Börsenschluss: Epcos und SAP glänzen - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Epcos und SAP glänzen

Gewinnmitnahmen haben den Höhenflug des deutschen Aktienmarkts leicht gebremst. Dax und Nemax sind dennoch deutlich fester aus dem Handel gegangen. Die Technologiewerte legten kräftig zu.
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Frankfurt am Main - Die deutschen Standardaktien haben am Montag das zwischenzeitlich erreichte Sieben-Monats-Hoch nicht verteidigen können. Der Leitindex kletterte im Tagesverlauf bis auf 5465 Punkte, gab dann aber im Zuge schwächerer US-Börsen wieder nach. Der Dax schloss mit einem Plus von 0,5 Prozent auf 5426 Punkten. Am Neuen Markt legte der Nemax 50 um 3,6 Prozent auf 1032 Zähler zu. Der MDax für mittelgroße Werte schloss gut behauptet bei 4447 Punkten.

"Nach den positiven Wirtschaftssignalen aus den USA sind jetzt konjunktursensible Aktien gefragt", sagte ein Händler. Für Optimismus hätten stärker als erwartet ausgefallene US-Wirtschaftsdaten vom Freitag gesorgt. "Auf Sicht von drei bis vier Monaten kann der Dax wieder die 6000 Punkte erreichen", hieß es am Markt. Die Standardaktien seien durch die schwächeren US-Börsen unter Druck geraten.

Händlern zufolge hätten nach den jüngsten Zuwächsen wieder Gewinnmitnahmen eingesetzt. "Wir sind hier mit relativ dünnen Umsätzen hochgelaufen und jetzt fehlen einfach die Anschlusskäufe", sagte ein Marktteilnehmer. Auf dem derzeitigen Niveau trauten sich viele Investoren aus Angst vor Rücksetzern des Marktes nicht einzusteigen. Marktteilnehmern zufolge schlossen Anleger im Vorfeld der Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) am Dienstag ihre Positionen und nahmen Gewinne mit. Es bestünden Bedenken, dass Notenbankchef Alan Greenspan weniger optimistische Aussagen machen könnte und damit den jüngsten Anstiegen an den Aktienmärkten den Wind aus den Segeln nehmen könnte, sagten Händler.

In New York rutschten die Börsen nach einem positiven Auftakt in die Verlustzone. Der Dow Jones notierte zum Börsenschluss in Frankfurt auf 10.539 Punkten, ein Minus von 0,6 Prozent. Die Nasdaq gab um 0,2 Prozent auf 1865 Zähler nach.

Im Mittelpunkt des Interesses standen die beiden Computerkonzerne Hewlett-Packard   und Compaq   . Die HP-Aktionäre werden an diesem Dienstag über die geplante Milliarden-Fusion abstimmen.

Epcos geht als Tagessieger aus dem Handel

Favorit des Tages waren die Aktien des Komponentenherstellers Epcos   , die mit einem Plus von 5,7 Prozent auf 52,51 Euro aus der Sitzung gingen. Siemens-Papiere   stiegen um 1,2 Prozent auf 76,70 Euro. SAP-Titel   kosteten mit 174,50 Euro 2,6 Prozent mehr als am Freitag. Die T-Aktie   schloss nur leicht stärker auf 17,04 Euro.

Der Aktienkurs der Lufthansa   legte 1,5 Prozent auf 18,70 Euro zu. Die Fluggesellschaft erwartet in den nächsten Monaten eine kontinuierlich steigende Nachfrage nach Flügen und eine Ausweitung des eigenen Marktanteils. Die Kapazitäten der Lufthansa würden entsprechend angepasst, hatte Bereichsvorstand Thierry Antinori am Sonntag auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin gesagt.

Auf der Seite der Kursverlierer standen die Anteilsscheine von Bayer   und Linde   , die um 1,8 beziehungsweise 2,1 Prozent fielen. Händler sprachen bei Linde von Gewinnmitnahmen. "Bei Bayer sind wir sehr vorsichtig, weil der Schuldenberg noch sehr hoch ist. Es bleibt die Frage, ob sie diesen so stark abbauen können wie sie es versprechen", sagte ein Aktienhändler.

