Börsenschluss Frankfurt: Hoffnung und Angst - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Frankfurt Hoffnung und Angst

Hoffnung und Angst treiben immer mehr Investoren zurück in die Aktien. Sie setzen auf ein Anziehen der Konjunktur und haben Angst, weitere Kurssteigerungen zu verpassen. Eine gefährliche Mischung, sagen Experten und warnen vor Rückschlägen. DaimlerChrysler beendet den Handel als Tagessieger. Am Neuen Markt legt T-Online kräftig zu. Consors kommt unter die Räder.
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Frankfurt am Main - Die deutschen Aktien haben am Montag trotz zwischenzeitlicher Handelsunterbrechung ihren Aufwärtstrend fortgesetzt und nur geringfügig unter ihren Tageshöchstständen geschlossen. Am Mittag war der Xetra-Handel wegen eines technischen Defekts für rund zwei Stunden unterbrochen worden. Nach der erneuten Aufnahme des elektronischen Handels sei das Geschäft "recht lebhaft" verlaufen, sagte ein Händler einer Frankfurter Großbank. Der Dax legte 2,4 Prozent auf 5185 Zähler zu. Die Wachstumswerte im Nemax 50 kletterten um sechs Prozent auf 1323 Punkte. Der Dow Jones notierte gegen 20.10 Uhr bei 9913 Punkten: ein Plus von 0,5 Prozent. Der Nasdaq Composite hielt sich mit 0,6 Prozent auf 1910 Zählern im grünen Bereich.

Viel Geld fließt in den Markt

Die Investoren hofften weiterhin, dass sich die konjunkturelle Lage 2002 verbessere. Aktienhändler Simon Rose von der KBC Bank verwies zudem auf reichlich Geld im Markt, das angelegt werde. Mit den seit Wochen steigenden Kursen wachse der Druck auf die Anleger, nun zuzukaufen, um weitere Anstiege nicht zu verpassen. Seit den Tiefständen vom 21. September hat der Dax rund 45 Prozent an Wert gewonnen und der Nemax 50 hat seinen Punktestand mehr als verdoppelt.

Skepsis bleibt - Ernüchterung am Mittwoch?

Ein Experte der BHF Bank kommentierte den Kursanstieg mit den Worten: "Wenn die Konzerne im kommenden Jahr beim Gewinn einstellige Wachstumsraten erwarten, hat das Kurs-Gewinn-Verhältnis von derzeit 26 schon ein stolzes Niveau erreicht." Gewinnmitnahmen seien jederzeit möglich. Peter Sullivan, Stratege bei Goldman Sachs, warnte in der Zeitung "Die Welt": "Investoren preisen jetzt schon ein, dass der Wirtschaftsaufschwung hinter der nächsten Ecke beginnt." Die Gefahr eines kräftigen Rückschlags liege seiner Meinung nach mittlerweile bei über 50 Prozent.

Für Ernüchterung in der Liquiditätsrallye könnten der Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland und das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan sorgen, die am Mittwoch veröffentlicht werden. Der Ifo-Index gilt als wichtiger Gradmesser für die Konjunktur in Deutschland. Die Stimmung der gewerblichen Wirtschaft im Oktober wird sich nach Ansicht von Bankvolkswirten auch im Oktober weiter verschlechtert haben.

DaimlerChrysler im Vorwärtsgang

Die Aktie von DaimlerChrysler   führte die Gewinnerliste mit einem Plus von 6,11 Prozent auf 47,75 Euro an. "Fondsmanager erhöhen offenbar ihre Anteile an zyklischen Werten", sagte Jim Collins, Auto-Analyst Jim Collins bei UBS Warburg. Deswegen und wegen der hohen Liquidität des Papiers sei Daimler momentan sehr gefragt. Andere Marktbeobachter erklärten die Aufschläge mit der Meldung, dass die amerikanische Tochter Chrysler das Absatzinstrument der Null-Zins-Finanzierung stärker ausbauen werde. Bereits die Konkurrenten Ford und General Motors hatten in der Vergangenheit steigende Umsätze dank der quasi kostenlosen Finanzierung von Neuwagen verzeichnet. Kritiker merkten allerdings an, dass die Null-Zins-Finanzierung kaum zur Gewinnsteigerung beitrage. Volkswagen   kletterten um ein Prozent, BMW   stiegen 1,67 Prozent auf 39,50 Euro an.

Auch Chemiewerte gehörten zu den Gewinnern. Degussa   verteuerten sich um 5,85 Prozent auf 28,95 Euro. Euro verbesserte. Das Investmenthaus Lehman Brothers hatte zuvor seine Gewinnschätzung 2002 für die Degussa-Aktie um vier Prozent angehoben. Die Experten trauen dem Papier ein Aufwärtspotential von 33 Prozent zu.

