Börsenschluss Deutsche Telekom glänzt
Frankfurt am Main - Zum Schlussgong notierte der Dax rund 0,4 Prozent fester auf 4606 Punkten. Das Tageshoch wurde am Mittag bei 4686 Punkten gemessen. Der MDax kletterte leicht um 0,2 Prozent auf 4226 Zähler. Am Neuen Markt wurde der Nemax 50 von deutlichen Verlusten des Schwergewichts Mobilcom nach unten gedrückt. Der Auswahlindex ging auf 712 Punkten aus dem Handel, ein Minus von 2,8 Prozent.
In den USA rutschten die Börsen nach einer festen Eröffnung ins Minus. Bis zum Handelsschluss in Frankfurt verlor der Dow Jones minimal um 0,1 Prozent auf 9635 Punkte. Die Nasdaq notierte auf 1524 Zählern, ein Minus von 0,4 Prozent.
Die Aktienmärkte beflügelte der Ausblick des weltgrößten Handy-Herstellers Nokia auf das laufende Quartal. "Nach dem Auf und Ab im Nokia-Kurs hat sich letztendlich der positive Ausblick durchgesetzt", sagte ein Wertpapierhändler in Frankfurt. Die Zahlen seien zunächst verwirrend gewesen. "Erst nach einer halben Stunde hatten wir analysiert, was für den Handel wichtig war."
Der finnische Konzern hatte erwartungsgemäß seine Umsatzprognose für das zweite Quartal gesenkt und seine Gewinnschätzungen bestätigt. Die Nokia-Aktie brach im EuroStoxx 50 und an der Heimatbörse in Helsinki zunächst um bis zu 7,1 Prozent auf ein Jahrestief von 12,12 Euro ein, kletterte jedoch schließlich um 5,9 Prozent auf 14,10 Euro.
Nach dem Ausverkauf an den Vortagen führte die Aktie der Deutschen Telekom den Aufwärtstrend an. Der Titel kletterte zeitweilig über die Marke von elf Euro. "Elf Euro für die Telekom, wann hat man so etwas zuletzt gesehen", sagte ein Wertpapierhändler in Frankfurt. Zuletzt wechselte das Papier nach einem Plus von 6,8 Prozent für 10,91 Euro das Depot. "Die T-Aktie folgt der guten Stimmung für Telekom-Unternehmen in ganz Europa", hieß es. Die T-Aktie ist aber nach Ansicht von Experten selbst auf diesem Niveau immer noch nicht günstig. "Wenn ein Konzern 72 Milliarden Euro Schulden hat, und bei 40 Milliarden Euro Umsatz keinen Gewinn macht, ist nicht absehbar, wann die Schuldenlast abgebaut ist", begründete Fondsmanager Jürgen Meyer von der Frankfurter Privatbank Julius Bär seine Skepsis.
Autotitel geben Gas
Deutliche Kursgewinne verbuchten auch die Autowerte. Die Titel von DaimlerChrysler gewannen rund 2,3 Prozent auf 50,43 Euro und waren damit zweitstärkster Wert im Dax. Die Aktien von BMW (plus 2,26 Prozent auf 45,25 Euro) und Volkswagen (plus 0,6 Prozent auf 54,95 Euro) zogen ebenfalls deutlich an.
Freundlich präsentierten sich auch die Techwerte SAP und Epcos . Infineon und Siemens litten unter leichten Kursverlusten.
Die Aktie des Dialysetechnik-Spezialisten Fresenius Medical Care war mit einem Verlust von vier Prozent auf 53,02 Euro der größte Verlierer im Dax. Die Aktien der Deutschen Post fielen im späten Handel trotz der raschen Einigung im Tarifkonflikt um 0,6 Prozent auf 14,76 Euro.
Streit um Babcock-Borsig
Im MDax legten die Aktien von Babcock-Borsig um 3,4 Prozent auf 4,29 Euro zu. Am Montag hatte der US-Investor und Babcock-Aktionär Guy Wyser-Pratte nach eigenen Angaben eine weitere Verfügung gegen den geplanten Verkauf der Kieler Werft HDW an den US-Finanzinvestor One Equity Partners erwirkt. Wyser-Pratte ist gegen die Trennung Babcocks vom lukrativen Schiffbau-Geschäft.
Derweil stiegen die Aktien von ProSiebenSat.1 um 3,2 Prozent auf 10,62 Euro. Händlern zufolge profitierten diese Titel dabei von der möglichen Insolvenz zweier weiterer wichtiger Teile des Kirch-Konzerns, der Dachgesellschaft TaurusHolding und der Tochter KirchBeteiligungen. Die Anleger hofften nun auf eine Bereinigung der Besitzverhältnisse bei der ebenfalls zum Konzern gehörenden TV-Senderkette.
