Börsenschluss Frankfurt Oh weh, EZB
Frankfurt am Main Schwache US-Börsen sowie die Enttäuschung darüber, dass die EZB trotz der aggressiven Zinssenkung der Fed am Vortag die Leitzinsen in der Eurozone unverändert gelassen hat, haben einen Verkaufsrausch in Frankfurt ausgelöst. Der Dax ging mit einem Minus von 4,3 Prozent auf 3155 Punkte aus dem Handel, nachdem er noch am Vortag die Marke von 3.400 Punkten zeitweise überschritten hatte. Der Nemax 50 gab 3,9 Prozent auf 428 Punkte ab.
Technologie- und Finanzwerte unter Druck
Zu den größten Verlierern gehörten Technologie- und Finanzwerte. Die größten Verluste im Dax verbuchten Infineon , Epcos und die Deutsche Telekom . Lediglich die Pharmawerte Fresenius Medical Care und Schering konnten sich gegen den schwachen Trend behaupten: Der Erfolg der Republikaner bei der US-Kongresswahl hatte bereits am Vortag für freundliche Stimmung in der Pharmabranche gesorgt.
In New York gaben der Dow Jones (minus 1,9 Prozent) und der Technologieindex Nasdaq Composite (minus 2,5 Prozent) bis 20 Uhr MEZ deutlich nach. Einen Tag nach der Zinssenkung durch die US-Notenbank von 1,75 auf 1,25 Prozent sorgen Gewinnmitnahmen, die Angst vor einem baldigen Militärschlag gegen den Irak und der zurückhaltende Ausblick von Cisco Systems dafür, dass Anleger nach der 1100-Punkte-Rallye der vergangenen Wochen nun erst einmal Geld vom Tisch nehmen. Die Fed hatte ihren aggressiven Zinsschritt unter anderem mit "geopolitischen Risiken" begründet. Der Dax vollzog wie gewohnt jedem Schritt im Dow nach allein mit der Enttäuschung über die EZB ist der Kurssturz nicht zu begründen.
Dax baut Verluste aus
"Eine Korrektur war überfällig nun muss die Entscheidung der EZB als Anlass herhalten", sagte ein Händler. Auch der Deutsche Aktienindex hatte trotz schwacher Konjunkturdaten zu Beginn der Woche noch kräftig zugelegt.
Die Entscheidung der EZB setzte auch die Finanzwerte stark unter Druck: Allianz . Münchener Rück und Commerzbank gehörten mit Verlusten zwischen 5,1 und 6,2 Prozent zu den größten Verlierern. Die Technologiewerte, allen voran Epcos , Infineon und Siemens , litten vor allem unter dem schwachen Ausblick von Cisco und den Verlusten an der Nasdaq.
Gewinnmitnahmen drücken Adidas
Im Fokus standen die Aktien von Adidas Salomon , die nach guten Quartalszahlen ihre Verluste noch in Grenzen halten konnten. Adidas Salomon hat im dritten Quartal erneut den Gewinn gesteigert und damit die Erwartungen der Analysten übertroffen. In den vier Vorwochen hatte das Papier jedoch bereits mehr als zwanzig Prozent zugelegt Gewinnmitnahmen drückten die Aktie um 1,2 Prozent knapp unter 80 Euro.
Mobilcom: Schmid-Theater geht weiter
Mobilcom: Schmid-Theater geht weiter
Mobilcom hat am Donnerstag keinen Antrag auf Insolvenz gestellt. "Wir haben noch ein bisschen Luft", sagte Sprecher Matthias Quaritsch auf Anfrage. Die Verhandlungen zwischen Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid und der Bundesregierung sind am Donnerstag unterdessen wieder aufgenommen worden. Offen ist nach Angaben aus Verhandlungskreisen weiterhin die Frage, wer als Treuhänder für das Aktienpaket von Schmid fungieren soll. Die Aktionäre sind dieses Geduldsspiel langsam leid: Die Aktie brach im späten Handel um knapp zehn Prozent ein.
Neuer Markt: Aixtron und Lambda enttäuschen
Angesichts deutlicher Zurückhaltung seiner Kunden hat der Hersteller von Chipmaschinen, Aixtron , zum dritten Mal in diesem Jahr seine Ergebniserwartung für das Gesamtjahr gesenkt. Das Unternehmen verbuchte im dritten Quartal zudem deutlich weniger Umsatz und Gewinn. Auf mittlere Sicht zeigte sich Aixtron indes zuversichtlich, teilte das Unternehmen am Mittwoch nach Börsenschluss mit. Die Aktie von Aixtron gab um knapp 17 Prozent nach und war Schlusslicht im Nemax 50.
Der Hersteller von UV-Lasern Lambda Physik hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2002 seine selbst gesteckten Umsatz- und Gewinnziele verfehlt. Die Erlöse hätten mit 98,5 Millionen Euro knapp unter den avisierten 100 Millionen Euro gelegen. Das entspreche gegenüber dem Rekordergebnis des Vorjahres einen Rückgang um 29 Prozent. Angesichts der anhaltenden Schwäche in der Halbleiterindustrie rechnet Lambda Physik mit einer verhaltenen ersten Hälfte des neuen Geschäftsjahres 2003. Die Aktie konnte im späten Handel ihre Verluste auf ein Prozent reduzieren.
Wall Street trotz Zinssenkung sehr schwach
Cisco erwartet schwaches viertes Quartal
In New York haben Dow Jones und Nasdaq Composite einen Tag nach der aggressiven Zinssenkung durch die Fed den Rückwärtsgang eingelegt. Auch hier scheint die Erholung der vergangenen Wochen zunächst beendet.
Der weltgrößte Netzwerkausrüster Cisco gab deutlich nach. Der Konzern hat am Mittwoch nach Börsenschluss Quartalszahlen veröffentlicht, die über den Erwartungen lagen. Allerdings enttäuschte der Ausblick des Unternehmens die Anleger: Cisco rechnet damit, dass der Umsatz im vierten Quartal "bestenfalls stagnieren" wird. Auch der Chiphersteller Intel stand auf der Verkaufsliste: Analysten äußerten sich skeptisch, dass sich die Chippreise rasch erholen würden.
Nach dem Anstieg von mehr als 1000 Punkten im Dow während der vergangenen vier Wochen wird die Luft nach oben langsam dünn. Sowohl der Unterhaltungskonzern Walt Disney stand nach Quartalszahlen unter Druck wie auch die Mineralölgesellschaft ExxonMobil : Der Konzern will bis 2010 insgesamt rund 100 Milliarden US-Dollar in die Erdölförderung investieren.
Euro weiter über Parität
Der Referenzkurs des Euro ist am Donnerstag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 1,0013 (Mittwoch: 0,9955) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,9987 (1,0045) Euro. Am Abend notierte der Euro bei 1,0086 US-Dollar.