Börsenschluss Frankfurt: Fulminanter Wochenstart - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börsenschluss Frankfurt Fulminanter Wochenstart

Die Hoffnung auf Zinssenkungen beflügelt die Börsen. Der Dax schließt auf Tageshoch. Technologiewerte gehören zu den größten Gewinnern. Die Wall Street wartet nun auf die Zahlen von Cisco.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main – Mut ist, wenn man trotzdem kauft: Obwohl die wirtschaftlichen Daten alles andere als erbaulich sind, starteten die Indizes mit satten Kursgewinnen in die neue Woche. Der Dax ging mit einem deutlichen Gewinn von 171 Punkten (3,8 Prozent) aus dem Handel und schloss deutlich über 4700 Punkten. Der Nemax 50 kletterte um 4,8 Prozent auf 1110 Zähler.

Börsianer hoffen darauf, dass die US-Notenbank am Dienstag die Leitzinsen zum zehnten Mal in diesem Jahr senken wird. Die EZB könnte am Donnerstag mit einer Reduzierung der Zinsen um 25 Basispunkte nachziehen, gilt aber als unsicherer Kantonist. Der Dow Jones zeigte sich bis 20 Uhr MEZ 1,4 Prozent fester, während der Technologieindex Nasdaq Composite um 2,8 Prozent zulegte.

Techwerte sehr freundlich: Warten auf Cisco

Positive Analystenkommentare haben die gesamte Technologiebranche gestärkt. Anleger warten nun auf die die Quartalszahlen und den Geschäftsausblick des weltgrößten Netzwerkausrüsters Cisco Systems. Die Aktie legte bis zum Börsenschluss in Deutschland deutlich zu.

Nach einer Empfehlung der US-Investbank Lehman Brothers starteten die Titel des Softwareherstellers SAP   durch und stiegen um 6,1 Prozent. Spitzenreiter waren die Titel von Infineon-Aktien   mit einem zweistelligen Kursplus. Konzernchef Ulrich Schumacher hatte angekündigt, dass sich die Situation der Branche wohl schneller verbessern werde als viele derzeit noch annehmen. Die Konzernmutter Siemens   (plus 5,1 Prozent) und Epcos   (plus 3,8 Prozent) gehörten ebenso wie die T-Aktie   (plus 2,8 Prozent) zu den Gewinnern.

Finanztitel sehr fest – Aufschwung auf breiter Front

Die Aktien des Finanzdienstleisters MLP   gehörten mit einem Plus von sechs Prozent zu den stärksten der Branche. Offenbar erwarten Anleger gute Zahlen für das dritte Quartal. Die Titel der Deutsche-Bank   legten um 5,4 Prozent zu und stiegen über 67 Euro. Händler erklärten den Kursaufschwung mit Spekulationen um einen weiteren Stellenabbau und die Schließung etlicher Filialen. Auch Commerzbank  , Münchener Rück   und Allianz   verzeichneten Aufschläge zwischen 5,3 und 3,9 Prozent. Einziger Verlierer im Dax blieb der Versorger RWE   , der um 0,4Prozent auf 44,15 Euro nachgab.

Post AG erholt sich

Auf Erholungskurs befand sich die Aktie der Post   . Die "Aktie Gelb" verteuerte sich um knapp sieben Prozent auf 16,29 Euro. Das Papier war am Freitag stark gefallen, nachdem Medien über Milzbranderreger in deutschen Postsendungen berichtet hatten. Erst nach Börsenschluss wurde deutlich, dass falscher Alarm gegeben wurde.

Neuer Markt: Broker und Biotech-Titel vorn

Am Neuen Markt waren zum Wochenstart die Aktien der Direktbanken besonders gefragt. Die DAB Bank   setzte sich mit einem Plus von 16 Prozent an die Spitze, gefolgt von ConSors   und comdirect   . "Die Brokerhäuser profitieren überproportional von der guten Marktstimmung – einfach weil dann mehr gehandelt wird", sagte ein Marktteilnehmer.

Die Entwicklung wurde von einer starken Nasdaq gestützt. "Wir gehen davon aus, dass sich die Kurse jetzt mit leichten Schwankungen tendenziell wieder aufrichten", sagte ein Händler. Auch Biotechnologiewerte legten erneut deutlich zu: MediGene  , MorphoSys   und Evotec   kletterten zwischen neun und elf Prozent. Medigene ist von möglichen Rückzahlungsverpflichtungen an die Schering AG befreit worden.

Showdown bei Metabox

Die Aktien des angeschlagenen Multimedia-Unternehmens Metabox   schlossen mit einem Plus von knapp 60 Prozent auf 1,02 Euro, nachdem sie am Vormittag bis zu 20 Prozent im Minus gestanden hatten. Das Unternehmen hat in buchstäblich letzter Minute seinen Insolvenzantrag zurückgezogen. Das Wirtschaftsministerium von Niedersachsen hatte dem Unternehmen eine Landesbürgschaft in Aussicht gestellt. "Das ist eine Frechheit und ein Schlag ins Gesicht eines jeden Steuerzahlers", sagte ein Händler.

Euro fällt unter 90 Cent

Unsicherheit über den künftigen geldpolitischen Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) habe der Gemeinschaftswährung geschadet, berichteten Devisenhändler. Der Euro notierte um 20.30 Uhr bei 0,8971 Dollar. Am Freitagnachmittag hatte die EZB den Referenzkurs bei 0,9056 Dollar festgelegt.