Börsenschluss: Dax verliert über 100 Punkte - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Dax verliert über 100 Punkte

Vor dem Zinsentscheid der US-Notenbank haben sich die Händler in Frankfurt zurückgehalten. Bei geringen Umsätzen sackte der Dax deutlich ab. Finanzwerte standen wieder unter Druck.
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Frankfurt am Main – Die ordentlichen Aufschläge vom vergangenen Freitag scheinen viele Anleger zu Gewinnmitnahmen verleitet zu haben. Der Dax schloss am Montag um rund drei Prozent niedriger auf 3647 Punkten. Dies entsprach einem Tagesverlust von 113 Zählern. Zudem hielten sich viele Marktteilnehmer mit Engagements zurück und warteten auf die Rede des US-Notenbank-Chef Alan Greenspan am Dienstag. Hier erhoffen sie sich Hinweise auf die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft. Seit einigen Tagen gibt es ernst zunehmende Spekulationen großer Banken, die Fed könne schon morgen die Zinsen senken, um die Börsen zu stützen und ein erneutes Absinken der Konjunktur, den sogenannten "Double Dip" zu verhindern. Die Mehrzahl der Volkswirte rechnet jedoch nicht mit einem solchen Zinsschritt. Doch Notenbankchef Alan Greenspan werde sicherlich die Lage der Konjunktur kommentieren - da wolle keiner auf dem falschen Fuß erwischt werden, hieß es. "Es herrscht eine allgemeine Lustlosigkeit", beschrieb ein Börsianer den Handel.

Die Nebenwerte hielten ihre Verluste in Grenzen: Mit einem Minus von 0,9 Prozent auf 3389 Zählern ging der MDax aus dem Handel. Am Neuen Markt verlor der Nemax 50 um rund 1,9 Prozent auf 491 Punkte.

In den USA präsentierten sich die Börsen schwach. Der Dow Jones notierte zwei Stunden vor Börsenschluss auf 8619 Punkten, ein Minus von 1,4 Prozent. Der Nasdaq verlor um 0,9 Prozent auf 1294 Zähler.

Im Mittelpunkt des Handels standen die Aktien der Fluggesellschaft US Airways  . Das Unternehmen hat am vergangenen Sonntagabend einen Konkursantrag gestellt und unter anderem mit den Folgen des 11. Septembers begründet. Der Aktienkurs brach um knapp 80 Prozent auf 0,50 Dollar ein. Auch die Papiere der anderen Fluggesellschaften standen unter Druck: Die finanziell angeschlagene United Airlines, die zweitgrößte US-Luftfahrtunternehmen, könnte bald folgen, schrieb das "Wall Street Journal" in seiner Online-Ausgabe am Montag. Die United Airlines gehört der UAL Corp., deren Aktien um knapp ein Fünftel auf 4,22 Dollar sackten. Auch die Papiere von Delta Air Lines verloren 4,5 Prozent auf 13,95 Dollar.

Lebensversicherer sichern sich gegenseitig ab

Angesichts der Talfahrt an den Aktienmärkten haben die großen deutschen Lebensversicherungen Vorkehrmaßnahmen getroffen, um den Zusammenbruch eines Versicherers zu verhindern. Auf einem Treffen in Frankfurt am Main verständigte sich die Branche am Montag darauf, für einen solchen Fall eine Auffanglösung bereit zu halten. "Die Versicherungsnehmer brauchen sich um ihre Lebensversicherung keine Sorgen zu machen", erklärte anschließend der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Bernd Michaels. Trotz der Schwäche der Aktienmärkte würden die Lebensversicherer ihre Verpflichtungen aus den Verträgen "ohne weiteres" erfüllen, hieß es nach dem Treffen.

Den angeschlagenen Versicherungstiteln half die Ankündigung jedoch nicht. Mit einem Minus von fünf Prozent auf 128,10 Euro war die Allianz-Aktie   der größte Verlierer im Dax. Auch die Münchener Rück   gab deutlich nach. "Die massiven Schäden durch die Unwetter belasten das normale Versicherungsgeschäft", erklärte ein Analyst die Abschläge. Außerdem sei der Markt nach Ansicht eines Händlers "auf das Schlimmste gefasst", wenn die Allianz in dieser Woche die Halbjahreszahlen veröffentlicht.

Übernahmegerüchte beflügeln Commerzbank nur kurz

Die Aktien der Commerzbank   profitierten anfänglich von Übernahmespekulationen profitieren und kletterten zeitweise um bis zu vier Prozent. Im Tagesverlauf wurden die Gerüchte über eine bevorstehende Fusion mit der HypoVereinsbank   allerdings in Bankenkreisen dementiert. Die Commerzbank-Aktien schlossen 0,6 Prozent im Minus bei 10,75 Euro. Die HVB-Papiere verloren indes gut vier Prozent auf 20,75 Euro.

Die Anteilsscheine der Deutschen Bank   verloren 2,9 Prozent auf 60 Euro.

Analystenkommentare belasten Schering

Die Aktie des Pharmakonzerns Schering   verlor 4,9 Prozent auf 57,62 Euro. Die Investmentbank Merrill Lynch hatte das Kursziel für den Titel von 84 auf 75 Euro gesenkt. Außerdem haben sich die Analysten von J.P. Morgan skeptisch zur Pharmabranche geäußert: Der Preiskampf werde härter und einige neue Produkte seien wenig überzeugend.

