Börsenschluss: Dax steigt über 200 Punkte - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Dax steigt über 200 Punkte

Mit fulminanten Kursanstiegen haben sich die deutschen Aktienmärkte ins Wochenende verabschiedet. Händler bleiben jedoch skeptisch. Trotz der Erholungstendenzen sei noch keine Trendwende auszumachen.
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Frankfurt am Main - Die hohe Nachfrage nach Technologiewerten hat den Dax am Freitag um 224 Punkte nach oben getrieben. Das Börsenbarometer schloss mit einem Plus von 5,3 Prozent auf 4483 Punkten. Das Papier des Chipherstellers Infineon   und die T-Aktie   verzeichneten zweistellige Kursgewinne. Aktienhändler sagten, die Anleger investierten in erster Linie in Technologie-Titel und zyklische Werte, um nicht den Beginn einer kräftigen Erholung des Aktienmarktes zu verpassen.

Am Neuen Markt kletterte der Nemax 50 um 7,4 Prozent auf 587 Zähler. Noch am Mittwoch hatte der Index im Tagesverlauf ein Rekordtief bei 512 Punkten markiert. Der MDax der 70 mittelgroßen Werte verbesserte sich um 1,7 Prozent auf 3902 Zähler.

"Das ist die Erleichterung darüber, dass in den USA nichts passiert ist", sagte ein Händler. Dort wurden am Vortag wegen des Unabhängigkeitstags neue Terroranschläge erwartet. Zeitweise verzeichneten drei der 30 Dax-Werte zweistellige Kursgewinne.

Am Freitag legten die US-Leitbörsen daraufhin ebenfalls deutlich zu. In den USA schlossen die Märkte am Freitag auf Grund des Feiertages vom Vortag bereits um 19.00 Uhr (MESZ). Der Dow-Jones-Index erhöhte sich um 3,6 Prozent und die Technologiebörse Nasdaq um 4,9 Prozent. Mit Blick auf die jüngsten Bilanzskandale einiger Unternehmen, die die Märkte zuletzt deutlich belastet hatten, sagte ein Händler jedoch: "Ich glaube, es ist noch nicht alles ausgestanden. Eine Trendwende sehe ich noch nicht."

"Warum sollte sich die Stimmung so schnell geändert haben?", fragte ein Marktteilnehmer. Er hielt auch ein erneutes Abrutschen des Dax' auf 3800 Punkte für möglich.

Infineon-Kurs schießt nach oben

Die Papiere von Infineon   setzten sich an die Spitze der Kursgewinner im Dax. Der Aktienkurs des zur Siemens-Familie zählenden Herstellers von DRAM-Speicherelementen kletterte um 13,7 Prozent auf 16,85 Euro. Händler führten die Kursgewinne auf die große Nachfrage nach Technologiewerten an den asiatischen Börsen zurück. Zudem war von Deckungskäufen so genannter Leerverkäufer die Rede. Leerverkäufer wetten auf sinkende Aktienkurse. Deshalb hätten sie sich Infineon-Aktien geliehen und verkauft. Dabei seien sie davon ausgegangen, die geliehenen Aktien zu einem günstigeren Kurs zurückkaufen und so einen Gewinn machen zu können. Ein anderer Börsianer sagte, Infineon profitiere zudem von einem positiven Analystenkommentar. Die Investmentbank Merrill Lynch hatte zuvor ihr "Strong Buy"-Rating bekräftigt.

Ähnliche Gerüchte waren auch zur T-Aktie   im Umlauf. Mit einem Aufschlag von 12,5 Prozent auf 10,80 Euro notierte der Anteilschein der Deutsche Telekom wieder zweistellig. "In normalen Marktphasen gibt es bei steigenden Kursen immer wieder Rücksetzer um 20 oder 30 Punkte", sagte ein Händler. Die kontinuierliche Aufwärtsentwicklung am Berichtstag deute auf Deckungskäufe hin. "Bei der Deutschen Telekom sind Kurse unter zehn Euro wegen der Substanz des Konzerns zu niedrig", sagte DEKA-Fondsmanager Trudbert Merkel. Die massiven Kursverluste der Vorwochen seien überzogen gewesen. Dagegen führte Analyst Alfred Kaiser vom Bankhaus Nols aus: "Das geht mir ein bisschen zu schnell und schreit nach einer Korrektur am Montag."

