Börsenschluss: "Der Markt will nach oben" - DER SPIEGEL
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Börsenschluss "Der Markt will nach oben"

Die Börsen in Frankfurt und New York haben am Freitag schwachen US-Konjunkturdaten getrotzt. Starke Technologiewerte verhalfen dem Dax zu einem versöhnlichen Abschluss. Die Aktie der HypoVereinsbank schaffte nach dicken Verlusten noch die Kehrtwende.
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Frankfurt - Kräftige Kursgewinne der Technologiewerte haben den Dax am Freitag zu einem leichten Plus verholfen. Nachgebende Finanz- und Automobiltitel verhinderten jedoch ein besseres Abschneiden. Der Dax schloss 0,4 Prozent höher bei 3102 Zählern und verlor damit in der abgelaufenen Woche per Saldo knapp zwei Prozent. Der Nebenwerte-Index MDax gewannen am Freitag 0,3 Prozent auf 3053 Punkte. Am Neuen Markt fiel derweil der Auswahlindex Nemax50 um 1,2 Prozent auf 415 Zähler.

Fondsmanager: Der Markt will nach oben

"Die Aktienmärkte wollen steigen, egal was die Wirtschafts- und Stimmungsindikatoren sagen", begründete der Fondsmanager Ulf Moritzen die Erholung des Dax. Die am Nachmittag vorgelegten US-Konjunkturdaten waren teilweise deutlich schlechter als erwartet ausgefallen. Die Anleger kehrten dennoch auf den Aktienmarkt zurück und Manager von spekulativ orientierten Hedge Fonds seien sich unsicher, ob sie derzeit leer verkaufen sollen, fügte Moritzen hinzu. Bei solchen Geschäften setzen die Investoren auf fallende Kurse.

Wall Street trotzt schwachen Konjunkturdaten

Der an der US-Universität Michigan berechnete Index für die Verbraucherstimmung in den USA ist im Oktober nach endgültigen Berechnungen auf 80,6 gefallen. Vorläufig war ein Stand von 80,4 gemeldet worden nach endgültigen 86,1 im September. Allerdings hatten Volkswirte mit einem Anstieg auf 81,3 Punkten gerechnet. Zudem waren die Auftragseingänge für langlebige Güter in den USA im September deutlich stärker als erwartet gesunken.

Dennoch schlugen sich die Indizes an der Wall Street nicht schlecht, was allein aus psychologischer Sicht hoffen lasse, sagten Marktbeobachter. Der Dow Jones lag nach anfänglichen Verlusten bei Börsenschluss in Deutschland mit 0,3 Prozent im Plus und baute dies bis 20.50 Uhr auf 1,4 Prozent oder 8429 Zähler aus. Der Nasdaq-Index kletterte um mehr als zwei Prozent auf 1326 Punkte.

Insbesondere Technologiewerte zeigten sich in New York mit Aufschlägen, wobei Computer- und Halbleiterwerte bislang die größten Gewinner sind. Nach Ansicht von Analyst Steve Milunovich von Merrill Lynch dürfte in diesem Bereich noch einiges Aufwärtspotenzial stecken. Er geht davon aus, dass ein weiterer Aufwärtstrend wahrscheinlicher sei als in früheren, kurzlebigeren Rallys. "Die Rally könnte für einen oder zwei Monate weitergehen", sagte er.

HypoVereinsbank-Aktie schafft das Comeback

Charttechniker in Frankfurt machen Hoffnung

Charttechnisch orientierte Analysten werteten es als positiv, dass der Dax die Marke von rund 3000 Punkten gehalten habe. Dies lasse für die kommende Woche etwas hoffen. Größere Impulse seien aber nicht zu erwarten, auch wenn von der bevorstehenden Flut von Geschäftszahlen keine negativen Überraschungen befürchtet würden, hieß es.

Im Rahmen einer Reihe von Herabstufungen für die HypoVereinsbank   trübte Händlern zufolge vor allem die Senkung der Bonitätseinstufung durch die Ratingagentur Fitch die Branchenstimmung ein.

Die Aktien der Deutsche Bank   verloren 1,6 Prozent auf 43,30 Euro. Dagegen erholten sich die Titel der HypoVereinsbank   zum Börsenschluss wieder, nachdem sie im Tagesverlauf zeitweise mehr als acht Prozent im Minus gelegen hatten. Sie schlossen 0,3 Prozent im Plus bei 13,98 Euro. Dennoch haben die Papiere seit Wochenbeginn insgesamt rund 21 Prozent an Wert und das Unternehmen damit knapp zwei Milliarden Euro an Marktkapitalisierung eingebüßt.

Auf der Verliererseite standen mit einem Minus von 1,9 Prozent auf 36,19 Euro auch die Aktien von DaimlerChrysler  . Händlern zufolge handelte es sich um eine Reaktion auf die vorangegangenen Kursgewinne. Von Anfang bis Mitte Oktober hatte das Papier zeitweise knapp 30 Prozent zugelegt. Unterdessen setzten die Papiere der Deutsche Post   ihre Talfahrt der vergangenen Tage fort und verloren 3,9 Prozent auf 9,37 Euro. Die "Aktie Gelb" werde erneut von bevorstehenden Rückzahlung von Staatsbeihilfen an den Bund in Höhe von 572 Millionen Euro belastet, hieß es.

Technologiewerte drehen ins Plus

Die Technologiewerte, die zur Eröffnung noch im Minus gelegen hatten, schoben sich im Tagesverlauf auf die vorderen Plätze der Dax-Gewinnerliste. Händler machten dafür die Kursgewinne des Nasdaq- und des Philadelphia-Halbleiterindexes verantwortlich, die um ein beziehungsweise 2,5 Prozent zulegten.

Die Aktien von SAP   lagen mit einem Plus von 4,4 Prozent auf 77,90 Euro im Branchenvergleich an der Spitze. Angesichts der starken Kursschwankungen dieser und anderer Technologiewerte in den vergangenen Tagen dürfe diese Entwicklung allerdings nicht überbewertet werden, hieß es. Infineon   gewannen mehr als vier Prozent und Epcos etwa 3,60 Prozent auf 9,39 Euro hinzu. Siemens  -Titel schlossen rund drei Prozent fester auf knapp 43 Euro.

Die Aktien der Deutschen Telekom   gaben einen Teil ihrer Gewinne wieder ab und schlossen 2,70 Prozent fester auf 11,15 Euro. Händler begründeten das Plus mit mehreren Gerüchten über eine außerordentliche Aufsichtsratsitzung des Bonner Telekommunikationskonzerns am Wochenende. Dabei soll es um die Zukunft der US-Tochter VoiceStream oder die Besetzung des Chef-Posten gehen.

Die größten Gewinne im Dax verbuchten die Papiere von Metro  , die sich um 8,4 Prozent auf 22,84 Euro verteuerten. Nach Reuters-Informationen aus verhandlungsnahen Kreisen steht der Einzelhandelskonzern kurz vor dem Verkauf seines milliardenschweren Immobilienbesitzes.

Im MDax brachen die Aktien von Loewe   um 21,5 Prozent auf 12,25 Euro ein. Der Hersteller von Unterhaltungselektronik hatte zuvor seine Geschäftsprognosen für 2002 gesenkt. Dies sei zwar eine negative Überraschung, sagte ein Händler. "Unter zwölf Euro kann man die Aktie aber auf jeden Fall wieder zukaufen", fügte er hinzu.