Börsenschluss Die Bären sind los
Nach der leichten Erholung vom Vortag sind die Kurse an den deutschen Börsen am Freitag nach der Vorlage unerwartet guter US-Konjunkturdaten sowie schlechter Unternehmenszahlen wieder unter Druck geraten. Ein überraschend gestiegener Index des US-Verbrauchervertrauens habe die Hoffnungen auf eine deutliche Zinssenkung durch die US-Notenbank Fed gedämpft, sagten Händler.
Der Dax nahm einen Verlust von 2,64 Prozent auf 5734 Punkte mit ins Wochenende. Innerhalb einer Woche hat der Blue-Chip-Index damit 8,2 Prozent abgegeben. Am Neuen Markt stürzte der Blue-Chip-Index Nemax-50 um mehr als sechs Prozent auf 1609 Punkte. Der alle Werte umfassende Index Nemax-All-Share büßte 3,72 Prozent auf 1749 Zähler ein. Die 70 Nebenwerte im M-Dax schlossen mit 4450 Punkte 2,6 Prozent im Minus.
Bei den Standardwerten belasteten einige Technologiewerte und darunter vor allem Indexschwergewicht SAP den Gesamtmarkt, was Börsianer mit schwachen Geschäftsprognosen des US-Konkurrenten Oracle begründeten.
Wall Street belastet die deutschen Börsen
Die US-Börsen notierten bei Börsenschluss Frankfurt ebenfalls in der Verlustzone. Der Standardwerte-Index Dow Jones verlor rund ein Prozent auf 9936 Zähler, der technologielastige Nasdaq-Index verlor rund zwei Prozent auf 1901 Zähler. "Die Stimmung ist weiterhin schlecht", sagte ein Frankfurter Händler. "Neben den Technologiewerten geraten nun auch die defensiven Werte, die sich in letzter Zeit relativ stabil gezeigt hatten, unter Verkaufsdruck."
Der Index für das US-Verbrauchervertrauen war im März nach drei Monaten mit deutlichen Rückgängen unerwartet stark gestiegen, nachdem Analysten eigentlich von einer erneuten Abschwächung ausgegangen waren. Dadurch schwächte sich nach Angaben von Händlern die Hoffnung auf deutliche Leitzinssenkungen durch die Notenbank Fed bei ihrer Sitzung am Dienstag ab. Zuletzt hatten Marktteilnehmer auf eine Zinssenkung um mehr als die erwarteten 50 Basispunkte spekuliert, was als deutliches Signal für eine Stütze der Konjunktur und damit als positives Signal für die Aktienmärkte interpretiert würde.
Ähnlich wie die deutschen Börsen gaben auch die Notierungen an anderen europäischen Märkten nach. Der EuroStoxx-50 der wichtigsten europäischen Aktienwerte gab bis zum Abend um mehr als zwei Prozent nach.
Rekordumsätze am Hexensabbat
Bis zum Nachmittag war nach den Worten von Händlern allerdings der so genannte "dreifache Hexensabbat" das bestimmende Thema am deutschen Aktienmarkt, da am Freitag Aktien- und Indexoptionen sowie Futures an der Terminbörse Eurex verfielen. Vor Beginn der Mittagsauktion, in der der Preis für den Dax-Future festgelegt wird, stieg der Dax kurz auf mehr als 5900 Punkte. In der Auktion rutschte der Index wieder stark ab. Die Umsätze waren extrem hoch. Allein von der T-Aktie wurden mehr als 60 Millionen Stück gehandelt. Das Papier ging mit einem Abschlag von 2,66 Prozent auf 25,99 Euro aus dem Handel.
"Wir hatten heute schwer nachvollziehbare und erratische Bewegungen am Markt", sagte ein Händler. Der Handel an dem dreifachen Verfallstag sei typischerweise von Terminhändlern geprägt, die versuchten, die Preise für ihre Optionen in die eine oder andere Richtung zu drücken. Die Preise für die Aktienoptionen wurden in der Schlussauktion ermittelt.
Mit Blick auf die kommende Börsenwoche zeigten sich Börsianer zurückhaltend. "Nächste Woche steht ganz klar die Zinsentscheidung der US-Notenbank im Mittelpunkt", sagte ein Händler. "Das Umfeld ist momentan höchst spekulativ, was die Höhe einer Zinssenkung angeht, ein Trend des Marktes ist nicht erkennbar."