SAP   notierten mit einem Plus von 10,4 Prozent auf 97,00 Euro.

Leichte Gewinne bei Eon

Nach Bekanntgabe der Auflagen zur Ruhrgas-Übernahme gab die Aktie des Düsseldorfer Energiekonzerns Eon   zunächst gegen den Trend deutlich nach. Das Papier ging schließlich mit einem Plus von 0,3 Prozent auf 59,80 Euro aus dem Handel. Händler erklärten die bescheidene Kursentwicklung mit Gewinnmitnahmen und härter als erwartet ausgefallenen Auflagen. Dennoch sei das Geschäft unverändert vorteilhaft für Eon, fügten sie übereinstimmend hinzu. "Das ist weiter ein sehr guter Deal für Eon", sagte auch ein Londoner Analyst.

Zocker spielen mit Babcock Borsig - Thiel stürzt ab

Unsichere Lage bei Babcock Borsig

Spekulative Anleger haben der Aktie des angeschlagenen Oberhausener Traditionsunternehmens Babcock Borsig   am Freitag eine Achterbahnfahrt beschert. Am Handelsschluss zeigte sich der Kurs 3,5 Prozent schwächer auf 1,68 Euro, nachdem die Aktie im Tagesverlauf zeitweise 22,4 Prozent schwächer und acht Prozent fester notiert worden war.

"Natürlich" werde der Kurs von spekulativen Käufen bewegt, sagte ein Händler einer Frankfurter Großbank. Zudem setzten einige Anleger darauf, dass die Banken dem Unternehmen zur Rettung beisprängen. "Aber im Grunde tut sich bei dem Preis nicht viel, ob der Wert nun acht Prozent verliert oder nicht", sagte ein weiterer Händler. "Die Lage ist sehr ernst", sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) am Freitag in Düsseldorf. "50:50 ist sehr positiv gedacht", sagte er zu den Rettungschancen.

Neuer Markt auf Erholungskurs

"Die Stimmung am Neuen Markt ist heute ausgesprochen freundlich gewesen", sagte ein Händler am Abend. Die enormen Zuwächse habe das ehemalige Hoffnungssegment aber vor allem der weltweiten Erholung der Technologiewerte zu verdanken. Angesichts der Kurssprünge in Dax, Dow Jones und Nasdaq habe der Nemax einfach mitziehen müssen. Gute Nachrichten vom Neuen Markt selbst gab es allerdings kaum."

Mit einem fulminanten Kursanstieg von über 22 Prozent auf 2,20 Euro erholte sich die Aktie von CE Consumer   von den Vortagesverlusten und führte die Gewinnerliste im Nemax 50 an. Die Titel des Rivalen ACG   kletterten um 14,4 Prozent auf 2,06 Euro.

Günstige Einstiegskurse stützen Schwergewichte

Die Titel des Marktschwergewichts Aixtron   schlossen mit einem Plus von 11,1 Prozent bei 10,70 Euro. "Auf einige Werte, wie eben der von SAP SI   aber auch von Aixtron ist in den vergangenen Tagen extrem eingeprügelt worden", sagte ein Händler. Es sieht jetzt ein wenig danach aus, als ob sich vor allem Shorttrader günstig eindecken wollen."

Aktien des Beratungs- und Softwarehauses FJA   stiegen um 8,9 Prozent auf 44,90 Euro. Das Unternehmen beteiligt sich mit 35 Prozent an dem Kaiserslauterer Softwarehersteller Insiders Technologies GmbH. Der Kaufpreis wurde mit "unter einer Million Euro" angegeben. Gleichzeitig hat sich FJA die Option gesichert, in zwei Jahren Insiders komplett zu übernehmen.

