Börsenschluss Dax und Nemax im Plus
Hamburg Die deutschen Börsen haben sich am Nachmittag noch einmal aufgebäumt und den Handel am Donnerstag freundlich beendet. Nach einer schwachen Eröffnung legte der Dax bis zum Schluss noch 0,8 Prozent auf 5597 Punkte zu. Der Tagestiefststand lag bei 5383 Punkten. Der Nemax-50 ging mit einem Plus von einem Prozent auf 1323 Zählern aus dem Handel. Die Nebenwerte haben sich dem festen Schlusstrend entzogen: Mit einem Minus von 0,8 Prozent auf 4426 Punkten ging der M-Dax aus dem Handel.
In den USA notierten die Börsen im Handelsverlauf uneinheitlich. Der Dow Jones gab einen Teil seiner Gewinne wieder ab und präsentierte sich zwei Stunden vor dem Schlussgong mit einem Zählerstand bei 9512 Punkten nur noch leicht im Plus. Die Nasdaq drehte ins Minus und verlor 1,4 Prozent auf 1650 Punkte.
"An den Märkten herrscht immer noch große Unsicherheit über die Lage der US-Konjunktur", sagte Jason Forde, Fondsmanager bei Maintrust. "Der Handel wird auch weiterhin volatil bleiben, solange die Investoren nicht wissen, ob sie kaufen oder verkaufen sollen". Man warte auf Signale, die die Richtung weisen, und das könnten weitere Gewinnwarnungen, Anzeichen einer Verbesserung der konjunkturellen Lage oder der Verlauf der US-Börsen sein, fügte Forde hinzu.
"Die Wirtschaft boomt nicht mehr so, Wachstumsprognosen werden nach unten revidiert, sogar die Ausblicke der Unternehmen sind nicht mehr positiv", sagte ein Börsianer. Zudem sitze der Schock darüber, wie die Aktienmärkte in das zweite Quartal gestartet seien, bei den Anlegern tief, sagte Forde mit Blick auf die Kursverluste der vergangenen Tage. "Man scheint auch das Vertrauen verloren zu haben, dass die Märkte nach rationalen Maßstäben funktionieren. Es gibt keinen Unterschied mehr zwischen soliden und angeschlagenen Unternehmen, man verkauft einfach alles."
Technologiewerte im Aufwind
Das Kursplus im Dax wurde vor allem von den Technologiewerten getragen. Zwei Schwergewichte haben sich besonders hervorgetan: SAP und die Deutsche Telekom. Nachdem die Aktien der Walldorfer Software-Schmiede den Handel als größter Verlierer begonnen hatten, schoben sich die SAP-Titel zum Schluss nach ganz oben: Das Papier legte 6,4 Prozent auf 117 Euro zu.
Auslöser für den Kursaufschwung war eine angekündigte Zusammenarbeit des Softwareunternehmens mit dem US-Internetanbieter Yahoo. Demnach haben die beiden Unternehmen eine Kooperation bei Software-Lösungen für Unternehmensportale vereinbart. Das gemeinsam entwickelte Portal solle bereits im zweiten Quartal diesen Jahres lieferbar sein. Zudem hatte SAP an seinen Wachstumsprognosen festgehalten und somit Marktspekulationen über eine bevorstehende Gewinnwarnungen zerstreut.
Die Deutsche Telekom profitierte von Gerüchten, denen zufolge die US-Aufsichtsbehörde die teure Voicestream-Übernahme durch den Bonner Konzern zu unterbinden gedenke. Die T-Aktie schloss mit 5,2 Prozent bei 26,40 Euro im Plus. "Es ist schwierig zu sagen, ob das gut oder schlecht für die Telekom ist", sagte ein Händler. Zudem profitierten die Aktien ebenfalls von einer technischen Erholung nach den jüngsten Abschlägen.
Infineon-Anteilsscheine gewannen fünf Prozent auf 40,18 Euro. In den USA hatten die Analysten von CIBC Oppenheimer am Vortag ihre "Übergewichten"-Einstufung für den Chip-Ausrüster-Sektor bestätigt. Siemens legten 0,4 Prozent auf 108,80 Euro zu, Epcos dagegen fiel um 1,8 Prozent auf 60,50 Euro.
