Börsenschluss Dax verliert 140 Punkte
Frankfurt am Main - Der Dax ist am Freitag um 2,6 Prozent oder 140 Zähler gefallen und schloss bei 5222 Punkten. Der Wochenverlust beträgt damit knapp vier Prozent. Das Tagestief wurde am Nachmittag bei 5174 Punkten gemessen. Damit erreichte der Blue-Chip-Index den tiefsten Stand seit rund zwei Jahren. Auch der Neue Markt fiel weiter: Der Nemax 50 rutschte um 1,2 Prozent ins Minus auf 1060 Zähler. Die Stimmung könnte kaum schlechter sein, sagten Händler.
"Die Nervösität am Markt ist groß, die charttechnischen Signale stehen auf verkaufen", sagte Timm Wege, technischer Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin. Nach dem Durchbrechen einer Unterstützung bei 5400 Punkten im Dax gebe es seinen Berechnungen zufolge nach unten bei 5100 sowie bei 4750 Zählern weitere charttechnische Unterstützungsmarken.
Der Trend an der Wall Street war ebenfalls miserabel. Der Dow Jones verlor bis zum Börsenschluss in Frankfurt rund 1,3 Prozent auf 10.255 Punkte. Die Nasdaq gab 2,7 Prozent auf 1877 Punkte nach. In New York trübten schlechte Zahlen von Dell und eine Gewinnwarnung von Ford die Stimmung, zudem wurden die neusten Daten zum US-Handelsbilanzdefizit mit Sorge aufgenommen. Das Defizit ist im Berichtsmonat auf 29,4 Milliarden Dollar gestiegen nach revidiert 28,5 Milliarden Dollar im Mai.
Ford plant den Abbau von bis zu 5000 Arbeitsplätzen in Nordamerika. Der Arbeitsplatzabbau soll auf freiwilliger Basis und überwiegend durch Verrentung erfolgen, teilte der Konzern am Freitag mit. Die Kosten durch den Arbeitsplatzabbau dürften sich nach Steuern im vierten Quartal auf 700 Millionen Dollar belaufen. Für das Gesamtjahr erwartet Ford einen Gewinn je Aktie von 70 Cent vor Belastungen. Analysten hatten im Durchschnitt einen Gewinn je Aktie von 1,20 Dollar erwartet. Die Aktie gab im frühen Handel knapp 14 Prozent nach.
Bayer trotz schlechter Nachrichten im Plus
An einem rabenschwarzen Börsentag konnten sich ausgerechnet die Aktien von Bayer freundlich präsentieren. Nach deutlichen Verlusten in den vergangenen Tagen notierte das Papier zum Wochenschluss 1,3 Prozent fester auf 33,33 Euro und führte damit die Dax-Gewinnerliste an. Dies sei ein kleine technische Reaktion, die nicht überbewertet werden sollte, sagte ein Händler. Seit Bekanntgabe des Rückrufs des Cholesterinmittels Lipobay/Baycol in der letzten Woche ist der Kurs der Bayer-Aktie um gut ein Viertel gesunken. Inzwischen wird mit mehr als 52 Todesopfern im Zusammenhang mit dem Medikament Lipobay gerechnet. Auch in Frankreich ist eine Klage eingereicht worden.
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Zur Hauptbelastung für den Dax entwickelten sich die Titel der Autowerte. Die Aktien von DaimlerChrysler (minus 6,6 Prozent auf 47,68 Euro), Volkswagen (minus fünf Prozent auf 49,29 Euro) und BMW (minus 3,3 Prozent auf 34,95 Euro) verloren kräftig. Der Streik in der südafrikanischen Automobilindustrie geht nach einem erfolglosen Schlichtungsgespräch weiter. Alle drei Autobauer sind von dem Streik betroffen. Zudem lastete die Ford-Gewinnwarnung schwer auf der Branche.
Die Anteilsscheine von Infineon sackten im Handelsverlauf immer tiefer in die Verlustzone, nachdem in New York Gerüchte um schwache Geschäftszahlen des Rivalen Intel aufkamen. Bis zum Handelsschluss gaben die Aktien der Siemens-Tochter um 5,6 Prozent auf 22,90 Euro nach.
Die T-Aktie fiel um 3,4 Prozent auf 17,38 Euro. Das Rätsel um den Großverkauf von T-Aktien ist gelöst: Verkäufer der von der Deutschen Bank platzierten 44 Millionen Aktien der Deutschen Telekom ist offenbar die Hongkonger Hutchison-Whampoa-Gruppe. Der Finanzvorstand der Deutschen Telekom, Karl-Gerhard Eick, gibt sich vor dem erwarteten Rückfluss weiterer T-Aktien aus dem Besitz von Voicestream-Altaktionären gelassen. Eick rechnet damit, dass von den neuen Großaktionären der Telekom nach Ablauf einer Haltefrist am 1. September rund 80 Millionen Anteile auf den Markt kommen. Selbst 100 Millionen Stück dürften den Markt nach seinen Worten nicht beeindrucken.
