Börsenschluss: Dow kämpft mit 9000er Marke - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börsenschluss Dow kämpft mit 9000er Marke

Deutliche Kursverluste der Technologie- und Automobilwerte haben den Dax tief ins Minus gedrückt. Der Neue Markt fiel auf ein neues Rekordtief. Der Dow Jones kämpft mit der 9000-Punkte-Marke.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main – Der Dax gab am Mittwoch um 1,4 Prozent auf 4138 Punkte nach. Am Nachmittag wurde das Tagestief bei 4101 Zählern gemessen. Die im MDax notierten Nebenwerte verloren durchschnittlich rund 0,8 Prozent und drückten den Index auf 3846 Punkte. Am Neuen Markt wurde der Nemax 50 von massiven Verlusten des Schwergewichts Qiagen   belastet und rutschte im Handelsverlauf auf ein Allzeittief von 512 Punkten. Zum Handelsschluss notierte der Auswahlindex um 5,4 Prozent leichter auf 531 Zählern.

Auch einen Tag nach den Gerüchten um Bilanzmanipulationen beim Medienkonzern Vivendi Universal   sei die Stimmung am Markt gedrückt, sagte ein Frankfurter Händler. "Jeder fragt sich: Welches Unternehmen wird das nächste sein?" Auch die schwachen Vorgaben von den New Yorker Börsen belasteten den Markt. Darüber hinaus drücke eine Umsatzwarnung des amerikanischen Halbleiterproduzenten AMD   vor allem die Kurse der High-Tech-Werte.

Dow Jones notiert unter der 9000-Punkte-Linie

In den USA präsentierten sich die Börsen schwach. Der Dow Jones fiel unter die psychologisch bedeutsame Marke von 9000 Punkten und notierte zum Handelsschluss in Deutschland auf 8934 Zählern, ein Minus von 0,8 Prozent. Der Nasdaq verlor rund 0,2 Prozent auf 1355 Punkte.

Weiterhin befinde sich der Markt nach Auffassung von Händlern in New York in einer Vertrauenskrise. Nur wenig Unterstützung bekamen Marktteilnehmer von Seiten der Konjunktur. Der Auftragseingang der US-Industrie stieg im Mai gegenüber dem Vormonate um 0,7 Prozent. Experten hatten nur mit einem Plus von 0,5 Prozent gerechnet. Der viel beachtete Index der Geschäftstätigkeit im US-Dienstleistungssektor sank unterdessen im Juni auf 57,2 Punkte, nach 60,1 Zählern im Mai. Analysten hatten einen Rückgang auf 58,8 Stellen vorhergesagt.

Doch entscheidendes Gewicht messen Marktbeobachter vor allem dem US-Arbeitsmarktbericht für den Monat Juni bei, der am Freitag veröffentlicht wird. Aus informierten Kreisen soll die Zahl der gestrichenen Stellen auf rund 94.000 stark gestiegen sein. Besonders sei die Telekommunikationsindustrie betroffen.

Techwerte: Schlechte Branchennachrichten aus den USA

Die Aktien von Infineon   verloren 3,5 Prozent auf 13,96 Euro. Händler verwiesen auf die erneut gesenkte Umsatzprognose des US-Chipherstellers AMD  . "Die Erholung des Chipsektors verschiebt sich weiter nach hinten", sagte Analyst Michael Anschütz von der Bankgesellschaft Berlin. Ein Durchbruch sei vor dem vierten Quartal nicht zu erwarten.

Unterdessen verbilligten sich die SAP-Titel   um 2,3 Prozent auf 89 Euro. Ein Händler sagte, SAP könne sich der Prognosesenkung des US-Konkurrenten i2 nicht entziehen. "Es ist ironisch, dass SAP wegen i2 fällt, weil es i2 gerade wegen SAP schlechter geht", sagte ein anderer Börsianer. "SAP hat in den vergangenen 18 Monaten i2 das Essen weggegessen und deswegen musste i2 eine Gewinnwarnung nach der anderen rausgeben."

Die Titel von Siemens   (minus 2,3 Prozent auf 56,10 Euro), Epcos   (minus 3,6 Prozent auf 30,29 Euro) und Deutsche Telekom   (minus 4,4 Prozent auf 9,11 Euro) verloren ebenfalls deutlich.

Einzelhandelszahlen drücken Metro-Kurs

Das Papier des Einzelhandelkonzerns Metro   fiel um 5,8 Prozent auf 28,25 Euro und war damit Dax-Schlusslicht. "Die heute veröffentlichten schwachen Einzelhandelszahlen und die allgemeine Kaufzurückhaltung bei den Verbrauchern belasten die Aktie", sagte ein Händler. Ein anderer Marktbeobachter verwies auf Hedge-Fonds. Diese verkaufen das Metro-Papier in der Erwartung, dass die Aktie weiter fällt, um sich dann gewinnbringend auf einem niedrigeren Kursniveau einzudecken. Auch die im MDax notierten KarstadtQuelle-Papiere   verloren 1,4 Prozent auf 24,50 Euro.