Bayer   trotzten negativen Analystenkommentaren und stiegen um 5,25 Prozent auf 38,49 Euro. Die Deutsche Bank stufte das Papier von "Kaufen" auf "Marketperformer" ab und kürzte ihre Gewinnprognose für das laufende Jahr um fünf Prozent und um sieben Prozent für das kommende Jahr.

Lufthansa-Titel   setzten ihren Erholungskurs fort und notierten 4,64 Prozent fester auf 16,25 Euro. Die Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi über einen Lohnverzicht des Boden- und Kabinenpersonals waren am Wochenende vorerst gescheitert, doch Anleger hoffen weiterhin auf eine Einigung in absehbarer Zeit. Zudem nützen die niedrigen Ölpreise der Fluglinie. Der Ölpreis ist am Montag auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren gefallen.

Technologiewerte tendierten uneinheitlich. Stärkster Technologiewert waren SAP   , die mehr als vier Prozent auf 131,30 Euro vorrückten. Epcos   gaben wieder auf plus 0,62 Prozent bei knapp 63 Euro ab. Der Bauelementehersteller legt am Dienstag Zahlen vor. Siemens   schlossen 0,44 Prozent fester auf 68,30 Euro. Damit konnten Berichte um hohe US-Verluste von annähernd 1,3 Milliarden Mark und Probleme bei der Markteinführung der Mobilfunktechnologie UMTS den Titel nur vorübergehend belasten.

Infineon   gaben 1,34 Proeznt auf 22,84 Euro nach. Die Papiere waren in der vergangenen Woche nach Vorlage äußerst mäßiger Zahlen stark gestiegen. Offenbar setzten jetzt die ersten Gewinnmitnahmen ein. Das Investmenthaus Schroeder Salomon hatte am Montag das Papier mit "Buy" eingestuft und das Kurziel von 20 auf 35 Euro hochgesetzt.

MAN   fielen um 3,11 Prozent auf 23,37 Euro. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen. Zudem belastete den Kurs, dass das Investmenthaus Credit Suisse First Boston die Aktie von "Kaufen" auf "Halten" herab gestuft hatte.

Neuer Markt: T-Online legt kräftig zu

Am Neuen Markt im Nemax 50 hatten SCM   die Nase vorn. Die Papiere verteuerten sich um mehr als 33 Prozent auf 12,69 Euro. Die Aktien, die auch an der US-Technologiebörse Nasdaq notiert sind, hatte ein Auftrag zur Lieferung eines Sicherheitssystems an das US-Militär beflügelt, erklärte ein Händler.

Ohne neue Nachrichten stiegen die Aktien von T-Online   um 17,40 Prozent auf 14,91 Euro und zählten damit zu den stärksten Werten im Nemax 50. Ihren Höhenflug setzten auch die Aktien der amerikanischen Broadvision   fort. Der Anbieter von E-Commerce-Software legte um 11,50 Prozent auf 4,27 Euro zu. Die Papiere waren allein an den vergangenen vier Handelstagen um zwei Euro geklettert.

Der Chipbroker ACG   legte 6,64 Prozent auf 7,55 Euro zu, nachdem das Unternehmen rote Zahlen und einen gestiegenen Umsatz gemeldet hatte.

Zu den größten Verlierern im Nemax 50 zählte am Montag der Online-Broker ConSors   mit einem Verlust von 5,73 Prozent auf 11,85 Euro. Offenbar hat das Bankenkonsortium, das den angeschlagenen Consors-Anteilseigner Schmidt-Bank aufgefangen hat, noch keinen Käufer für Consors gefunden. Der Konkurrent comdirect   trat Spekulationen entgegen, ConSors übernehmen zu wollen. Die Aktie kletterte um 13,70 Prozent auf 12,70 Euro. Die Papiere der DAB Bank   verloren dagegen knapp zwei Prozent auf 16 Euro.

Euro fällt

Der Kurs des Euro ist am Montag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8793 (Freitag: 0,8845) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2243 (2,2112) Mark. Mit Börsenschluss in Deutschland wurde der Euro mit 0,8803 Dollar gehandelt.

Zeitweilig war die Währung unter 0,8768 Dollar und damit auf ihren tiefsten Stand seit drei Monaten gefallen. Händlern zufolge profitierte die US-Währung einerseits von wachsender Zuversicht mit Blick auf die US-Konjunktur. Andererseits hätten die raschen militärischen Erfolge der von den USA unterstützten Nordallianz in Afghanistan den Dollar beflügelt. Die Entwicklung des Euro hängt Händlern zufolge in dieser Woche vor allem vom Ifo-Geschäftsklimaindex ab.