Börsenschluss Frankfurt Hussein-Hausse verpufft
Frankfurt am Main Auf den Ausverkauf folgte nur ein kurzer Zwischenspurt. Der Deutsche Aktienindex Dax hatte im Handelsverlauf auf Grund extrem schlechter Konjunkturaussichten für Deutschland bereits mehr als vier Prozent abgegeben und war am Nachmittag sogar erneut unter die Marke von 3000 Punkten gefallen.
Wegen der ermutigenden Nachrichten aus dem Irak legte der Index dann mehr als 100 Punkte zu, trat im späten Handel aber gemeinsam mit den US-Börsen wieder den Rückwärtsgang an und schloss 1,6 Prozent schwächer bei 3066 Punkten. Der Nemax 50 ging ebenfalls 1,6 Prozent schwächer aus dem Handel.
Das Zittern geht weiter
Zwei Tage vor Ablauf der Frist hat der Irak die Resolution des Weltsicherheitsrates zur Abrüstung des Landes akzeptiert. Ein entsprechender Brief des irakischen Präsidenten Saddam Hussein an die Vereinten Nationen sei unterwegs, bestätigte der irakische UN-Botschafter. Die Reaktion der US-Administration war jedoch äußerst verhalten: Man sei schon häufig getäuscht worden, hieß es.
Die US-Börsen gaben daraufhin wieder nach. Der Dow Jones notierte zum Handelsschluss in Deutschland nur noch 0,1 Prozent über Vortagesschluss. Der Nasdaq Composite hielt sich noch mit 0,7 Prozent im Plus. Nach Handelsschluss in Deutschland rutschten beide US-Indizes wieder in die Verlustzone.
Dax am Scheideweg
Äußerst schwache Wirtschaftsdaten für Deutschland hatten den Dax am Mittwoch zunächst in den Keller geschickt. So geht der Sachverständigenrat der "Fünf Weisen" von einem Wirtschaftswachstum von nur 0,2 Prozent in diesem Jahr und 1,0 Prozent im nächsten aus. Die EU-Kommission leitet außerdem gegen Deutschland ein Verfahren wegen Überschreitung des Haushaltsdefizits ein.
Gleichzeitig korrigierte Brüssel die Wachstumsaussichten für Deutschland deutlich nach unten. Angesichts der desolaten Wirtschaftslage in Deutschland spekulieren nun einige Marktteilnehmer auf eine Zinssenkung der EZB im Dezember.
Allianz und Telekom vor den Zahlen schwach
Zu den größten Verlierern im Dax gehörten Infineon und die Allianz , die jeweils mehr als vier Prozent abgaben. Anleger erwarten für den morgigen Tag eine schwache Bilanz des Versicherers. Sollte der Dax die charttechnisch und psychologisch bedeutende Marke von 3000 Punkten nicht halten, seien weitere Kursverluste zu erwarten, hieß es am Markt.
Anleger nahmen außerdem dem Chiphersteller Infineon außerdem geplante Investitionen übel: Infineon und sein taiwanesischer Partner Nanya werden künftig gemeinsam Speicherchips (DRAMs) fertigen und bei der Technologie-Entwicklung zusammenarbeiten. Infineon werde 550 Millionen Euro investieren, hieß es. Dies schickte den Kurs der Aktie südwärts.
Telekom hält an Voicestream fest
Die Aktie der Deutsche Telekom gab rund zwei Prozent auf 11,23 Euro nach. Das Unternehmen will nach den Worten von Vorstandschef Helmut Sihler an ihrer US-Tochter VoiceStream festhalten. Vor Bekanntgabe der Telekom-Zahlen am Donnerstag scheint festzustehen, dass Kai-Uwe Ricke die Nachfolge von Sihler übernehmen wird.
Siemens mit Quartalsgewinn
Die Papiere des Elektronikkonzerns Siemens gaben nach Vorlage der Quartalszahlen 1,6 Prozent auf 43,90 Euro nach. Bei seinen Planungen habe Siemens keine durchgreifende Besserung des wirtschaftlichen Umfelds unterstellt, wurde Konzernchef Heinrich von Pierer in einer Mitteilung zitiert. Im Schlussquartal des Geschäftsjahres 2001/02 hat Siemens einen Gewinn von 53 Millionen Euro nach Steuern erwirtschaftet.
Deutsche Börse ersetzt Epcos
Die Deutsche Börse wird mit Wirkung zum 23. Dezember das Technologieunternehmen Epcos im Dax ersetzen. Damit rückt die Betreibergesellschaft der Frankfurter Wertpapierbörse als erste Börse in einen der führenden Aktienindizes der Welt auf. Die Aktie der Börse tendierte dennoch schwächer: HSBC-Analyst Peter Barkow sprach von Gewinnmitnahmen.