Unter die Räder kamen auch Autotitel. Die Volkswagen-Aktie   verbilligte sich um 3,5 Prozent auf 45,07 Euro. Die Wolfsburger haben in den USA im Juni weniger Fahrzeuge als noch vor einem Jahr verkauft. In Mitleidenschaft gezogen wurden auch die Papiere von BMW  , obwohl der Autohersteller seine Auslieferungen in den USA steigern konnte. BMW-Aktien fielen um 1,5 Prozent auf 39,50 Euro. Die Anteilsscheine von DaimlerChrysler   büßten 2,4 Prozent auf 45,48 Euro ein.

Trotz skeptischer Stimmen zu den Gerüchten, dass die Deutsche Bank   an der Credit Suisse Group   interessiert sei, konnte die Aktie des Frankfurter Branchenprimus von den Spekulationen profitieren. Der Titel schloss 0,9 Prozent fester bei 67,95 Euro.

Flucht in defensive Werte

Anleger in Frankfurt setzten angesichts der angeschlagenen Marktstimmung vor allem auf konservative Werte. An der Spitze der Gewinnerliste stand die Aktie von Henkel   mit einem Plus von 4,6 Prozent auf 71,94 Euro.

Auch die Deutsche Post  , Linde   und Schering   präsentierten sich freundlich.

Hoffnung für Babcock Borsig

Am Tag der Krisengespräche zur Rettung des angeschlagenen Maschinenbaukonzerns Babcock Borsig   haben die Aktien deutlich zugelegt. Das Papier stieg um 35 Prozent auf 1,35 Euro und war damit bester Wert im MDax. "Da spekulieren wohl Zocker auf eine Rettung des Unternehmens, nachdem sich auch die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen eingeschaltet hat", sagte ein Händler. Der Aufschwung dürfte aber nicht von langer Dauer sein. "Das erledigt sich schnell wieder, sollten die Gespräche scheitern und Babcock Borsig Insolvenz beantragen." An dem Gespräch in Düsseldorf nahmen Politiker, Gläubigerbanken, Anteilseigner und der US-Investor One Equity Partners (OEP) teil, der die Mehrheit der HDW-Aktien erworben hat.

Die Titel von Stinnes   stiegen um 8,8 Prozent auf 32,14 Euro. Damit lagen sie knapp unter dem Übernahmeangebot der Deutschen Bahn von 32,75 Euro je Aktie. Börsianer bezeichneten den gebotenen Preis übereinstimmend als sehr gut.

Neuer Markt: Ausverkauf steht noch aus

Nemax fällt auf Rekordtief

Angesichts immer neuer Rekordtiefs am Neuen Markt erwarten Börsianer kein schnelles Ende der Kursstürze. Alles deute darauf hin, dass die Vorzeichen noch eine ganze Weile negativ sein werden, sagte ein Frankfurter Händler. Am Mittag war der Auswahlindex Nemax 50 - der sich zu seinen besten Zeiten auf einen Stand von über 9000 Punkte aufgeschwungen hatte - bis auf einen neuen Tiefstand bei 512,5 Zählern eingebrochen. Auch der marktbreite Nemax All Share fiel im Handelsverlauf auf ein Allzeittief bei 579,5 Punkten.

Für einen Düsseldorfer Händler bewegt sich der Neue Markt nahe am Abgrund. "Perlen gibt es in diesem Segment keine mehr", sagte er. "Die einzigen Werte, die sich über Wasser halten, sind Unternehmen wie Consors  , für die ein Übernahmeangebot vorliegt."

Negativ bewertet der Börsianer vor allem die Tricksereien der Unternehmen. "Wo man auch hinsieht, gibt es nur Lug und Trug", kritisierte er. Die Serie von schlechten Nachrichten reiße nicht ab. "Wir sehen einen Crash auf Raten", sagte er. Der endgültige Ausverkauf stehe aber noch aus.

Qiagen schmiert nach Gewinnwarnung ab

Diese Einstellung hält Fondsmanager Andre Köttner von der Union Investment für fatalistisch. Auch am Neuen Markt gebe es noch eine Hand voll sehr guter Unternehmen. Hierzu gehöre trotz der Gewinnwarnung auch die Qiagen-Aktie  . Ein Frankfurter Händler sieht das Unternehmen dagegen kritisch. "Dies ist eine weitere Hiobsbotschaft für den Neuen Markt und die gesamte deutsche Biotech-Branche", kommentierte er die Enttäuschung über die Qiagen-Meldung. "Qiagen war am Neuen Markt immer ein Vorzeigeunternehmen, da nur wenige Biotechs des Segments profitabel arbeiten." Die Aktie rutschte um über 30 Prozent auf 7,11 Euro ab, nachdem das Unternehmen am Morgen vor enttäuschenden Umsätzen und Gewinnen gewarnt hat.

