Börsenschluss Die T-Aktie berappelt sich
In Frankfurt schienen am Dienstag sowohl Bulle als auch Bär zu schlafen. Der Handel verlief sehr ruhig. Erst kurz vor dem Erklingen der Schlussglocke schien die Kauflust wieder geweckt: Der Dax zog etwas an und legte 0,71 Prozent auf 6722,41 Zähler zu. Der Nemax-50 zog nach einem insgesamt zähen Handel um 2,52 Prozent auf 2840,60 Punkte an. Die mittelgroßen Werte im M-Dax kletterten um 0,02 Prozent auf 4644,39 Punkte.
"Auf dem Parkett war nicht viel los", sagte ein Händler. Die Stimmung sei verhalten. Auch die amerikanischen Leitbörsen lieferten kaum Impulse. Erst gegen Ende konnte die feste US-Computerbörse Nasdaq den deutschen Wachstumsmarkt beflügeln.
Gewinnmitnahmen bei SAP
Blass sahen die Aktien der Walldorfer Softwarefirma SAP aus. Die Papiere gaben trotz guter Unternehmenszahlen um 2,39 Prozent auf 184 Euro nach und waren damit schwächster Dax-Wert. Händler begründeten dies mit "kurzfristigen Gewinnmitnahmen, die nichts über den echten Wert des Unternehmens aussagen".
Deutsche Telekom verloren nach Bekanntgabe der vorläufigen Bilanzzahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr deutlich an Wert, konnten sich aber am Abend wieder berappeln. Die Aktie kletterte um 0,74 Prozent auf 37 Euro. Der ehemalige Staatsmonopolist hatte am Morgen zwar einen neuen Rekordumsatz ausgewiesen, generell wurden die Zahlen von den meisten Analysten jedoch als enttäuschend bewertet.
RWE gaben 0,34 Prozent auf 44,10 Euro nach. Den Kursabschlag beim größten deutschen Versorger erklärten die meisten Analysten mit Gewinnmitnahmen.
Zu den Favoriten unter den Standardwerten gehörten die Preussag-Aktien mit einem Plus von 2,72 Prozent auf 44,20 Euro. Die Anleger hätten am Dienstag lange vernachlässigte Werte wie Preussag und Fresenius Medical Care wieder entdeckt und auf ihre Kaufliste gesetzt, sagte Wolfgang Kuhl, Aktienhändler der BfG Bank. Fresenius Medical Care stiegen um 2,51 Prozent auf 84,42 Euro.
Unentschlossener Handel bei den Wachstumswerten
Die Wachstumswerte am Neuen Markt präsentierten sich am Dienstag unentschlossen. Mal rutschte das Marktsegment ins Minus, mal kletterte es wieder ins Plus.
"Wir befinden uns in einer Konsolidierungsphase", sagte Albert Rapp, Händler bei Trinkaus & Burkhardt. Der Neue Markt habe jetzt wirklich gute Chancen seinen Boden zu finden. Nachdem viele Anleger von den deutlichen Zugewinnen Anfang des Jahres überrascht worden seien, werde nun abgewartet. Immerhin hatte der Nemax-50 binnen kurzem um knapp 30 Prozent zugelegt. Sollte der Markt jetzt wieder leicht abrutschten, sei dies für Investoren ein Signal zum Einstieg, meinte Rapp.
Die Anleger würden sich eine Pause gönnen, meinte eine Händlerin der Commerzbank. Zudem seien die Vorgaben aus den USA in dieser Phase der Quartalsergebnisse ein Wechselbad für Anleger.
Gerüchte um Stellenabbau bei Intershop
Stark unter Druck stand Intershop. Ein Zeitungsbericht, wonach das angeschlagene Jenaer Unternehmen einen größeren Stellenabbau in Deutschland plane, wurde umgehend dementiert. Dennoch sei das Anlegervertrauen momentan gestört, meinte ein Analyst. Intershop hatte am 2. Januar mit einer Gewinn- und Umsatzwarnung die Experten negativ überrascht. Intershop verloren 8,08 Prozent auf 11,95 Euro.
Fester als zum Handelsauftakt präsentierte sich T-Online, die Aktie reduzierte ihren Tagesverlust und drehte sogar ins Plus. Am Ende stieg der Wert um 2,31 Prozent auf 15,50 Euro. Am Morgen hatte die Konzernmutter Deutsche Telekom vermeldet, die Zahl der T-Online-Kunden einschließlich Club Internet und Ya.com sei von 4,7 Millionen Ende 1999 auf 7,9 Millionen zum Jahresschluss 2000 gestiegen.
Analysten wollten diese Zahl jedoch nicht überbewerten, sie warten mit Spannung auf die Zahlen, die T-Online am Mittwoch vorlegen will. Den Analystenmeinung zufolge dürfte der Darmstädter Internet-Service-Provider im vergangenen Geschäftsjahr tiefrote Zahlen geschrieben haben.
