Börsenschluss: Erholung nur ein Strohfeuer? - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Erholung nur ein Strohfeuer?

Die Börsen quittieren die Einigung zwischen der Uno und dem Irak mit einem Kurssprung. Der Dax folgt einer starken Wall Street. Autowerte profitieren von guten US-Absatzzahlen.
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Frankfurt am Main – Nach den massiven Verlusten der vergangenen Tage hat der Dax seine Talfahrt am Dienstag vorerst unterbrochen und kräftig zugelegt. Börsianer rechneten jedoch nicht mit einer dauerhaften Erholung. Angesichts der unverändert trüben Konjunkturaussichten hielten sich die Anleger vom Aktienmarkt fern, hieß es weiter.

Die Nachricht von der Einigung der Uno mit der irakischen Führung auf die Modalitäten künftiger Waffeninspektionen beflügelte die Märkte in den USA und in Deutschland, hieß es. Getragen wurde die Stabilisierung des Dax unter anderem von kräftigen Kursgewinnen bei der Deutsche Telekom   sowie den Automobil- und Pharmawerten.

Der Dax schloss 3,5 Prozent fester bei 2865 Zählern, während am Neuen Markt der Auswahlindex Nemax 50 um 0,2 Prozent auf 338 Punkte fiel. Der Nebenwerte-Index MDax lag 0,4 Prozent im Minus bei 2841 Stellen. An der Wall Street tendierte der Dow Jones bei Börsenschluss in Deutschland 2,3 Prozent fester, baute das Plus aber bis 20.40 Uhr auf 3,1 Prozent oder 7825 Stellen aus. Der Nasdaq-Index kletterte um knapp zwei Prozent auf 1194 Punkte.

Einkaufsmanager-Index ohne Einfluss

Der mit Spannung erwartete Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager hatte trotz eines überraschenden Rückgangs im September auf 49,5 Punkte von 50,5 Zählern im Monat zuvor nur einen geringen Einfluss auf den Aktienmarkt. Analysten hatten zwar einen leichten Anstieg auf 50,8 Stellen prognostiziert, einige Experten hatten nach dem unerwartet schlecht ausgefallenen Chicagoer Einkaufsmanager-Index vom Montag aber bereits mit einem noch schwächeren Ergebnis gerechnet.

Die T-Aktie   verteuerte sich um 6,4 Prozent auf 8,96 Euro. Zuvor war aus mit dem Bieterverfahren vertrauten Kreisen bekannt geworden, die Gebote für das TV-Kabelnetz lägen zwischen knapp zwei und rund 2,5 Milliarden Euro. Dies sei etwas mehr als zuletzt erwartet, sagten Händler. Zudem soll einem Zeitungsbericht zufolge noch im Oktober eine Entscheidung über die Neubesetzung der Führungsspitze fallen. Die Telekom wollte diese Nachricht nicht kommentieren.

Deutsche Autobauer steigern US-Geschäft

Unterstützend wirkten die Absatzzahlen deutscher Autokonzerne in den USA. Ob Porsche   , DaimlerChrysler   , BMW   oder Volkswagen: Sie alle konnten im September teils erheblich mehr Autos in den USA verkaufen und den dortigen Platzhirschen Ford   und General Motors   Marktanteile abnehmen.

Die DaimlerChrysler-Aktie reagierte mit einem Plus von 5,16 Prozent auf 35,65 Euro. BMW zogen um 3,17 Prozent an auf 33,54 Euro. Volkswagen   verteuerten sich um 2,70 Prozent auf 37,50 Euro.

Größter Dax-Gewinner war jedoch Bayer  , deren Titel sich um 8,7 Prozent auf 18,97 Euro verteuerten. Börsianern zufolge profitierten die Papiere von einer technischen Reaktion auf die jüngsten Verluste. Zudem erhielt das Unternehmen von der US-Gesundheitsbehörde die Genehmigung zur Ausweitung seiner Produktion des Blutpräparates Kogenate.

Dagegen gaben die Aktien von MLP   um 6,9 Prozent auf 8,38 Euro nach. Zeitweise betrugen die Kursabschläge mehr als zwölf Prozent.

