Börsenschluss Dax schließt unter 5000 Punkten
Frankfurt am Main Die deutschen Aktienmärkte sind am Donnerstag nach einem behaupteten Start ins Minus gerutscht und haben im Handelsverlauf ihre Verluste kontinuierlich ausgebaut. Der Dax schloss 1,5 Prozent schwächer auf 4964 Punkten. Am Neuen Markt ging der Nemax 50 nahe seines Tagestiefststandes auf 843 Punkten aus dem Handel, ein Minus von 1,2 Prozent. Der MDax der mittelgroßen Werte büßte 0,2 Prozent auf 4499 Zähler ein.
"Die Kursentwicklung (des Dax) wird kurzfristig durch ein schwächeres Geschäftsklima belastet", sagte der Aktienstratege Volker Borghoff von HSBC. Ab Juni sollten die Aktien aber wieder von einer verbesserten Konjunkturerwartung und stärkerer Liquidität am Markt profitieren. Bis August scheine dann ein Dax-Anstieg auf 5400 bis 5500 Punkte möglich, ergänzte Borghoff.
In den USA eröffneten die Börsen freundlich, entwickelten sich im weiteren Verlauf jedoch uneinheitlich. Der Dow Jones notierte zum Handelsschluss in Deutschland auf 10.092 Punkten, ein Plus von 0,3 Prozent. Die Nasdaq verlor dagegen rund 1,1 Prozent auf 1659 Zähler.
T-Aktie fällt unter Emissionspreis
Nach einer Herabstufung durch die Investmentbank Goldman Sachs fielen die T-Aktien um 6,9 Prozent auf 13,72 Euro und damit unter ihr Kursniveau zur Erstnotiz Ende 1996. Goldman Sachs hatte zuvor die Bewertung auf "Marketperformer" von "Outperformer" zurückgenommen. Zudem senkten die Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein ihre Gewinnerwartungen für die Deutsche Telekom .
SAP-Papiere brachen um 7,3 Prozent auf 134 Euro ein. Börsianer verwiesen darauf, dass sich der Konkurrent Navision nach eigenen Angaben in Gesprächen über einen möglichen Verkauf der Firma befindet. Zeitungsberichten zufolge soll Microsoft 1,2 Milliarden Dollar für die Firma bieten. Microsoft lehnte eine Stellungnahme ab. Durch einen Kauf von Navision würde Microsoft zu einem der weltweit führenden Herstellern von Programmen zur Unternehmensplanung für mittelgroße Firmen werden.
Adidas nach Zahlen im Plus
Von guten Ergebnissen in den USA getrieben war die Aktie von Adidas . Am Tag der Quartalsbilanz stieg der Kurs um über sieben Prozent auf 80,50 Euro an und hielt damit die Spitzenposition in der Dax-Gewinnerliste. "Entscheidend bei den Zahlen war die Entwicklung auf dem hart umkämpften amerikanischen Markt", sagte ein Händler. Hier konnte der fränkische Sportartikelkonzern, weltweit die Nummer 2, ein Umsatzplus von sieben Prozent auf 475 Millionen Euro verbuchen.
Die Aktien des Komponentenherstellers Epcos schlossen trotz eines euphorischen Handelsauftakts bei 44,24 Euro 1,9 Prozent unter ihrem Schlussstand vom Dienstag. Der Ausblick auf das dritte Quartal habe die nach den überraschend guten Zahlen für das zweite Quartal zunächst sehr gute Stimmung für die Aktie eingetrübt, sagte ein Händler. Epcos-Chef Gerhard Pegam hatte in einem Interview eine Umsatzstagnation für das laufende dritte Quartal nicht ausgeschlossen.
Boeing schiebt Cargolifter-Aktie an
Im MDax stachen die Aktien des Brandenburger Luftfahrtwertes Cargolifter heraus, die zuletzt um 16,4 Prozent auf 3,84 Euro anstiegen. Die Anleger honorierten damit die Zusammenarbeit mit einem der prominentesten Namen der Branche: Am Morgen wurde eine erste Kooperationsvereinbarung mit dem US-Konzern Boeing bekannt gegeben. Beide Unternehmen werden künftig nach Möglichkeiten zur Zusammenarbeit suchen.
Neuer Markt rutscht ins Minus Rösch-Kurs verdoppelt sich
Neuer Markt fällt ins Minus
Am Neuen Markt sind die Indizes im Handelsverlauf deutlich unter Druck geraten. Nach einer positiven Eröffnung rutschten der Nemax 50 und Nemax All Share am Mittag in den roten Bereich, und verloren bis zum Handelsschluss deutlich.
Rösch-Aktie gewinnt mehr als 100 Prozent
Der Aktienkurs des Berliner Medizintechnik-Herstellers Rösch hat sich nach der Kassenzulassung für die so genannte nadelfreie Spritze des Unternehmens mehr als verdoppelt. Die Aktie schoss um 137,8 Prozent auf 5,35 Euro hoch. Mit der "Spritze ohne Nadel" können sich beispielsweise Diabetiker schmerzlos Insulin injizieren. Die Spitzenverbände der Krankenkassen haben das Injektionssystem Injex TM in ihr Hilfsmittelverzeichnis aufgenommen, wie das am Neuen Markt notierte Unternehmen mitteilte. Damit sei die Grundvoraussetzung für eine Kostenerstattung durch die Krankenkassen erfüllt.