SAP ging als Tagesverlierer aus dem Handel
Im Dax standen am Freitag die Titel des Softwareherstellers SAP im Mittelpunkt, die die Verliererliste mit einem Abschlag von 8,5 Prozent auf 129,99 Euro anführten. Händler begründeten die Bewegung mit der Bekanntgabe eines schwachen Geschäftsausblicks des US-Konkurrenten Oracle vom Vorabend in den USA. Die übrigen Technologiewerte im Dax standen Händlern zufolge auf Grund der schwächeren Entwicklung der Nasdaq unter Druck.
Die Aktien von Infineon verloren 1,3 Prozent und die von Siemens 5,1 Prozent an Wert. Weniger schwankungsanfällige Titel wie Schering, Preussag und RWE mussten ebenfalls Kursabschläge hinnehmen, was Börsianer auf den nachgebenden Dow-Jones-Index zurückführten. Die HypoVereinsbank gab im späten Handelsverlauf bekannt, ihren 75-prozentigen Anteil an der Westfälischen Hypothekenbank verkaufen zu wollen. Die Titel schlossen mit einem Verlust von 3,3 Prozent bei 61,70 Euro.
Linde gewinnt dank guter Prognosen
Einziger klarer Gewinner waren die Papiere von Linde mit einem Plus von 2,41 Prozent auf 51,90 Euro. Analyst Stefan Hentschel vom Düsseldorfer Bankhaus Lampe begründete die Zuwächse mit der angekündigten Verbesserung der Gewinnmargen. Des Spezialgas- und Fördertechnikkonzern hatte für das laufende Jahr im Verhältnis zum Umsatz überproportional wachsende Gewinne prognostiziert.
Ebenfalls zulegen konnten BMW-Aktien, nachdem Goldman Sachs den Titel aufgewertet hatte. Die US-Investmentbank geht davon aus, dass sich der Titel besser als der Gesamtmarkt entwickeln wird. BMW-Papiere stiegen um 0,34 Prozent auf 35,17 Euro.
Kaum Gewinner am Neuen Markt
Im Nemax-50 konnten sich am Freitag lediglich drei Werte ins Plus retten. An die Spitze setzten sich die Anteilsscheine der Direkt Anlage Bank mit einem Kursaufschlag von 17,48 Prozent auf 25 Euro. Dagegen notierten Telegate am schwächsten unter allen Blue Chips. Die Aktie brach ohne ersichtlichen Grund um 26,4 Prozent ein und kostete nur noch 43,05 Euro. Auch Händler konnten sich nicht erklären, warum die Anteilsscheine des Telefondienstleisters "so stark" fielen. Telegate sei aber noch ein "optisch teurer Titel" und die sind nach Einschätzung von Marktteilnehmern in den vergangenen Wochen des öfteren schon unter "Beschuss" geraten.
Die Aktien von GPC Biotech erlebten ebenfalls einen rabenschwarzen Tag. Sie büßten 17,8 Prozent auf 11,68 Euro ein. Das Martinsrieder Unternehmen hatte für das vergangene Jahr einen Verlust von 1,07 Euro je Aktie gegenüber minus 0,54 Euro 1999 bekannt geben müssen. Der Umsatz stieg im gleichen Zeitraum um 156 Prozent auf 10,9 Millionen Euro.
Zu Beginn der neuen Woche ändert sich die Zusammensetzung der Aktienindizes: In den Neue-Markt-Index Nemax-50 werden Lambda Physik, Morphosys und SAP SI aufgenommen. Im Vorfeld legten die Titel denn auch kräftig zu. Lambda stiegen um 4,5 Prozent auf 63,98 Euro, Morphosys gewannen 3,1 Prozent auf 83 Euro und SAP SI kosteten 20 Euro - ein Aufschlag von 19,3 Prozent.
Die "Absteiger", die ab Montag im Nemax-All-Share notiert werden, mussten dagegen kräftig Federn lassen: Edel Music sackten um 20 Prozent auf 4,04 Euro ab; Gauss Interprise verloren 21,7 Prozent auf 1,80 Euro, und Intertainment-Aktien waren nur noch 4,10 Euro Wert - ein Kursverlust von 19,6 Prozent.
Euro fällt auf Dreimonatstief
Der Rentenmarkt tendierte am Freitag fester. Der Richtung weisende Bund Future stieg um 0,2 Prozent auf 109,83 Zähler, der Rentenindex Rex konnte ebenfalls um 0,2 Prozent auf 113,60 Punkte zulegen. Die Umlaufrendite wurde mit 4,66 (Vortag: 4,67) Prozent festgelegt.
Der Euro notierte am frühen Abend bei 0,8957 Dollar und rutschte damit erstmals seit Dezember 1999 unter die 90 Cent-Marke. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs am Freitag auf 0,8947 (Donnerstag: 0,9064) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1860 (2,1578) Mark.