Die Angst vor Bilanzmauscheleien verschrecke die Anleger auch weiterhin, sagte ein weiterer Händler am Abend. Dennoch sah er positive Anzeichen: "Wenn wir in den nächsten Wochen nicht weitere Nachrichten wie die von Worldcom   hören, sehe ich auch hier am Neuen Markt Aufwärtspotenzial." Das US-Telefonunternehmen Worldcom hatte Bilanzfalschbuchungen von mehreren Milliarden Dollar zugegeben.

Thiel stürzt nach Fehltrade ab

Thiel Logistik   erlebten heute einen seltsamen Handelsverlauf. Die Aktie hatte am Vormittag mit mehr als elf Prozent auf knapp sechs Euro im Plus gestanden und setzte damit ihre Aufwärtstendenz der vergangenen Tage fort. Gegen elf Uhr ging des dann auf einmal steil bergab. Zum Handelsschluss stand das Papier bei 5,05 Euro: ein Verlust von rund vier Prozent.

Nach Informationen des Nachrichtensenders n-tv soll angeblich eine Fehleingabe für den Kurssturz gesorgt haben. So seien fälschlicherweise mehr als 200.000 Aktien durch eine große Adresse auf den Markt geworfen worden. Danach wurde wieder zurück gekauft. "Da hat wohl einer auf den falschen Knopf gedrückt. Und dann kam auch noch die Volaaussetzung zu spät", zitiert die Nachrichtenagentur vwd einen Händler. Das alles habe dazu geführt, dass die Papiere nun wieder eingesammelt werden müssten. "Ich habe ja schon viel am Neuen Markt gesehen, aber das war unglaublich. Das könnte jemanden richtig teuer zu stehen kommen", so der Beobachter.

Die Titel von Thiel waren in den vergangenen Wochen kräftig unter Abgabedruck geraten, nachdem zwei Großaktionäre umfangreiche Aktienverkäufe getätigt hatten. Angesichts einer unklaren Unternehmensentwicklung hatte die Investmentbank Morgan Stanley die Aktien kürzlich von "Overweight" auf "Equal-Weight" herunter gestuft, nachdem sie das Kursziel zuvor von 20,50 Euro auf 8,90 Euro gesenkt hatte.

Technische Erholung in Tokio - Euro etwas schwächer

Tokio: Fester nach ruhigem Geschäft

Die Börse in Tokio hat die Woche am Freitag fester beendet. Bei den Anlegern überwog das Aufatmen nach einem US-Nationalfeiertag ohne Terroranschläge, berichteten Händler in Tokio. Gleichzeitig war die Rede von einer technischen Reaktion nach den klaren Verlusten in der ersten Wochenhälfte.

Der Nikkei 225 beendete das Geschäft um 1,8 Prozent höher bei 10.826 Punkten. Das Tageshoch erreichte der Nikkei bei 10.885 Punkten. Der marktbreitere Topix schloss um 0,9 Prozent höher bei 1042 Punkten. Das Handelsvolumen war allerdings unterdurchschnittlich.

Das Risiko weiterer Kursverluste dürfe am japanischen Aktienmarkt trotz eines versöhnlichen Wochenschlusses nicht unterschätzt werden, sagte Analyst Yutaka Miura von Shinko Securities. Am Freitag habe besonders der stabile Yen den Markt gestützt.

Unter den schwer im Nikkei gewichteten Technologietiteln stiegen Advantest   um 290 auf 7480 Yen, Kyocera   legten 250 auf 8880 Yen zu, TDK   gewannen 230 auf 5780 und Tokyo Electron   verteuerten sich um 280 auf 7520 Yen.

Chipwerte waren ebenfalls überdurchschnittlich gesucht. Fujitsu   stiegen um 23 auf 835, NEC   gewannen 23 auf 834 Yen, Hitachi   stiegen um 23 auf 775 und Toshiba   legten 21 auf 400 Yen zu.

Euro unter der Marke von 0,98 Dollar

Der Kurs des Euro ist am Freitag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9725 (Donnerstag: 0,9790) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0283 (1,0215) Euro. Bis 20 Uhr erholte sich die Einheitswährung wieder leicht auf 0,9737 Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6412 (0,6414) Pfund, 116,98 (117,46) Yen und 1,4659 (1,4646) Schweizer Franken fest.