Qiagen profitiert von einer Kaufempfehlung
Zu den größten Gewinnern im Nemax-50 gehörte Qiagen mit einem Plus von 13,69 Prozent auf 35,80 Euro. Die Analysten der amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley Dean Witter hatten die Aktie des Biotech-Unternehmen in einer Ersteinschätzung mit "Strong Buy" empfohlen.
Dagegen stand EM.TV nach den Gewinnen vom Vortag diesmal unter Druck. Die Aktie des Münchner Filmrechtehändlers verbilligte sich um 5,74 Prozent auf 8,05 Euro. Nach wie vor ist unklar, wer nun bei dem angeschlagenen Unternehmen einsteigen wird. Neben der Kirch-Gruppe soll auch ein Unternehmenskonsortium interessiert sein. Diese Nachricht hatte in den vergangenen Handelstagen die Anlegerfantasie beflügelt.
Für Unruhe sorgte allerdings ein Zeitungsbericht am Dienstag, wonach ein Großanleger eine Klage erwägt. Dem Bericht zufolge habe die Deutsche Bank-Investmenttochter Morgan Grenfell Private Equity mit EM.TV-Aktien rund eine Milliarde Mark verloren.
Schlechte Zahlen bei NSE und SinnerSchrader
Die Aktie der NSE Software brach um 28,86 Prozent auf 2,49 Euro ein. Das Unternehmen hatte in einer Pflichtveröffentlichung mitgeteilt, das die im November 2000 publizierte Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2001 nicht erfüllt werden kann. Damit hat der Münchner Anbieter für Finanzsoftware erneut seinen Geschäftszahlen korrigieren müssen. Nun wurde ein Sanierungskonzept mit dem Ziel der wirtschaftlichen Kurskorrektur angekündigt.
Auch SinnerSchrader stand erheblich unter Druck. Der Wert verbilligte sich um 17,74 Prozent auf 13,40 Euro. Das Unternehmen hatte am Morgen seine Zahlen für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres veröffentlicht. Das Betriebsergebnis wurde um knapp 10,5 Prozent auf 1,6 Millionen Mark gesteigert; allerdings beinhalte die Zahl die Übernahme von Netmatic. Ohne Netmatic habe sich das Betriebsergebnis um rund 30 Prozent auf eine Million Mark verschlechtert.
Ein stetiges Auf und Ab erlebte am Dienstag Letsbuyit.com. Zur Schlussglocke lag der Kurs bei 0,19 Euro, ein Plus von 18,75 Prozent. Mittwoch morgen um 8 Uhr läuft die vom Gericht erlassene Gnadenfrist ab. Hat das Unternehmen bis dahin nicht mindestens Millionen Euro beschafft, ist der Konkurs nicht mehr abzuwenden. Händlern zufolge interessierten sich am Dienstag überwiegend spekulative Anleger für den Wert.
Auch Ixos musste Verluste hinnehmen. Die Aktie büßte 7,17 Prozent auf 12,30 Euro ein. Der Kursabschlag ist nach Ansicht eines Händlers der Frankfurter Sparkasse eine natürliche Reaktion auf den jüngsten rasanten Anstieg der Aktie. Anleger nähmen nun die Gewinne mit.
Freundlicher Handel an der Wall Street
In den USA haben sich die Aktien im Nachmittagshandel überwiegend fester präsentiert. Der Dow Jones verbuchte bis 20.50 Uhr (MEZ) einen Zuwachs von 0,79 Prozent auf 10.661 Punkte. Die Nasdaq wies ein Plus von 2,30 Prozent auf 2821 Punkte auf.
Zur Eröffnung hatte der Markt noch erheblich unter Druck gestanden, was Händler auf die negativen Nachrichten des Chip-Herstellers Texas Instruments zurückführten. Insgesamt sei der Markt aber "überverkauft" und habe ein sehr niedriges technisches Niveau erreicht, sodass der Handel am Mittag seine Richtung verändert habe. Die Anleger konzentrierten sich nun auf die Erwartung, die US-Notenbank (Fed) werde die Leitzinsen erneut senken. Deswegen sei die Tendenz am Nachmittag positiv.
Richard Dickson von Scott & Stringfellow zufolge durchbrachen sowohl die Nasdaq als auch der S&P-500 am Montag wichtige charttechnische Marken nach unten. Wenn der Markt nun kurzfristig diese Marken wieder überwinde, könne das sogar der Beginn einer länger anhaltenden Rallye sein.
Für einen positive Überraschung sorgte Merrill Lynch. Die Investmentbank hatte vor Börseneröffnung einen Ergebnisanstieg von elf Prozent bekannt gegeben. Analysten hatten nach den schlechten Zahlen der Rivalen Morgan und Goldman Sachs mit einem deutlich geringerem Wachstum gerechnet.