Börsenschluss Die Anleger sind nervös
Frankfurt Die deutschen Aktienmärkte haben den Handel zum Wochenauftakt im Plus beendet. Technologie- und Autowerte gehörten im Dax zu den Gewinnern. Der Index legte 1,1 Prozent auf 5244 Zähler zu und schloss damit auf seinem Tageshoch. Die Wachstumswerte im Nemax 50 kletterten um 0,31 Prozent auf 910 Zähler. Die Wall Street notierte zu Handelsschluss in Deutschland uneinheitlich. Der Dow Jones lag mit einem halben Prozent auf 10.142 Punkten im roten Bereich. Der Nasdaq Composite hielt sich noch mit 0,3 Prozent auf 1760 Punkten im Plus.
Angesicht der Flut von erwarteter Quartalszahlen großer US-Firmen in dieser Woche herrsche Nervosität am Markt, sagten Händler. Dies lasse sich daran ablesen, dass der Dax parallel zu nachgebenden Kursen in den USA kurzzeitig ins Minus gedreht hatte. Der Dow-Jones-Index wurde US-Marktteilnehmern zufolge von enttäuschenden Zahlen des US-Finanzkonzerns Citigroup belastet, konnte sich im Handelsverlauf von seinen Tagestiefs erholen.
Die US-Berichtssaison gewinnt in dieser Woche an Fahrt. Allein im Dow Jones werden 13 Unternehmen ihre Zahlen präsentieren. Die Aktien der Citigroup gaben im US-Handel um bis zu 3,8 Prozent nach. Das Unternehmen war trotz Anstiegs des Reingewinns im ersten Quartal auf 0,74 von 0,71 Dollar je Aktie hinter den Erwartungen der Analysten zurückgeblieben. Die Experten hatten mit einem Überschuss von 0,78 Dollar je Aktie gerechnet. In den kommenden Tagen geben auch Intel, General Motors, IBM und Microsoft ihre Geschäftszahlen bekannt.
Technologie- und Autowerte gefragt
Dax: Technologie- und Autowerte gefragt
Im Dax gehörten Technologiewerte und Autotitel zu den Gewinnern. SAP profitierte dabei Börsianern zufolge von den Kursgewinnen der US-Konkurrenz am Freitag. Außerdem erwarteten viele Anleger gute SAP-Zahlen. Fondsmanager Daniel Kerbach von Activest rechnet sogar damit, dass der Waldorfer Softwarekonzern SAP bei der Vorlage seiner Quartalsergebnisse am kommenden Donnerstag den Markt in Bezug auf das US-Geschäft positiv überraschen werde. Am Morgen hatte zudem Dresdner Kleinwort Wasserstein die SAP-Aktie hochgestuft. Die Aktie schloss mit Kursgewinnen von 2,20 Prozent auf 151,75 Euro.
Siemens setzt auf Motorola-Handys
Der Elektronikkonzern Siemens scheint Anleger mit einer eher defensiven Strategie zufriedenzustellen: Siemens wird zum Start ins UMTS-Zeitalter erst einmal Handys des Konkurrenten Motorola unter eigener Marke verkaufen. Es sei eine weitreichende Kooperation mit dem US-Konzern vereinbart worden. Erst Anfang 2004 an will Siemens dann auch eigene UMTS-Geräte auf den Markt bringen. Außerdem hat sich Siemens gegen die Übernahme der Finanzdienstleistungssparte des schwedisch-schweizerischen Konzerns ABB Ltd entschieden. Die Siemens-Aktie schloss den Handel als Tagessieger mit einem Plus von 2,83 Prozent auf 69,10 Euro. Infineon gewannen 2,20 auf knapp 23 Euro und profitierten dabei von den erfreulichen Quartalszahlen des südkoreanischen Konkurrenten Hynix, hieß es. Epcos rangierten unter den Technologiewerten etwas abgeschlagen mit plus 0,60 Prozent auf rund 50 Euro.
Mit der Hauptversammlung am Dienstag zieht sich der scheidende Vorstandsvorsitzende Ferdinand Piech in den Volkswagen -Aufsichtsrat zurück - ab Mittwoch leitet sein Nachfolger Bernd Pischetsrieder die Geschicke des Wolfsburger Autobauers. Die Börse bescherte dem neuen Chef Vorschusslorbeeren. VW-Aktien befanden sich mit Plus 2,10 Prozent auf 59,43 Euro gleichfalls in der Dax-Spitzengruppe. DaimlerChrysler zogen um 2,45 Prozent auf 51,38 Euro an und zählten damit ebenso zu den Spitzenwerten. Die Aktien von BMW standen dagegen abgeschlagen auf ihrem Vortagesniveau bei 44,50 Euro.
