Börsenschluss Dax verteidigt 3000-Punkte-Marke
Frankfurt am Main Der Dax hat sich am Mittwoch zum Ende des Handelstags über der 3000-Punkte-Marke gehalten. Das Börsenbarometer schloss mit einem Abschlag von 4,5 Prozent auf 3015 Zähler, nachdem es seine morgendlichen Kursgewinne im Tagesverlauf eingebüßt hatte und am frühen Abend zeitweise unter 3000 Zähler gefallen war. "Die Bullen sind jetzt erst einmal müde", sagte Hans-Jörg Naumer, Finanzmarkt-Analyst bei der Fondsgesellschaft DIT.
Der Aktienhändler Knut Hochwald von der Hamburger Sparkasse sagte, der Markt befinde sich derzeit in einer Konsolidierungsphase. Er müsse erst einmal die Dax-Gewinne von mehr als 600 Punkten aus den vergangenen zwei Wochen verdauen.
Skeptischer äußerte sich der Finanzmarkt-Analyst Hans-Jörg Naumer von der Fondsgesellschaft DIT. Er rechnet damit, dass die Debatte um die schwache Konjunktur in Deutschland demnächst wieder stärker in den Mittelpunkt rücken und die Aktien belasten werde. Am Vortag hatten die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen für das deutsche Wirtschaftswachstum für 2002 und 2003 gesenkt.
Der Auswahlindex Nemax 50 am Neuen Markt gab 4,1 Prozent auf 422 Zähler nach und der MDax der 70 mittleren Werte büßte 2,3 Prozent auf 2997 Zähler ein.
Die Wall Street präsentierte sich uneinheitlich: Der Dow Jones notierte zum Handelsschluss in Deutschland auf 8342 Punkten, ein Minus von 1,3 Prozent. Der Nasdaq stieg minimal auf 1293 Punkte.
Die US-Börsen warten auf die Veröffentlichung des "Beige Book" von der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed). Marktbeobachter rechnen kaum mit neuen Einsichten der Währungshüter. Die eher schleppende Konjunktur dauere an.
HypoVereinsbank-Aktie auf Talfahrt
Die Papiere der HypoVereinsbank stürzten nach Bekanntgabe von Bilanzzahlen um 14,5 Prozent ab und schlossen auf 14,21 Euro. Der Vorsteuerverlust im dritten Quartal sei vom Markt mit rund 260 Millionen Euro erwartet worden, habe sich aber auf 447 Millionen Euro belaufen, sagte Händler Raed Mustafa von der Baden-Württembergischen Bank. Ein Grund für den hohen Verlust sei die deutlich gestiegene Kreditrisikovorsorge.
"Das zeigt, dass die Banken immer noch Probleme haben und es immer noch große Insolvenzrisiken (von Unternehmen) gibt, die die Banken treffen können", sagte Jochen Mathee, Fondsmanager bei Invesco Asset Management. Im September hatte die Diskussion um diese Risiken zu heftigen Kursverlusten bei deutschen Finanztiteln geführt.
Commerzbank-Aktien gaben rund 12,5 Prozent auf 6,75 Euro nach, die Titel der Deutschen Bank rutschten auf 43,01 Euro, ein Minus von 7,5 Prozent.
DaimlerChrysler trotz guter Zahlen im Minus
Nach Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal verbilligten sich die Aktien von DaimlerChrysler um 4,7 Prozent auf 36,90 Euro. "Die Zahlen lagen am oberen Ende der Analystenerwartungen", sagte ein Händler einer ausländischen Bank in Frankfurt. Allerdings habe dies der Markt erwartet und die Marktteilnehmer nähmen nun Gewinne mit.
Nach einem negativen Analystenkommentar verzeichnete die Aktie der Münchener Rück heftige Kursverluste. Zudem hätte sich das Papier von den jüngsten Tiefständen kräftig erholt und nun nähmen Investoren Gewinne mit, sagte ein Händler einer Frankfurter Großbank. Der Titel fiel um 11,2 Prozent auf 127,50 Euro.
MLP-Höhenflug beendet
Der spektakuläre Höhenflug der MLP-Aktien , die zuletzt auf dem besten Wege waren, ihren Wert innerhalb von nur zwei Wochen zu verdreifachen, fand zunächst ein Ende. Am Morgen bestätigte das Unternehmen Medienberichte, wonach die Staatsanwaltschaft Mannheim in ihre Ermittlungen nun auch Firmengründer und Aufsichtsratsmitglied Manfred Lautenschläger einbezogen hat.
Die Strafverfolgungsbehören hatten bislang angegeben, gegen "Verantwortliche" bei MLP wegen des Vorwurfs der Bilanzfälschung zu ermitteln. MLP ist seit Wochen immer wieder wegen angeblicher Bilanzungereimtheiten in den Schlagzeilen, was den Aktienkurs Anfang November auf ein Jahrestief von 5,62 Euro fallen ließ. Nachdem das Unternehmen den Vorwürfen immer wieder entgegengetreten war, hatte sich die Aktie deutlich erholt. Am Mittwoch büßte sie hingegen über zwölf Prozent auf 12,70 Euro ein.