Thiel-Logistik-Aktien verteuerten sich um 1,7 Prozent auf zwölf Euro. Einem Pressebericht zufolge hat der Wirtschaftsprüfer des Luxemburger Unternehmens keine Anzeichen für Bilanzfälschungen gefunden. "Dies ist der vierte Tag mit einer positiven Performance", sagte Guiseppe Amato, Marktstratege des Wertpapierhandelshauses Lang & Schwarz in Düsseldorf. "Da spielen einerseits die Aussagen der Wirtschaftsprüfer eine Rolle und zum anderen die Nachricht, dass der vom Unternehmen geplante Aktienrückkauf wieder auf Eis gelegt worden ist", sagte er. "Der Verkaufsdruck ist nun heraus", fügte Analyst Gunnar Cohrs von der Berenberg Bank hinzu. "Die Aktie ist in den Vorwochen extrem gefallen und erholt sich nun wieder."
Die Aktien von EM.TV notierten am Mittag deutlich im Plus, gaben ihre Gewinne jedoch wieder ab und schlossen auf Vortagesniveau bei 1,43 Euro. Der angeschlagene Filmrechtehändler hat mit dem Fernsehsender Tele 5, an dem er indirekt selbst beteiligt ist, einen neuen Abnehmer für seine Kinder- und Jugendserien gewonnen. Zwischen den Unternehmen sei eine "auf mehrere Jahre angelegte Vereinbarung" geschlossen worden, teilte EM.TV am Donnerstag mit. Im laufenden Jahr will EM.TV 300 Stunden zum Programm von Tele 5 beisteuern. Der neue Sender, der erst Ende April den Betrieb aufgenommen hat, wird von der Tele München Gruppe (TMG) veranstaltet. An ihr ist EM.TV mit 45 Prozent beteiligt.
Gewinnmitnahmen drücken Intershop
Gewinnmitnahmen lasteten dagegen auf Intershop . Die Titel der Softwareschmiede fielen um mehr als acht Prozent auf 1,18 Euro.
Aktien der Technotrans AG schlossen etwas fester auf 43,60 Euro. Der westfälische Anlagenhersteller hat im ersten Quartal 2002 wegen eines Nachfragerückgangs im Bereich Druckmaschinen deutliche Verschlechterungen bei Umsatz und Ergebnis ausgewiesen. Der Umsatz sei im Jahresvergleich um 12,4 Prozent auf 28,6 Millionen Euro gefallen, teilte das Unternehmen mit. Der Rückgang um 4,3 Millionen Euro im Geschäft mit Druckmaschinen habe nicht ausgeglichen werden können.
Nikkei knapp behauptet - Euro gestiegen
Tokio: Etwas leichter ins verlängerte Wochenende
In Japan hat die Börse am Donnerstag knapp behauptet geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte büßte geringfügige 1,78 Punkte ein und ging beim Stand von 11.551 Punkten in ein verlängertes Wochenende. Am Freitag und am Montag werden die japanischen Börsen wegen eines Feiertags geschlossen bleiben. Der breit angelegte Topix büßte 0,41 Punkte auf 1086 Punkte ein. Händler führten als einen Grund die Dollar-Schwäche an.
Honda Motor verloren 110 Yen auf 5840 Yen. Toyota fielen um 50 Yen auf 3.470 Yen und Nissan sanken 41 Yen auf 953 Yen.
Die Technologiewerte tendierten uneinheitlich; einige ausgewählte Aktien litten unter Gewinnmitnahmen. So verloren Advantest 50 Yen auf 9250 Yen. Rohm kosteten unverändert 19.100 Yen. Kyocera stiegen um 50 Yen auf 8960 Yen. Sony verbilligten sich um 60 Yen auf 6850 Yen. Canon verloren 20 Yen auf 4900 Yen.
Shiseido stiegen um 99 Yen auf 1547 Yen, nachdem in einem Pressebericht von einer Gewinnsteigerung um 96 Prozent auf etwa 47 Milliarden Yen für das Geschäftsjahr mit Ende März die Rede gewesen war. Das Unternehmen wies dies als Spekulation zurück.
Kurs des Euro gestiegen
Der Kurs des Euro ist am Donnerstag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9032 (Dienstag: 0,9008) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1072 (1,1101) Euro. Zum Handelsschluss in Frankfurt wurde die Einheitswährung mit 0,9023 Dollar gehandelt.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6179 (0,6188) Pfund, 115,51 (115,66) Yen und 1,4564 (1,4621) Schweizer Franken fest.
Duisenberg unzufrieden über Preisentwicklung in Eurozone
Unterdessen befürchtet die Europäische Zentralbank (EZB), dass die Inflationsrate im Euroland doch nicht wie erwartet unter die Warnschwelle von zwei Prozent fällt. "Die Preisentwicklung war ungünstiger als noch vor einigen Monaten erwartet", sagte Duisenberg nach der Sitzung des EZB-Rats am Donnerstag in Frankfurt. "Ich bin mir nicht mehr so sicher wie früher, dass die Inflationsrate in diesem Jahr im Durchschnitt unter zwei Prozent liegen wird." Das hänge wesentlich von der Entwicklung des Ölpreises ab. Ein Fall unter die Zwei-Prozent-Marke sei aber noch möglich. Im April erreichte die Teuerung in der Währungsunion ein Niveau von 2,2 Prozent.
Die Konjunktur wird nach Einschätzung Duisenbergs im Verlauf dieses Jahres an Fahrt gewinnen und 2003 wieder zu guten Wachstumsraten führen. Das günstigere internationale Umfeld sollte vor allem den Exportsektor in der Eurozone stützen. Die Stärke des Aufschwungs sei aber nach wie vor ungewiss. Als größten Risikofaktor bezeichnete der EZB-Präsident das Leistungsbilanzdefizit der USA.