Die Räume von MLP waren am Dienstag erneut wegen des Verdachts der Falschbilanzierung von der Staatsanwaltschaft durchsucht worden. Angesichts der erneuten herben Verluste und der entsprechend geringen Marktkapitalisierung rechneten Börsianer mit einer baldigen Herausnahme von MLP aus dem Dax. Hierüber war bereits im August spekuliert worden.

Die Aktien von SAP   fielen um mehr als zwei Prozent auf rund 45 Euro. Händler sagten, seit Wochen gebe es Befürchtungen um eine drohende Prognoserevision bei dem größten Softwarehersteller in Europa. "Allgemein sieht die Wirtschaft nicht robust aus und jetzt fürchten die Leute, dass die Unternehmen ihre Prognosen für 2002 und 2003 senken", sagte ein Händler.

ThyssenKrupp  -Papiere verloren mehr als fünf Prozent auf 10,61 Euro. Der Stahlkonzern, der traditionell bereits im Oktober seine Versicherungsverträge für das kommende Jahr erneuert, muss künftig für einen geringeren Schutz höhere Prämien zahlen, wie die Helaba berichtete.

SGL Carbon mit Kursrutsch, GPC Biotech stark im Plus

SGL Carbon erneut mit Kursrutsch, GPC Biotech stark im Plus

Im MDax brachen die Aktien von SGL Carbon   um 8,9 Prozent auf 5,32 Euro ein und verbuchten damit seit Mitte vergangener Woche ein Minus von knapp 60 Prozent. Offenbar versuchten Fonds, sich auf Grund der anhaltenden Spekulationen über eine mögliche EU-Kartellstrafe von diesem Papier zu trennen, sagte der Händler Christian Schmidt von der Helaba.

Hornbach ersetzt Stinnes im MDax

Die Aktie von Hornbach Holding   stieg noch um 1,5 Prozent auf 51 Euro. Das Unternehmen wird vom 3. Oktober an Stinnes   im MDax ersetzen. Der südpfälzische Baumarkt-Konzern hatte am Donnerstag Halbjahreszahlen veröffentlicht und seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr gesenkt.

Am Neuen Markt überraschte die Aktie von GPC Biotech   mit einem Kursaufschwung von acht Prozent auf 2,55 Euro. Das Biotechnologieunternehmen kooperiert mit dem US-Mitbewerber NeoTherapeutics bei der Entwicklung des Krebsmedikaments Satraplatin. GPC erhalte die weltweit exklusive Lizenz für den Wirkstoff, teilte das Unternehmen am Dienstag ad hoc mit. Satraplatin ist ein oral verabreichbares Krebsmedikament, das sich in der späten Phase der klinischen Entwicklung befindet.

Mobilcom-Aktien   präsentierten sich 6,50 Prozent leichter auf 2,01 Euro. Am Montag hatten die Titel kräftig zugelegt, nachdem spekuliert wurde, dass der Hongkonger Misch- und Telekomkonzern Hutchison Whampoa   den angeschlagenen Büdelsdorfer Mobilfunkkonzern übernehmen könnte.

Euro schafft den Sprung nicht

Der Kurs des Euro ist am Dienstag trotz schwacher amerikanischer Konjunkturdaten erneut an der Marke von 99 US-Cent gescheitert. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete gegen 20.30 Uhr 0,9851 Dollar, nachdem sie zwischenzeitlich bis auf 0,9892 Dollar gestiegen war. Erst am Vortag war der Euro nach schwachen amerikanischen Konjunkturdaten und der fortgesetzten Talfahrt an den US-Börsen knapp an der 99 US-Cent-Marke gescheitert.

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte am Dienstag den Referenzkurs auf 0,9861 (Montag: 0,9860) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0141 (1,0142) Euro.

Der Euro profitierte nicht vom Rückgang des viel beachteten ISM-Einkaufsmanagerindex in den USA, der im September überraschend stark gefallen ist und erstmals seit acht Monaten auf rückläufige Geschäfte in der Industrie hindeutet. "Die Zahlen waren nicht ganz so enttäuschend, wie sie auf den ersten Blick aussehen", sagte Michael Lewis, Devisenexperte der Deutsche Bank Global Market Research. "Nach dem am Vorabend veröffentlichten Chicagoer Einkaufsmanagerindex hatte der Markt sogar einen noch deutlicheren Rückgang erwartet." Da dies nicht eingetreten sei, sei der Kurs des Dollar gestützt worden.