Dagegen gehörten die Papiere von Epcos zum Handelsschluss gemeinsam mit der Lufthansa und dem Reisekonzern TUI zu den wenigen Gewinnern im Index: Epcos und Lufthansa hatten in den vergangenen Tagen deutlich nachgegeben. Bei Epcos hatten Beobachter bereits mit einem Abstieg gerechnet.
Solide Zahlen von Altana und RWE
Solide Geschäftszahlen legten nach Einschätzung von Händlern die Dax-Firmen Altana und RWE vor, die zudem beide ihren Ausblick für das Gesamtjahr bekräftigten. Trotzdem waren beide Aktien auf der Verliererseite. "Bei RWE befürchten die Anleger weitere Abschreibungen", sagte Fondsmanager Alexander Uhlmann von Invesco Asset Management. Bei Altana verwiesen Händler auf eine Herunterstufung der Aktie durch WestLB Panmure.
Neuer Markt: Mobilcom-Posse geht weiter
Mobilcom-Theater: Neue Folgen
Spekulationen auf eine Rettung von Mobilcom haben Händlern zufolge die Aktie des angeschlagenen Mobilfunkanbieters indes um knapp 30 Prozent auf 4,49 Euro steigen lassen. "Hier wird auf eine Einigung spekuliert ", sagte ein Aktienhändler. Nach einer mehrere Tage währenden Hängepartie werde nun ein neuer Treuhänder für die Mobilcom-Anteile von Schmid gesucht. "In dem Wert tummeln sich ohnehin nur noch Zocker, die Nachrichtenlage ändert sich stündlich", sagte ein Händler.
T-Online schwach trotz guter Zahlen
Trotz der Vorlage guter Geschäftszahlen hat der Kurs der Telekom-Tochter T-Online deutlich nachgegeben und gehörte mit einem Verlust von 8,2 Prozent zu den schwächsten Werten im Nemax 50. "Die Aktie ist in der ersten Euphorie hochgezockt worden", sagte ein Aktienhändler. Anschließend habe die gedrückte Stimmung am Aktienmarkt den Kurs wieder einbrechen lassen.
Wall Street erneut im Rückwärtsgang
Die Kursgewinne an der Wall Street auf Grund der Nachrichten aus Bagdad waren nur von kurzer Dauer. Im späten Handel bauten die Indizes ihre Verluste aus, der Dow Jones notierte um 21 Uhr MEZ 0,8 Prozent schwächer bei 8319 Punkten. Der Nasdaq Composite gab 0,2 Prozent ab.
Greenspan gibt sich "zuversichtlich"
Alan Greenspan hat sich am Nachmittag vor dem Kongress zur Situation der US-Wirtschaft geäußert. Er sei zuversichtlich, dass die jüngste Leitzinssenkung der US-Wirtschaft über die derzeitige Schwäche hinweghelfen werde. Die Konjunktur sei eingeknickt, weil die Verbraucher sparsamer wurden, sagte Greenspan am Mittwoch vor einem Wirtschaftsausschuss. Fallende Aktienkurse, drohende Arbeitslosigkeit und die Terrorbedrohung hätten das Verbrauchervertrauen erschüttert.
"Die Leitzinssenkung sollte sich als hilfreich erweisen, damit die US-Wirtschaft die derzeitige Schwäche überwindet", sagte Greenspan. Doch diese Äußerungen wurden an der Wall Street eher mit Skepsis aufgenommen.
Die Unternehmensinvestitionen hätten bislang nicht wie erwartet angezogen, und die Verunsicherung nach den Bilanzskandalen dauere an, sagte Greenspan. US-Investoren erwarten nun eine Analystenkonferenz beim Computerhersteller IBM .
Wal Mart mit Rekordumsatz
Nur wenige Unternehmen konnten sich dem schwachen Trend entgegen stemmen. Der weltgrößte US-Einzelhändler Wal-Mart startete mit Gewinnen in den Handel. Wal Mart hat im dritten Quartal einen Rekordumsatz verbucht und mit seinem Gewinn die Analystenprognosen leicht übertroffen. Auf Grund der aktuellen Geschäftsentwicklung seien im laufenden vierten Quartal weitere Rekorde zu erwarten, kündigte Wal-Mart-Chef Lee Scott an.
Philip Morris nach Gewinnwarnung herabgestuft
Die Aktien des amerikanischen Tabakkonzerns Philip Morris blieben nach der Gewinnwarnung vom Vortag unter Druck. Am Dienstag war die Aktie zweistellig eingebrochen, nachdem der Konzern die eigene Gewinnprognose für das kommmende Jahr nicht bestätigt hatte. Am Mittwoch stufte Salomon Smith Barney die Aktie herab. Auch Goldman Sachs senkte die Ertragsprognosen.
Euro weiter über Dollar-Parität
Der Kurs des Euro hat sich über der Marke von einem Dollar stabilisiert. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete am Abend 1,0069 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Mittwoch den Referenzkurs auf 1,0068 (Vortag: 1,0081) Dollar festgesetzt.