Die heutige Hauptversammlung des Chipbrokers CE Consumer   stand ebenfalls im Schatten einer Gewinnwarnung. Das Unternehmen hatte am Dienstag mit enttäuschenden Prognosen überrascht und dies mit einem Wertberichtigungsbedarf in Höhe von 47 Millionen Euro begründet. Die Aktie notierte zum Handelsschluss rund zehn Prozent leichter auf 1,83 Euro.

Suess Microtec weiter unter Druck

Die Aktie des Prüfgeräteherstellers für die Chipindustrie Suess Microtec   drehte nach frühen Verlusten ins Plus und legte um 1,5 Prozent auf 14 Euro zu. Am Dienstag verbilligte sich das Papier um mehr als 30 Prozent. Die Analysten von Morgan Stanley erwarten, dass das Unternehmen im laufenden und kommenden Jahr weniger einnehmen wird als sie zuvor prognostiziert hatten.

Zu den Gewinnern im Nemax 50 zählte auch die Aktie des Telekomunternehmens Mobilcom  . Das Papier verteuerte sich um 1,6 Prozent auf 8,08 Euro. "Der Verwaltungsrat der France Télécom   tagt am heutigen Mittwoch und wird sich mit den Schulden der Mobilcom beschäftigen", sagte ein Händler. Dies bringe Fantasie in die Aktie.

Ebenfalls freundlich präsentierten sich Teleplan  , FJA   und Thiel Logistik  , die um mehr als elf Prozent zulegen konnten.

Einige Marktexperten versuchten trotz des Verfalls am Neuen Markt für Beruhigung zu sorgen: "Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die Idee des Neuen Marktes als Plattform und Kapitalmarktzugang für junge innovative Firmen überleben wird, in welcher Form auch immer", sagte Fondsmanager Karl Fickel vom Investmenthaus Lupus alpha im Gespräch mit manager-magazin.de. Ob die Wachstumsbörse in Zukunft Nasdaq Deutschland oder anders heißen werde, dies sei gleich. Der Name sei nicht entscheidend. Der Neue Markt habe eine Zukunft.

Nikkei klettert gegen den Trend - Bilanzierungsskandale drücken den Euro-Kurs

Defensive Werte in Tokio gefragt

Der Aktienmarkt in Tokio hat den Mittwoch mit Gewinnen abgeschlossen und sich damit gegen den schwachen Markttrend in Europa und den USA gestemmt. Händler machten eine gesteigerte Nachfrage für defensive Werte für den freundlichen Trend an der asiatischen Leitbörse verantwortlich. Dabei entwickelte sich die Börse in Tokio erst im späten Geschäft freundlich; zunächst wurde das Geschäft noch von der schwachen Wall Street belastet.

Der Nikkei 225-Index beendete den Handel um 190 Punkte oder 1,8 Prozent höher bei 10.812 Punkten. Der Topix legte 0,04 Prozent zu auf 1044 Punkte. Kleinanleger hätten besonders mit ihren Kauforders für defensive Aktien den Index angehoben, sagte Akira Nakamura, General Manager beim Aktienhandel von Chuo Securities. "Diese Art von Orders nimmt zu, je näher der Nikkei der 10.000 Punkte-Marke kommt", fügte er an.

Unter diesen defensiven Werten stieg der Versorger Tokyo Electric Power   um 15 Yen auf 2530 Yen. Chube Electric legten 15 Yen zu auf 2140 Yen. Bankwerte stiegen nach einer Pressemeldung an, nach der der zuständige Minister Hakuo Yanagisawa derzeit zweierlei Möglichkeiten prüft, um faule Kredite der Finanzinstitute abzulösen. Mizuho   gewannen 14 Yen auf 285 Yen hinzu, MTFG legten 34 Yen auf 863 Yen zu und UFJ stiegen um 13 auf 302 Yen.

Unter den großen japanischen Exportwerten stachen Honda   mit einem Kursplus von 20 Yen auf 5040 Yen hervor. Suzuki   gewannen gleichfalls 20 Yen auf 1470 Yen und die Ford-Tochter   Mazda   gewannen 14 Yen auf 332 Yen.

Bilanzierungsverstöße drücken den Euro-Kurs

Der Kurs des Euro ist am Mittwoch weiter gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9780 (Dienstag: 0,9838) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0225 (1,0165) Euro. Gegen Börsenschluss in Frankfurt wurde die Einheitswährung bei 0,9814 Dollar notiert.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6421 (0,6432) britische Pfund, 117,44 (118,51) japanische Yen und 1,4620 (1,4663) Schweizer Franken fest.

Berichte über Bilanzierungsverstöße beim französischen Medienkonzern Vivendi hätten den Kurs der Gemeinschaftswährung belastet, sagte ein Devisenexperte in Tokio. Nach den Bilanzierungsskandalen in den USA gebe es nun die Befürchtung, dass auch Europa davon betroffen sein könnte. Dass der Euro es in den vergangenen Tagen nicht geschafft hat, die Parität zum Dollar zu erreichen, habe die Gemeinschaftswährung zusätzlich unter Druck gebracht.