Börsenschluss Frankfurt: Im Windschatten der USA - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Frankfurt Im Windschatten der USA

Feste US-Börsen hieven Dax und Nemax in die Gewinnzone. Von dem Aufschwung am Nachmittag profitiert auch die T-Aktie. Finanztitel und Fresenius sind die größten Gewinner. Die US-Börsen bleiben nach Vorlage des Beige Book zunächst stabil.
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Frankfurt am Main – Viele Börsianer hatten Gewinnmitnahmen erwartet, doch die robusten US-Börsen haben Dax und Nemax am Mittwoch erneut gestützt. Der Dax ging mit einem Plus von 1,1 Prozent auf 5284 Zähler aus dem Handel, während der Nemax 50 dank robuster Nasdaq 0,1 Prozent auf 1042 Punkte zulegte.

Freundliche Konjunkturdaten sorgten am Mittwoch für ein Plus im Dow. Die Auftragseingänge in den USA sind im Vergleich zum Vormonat um 1,6 Prozent gestiegen und fielen damit etwas besser aus als erwartet. Der Dow Jones notierte um 20 Uhr MEZ noch 0,8 Prozent im Plus, während der Technologieindex Nasdaq Composite 0,1 Prozent unter seinem Vortagesschluss notierte.

US-Wirtschaft "offensichtlich vor dem Wendepunkt"

Das "Beige Book" konnte keinen Einfluss auf den Kursverlauf in Frankurt nehmen. Der wichtige Konjunkurbericht der US Notenbank Fed wurde erst nach Börsenschluss in Deutschland veröffentlicht.

In den meisten Distrikten des Federal Reserve Systems zeichnet sich laut Beige Book seit Beginn des Jahres eine Anziehen der konjunkturellen Entwicklung ab. Dies deute darauf hin, dass die US-Wirtschaft offensichtlich vor dem Wendepunkt stehe, heißt es in dem Bericht der US-Notenbank. Dem Bericht zufolge haben zuletzt sieben der zwölf Fed-Distrikte einen Aufschwung der wirtschaftlichen Aktivität verzeichnet, während in drei Bezirken die konjunkturelle Situation immer noch als schwach bezeichnet wird.

Kampf mit der Unterstützungsmarke

Der Dax hatte die Marke von 5200 Zählern am Mittwoch Mittag zeitweise unterschritten. Mit dem Rückenwind aus den USA stieß sich der Index jedoch wieder nach oben ab und kletterte bis Handelsschluss auf 5284 Punkte. "Der Markt hat zeitweise eine Pause eingelegt, und das ist nach der deutlichen Erholung auch gesund", sagte ein Händler in Frankfurt. Allerdings sei wichtig, dass die 200-Tage-Linie von 5200 Punkten gehalten werde, um nicht die Bären wieder hervorzulocken.

Rallye bei FMC – neue Gerüchte um Commerzbank

Einer der größten Gewinner im Dax war der Pharmakonzern Fresenius Medical Care   mit einem Zuwachs von vier Prozent auf 63,14 Euro. FMC hatte gestern eine Bilanz vorgelegt, die am oberen Ende der Erwartungen lagen. Die Aktie hatte in den vergangenen Wochen wegen der Unsicherheit über Rechtsstreitigkeiten in den USA stark gelitten: Investoren gehen offenbar nun davon aus, dass die gebildeten Rückstellungen ausreichend sind.

Deutliche Zuwächse verbuchten auch die Finanztitel HypoVereinsbank sowie die Commerzbank: Gerüchte, die Citigroup wolle mit Hilfe der Commerzbank seine Position in Deutschland stärken, verhalfen der Aktie am Nachmittag zu einem deutlichen Aufschwung.

Epcos führt Technologietitel an

Der Bauelemente-Hersteller Epcos   war mit einem Plus von 3,3 Prozent auf 50,10 Euro stärkster Technologietitel. Ab dem dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres erwartet Epcos wieder Umsatzzuwächse, erklärte Vorstandschef Gerhard Pegam während der Hauptversammlung des Unternehmens in München.

Der Chiphersteller Infineon   legte um 2,3 Prozent zu. Konkurrent Hynix hatte zuvor auf Grund anziehender Chippreise deutliche Gewinne verbucht. Infineon hat am Dienstag bei der US-Börsenaufsicht SEC die Vorausregistrierung für Ausgabe von 1,5 Milliarden Dollar in Stammaktien und Schuldverschreibungen beantragt. Siemens   und die T-Aktie   drehten am Nachmittag erneut ins Plus und bauten ihre Gewinne bis zum Abend aus.

