnerliste angeführt. Die Aktie schloss 4,1 Prozent fester auf 298,80 Euro. Am Morgen hatte der Konzern die Schadenschätzung von 2,1 Milliarden Euro nach den Anschlägen bekräftigt. In den ersten neun Monaten dieses Jahres sei ein Überschuss von 85 Millionen Euro erwirtschaftet worden. Der Gewinn je Aktie liege bei 0,48 Euro je Aktie. Anleger sind offenbar erleichtert, dass die Schadensschätzung nicht erneut erhöht worden sind. Zudem hat das renommierte Investmenthaus Morgan Stanley empfohlen, europäische Versicherer überzugewichten. Auf Platz zwei der Gewinnerliste notierte die Allianz-Aktie   mit einem Kursaufschlag von 3,6 Prozent auf 260,51 Euro.

Ebenfalls deutlich im Plus notierten die Titel von Metro   (plus 3,6 Prozent auf 37,80 Euro), SAP   (plus 2,8 Prozent auf 132,50 Euro) und Fresenius Medical Care   (plus 2,4 Prozent auf 73,30 Euro). SAP profitierte im späten Handel von einer Unternehmensverlautbarung auf einem US-Analystentreffen, der zufolge man von der Erholung des Geschäfts positiv Überrascht sei.

Die Spekulationen um einen möglichen Abbruch der geplanten Übernahme des Fernsehkabels der Deutschen Telekom durch Liberty Media lasteten nicht auf der T-Aktie   . Das Papier gewann rund 1,2 Prozent auf 18,27 Euro. Marktbeobachter sehen den Verkauf des Kabelnetzes gefährdet, da die Kartellbehörden das Geschäft möglicherweise untersagen könnten. Dadurch würden der Telekom bereits fest eingeplante Mehreinnahmen in Höhe von 5,5 Milliarden Euro entgehen.

Die Aktien der Lufthansa   schlossen nahezu unverändert bei 14,55 Euro. Die Fluglinie will heute rückwirkend zum 1. November Kurzarbeit beantragen. Mit der Regelung würden Kündigungen vermieden, hieß es. Die Aktien der Versorger RWE   und Eon   präsentierten sich trotz erheblicher Unruhe im Sektor ebenfalls nur leicht verändert. Das Bundeskartellamt will die geplanten Mineralöl-Fusionen von Shell und DEA sowie von BP und Aral verbieten. Auch die drohende Pleite des US-Energieriesen Enron belastete die deutschen Versorger zunächst nicht.

Die Enron-Pleite lastete hingegen auf dem Bankensektor, da Millionenkredite nicht mehr gedeckt sind. Die Aktien der Commerzbank   (minus 3,4 Prozent auf 19,33 Euro), HypoVereinsbank   (minus 2,5 Prozent auf 35,85 Euro) und Deutsche Bank   (minus 1,7 Prozent auf 71,90 Euro) mussten kräftig Federn lassen.

Enttäuscht waren Analysten von den Quartalszahlen des Touristikkonzerns Preussag   . Für das dritte Quartal legte Preussag ein Spartenergebnis von 485 Millionen Euro vor, das deutlich unter den Erwartungen lag. "Die Zahlen haben nicht ganz die Prognosen erfüllt", sagte ein Händler. Man müsse aber berücksichtigen, dass das dritte Quartal traditionell das schwächste bei Preussag sei. Die Aktie war der größte Verlierer und gab 3,5 Prozent auf 27,50 Euro nach.

T-Online zieht den Nemax 50 hoch

Im Neuer-Markt-Auswahlindex glänzte die Aktie von T-Online   . Die Anteilsscheine verteuerten sich um über 13 Prozent auf 12,89 Euro, obwohl die Bilanz eher verhalten war. Investoren seien jedoch von dem positiven Ausblick überzeugt, sagten Händler.

Brokat-Titel   schlossen dagegen über zehn Prozent schwächer. Die Softwareschmiede hatte mitgeteilt, der vorläufige Insolvenzverwalter werde dem Amtsgericht Stuttgart in den nächsten Tagen die Eröffnung des Insolvenzverfahrens vorschlagen.

Ein Großauftrag der Fast-Food-Kette Burger King half der Thiel-Logistik-Aktie   ins Plus. Mit einem Kursaufschlag von 5,7 Prozent notierte das Papier bei 23,30 Euro. Der Logistiker soll ab April 2002 die Versorgung von derzeit 100 deutschen Burger-King-Filialen übernehmen. Das Gesamtvolumen des Auftrags bezifferte Thiel Logistik mit zirka 100 Millionen Mark.

Kurs des Euro gestiegen

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs des Euro bei 0,8887 (Mittwoch: 0,8831) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2008 (2,2147) Mark. Bis 20 Uhr hat die Gemeinschaftswährung wieder leicht abgegeben und kostete rund 0,8874 Dollar.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6236 (0,6235) Pfund, 109,23 (108,94) Yen und 1,4635 (1,4586) Schweizer Franken fest.