Die Aktien des Dialyse-Spezialisten Fresenius Medical Care   haben nach Einschätzung von Experten "Nachholpotenzial" und sind mit Kursgewinnen in die Woche gestartet. Das Papier stieg um 3,3 Prozent auf 68,60 Euro. "Wenn man im Dax nach den Werten sucht, die zurückgeblieben sind, stößt man unweigerlich auf Fresenius Medical Care", sagte ein Händler in Frankfurt. Für den Kursanstieg könnte zudem die bekräftigte Gewinnprognose verantwortlich sein. Der Vorstandschef des Dialysekonzerns, Ben Lipps, peilt in diesem Jahr ein organisches Wachstum von sechs bis neun Prozent und einen Gewinnschub von zehn bis 15 Prozent an. "Die Zeit der schlimmsten Unternehmensnachrichten ist vorbei", sagte Analyst Frank von Collani von der Berenberg Bank. Die Bad Homburger hätten alle Belastungen in das vierte Quartal gepackt. Dazu gehörten unter anderem Rückstellungen in Höhe von 258 Millionen Dollar wegen Rechtsstreitigkeiten in den USA. "Diese Meldungen hatten den Kurs belastet", sagte der Analyst. Zudem werde es im ersten Quartal noch Probleme auf der Kostenseite geben. "Mit der operativen Marge wird es jetzt aber wieder bergauf gehen."

Cargolifter hat den ersten Kunden

Die Nachricht vom Verkauf des ersten Schwerlastballons nach Nordamerika hat die Aktie der brandenburgischen Cargolifter   zwischenzeitlich um 23,4 Prozent auf 5,60 Euro steigen lassen. Am Abend präsentierte sich die im MDax notierte Aktie nur noch mit neun Prozent im Plus auf 5,03 Euro. "Es sind die ersten wirklichen Einnahmen des Unternehmens", sagte ein Analyst in Düsseldorf. "Da denken einige, wenn es im Kleinen funktioniert, kann es auch im Großen klappen." Die Idee sei reizvoll, aber es sei nicht endgültig geklärt, ob das Prinzip des Schwertransport in der Luft klappe und die finanziellen Mittel bis zum Schluss reichten. "Ich bin sehr begeistert von dem Wert", sagte ein weiterer Analyst. Jedoch sei das Unternehmen ein "Sorgenkandidat wegen der Liquiditätsprobleme." Er hoffe, dass sich diese im Lauf des Jahres entschärften. Trotz schlechter Nachrichten wie der Verzögerungen und der höheren Baukosten sei der erste Verkauf ein Hoffnungsschimmer für die Aktie. Einige Investoren glaubten nun, das Unternehmen habe noch eine Chance.

Neuer Markt: Positive Stimmung – Mobilcom und T-Online auf Höhenflug

Die Aktien am Neuen Markt haben sich nach der Index-Umgewichtung mit einem deutlichen Plus über 1000 Punkten gehalten. Am Freitag waren die Titel in Folge des dreifachen Verfallstermins in der Schlussauktion unter die psychologisch wichtige Grenze gerutscht. Jetzt werde dies langsam wieder korrigiert, sagten Händler. "Es gab wenig negative Nachrichten. Da werden wir uns diese Woche etwas mausern", sagte ein Händler in Frankfurt. Insgesamt sei der Handel aber extrem richtungs- und ereignislos, ergänzte ein weitere Händler.

Bei verhältnismäßig hohen Umsätzen kletterte die Aktie des Darmstädter Internet-Providers T-Online   um 6,8 Prozent auf 12,62 Euro. Das Papier hatte zuvor durch die neuen Regeln der Deutschen Börse gelitten. Ihnen zufolge darf keine Aktie ein Gewicht von über zehn Prozent haben. Auf T-Online, die ein Index-Gewicht von 13,5 Prozent gehabt haben, sei in der Schlussauktion besonders heftig eingeprügelt worden, sagte ein Händler. Der Kursrutsch sei vor allem dadurch zu Stande gekommen, dass die Anbieter von Indexfonds und Investmentzertifikaten erst in der Schlussauktion ihre Bestände der neuen Gewichtung anpassen durften. "Jetzt ist der Verkaufsdruck erst einmal von T-Online weg", ergänzte der Händler. Den Kurs hätten zudem einige positive Analystenkommentare im Vorfeld der Bilanzpressekonferenz der Telekom-Tochter am kommenden Donnerstag nach oben bewegt. So hatte etwa Lehman Brothers das Kursziel des Titels heraufgesetzt.