Auto- und Stahltitel schwächer – Handelskrieg droht

Autotitel gerieten am Nachmittag trotz der Hochglanz-Automobilshow in Genf unter Abgabedruck. BMW  , DaimlerChrysler   und Volkswagen   gaben einen Teil ihrer Gewinne aus den vergangenen Handelstagen wieder ab und notierten gemeinsam mit ThyssenKrupp am Dax-Ende. Schwächster Wert im Index war BMW mit einem Verlust von 1,4 Prozent.

Zu den Verlierern im Dax zählte auch die Aktie des Stahlkonzerns ThyssenKrupp   mit einem Minus von 0,6 Prozent. US-Präsident Bush hat am Dienstag zum Schutz der US-Stahlbranche Importzölle von bis zu 30 Prozent für die meisten Stahlerzeugnisse verhängt. Damit zeichnet sich ein Handelsstreit unter anderem zwischen den USA und der EU ab.

Die Aktie des Maschinenbauers MAN   gab nach Vorlage der Geschäftszahlen deutlich nach, kletterte bis Handelsschluss jedoch in die Gewinnzone. Für das abgelaufene Geschäftsjahr verbuchte der Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern einen deutlichen Gewinneinbruch, der höher ausfiel als von Analysten erwartet. Die Dividende soll gekürzt werden.

Neuer Markt: Chipbroker ziehen an

Der Chiphändler CE Consumer   ist im vergangenen Jahr wegen der Halbleiterkrise in seinem operativen Geschäft nur knapp an der Verlustzone vorbeigeschrammt. Die anziehenden Chippreisen sorgen jedoch für Optimismus bei den Chipherstellern und Chipbrokern. Vor Zinsen und Steuern sei ein Gewinn von 100.000 Euro verbucht worden, teilte das Unternehmen am Morgen mit. Damit übertraf das Unternehmen seine Umsatzprognose. Die Anteilsscheine kletterten um rund fünf Prozent. Noch stärkeren Zuwachs verbuchte der Chipbroker ACG   , der rund zehn Prozent kletterte.

Auch das Biotechnologie-Schwergewicht Qiagen   setzte mit einem Plus von mehr als drei Prozent auf 17,60 Euro seine Erholung fort. Der ebenfalls von Fondsmanagern beachtete Wert T-Online   gab dagegen nach seiner deutlichen Erholung der Vortage zuletzt wieder leicht nach. Deutlich unter Druck im Nemax 50 gerieten am Mittwoch Broadvision   und Dialog Semiconductor.

Die deutlichsten Kursgewinne im Nemax 50 verbuchten einmal mehr die Zockerwerte D.Logistics  , ComROAD   und Internationalmedia   : "Dies sind technische Reaktionen, nachdem die Aktien massiv eingebrochen sind", sagte ein Händler. Die Aktien der im Nemax All Share notierten Splendid Medien AG gaben deutlich nach, nachdem der Vorstand Rückstellungen von 16,3 Millionen Euro wegen des Debakels um Internationalmedia angekündigt hatte.

US-Börsen erneut fest

Erleichterung bei Fluglinien

Die festen US-Börsen haben am Nachmittag die deutschen Indizes erneut gestützt. Nach den teilweise heftigen Kursverlusten des Vortages standen die Fluggesellschaften an der Wall Street erneut im Mittelpunkt. Ein Streik bei der zweitgrößten US-Fluggesellschaft United Airlines ist abgewendet. Außerdem meldete Konkurrent Delta Air Lines am Dienstag nach Börsenschluss einen Anstieg des Auslastungsgrades im Februar auf 66,7 Prozent.

ImClone mit Kurssprung

Zu den größten Gewinnern an der Nasdaq zählte zum Handelsauftakt die Aktie des Medikamentenentwicklers ImClone Systems. Grund für das zweistellige Plus ist die Übereinkunft im Streit mit dem US-Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb wegen der Entwicklung des Krebsmedikaments Erbitux. Aus den Erbitux-Verkäufen in Nordamerika erhält ImClone 39 Prozent in Form eines pauschalen Entgelts. Auch BMS legte zu.

Papiere des Internet-Kaufhauses Amazon.com gaben zum Auftakt mehr als fünf Prozent nach. Vor Handelsbeginn war bekannt geworden, dass Finanzchef Warren Jensen das Unternehmen im Verlaufe des Jahres verlassen will.

Euro-Kurs hält sich über 0,87 Dollar

Euro behauptet

Der Euro hat sich über der Marke von 0,87 Dollar gehalten. Gegen 20 Uhr kostete die europäische Gemeinschaftswährung in Frankfurt 0,8764 Dollar. Die Europäische Zentralbank hat am Mittwoch den Referenzkurs auf 0,8712 US-Dollar (Vortag: 0,8682 US-Dollar) festgesetzt.