Börsenschluss Frankfurt Es geht an die Substanz
Hamburg Zwei Werte im Dax 30 schlossen minimal im Plus - der Rest folgte dem Abwärtstrend aus den USA und zog den Index um 2,8 Prozent nach unten. Im Nemax 50 gab es überhaupt keine Gewinner: Der Blue-Chip-Index für Wachstumswerte schloss nach der Rallye am Vortag nun umso deutlicher im Minus.
Der Nemax 50 verlor 7,3 Prozent und schloss bei 1553 Zählern - auch eine knapp behauptete Technologiebörse Nasdaq konnte den Ausverkauf nicht stoppen. Investoren halten sich zurück, kleinste Kurssteigerungen werden zum Ausstieg genutzt.
Dow Jones im Sturzflug
Der Dow Jones baute nach Handelsschluss in Deutschland seine Verluste zeitweise auf 2,6 Prozent aus und fiel deutlich unter 9500 Punkte. Umsatzwarnungen von Hewlett Packard, Federal Express und Deer hatten am Nachmittag dafür gesorgt, dass die US-Börsen ihre Talfahrt fortsetzten. Außerdem sind die Konsumentenpreise unerwartet um 0,3 Prozent gestiegen. Im Jahresvergleich betrug die Inflationsrate in den USA 3,5 Prozent.
Stimmung der Wirtschaft wird schlechter
Die Deutschen Börsen hatten am Mittwoch nicht nur die Enttäuschung über die Zinssenkungspolitik der US-Notenbank nachzuholen. Zusätzlich sorgte der Ifo-Geschäftsklima-Index, der auf dem tiefsten Stand seit Juli 1999 notiert, für eine Beschleunigung der Talfahrt. Händler hoffen nun, dass die Europäische Zentralbank reagiert und die Zinsen senkt.
Technologiewerte mit schweren Verlusten
Die Technologiewerte gehörten erneut zu den größten Verlierern im Dax. Siemens war mit einem Minus von 4,7 Prozent noch der stabilste Wert. Infineon und T-Aktie gaben jeweils 5,2 Prozent ab, Sap verlor 5,3 Prozent auf 130 Euro. Epcos war mit einem Minus von 7,1 Prozent auf 61,30 Euro Schlusslicht im Index.
Negative Analystenkommentare belasteten die Branche zusätzlich. Nach Meinung des Investmenthauses Bear Stearns wird das zweite Quartal in der Chipindustrie das schlechteste in der Branchengeschichte werden. Morgan Stanley Dean Witter prognostiziert der Halbleiterbranche im laufenden Quartal einen Umsatzrückgang um rund 20 Prozent.
Die Aktie Gelb schmierte erneut ab. Nachdem der Kurs der Deutschen Post gestern ein Rekordtief erreicht hatte, gab die Aktie bis Handelsschluss weitere 3,8 Prozent ab und notierte unter 20 Euro. Händlern zufolge verkaufe die Deutsche Bank im großem Umfang Titel des Dax-Aufsteigers.
Bei der Deutschen Telekom hat das Stühlerücken begonnen. Zwei Chief Operating Officers sollen Konzernchef Ron Sommer entlasten. Die Ratingagentur Moody's Investors Service die Verbindlichkeits-Bewertungen der Deutschen Telekom auf die Beobachtungsliste gesetzt. Nun erwägen die Bonner die Einführung einer für sie neuen Anleihenform zur Senkung ihres Schuldendienstes. Die Aktie ging mit einem Minus von 5,2 Prozent auf 25,22 Euro aus dem Handel.
Baisse bedrückt die Banken
Unter der Börsen-Baisse leiden Banken besonders. Die Gewinnmargen schrumpfen, die Geschäfte im Investmentbanking bei Übernahmen und Beteiligungen sind ebenso flau wie im Anlegergeschäft. Die Deutsche Bank-Titel verloren 4,7 Prozent auf 77,70 Euro. Die Aktie der Dresdner Bank verlor 2,7 Prozent. Die Aktien der Commerzbank standen mit 2,5 Prozent auf 28,96 Euro im roten Terrain, und auch die HypoVereinsbank gab um 2,4 Prozent nach.
Thyssen: Italienisches Abenteuer
Die Aktien von ThyssenKrupp gehörten neben Epcos zu den größten Verlierern. Die Papiere des Stahlkonzerns lagen mit 15,43 Euro 6,2 Prozent im Minus. Die Konzern-Sparte ThyssenKrupp Automotive hat eine Grundsatzvereinbarung mit dem italienischen Automobilkonzern Fiat zur Übernahme von zunächst 51 Prozent des Autozulieferers Magneti Marelli geschlossen. Händler vermuteten, dass der angegebene Preis von 450 Millionen Euro zu hoch sein könnte.
Nur E.on und die Allianz tendierten am Abend mit einem Plus von je 0,4 Prozent etwas fester. Die Verluste im Dax betreffen alle Branchen.
M-Dax: Sex sells
Selbst der in der Vergangenheit krisenfeste M-Dax gab deutlich nach und notierte 2,1 Prozent schwächer auf 4433 Punkten. Spitzenreiter war Beate Uhse mit 4,5 Prozent Plus: Wenn man sich auf gar nichts mehr verlassen kann, dann trauen Anleger offenbar dem Motto sex sells noch einiges zu. Die Aktie von ProSiebenSat1 gab rund 15 Prozent nach. Neuer Markt im Tiefenrausch
Im Nemax-50 war Biodata mit einem Minus von 0,3 Prozent bester Wert. Größter Verlierer waren die Aktien von Kinowelt Medien, die zwei Tage vor Veröffentlichung ihrer Bilanz 20 Prozent auf 10,34 Euro verloren. .
Morphosys verlor 5,5 Prozent und fiel unter 69 Euro, obwohl das das Unternehmen Fortschritte bei der Zusammenarbeit mit Roche in der Alzheimer-Forschung vermeldet hatte. Auch das Biotec-Schwergewicht Qiagen brach um 12 Prozent ein und schloss bei 20,51 Euro. Der einstige Anlegerliebling Adva Optical zählte mit 16 Prozent Verlust ebenfalls zu den größten Verlierern.
Euro fällt deutlich
Der Euro wurde am Abend mit 0,8958 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,8990 (Dienstag: 0,9020) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1756 (2,1683) Mark.