Börsenschluss Dax rettet sich ins Plus
Frankfurt am Main Die deutschen Aktienmärkte sind uneinheitlich aus dem Handel gegangen. Der Dax legte um 0,5 Prozent zu und notierte zum Schlussgong auf 3684 Punkten. Am Nachmittag ist der deutsche Leitindex aufgrund schwacher US-Konjunkturdaten kurzfristig ins Minus gerutscht und markierte ein Tagestief bei 3576 Zählern. Im späten Geschäft zogen die Kurse im Gleichklang mit den US-Börsen aber wieder an.
Auch die Nebenwerte präsentierten sich freundlich, der MDax kletterte um 0,6 Prozent auf 3400 Punkte. Verluste erlitten wieder einmal die Wachstumswerte: Am Neuen Markt schloss der Nemax 50 um 1,6 Prozent niedriger auf 483 Punkten.
In den USA starteten die Börsen schwach und schwankten im Verlauf stark um die Vortagesschlusslinie. Zum Börsenschluss in Deutschland notierte der Dow Jones auf 8774 Punkten, ein Minus von 0,5 Prozent. Der Nasdaq gewann um 1,1 Prozent auf 1360 Zähler.
Kurz nach Börseneröffnung wurden enttäuschende Konjunkturdaten veröffentlicht. Der von der Universität Michigan berechnete Index zum Konsumentenvertrauen fiel schlechter aus als erwartet. Das Stimmungsbarometer fiel im August auf 87,9 Punkte nach 88,1 Punkten im Juli. Prognostiziert wurde an der Wall Street jedoch ein Anstieg auf 88,3 Zähler. Bereits vor Handelsbeginn bremsten leicht gestiegene Verbraucherpreise und ein Rückgang der Hausbaubeginne in den USA den Optimismus.
Infineon dreht ins Plus
Überraschender Tagessieger im Dax wurde die Aktie von Infineon . Am Vormittag markierte das Papier ein Rekordtief bei 10,55 Euro, bis zum Handelsschluss erholten sich die Titel aber wieder auf 11,80 Euro, ein Plus von vier Prozent. Auch Siemens (plus 2,2 Prozent auf 49,15 Euro) und SAP (plus 1,5 Prozent auf 77,20 Euro) zogen zum Abend kräftig an.
Mit einem Aufschlag von 3,3 Prozent auf elf Euro präsentierte sich auch die T-Aktie sehr stark. Interims-Vorstand Helmut Sihler zeigte sich mit der Entwicklung des Bonner Konzerns in den ersten sechs Monaten 2002 zufrieden. "Wir hatten ein gutes erstes Halbjahr", sagte der 72-Jährige Nachfolger von Ron Sommer in einem Zeitungsinterview. Der Markt spekuliere zudem über einen möglichen Verkauf der US-Mobilfunktochter Voicestream, berichteten einige Händler.
TUI strebt eigene Billigfluglinie an
Die Anteilsscheine des Tourismuskonzern TUI verteuerten sich um 0,9 Prozent auf 20,40 Euro. Die Pläne zum Start einer Billigfluglinie werden immer konkreter. Die neue Fluggesellschaft soll nach Angaben aus Unternehmenskreisen vom Freitag schon vom Dezember an von Köln aus starten. Ein TUI-Sprecher sagte in Hannover, bislang seien keine endgültigen Entscheidungen gefallen. Es werde aber Thema der nächsten Aufsichtsratssitzung im August sein. Für den Aufbau des No-Frills-Geschäfts ("ohne Schnickschnack") verhandelt die TUI AG mit mehreren Fluglinien.
Die Anteilsscheine der Lufthansa verloren 3,4 Prozent und kosteten 11,45 Euro. Das Bundeskartellamt verlangt von der Fluggesellschaft unter Androhung von Zwangsgeld, dass sie Startrechte in Frankfurt an den Konkurrenten Germania abgibt.
ThyssenKrupp-Aktien standen 2,9 Prozent schwächer bei 12,25 Euro. Am Donnerstag wird der Stahlkonzern Quartalsbilanz ziehen und dabei unterhalb seiner Gewinnprognosen bleiben, befürchten Analysten. Fakt ist zunächst, dass die Stahlausfuhren seit April drastisch gesunken sind, berichtet die Wirtschaftsvereinigung Stahl. Die Vereinigten Staaten hatten im März Einfuhrzölle bis zu 30 Prozent auf Stahlimporte verhängt.
Versicherer unter Druck
Die Kosten wegen der vom Hochwasser in Ostdeutschland angerichteten Schäden dürften die Aktien der Versicherer in den kommenden Tagen belasten, sagten Börsianer. Die Papiere der Allianz verloren um 1,6 Prozent auf 124,52 Euro, Münchener-Rück-Titel drehten am Abend noch Plus und schlossen etwas fester auf 194,29 Euro. Ein Analyst sagte, gänzlich könnten die Versicherer die Schäden nicht ignorieren. "Die Hauptbelastung wird aber die Bundesregierung tragen." Allianz und Münchener Rück teilten mit, es sei noch zu früh, um die Auswirkungen der Flutkatastrophe und daraus resultierende Forderungen zu beziffern.
Bauwerte klettern kräftig, Mobilcom führt den Neuen Markt an, Euro über 0,98 Dollar
Bauwerte führen den MDax an
Die beiden börsennotierten Bauaktien im MDax präsentierten sich sehr stark. Mit einem Plus von über elf Prozent auf 20,30 Euro setzte sich der Mannheimer Bauwert Bilfinger und Berger mit großem Abstand an die Spitze des Nebenwerteindex'. Auch die Hochtief-Aktie , die 7,4 Prozent auf 16,64 Euro zulegte, gehörte zu den stärksten Werten. "Die Milliardenschäden nach dem Hochwasser in Sachsen scheinen die Fantasie der Anleger zu beflügeln", sagte Midcap-Analyst Roland Köhnen vom Bankhaus Lampe in Düsseldorf. Die Bauwerte seien bereits seit Langem unter Druck, nun werde offensichtlich eine Kaufgelegenheit wahrgenommen. "Schließlich stehen die Milliarden zum Wiederaufbau in Ostdeutschland zur Verfügung", sagte Köhnen.