Einen Tag vor Veröffentlichung der Quartalszahlen gehörte auch MAN   zu den wenig gefragten Werten und verlor 4,8 Prozent auf 18,25 Euro. Die Nervosität und Sorge um einen Gewinneinbruch bis zu 70 Prozent habe die Anleger zum Verkaufen animiert, erklärten Händler und Analysten die Kursverluste.

RWE nach Zahlen im Minus

Der Versorger RWE   konnte dagegen mit seiner Halbjahresbilanz die Analystenerwartungen erfüllen, dennoch verlor die Aktie 2,4 Prozent auf 35,56 Euro. Vorstandschef Kuhnt kündigte nämlich für das Gesamtjahr nur leicht steigende Umsätze und eine "erheblich" schlechtere Ertragslage in Randgeschäften wie Tankstellen und Raffinerien an.

Im Sog der US-Airways-Nachricht verlor die Lufthansa   stark. Die Anteilsscheine verbilligten sich um 4,1 Prozent auf 12,80 Euro.

Cargolifter und Zementhersteller brechen ein, Kinowelt auf Höhenflug, Euro etwas fester

Cargolifter: Das Ende naht

Die Aktien des insolventen Luftschiffbauers Cargolifter   sind eingebrochen, nachdem das Bundeswirtschaftsministerium am Wochenende mitgeteilt hatte, keine öffentlichen Gelder für das Unternehmen bereitstellen zu wollen. Die im MDax notierte Aktie büßte 50 Prozent auf nur noch 52 Cent ein.

Der Zusammenhang zwischen dem Kursverlust und den Meldungen vom Wochenende sei klar, sagte ein Händler in Frankfurt. Die Frage sei nun, wer nun als Geldgeber auftrete. Die Geschäftsidee des Unternehmens sei gut, allerdings hapere es an der Umsetzung und der Finanzierung. Das Papier müsse man derzeit nicht haben. Nach Ansicht eines Analysten könne man zur Zeit über die Zukunft von Cargolifter nur spekulieren. Es müssten private Investoren gefunden werden, diese würden aber eher bis zum Ende des Insolvenzverfahrens abwarten.

Abwärts ging es auch für die MDax-Aktien der Zementhersteller Dyckerhoff   und HeidelbergerCement  . Das Bundeskartellamt hat Presseberichten zufolge der deutschen Zementindustrie wegen Preis- und Quotenabsprache Bußgelder in Milliardenhöhe angekündigt. Das Papier von Dyckerhoff stürzte daraufhin um 11,6 Prozent auf 7,95 Euro ab. HeidelbergerCement verbilligte sich um 3,4 Prozent auf 39,47 Euro.

Kinowelt-Aktienkurs verdoppelt sich

Nach dem Comeback von Unternehmensgründer Michael Kölmel hat sich der Kinowelt-Aktienkurs am Neuen Markt zeitweise mehr als verdoppelt. Die Gläubigerbanken der insolventen Kinowelt   hatten sich am späten Freitagabend für die Übernahmeofferte einer Investorengruppe um Michael Kölmel und seinen Bruder Rainer entschieden. Der Kinowelt-Aktienkurs sprang daraufhin in Frankfurt zeitweise von 0,33 auf bis zu 0,74 Euro. Zum Börsenschluss lag er bei 0,65 Euro, ein Plus von 103 Prozent. Der Kinowelt-Firmensitz soll offenbar nach Leipzig verlagert werden.

Im Nemax 50 präsentierte sich die Aktie von CE Consumer   sehr stark. Das Papier legte einen Tag vor Bekanntgabe der Quartalszahlen um 7,1 Prozent auf 1,82 Euro zu.

Zukunft der DAB Bank ungewiss

Zu den größten Verlierern im Nemax 50 gehörte die Aktie der HypoVereinsbank-Tochter DAB Bank  . Der Titel verlor 8,7 Prozent auf 3,80 Euro. "Die HypoVereinsbank zieht sich zurück", sagte ein Düsseldorfer Händler. Nun wird seit Tagen über die Zukunft der Bank spekuliert.

Nikkei gibt deutlich nach

Die Aktienbörse in Tokio hat am Montag schwach geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte sackte um 251,97 Punkte oder 2,5 Prozent ab und endete bei 9747 Punkten. Der breit angelegte Topix büßte ebenfalls deutlich um 20,89 Punkte oder 2,1 Prozent ein und endete beim Stand von 959 Zählern. Schwache Vorgaben der technologielastigen Nasdaq hätten die Kurse belastet, sagten Händler.

Die japanischen Technologiewerte verbuchten Verluste. Rohm   fielen um 220 Yen auf 16.270 Yen. Advantest   sanken 260 Yen auf 5470 Yen. Kyocera   verbilligten sich um 270 Yen auf 8380 Yen und Tokyo Electron   verloren 110 Yen auf 5150 Yen.

Im Halbleitersektor büßten NEC   um 21 Yen auf 647 Yen ein. Fujitsu   fielen um 21 Yen auf 605 Yen. Toshiba   verloren acht Yen auf 412 Yen und Mitsubishi Electric   sanken um acht Yen auf 417 Yen. Sony   fielen um 250 Yen auf 5130 Yen.

Euro klettert an die Marke von 0,98 Dollar

Der Kurs des Euro ist am Montag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9780 (Freitag: 0,9729) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0225 (1,0279) Euro. Bis 20 Uhr kletterte die Einheitswährung weiter auf 0,9786 Dollar.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6386 (0,6355) Pfund, 116,53 (117,17) Yen und 1,4618 (1,4588) Schweizer Franken fest.