Mobilcom schmiert ab Euro verliert leicht
France Télécom hat das mit Mobilcom für den Aufbau des UMTS-Mobilfunks in Deutschland geschlossene Kooperationsabkommen gekündigt, womit der Konflikt zwischen den beiden Unternehmen am Dienstag seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Der Kurs der Mobilcom-Aktie brach daraufhin weiter ein und erreichte bei einem Minus von 46 Prozent ein neues Rekordtief von 7,29 Euro, bevor der Handel mit den Papieren bis Börsenschluss ausgesetzt wurde.
Die France Télécom, die über ihre Mobilfunktochter Orange mit 28,5 Prozent an Mobilcom beteiligt ist, teilte in Paris mit, das im März 2000 geschlossene Rahmenabkommen werde beendet. Zugleich bekräftige der französische Staatskonzern, dass die Liquiditätsversorgung für Mobilcom vorerst aufrecht erhalten werden solle, um die Gesellschaft vor der sonst drohenden Insolvenz zu bewahren. Man werde mit Mobilcom weiter nach einer vernünftigen Lösung suchen.
Handyzulieferer Balda auf Allzeittief
Die Aktie des Handyzubehör-Herstellers Balda ist nach der Kürzung der Umsatzprognosen bei seinem Kunden Nokia auf ein Allzeittief gefallen. Mit dem Tagestiefkurs von 3,35 Euro unterschritt das am Neuen Markt gehandelte Papier den bisherigen Tiefstkurs von 3,70 Euro. Bis zum Schlussgong erholte sich die Aktie wieder auf 3,55 Euro und verlor somit im Tagesverlauf 6,1 Prozent. "Es ist seit zwei Tagen ein größerer Verkaufsauftrag eines institutionellen Anlegers im Markt," sagte ein Händler. Dieser wolle sich von dem Papier trennen, seit der Aktienpreis am Freitag unter vier Euro gefallen sei.
Die Nokia-Zahlen seien für die Aktie deshalb gar nicht so entscheidend gewesen, da die schlechteren Aussichten des Kunden Nokia bei einem Aktienpreis von deutlich unter vier Euro "wohl schon eingepreist" sei. Erst wenn der Auftrag abgearbeitet sei, könne sich das Papier wieder erholen. Ein anderer Händler sagte: "Die Verkaufaufträge treffen auf keinerlei Nachfrage auf der Käuferseite."
Deutliche Kursaufschläge verbuchten hingegen die Computerhersteller Gericom und Medion . Die Aktien legten über vier Prozent zu. Auch Trintech präsentierte sich mit einem Aufschlag von mehr als 20 Prozent stark.
Vorsichtiger Optimismus in Tokio
Die japanischen Standardwerte haben am Dienstag fester geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte legte um 0,7 Prozent auf 11.449 Zähler zu. Der breit angelegte Topix stieg um 0,8 Prozent und schloss beim Stand von 1101 Zählern.
Die Stimmung helle sich nach dem Kursrutsch im Kielwasser der reduzierten Umsatzprognose von Intel wieder auf, sagte Hirokazu Yuihama von Daiwa Institute of Research. Ein Grund seien steigende Kurse an der New Yorker Börse, aber auch Konjunkturdaten aus Japan selbst böten Anlass für Optimismus.
Exportorientierte Unternehmen profitierten von der Stabilisierung der Wechselkurse. Honda schoben sich um 40 auf 5360 Yen. Toyota notierten mit 3260 Yen um zehn Yen fester. Suzuki verteuerten sich um 22 auf 1583 Yen.
Allgemein gingen Marktbeobachter davon aus, dass der ersehnte Aufschwung der japanischen Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte beginnen wird, sagte Yuihama. Titel, die besonders sensibel auf Veränderungen der Binnennachfrage reagieren, standen auf den Kauflisten. Ajinomoto legten um 27 Yen auf 1331 Yen zu.
Hightech-Werte, die am Montag nach nachgegeben hatten, verbuchten wieder Kursgewinne. Kyocera schlossen mit 9240 Yen um 170 Yen fester. Aktien des Chipherstellers Toshiba gewannen vier auf 509 Yen.
Kurs des Euro gefallen
Der Euro notierte am Dienstag etwas leichter. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9417 (Montag: 0,9459) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0619 (1,0572) Euro. Bis 20 Uhr erholte sich die Einheitswährung wieder leicht auf 0,9461 Dollar.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6430 (0,6473) Pfund, 118,14 (117,93) Yen und 1,4752 (1,4725) Schweizer Franken fest.