Die Aktie der Deutsche Telekom , nahezu über den gesamten Handel im Minus, schaffte am Abend trotz schwacher Zahlen und gedämpften Aussichten des britischen Mobilfunk-Konkurrenten Vodafone den Sprung ins Plus: Deutsche Telekom stiegen um 0,32 Prozent auf 16,21 Euro. "Diese Aktie kämpft um die 16 Euro", sagte ein Händler.
Die Schering -Aktie konnte ihre Verluste deutlich reduzieren verlor noch rund ein Prozent auf 66,10 Euro. Einem Bericht des "British Medical Journal" zufolge hat der niederländische Ärzte-Verband inzwischen von der Verschreibung der Antibabypille "Yasmin" abgeraten. Nach dem Thrombose-Tod einer 17-jährigen Niederländerin schon im vergangenen Jahr müssten erst Studien über eventuell schädliche Nebenwirkungen abgeschlossen werden, hieß es.
Das Unternehmen hat allerdings bekräftigt, es betrachte das Präparat als sicher. Entscheidender für das Kursminus war am Montag ohnehin, dass die Aktie Ex-Dividende gehandelt wurde. Die Herausrechnung der Dividende ist für 0,83 Prozentpunkte des Kursverlustes verantwortlich.
Barilla bietet für Kamps
Der italienische Nudelfabrikant Barilla will den im MDax notierten deutschen Großbäcker Kamps übernehmen. Der Kurs der Aktie kletterte am Montag um rund 16 Prozent auf 12,50 Euro. Der Übernahmepreis soll bei zwölf Euro je Aktie liegen. Europas größte Bäckerei-Kette hat indes die Übernahme-Gespräche nach eigenen Angaben bereits am Wochenende für beendet erklärt. Barilla habe "weder ein in sich stimmiges strategisches Konzept vorgelegt noch einen angemessenen Preis für die Aktien des Unternehmens geboten", teilte Kamps am Montag Abend mit. Barilla strebt an, mehr als 50 Prozent aller Kamps-Aktien zu übernehmen.
Neuer Markt: Comroad-Zocker toben sich aus
Neuer Markt: Zocker toben sich aus
Trotz der guten Vorgabe der Nasdaq dümpelte der Nemax 50 am Montag weiterhin um die Marke von 910 Punkten. Symptomatisch für die desolate Verfassung der "Wachstumsbörse" ist, dass erneut der Zockerwert ComROAD zeitweilig die größten Gewinne mit zehn Prozent verbuchen konnte. Zum Handelsschluss fiel das Papier auf allerdings sein Vortagesniveau bei 30 Euro-Cents zurück.
Beim Skandalunternehmen Comroad wird die Sonderprüfung der Bilanzen jetzt auf die Jahre 1998 bis 2000 ausgeweitet falls auch hier bereits Luftbuchungen ans Tageslicht kommen, könnte dies dem Wirtschaftsprüfer KPMG viel Ärger bringen. KPMG hatte diese testiert und abgesegnet, bevor die Prüfer im Februar 2002 das Mandat niedergelegt und das Testat für 2001 verweigert hatten.
Kursgewinne verbuchten mit einem Plus von 3,36 Prozent auf 11,68 Euro dagegen die Titel von AT&S. Am Morgen hatte der Leiterplattenhersteller mitgeteilt, das ursprünglich bis Ende des Monats befristete Aktienrückkaufprogramm werde bis Anfang 2003 verlängert. Die Hauptversammlung hatte 2001 den Erwerb eigener Aktien von bis zu zehn Prozent des Grundkapitals genehmigt. Bislang seien rund 2,9 Prozent des Grundkapitals zurückgekauft worden, hieß es.
Deutliche Verluste verbuchten die Titel von SAP SI , die sich um 5,25 Prozent auf 16,05 Euro verbilligten. Nachdem das Unternehmen vor dem Wochenende schwache Zahlen vermeldet hat, gab gestern Finanzvorstand Jörg Vandreier seinen Rückzug "aus privaten Gründen" bekannt.
Der größte Verlierer im Nemax 50 waren mit einem Minus von 6,99 Prozent auf 36,60 Euro die Aktien von Rhein Biotech. Das Unternehmen gab als mögliche Begründung die am vergangenen Freitag abgelaufene Haltefrist für den 17-prozentigen Anteil der koreanischen Green Cross an. Offenbar herrsche Unsicherheit am Markt, ob Green Cross verkaufen werde. "Soweit wir wissen, wird Green Cross aber nichts verkaufen", teilte das Unternehmen weiter mit.
Der Kurs des Euro hat sich am Montag kaum verändert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8802 (Freitag: 0,8803) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1361 (1,1360) Euro. Zuletzt wurde der Euro mit 0,8799 Dollar gehandelt.