Börsianer sind dagegen skeptisch: Es herrsche immer noch die Furcht vor einem Überangebot an Telekom-Aktien, sagten Händler. "Bis die potenziellen 500 Millionen Stücke nicht aufgenommen sind, hat die T-Aktie kaum Chancen sich zu erholen", sagte Knut Hochwald, Händler bei der Hamburger Sparkasse.
Größter Verlierer im Dax war die Aktie des Finanzdienstleister MLP, die mit einem Verlust von rund 15,2 Prozent auf 71,44 Euro auf ein 19-Monats-Tief fiel. Der Dax-Neuling ist hoch bewertet. Anleger sichern angesichts des Kursrutsches offenbar Gewinne, und Hedgefonds spekulieren darauf, dass MLP diese Sonderbewertung nicht halten kann. Eine Verkaufsempfehlung von JP Morgan und das Auslösen zahlreicher Stopp-Loss-Marken beschleunigten die Talfahrt von MLP.
Altana legt zu, Übernahmepoker um Bankgesellschaft Berlin
Im Nebenwerte-Index MDax kletterte Altana um 13 Prozent auf 50 Euro. Das Pharma-Unternehmen hat Erfolge beim Test eines neuen Lungenmedikaments gemeldet und stemmte sich gegen die sehr schwachen Märkte. Die Deutsche Bank stufte die Aktie von Altana auf "Kauf" herauf.
Die Offerte einer privaten Investorengruppe für die angeschlagene Bankgesellschaft Berlin gab der Aktie ein wenig Schwung: Sie verteuerte sich um vier Prozent auf 8,84 Euro. Vertreter des neuen Kaufinteressenten ist der ehemalige Investment-Banker bei Goldman Sachs und jetzige Direktor der japanischen Shinsei Bank, Christopher Flowers. Die Investorengruppe wolle mindestens 75 Prozent an der BGB kaufen. Ein Angebot des Partners Nord LB hatte den Kurs der im MDax notierten Aktie bereits in den Vortagen in die Höhe getrieben.
Neuer Markt: Es gibt nur eine Richtung
Der Neuen Markt ist auf dem Weg zu neuen Rekordtiefs. Am Markt rechnen Händler damit, dass die 1000-Punkte-Marke bald unterschritten wird. "Es kann am Neuen Markt noch mal zehn Prozent bergab gehen", aber das sei dann in Punkten auch nicht mehr so viel. "Kann schon passieren, dass es nächste Woche unter 1000 Punkte geht", bestätigte eine Marktteilnehmerin. "Im Moment ist hier alles im Eimer. Da gibt es nur eine Richtung."
Der Kabelnetzbetreiber Primacom hat eine Übernahme durch Liberty Media zwar dementiert, die Spekulationen halfen dennoch und halfen der Aktie auf 9,95 Euro, ein Plus von 21,3 Prozent. "Ich halte das nicht für wahrscheinlich, denn Liberty Media ist auch an dem Primacom-Partner UPC beteiligt", sagte ein Händler in Frankfurt. Die niederländische UPC stehe selbst kurz vor einer angekündigten Übernahme der Primacom.
Der Internet-Dienstleister Pixelpark brach nach schwachen Quartalszahlen um 13,8 Prozent auf 4,321 Euro ein. Das Unternehmen hatte am Morgen bei 23 Millionen Euro Umsatz einen Verlust von 20,9 Millionen Euro gemeldet.
Auch am Freitag trat ein neuer Pleitekandidat ans Licht der Öffentlichkeit: Der Softwarehersteller Lipro unterliegt nach eigenen Angaben der vorläufigen Insolvenzverwaltung, die vom Amtsgericht Berlin Charlottenburg angeordnet wurde. Die Aktie des angeschlagenen Unternehmens fiel um 34,7 Prozent auf 0,32 Euro.
Euro etwas schwächer
Der Kurs des Euro ist leicht gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,9138 (Donnerstag: 0,9144) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1403 (2,1389) Mark. Gegen Börsenschluss in Frankfurt notierte der Euro bei 0,9169 Dollar
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6327 (0,6328) Pfund, 110,34 (109,66) Yen und 1,5183 (1,5193) Schweizer Franken fest.