Börsenschluss: "Die Angst ist im Markt" - DER SPIEGEL
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Börsenschluss "Die Angst ist im Markt"

Belastet von Gewinnmitnahmen hat der Dax zum Wochenauftakt schwächer geschlossen. Touristikaktien gerieten nach dem Anschlag auf der Ferieninsel Bali unter Druck. Im MDax überraschten Schwarz Pharma und Wella mit fulminanten Kurssprüngen.
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Frankfurt am Main - Die deutschen Standardwerte sind zum Wochenauftakt sehr schwach aus dem Handel gegangen. Dank stabiler Kurse an der Wall Street konnte der Dax aber zwischenzeitlich höhere Verluste im späten Geschäft wieder etwas aufholen, so dass unter dem Strich noch ein Minus von 2,8 Prozent auf 2850 Punkte zu Buche stand. Auslöser für den Weg nach unten waren nach allgemeiner Ansicht von Beobachtern Gewinnmitnahmen. Zudem belastete die Hiobsbotschaft über Anschläge auf der indonesischen Ferieninsel Bali. Viele Investoren hätten aus diesem Anlass ihre Gewinne vorsichtshalber eingestrichen, hieß es.

Gute Unternehmensnachrichten und Übernahmefantasien halfen dagegen dem MDax auf die Beine. Der Nebenwerteindex stieg um 0,8 Prozent auf 2881 Zähler. Am Neuen Markt gewann der Nemax 50 auf 357 Punkte, ein Plus von 1,4 Prozent. In New York pendelten Dow Jones und Nasdaq um die Vortagesschlusslinien.

Widersprüchliche Aussagen des SPD-Fraktionsvorsitzenden Franz Müntefering zur Besteuerung von Veräußerungsgewinnen hatten am späten Nachmittag für einige Verunsicherung und Verärgerung in einem sonst ruhigen Geschäft gesorgt. Müntefering hatte auf einer Pressekonferenz eine erweiterte Besteuerungspflicht für Veräußerungsgewinne angekündigt, dies aber kurze Zeit später wieder dementiert. "Amateurhaft und nicht nachvollziehbar, kommentierte ein Händler dieses Vorgehen. "Nun ist die Angst drin im Markt, ergänzte ein anderer Händler.

Unmittelbar nach der ersten Aussage des SPD-Funktionärs war der Index auf sein Tagestief bei 2794 Zählern gefallen. In Folge dieser Hiobsbotschaft vor allem für Finanzwerte verloren diese kräftig, machten nach dem Dementi Münteferings aber rasch einen Teil der Verluste wieder wett. Allianz   schlossen 3,3 Prozent niedriger bei 92,71 Euro, Münchener Rück   verloren 2,6 Prozent auf 121,16 Euro.

Lufthansa und TUI nach Attentat unter Druck

Deutlich unter Druck standen Lufthansa   und TUI  . Die Anschläge auf Bali hätten die Euphorie der vergangenen Handelstage vorerst gestoppt, resümierte ein Händler. Er verwies darauf, dass die Angst vor einem erneuten Terroranschlag latent vorhanden gewesen sei. "Gerade als die Märkte eine Trendwende geschafft hatten, kam dieser Schlag", meinte auch ein anderer Beobachter. Zwar sei Bali weit weg, doch die Bedrohungsangst nehme nun wieder zu. Größte Verlierer nach den Anschlägen waren erwartungsgemäß die Titel von Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften wie TUI und Lufthansa. TUI   brachen um 4,1 Prozent auf 15,55 Euro ein und Lufthansa   verloren 4,4 Prozent auf 9,80 Euro.

Pharmawerte auf Höhenflug

Gegen den Markttrend legten ausgewählte Pharmawerte deutlich zu. So wiesen Altana  , Fresenius Medical Care  , Wella   und Schwarz Pharma   Gewinne aus. Die im MDax gelisteten Schwarz Pharma setzten ihr Kursfeuerwerk bis zur Schlussglocke fort, die Titel verteuerten sich um 79,8 Prozent auf 18,70 Euro. Der Gewinn des Patentstreits mit dem britisch-schwedischen Pharmakonzern AstraZeneca   sei ein "Riesenschritt" für das Unternehmen, hieß es im Handel.

Schwarz Pharma darf nach dem Urteil als einziges Unternehmen kurzfristig ein Nachahmerprodukt von AstraZenecas Magen-Darm-Präparat Prilosec auf den Markt bringen. Prilosec ist nach Angaben des Unternehmens das zweitmeist verkaufte Medikament in den USA, 2001 wurden damit mehr als 3,7 Milliarden Dollar erlöst. Auf Grund dieser Nachricht stufte eine Reihe von Investmentbanken die Aktien von Schwarz Pharma herauf.

Die Anteilsscheine des Pharmakonzerns Altana kletterten um 15,2 Prozent auf 44,30 Euro. Altana bietet ein ähnliches Produkt wie AstraZeneca an. Durch den Gerichtsentscheid werde jetzt auch der Konkurrenzdruck auf dieses Medikament entschärft, sagten Händler. Ursprünglich hatten sich vier Unternehmen um die Einführung von Generika für Prilosec bemüht. Insgesamt beflügelten diese Nachrichten den gesamten Pharmasektor. Davon profitierten auch Schering  , die um 2,3 Prozent auf 49,17 Euro anzogen, und Fresenius Medical Care  , die sich um 6,3 Prozent auf 24,68 Euro verteuerten.

Übernahmefantasien treiben Wella an

Berichte über ein angebliches Übernahmeangebot von Henkel   für die im MDax gelistete Wella   sorgten für einen Kurssprung dieser Aktie. Wella teilte jedoch mit, ihr liege kein solches Angebot vor. Medien hatten zuvor berichtet, das Angebot von Henkel liege in einer Spanne von 4,5 bis 5,3 Milliarden Euro. Das entspreche knapp 70 bis rund 80 Euro je Wella-Aktie Marktteilnehmer halten ein solches Angebot trotz des Dementi durch Wella für strategisch sinnvoll. "Wella würde sehr gut zu Henkel passen", hieß es. Die Wella-Vorzüge kletterten um 21,5 Prozent auf 50,90 Euro. Henkel verloren dagegen 3,2 Prozent auf 64,79 Euro.

Im Dax verloren ansonsten vor allem jene Werte, die sich in der Rallye am vergangenen Donnerstag und Freitag am stärksten erholt hatten. Banken litten zudem unter einer negativen Analyse der US-Investmentbank Merrill Lynch Diese hatte die Gewinnschätzung der deutschen Banken teilweise deutlich gesenkt. Deutsche Bank   gaben 5,1 Prozent auf 41,75 Euro ab, Commerzbank   3,9 Prozent auf 6,93 Euro und HypoVereinsbank   2,5 Prozent auf 14,42 Euro. Letztere hatte vorübergehend deutlich mehr nachgegeben.

Im Automobilsektor fielen DaimlerChrysler   mit einem Minus von 4,4 Prozent auf 33,45 Euro auf. Am Morgen hatte die US-Investmentbank Merrill Lynch einen negativen Kommentar zu den US-Automobilherstellern Ford   und General Motors   veröffentlicht. Auch Volkswagen   und BMW   verzeichneten Verluste, wenn auch in geringerem Ausmaß.