Der Analyst nannte auch handfestere Gründe, die besonders den klaren Vorsprung der Aktie von Bilfinger und Berger erklären. So entschied sich der Konzern bereits am Vortag gegen die Übernahme des bei J.A. Jones gebündelten US-Geschäftes des insolventen Konkurrenten Philipp Holzmann. Der Vorstandsvorsitzender des Mannheimer Baukonzerns, Herbert Bodner, begründete im Gespräch mit der "Börsen-Zeitung" den Verzicht auf Jones mit den Ergebnissen der so genannten Due Diligence, die deutlich anders als erwartet ausgefallen sei. "Das wird von den Anlegern honoriert", sagte Köhnen.
Mobilcom deutlich im Plus
Nur wenige Aktien haben sich am Neuen Markt dem Abwärtssog entziehen können. Zu den größten Gewinnern im Nemax 50 gehörte das Papier von Mobilcom . Die Aktie zog um 4,4 Prozent auf 5,01 Euro an. Es mehren sich die Anzeichen, dass eine Lösung des Falls Mobilcom unmittelbar bevor stehen könnte. Die Société Générale, Hausbank von Mobilcom-Großaktionär France Telecom , hat für den 13. September zu einer Roadshow vor deutschen Investoren eingeladen.
Ein wenig Rückenwind für den Aktienkurs brachten die Bilanzzahlen der Comdirect . Die Aktie notierte zuletzt auf 3,50 Euro, ein Plus von 1,5 Prozent. "Operativ liegt das Quartalsergebnis innerhalb der Erwartungen", sagte ein Analyst aus Frankfurt. Da der Ausblick für das Gesamtjahr "eher negativ" sei, "gibt es derzeit keinen Grund, in die Aktie zu investieren", gab sich der Börsianer skeptisch.
Insider handeln mit Thiel Logistik
Meldepflichtige Aktiengeschäfte tätigten am Freitag mehrere Mitglieder der Geschäftsleitung des Luxemburger Logistikers Thiel Logistik , wie der Markt am Morgen pflichtgemäß informiert wurde. Die Aktie sank um annähernd zehn Prozent auf 5,08 Euro. Die Beteiligungsgesellschaft Delton AG will Thiel mit einer Beteiligung von geringfügig mehr als 50 Prozent übernehmen, wie bereits am Dienstag bekannt gegeben wurde.
Nach der Übernahme prüfe Thiel zudem, die ebenfalls mehrheitlich von Delton gehaltene Microlog Logistics in das Unternehmen einzubringen. Bislang habe die Beteiligungsgesellschaft um den Sohn der Unternehmerfamilie Quandt, Stefan Quandt, bereits 45 Prozent der Thiel-Anteile in seinen Besitz gebracht, hieß es am Dienstag.
Letsbuyit mit enormen Umsätzen
Am breiten Markt verbuchten die Titel von Letsbuyit.com bis zum Nachmittag einen Umsatz knapp 70 Millionen Aktien und übertrafen damit den bereits sehr hohen Vortageswert um mehr als das Doppelte. Die Zahl der umgegangenen Letsbuyit-Papiere übertraf den 90-Tages-Durchschnitt sogar um mehr als das hundertfache. Der Kurs blieb jedoch unverändert bei 0,02 Euro.
Auf der elektronischen Handelsplattform Xetra ist traditionell die Telekom der am meisten gehandelte Wert. Am Freitag lag die T-Aktie jedoch nur auf Platz zwei hinter Letsbuyit, deren Aktien-Umsatz den des Telekom-Papiers um das siebenfache übertraf.
Am Vortag sei ein Großteil des Geschäftes auf eine einzige inländische Adresse zurückgegangen, sagten Händler. Da war der Kurs zeitweise auf 0,16 Euro emporgeschossen. Über die Gründe waren sich die Börsianer jedoch im Unklaren. Das nochmals gestiegene Interesse am Freitag begründeten sie damit, dass nun offenbar spekulativ orientierte Anleger auf beiden Seiten versuchten, den Kurs zu bewegen.
Leichte Verluste in Tokio
Der Nikkei-Index für 225 führende Werte gab am Freitag geringfügig um 7,44 auf 9788 Punkte nach. Der breit angelegte Topix sank um 0,62 Punkte und endete bei 961 Zählern.
Die Kurse der Chiptitel notierten nach den Vortagesgewinnen der US-Technologiewerte uneinheitlich. Fujitsu stiegen um 14 Yen auf 615 Yen. Hitachi legten sechs Yen auf 669 Yen zu. Toshiba gewannen fünf Yen auf 415 Yen. Mitsubishi Electric fielen um zwei Yen auf 421 Yen.
Die Aktien der Chip-Ausrüster notierten meist höher: Rohm stiegen um 160 Yen auf 16.600 Yen. Kyocera gewannen 60 Yen auf 8660 Yen und Tokyo Electron legten 80 Yen auf 5230 Yen.
Euro über 0,98 Dollar
Der Kurs des Euro ist am Freitag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9825 (Donnerstag: 0,9777) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0178 (1,0228) Euro. Bis 20 Uhr kletterte die Einheitswährung auf 0,9842 Dollar.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6403 (0,6381) Pfund, 115,37 (114,82) Yen und 1,4645 (1,4626) Schweizer Franken fest.