T-Aktie behauptet sich im Plus
Marktspekulationen gaben dem Papier der Deutschen Telekom Auftrieb. Die T-Aktie gehörte zu den wenigen Gewinnern und kletterte um 0,6 Prozent auf 10,40 Euro. "Der Telekomgigant wird seine Kosten senken", sagte Marktstratege Robert Halver von Vontobel Asset Management. Gerüchten zufolge sollen 4000 Manager der Telekom ohne Gehaltserhöhung ins neue Jahr gehen.
Gewinnmitnahmen belasten den Neuen Markt, Evotec und Morphosys brechen ein
Anleger nehmen Gewinne mit
Auch der Neue Markt hat seine frühen Gewinne nicht halten können und präsentierte sich im Verlauf deutlich schwächer. Händler begründeten den Rückgang mit Gewinnmitnahmen. Das Minus sei jedoch "nicht weiter Besorgnis erregend", hieß es. Das Segment werde momentan auf der Suche nach einem Boden ausgetestet. Es sei schwierig, Prognosen für die weitere Zukunft zu stellen. Der Marktverlauf dürfte in den kommenden Tagen entscheidend von den anstehenden Unternehmenszahlen beeinflusst werden, sagte ein Börsianer.
Evotec-Aktien verloren nach der Rücknahme der Prognosen für das laufende Jahr rund 29 Prozent auf 1,97 Euro. Das Unternehmen verwies auf verspätete Auftragseingänge. In einer ersten Reaktion hat die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) die Titel deshalb von "Halten" auf "Reduzieren" zurückgestuft. Zudem wurden die Ergebnisschätzungen für 2002 auf minus 0,73 Euro von zuvor minus 0,42 Euro je Aktie gesenkt und für 2003 auf minus 0,45 Euro von zuvor minus 0,06 Euro je Aktie.
Morphosys nach gescheiterten Fusionsverhandlungen unter Druck
Die Titel von Morphosys knickten nach gescheiterten Fusionsgesprächen mit der British Biotech ebenfalls um knapp 30 Prozent auf 11,20 Euro ein. Die LBBW hat daraufhin die Titel von "Halten" auf "Verkaufen" zurückgestuft. Bei einer monatlichen Cash-Burn-Rate von über zwei Millionen Euro und liquiden Mitteln von 15 Millionen Euro am Jahresende sollte es im kommenden Jahr zu Engpässen bei der Finanzierung des ambitionierten Programms der Medikamententwicklung kommen, heißt es.
Leicht schwächer trotz insgesamt positiver Quartalszahlen notierten Dialog Semiconductor , die um 6,7 Prozent auf 1,25 Euro nachgaben. Nach Einschätzung von SES Research lassen die Drittquartalszahlen von Dialog Semiconductor eine positive Tendenz erkennen. Angesichts sich nur langsam aufhellender Marktbedingungen bei Halbleiterprodukten für die Mobilfunkindustrie hatten die Analysten mit teilweise schlechteren Zahlen gerechnet.
Balda trotz guter Zahlen im Minus
Trotz guter Zahlen hat notierte die Aktie von Balda rund 0,8 Prozent schwächer auf 5,10 Euro. Die Nord/LB belässt Balda auf "Halten". Mit den veröffentlichten Neunmonatsergebnissen liege das Unternehmen voll im Plan Speziell das dritte Quartal sei für Balda sehr positiv gelaufen, hieß es. Erstmals habe Balda-Mikron ein positives Ebit (Gewinn vor Steuern und Zinsen) von 0,5 Millionen Euro zum Konzernergebnis beigetragen. Mit einem aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 28 auf Basis 2003 sei die Aktie derzeit gut bezahlt. Händler machten Stop-loss-Verkäufe für die derzeit deutlichen Abgaben verantwortlich. Bei dem Wert sei es deutlich nach unten gegangen, nachdem die Marke von sieben Euro durchbrochen wurde, berichtete ein Händler.
Bankentitel in Tokio unter Druck, Euro etwas fester
Bankentitel in Tokio unter Druck
Die Aktienbörse in Tokio hat am Mittwoch leicht im Plus geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte verbesserte sich um 0,3 Prozent auf 8714 Zähler. Der breit angelegte Topix stieg um 0,4 Prozent auf 866 Zähler.
"Bei den am Vortag unter die Räder gekommenen High-Tech-Werten hat leichtes Kaufinteresse eingesetzt," sagte ein Händler. Trotzdem dürften zur Zeit für ausländische Investoren, die Gründe für ein Aktienengagement in Tokio gering sein.
Bankentitel erholten sich in einem sehr volatilen Handel leicht von ihren Tagestiefs, schlossen aber dennoch im Minus. Mizuho verloren 12.000 auf 163.000 Yen, und UFJ Holdings büßten 10.000 auf 163.000 Yen ein. Sumitomo Mitsui Banking fielen um zwei auf 477 Yen und Mitsubishi Tokyo Financial verbilligten sich um 21.000 auf 780.000 Yen.
Euro etwas fester
Der Kurs des Euro ist am Mittwoch leicht gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9775 (Dienstag: 0,9768) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0230 (1,0238) Euro.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6313 (0,6315) britische Pfund, 121,17 (122,32) japanische Yen und 1,4662 (1,4693) Schweizer Franken fest.