Unter massiven Abschlägen litt die "Aktie Gelb". Die Titel der Deutschen Post verloren 5,2 Prozent auf 18 Euro und waren damit die größten Verlierer. Händler erklärten die Verluste mit dem Durchbrechen einer technischen Unterstützungslinie. Fundamentale Gründe lägen nicht vor.
Die Papiere der HypoVereinsbank stiegen um knapp drei Prozent. Börsianer führten die Bewegung auf Spekulationen im Markt zurück, wonach die Münchener Rück ihren Anteil an der Bank weiter aufstocken wolle. Die Allianz und Dresdner Bank schlossen nahezu unverändert.
Online Broker ziehen den Neuen Markt nach oben
Am Neuen Markt beflügelten Übernahmefantasien die Aktien der Online Broker. Comdirect-Aktien legten um über 15 Prozent auf 11,20 Euro zu. Der italienische Versicherungskonzern Assicurazioni Generali soll Gerüchten zufolge an einer Übernahme interessiert sein. Consors gewannen 8,3 Prozent auf 30 Euro, die Direkt Anlage Bank gewann 14,2 Prozent auf 13,30 Euro.
EM.TV büßten 5,7 Prozent ihres Wertes auf fünf Euro ein. Die Europäische Vereinigung der Automobilhersteller hatte am Nachmittag angekündigt, eine Konkurrenz-Rennsportserie zur Formel 1 aufzubauen. EM.TV hält gemeinsam mit der KirchGruppe die Mehrheit am Formel-1-Ausrichter SLEC. Diese Nachricht sorgte auch bei den Nebenwerten für Bewegung: ProSiebenSat.1 verloren rund 8,4 Prozent auf 17,00 Euro.
Carrier 1 lagen am unteren Ende der Nemax-50-Titel mit einem Kursverlust von 38,4 Prozent auf 3,80 Euro. "Die Verluste sind die Nachwehen der zweiten Abwärtskorrektur des Jahresergebnisses für 2000, sagte Jürgen Detlefsen, Analyst der Frankfurter Sparkasse. Carrier 1 hatte die Ergebnisprognose um 22,50 Prozent auf 6,20 Euro herabgesetzt.
Im marktbreiteren Nemax-All-Share legten die Papiere von Teldafax eine Berg- und Talfahrt hin. Lange Zeit hatten die Aktien mehr als 70 Prozent auf etwa 0,90 Euro zugelegt. Das Telekommunikationsunternehmen 3U prüfe eine Übernahme der angeschlagenen Teldafax, begründeten Händler die Kurszuwächse, die vor allem Zocker zu verdanken gewesen sein durften. Am Nachmittag fiel die Aktie ins Minus zurück und rettete sich zum Handelsschluss mit 3,9 Prozent ins Plus auf 0,54 Euro.
Die angeschlagene Metabox AG geriet wieder in die Schlagzeilen und fiel um rund 14,4 Prozent auf 1,55 Euro. Grund der Unruhe: Ulrich Ebeling, Vorstand Operations, hat das Unternehmen verlassen. Metabox will nach eigenen Angaben einen neuen Vorstand als Finanzchef benennen. Zudem hat Metabox die Anteile an der Interzart AG 3D Commerce abgegeben. "Als letztes wird jenes Tafelsilber verkauft, das vor einiger Zeit noch als wichtige strategische Beteiligung gepriesen wurde", sagte Detlefsen.
Euro über der 90-Cent-Marke
Der Euro verteuerte sich kräftig und übersprang die Marke von 0,90 Dollar. Die Europäische Zentralbank legte den Referenzkurs am Mittag bei 0,9032 Dollar fest. Dies waren 0,0187 Dollar mehr als am Dienstag. Im Vergleich zur D-Mark verbilligte sich die amerikanische Währung von 2,2099 Mark auf 2,1654 Mark. Am Devisenmarkt kostete ein Euro am Abend 0,902 Dollar.