Nemax-50-Neueinsteiger unter Druck

Aktien der Nemax 50-Neulinge Nordex   , FJA   und Funkwerk   bildeten dagegen mit einem deutlichen Minus die Nachhut im Index. Nordex-Aktien verloren 2,9 Prozent auf 6,70 Euro. Titel des Softwarehauses FJA sackten 3,4 Prozent auf 63,77 Euro. Funkwerk-Papiere gaben um 5,7 Prozent auf 22,65 Euro nach. Die Papiere hätten bereits angezogen, nachdem bekannt wurde, dass die Unternehmen ein Treppchen höher steigen, sagten Händler. "Außerdem haben viele darauf gesetzt, dass in der Schlussauktion die Anbieter von Indexfonds und Zertifikaten noch mal kräftig nachkaufen werden – und da haben wohl zu viele auf dieselbe und die falsche Karte gesetzt, sagte ein Händlerin. Die Titel aller drei Unternehmen waren am Freitag mit kräftigen Verlusten aus dem Handel gegangen.

Demgegenüber lag der Titel des Nemax-50-Absteigers Carrier1   rund vier Prozent schwächer bei 0,24 Euro. Ebenfalls-Absteiger Heyde   gewann dagegen 16 Prozent auf 0,29 Euro, während Primacom   1,9 Prozent auf 1,57 Euro verloren.

Mobilcom auf Klettertour

Zu den größten Gewinnern im Nemax 50 gehörte die Aktie des Büdelsdorfer Telekommunikationsunternehmens Mobilcom   , die um 12,6 Prozent auf 14,09 Euro zulegte. Der Streit mit der France Telecom um die UMTS-Finanzierung hatte das Papier enorm unter Druck gebracht. In der vergangenen Woche hatte Mobilcom noch ein Papier verbreitet, in dem die weit reichenden Verpflichtungen der France Telecom festgelegt sind. Ob dies für den Kursrutsch gesorgt habe, war am Markt allerdings nicht klar. "Ehrlich gesagt, kann ich mir zur Zeit nicht richtig erklären, was da den Kurs beflügelt", sagte ein Händler.

Positiv nahm der Markt die Bilanzzahlen des Cuxhavener Windparkbauers Plambeck Neue Energien auf, der seinen Umsatz und das Vorsteuerergebnis im vergangenen Jahr auf 206 Millionen Euro beziehungsweise 20 Millionen Euro mehr als verdoppeln konnte. Das Papier stieg um 4,8 Prozent auf 20,85 Euro.

Im Nemax All Share gaben die Aktien des britischen Online-Reiseunternehmens Ebookers um 16,8 Prozent auf 3,11 Euro nach Zahlen nach. Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr zwar Vorsteuerergebnis und Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) verbessert, jedoch weiter Verluste eingefahren. Der Vorsteuerverlust wurde mit 24,8 Millionen Pfund, das Ebitda mit minus 17,7 Millionen Pfund angegeben. Wie Geschäftsführer Sanjiv Talvar in einem Interview der dpa-AFX bekräftigte, will das Unternehmen in diesem Jahr beim Umsatz seinen Wachstumskurs des Vorjahres halten. 2001 war der Bruttoumsatz um 75 Prozent auf 179 Millionen Pfund gewachsen.

Gewinnmitnahmen in Tokio – Euro etwas schwächer

Die Aktienbörse in Tokio hat am Montag schwächer tendiert. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte notierte 1,3 Prozent schwächer und schloss bei 11.498 Zählern. Händler machten Gewinnmitnahmen vor allem bei Technologiewerten für die leichtere Tendenz verantwortlich, nachdem die Börse in den vergangenen zwei Wochen ein deutliches Plus verzeichnet hatte. Der Euro notierte am Morgen leichter und wurde mit 0,8798 US-Dollar gehandelt.

Kurs des Euro gefallen

Der Kurs des Euro ist am Montag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8792 (Freitag: 0,8853) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1374 (1,1296) Euro. Bis zum Handelsschluss in Frankfurt erholte sich die Einheitswährung wieder auf 0,8823 Dollar.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6174 (0,6213) Pfund, 115,31 (114,12) Yen und 1,4633 (1,4617) Schweizer Franken fest.