Börsenschluss Frankfurt Raus, raus, raus
Frankfurt am Main Bereits vor dem dreifachen Verfallstag am Freitag waren bei den Anlegern starke Nerven gefragt. Der Dax hat im Sog der schwachen US-Börsen erneut nachgegeben und schloss nur hauchdünn über der Marke von 3000 Punkten. Der Index beendete den Handelstag auf einem Tagestief bei 3007 Punkten, ein Minus von 3,8 Prozent.
Im Februar 1997 hatte der Dax die Marke von 3000 Punkten überwunden, im Frühjahr 2000 hatte der Index um die 8000 Zähler notiert. Zweieinhalb Jahre später lotet der Index neue Tiefen aus - Charttechniker sehen keine Unterstützung mehr.
In der Schlussauktion folgte am Donnerstag noch einmal eine massive Verkaufswelle. Anleger blicken mit Sorge auf die Wall Street: Der Dow Jones notierte um 20 Uhr 1,6 Prozent schwächer auf 8040 Zählern. Auch hier wackelt die Marke von 8000 Punkten. Der Nasdaq Composite knickte um 2,0 Prozent auf 1226 Zähler ein. Am Neuen Markt rauschte der Nemax 50 um 1,6 Punkte abwärts und schloss bei 398 Zählern.
Weitere Gewinnwarnungen Flucht in Anleihen
Zahlreiche Unternehmen haben bereits in den vergangenen Tagen davor gewarnt, dass sie nicht halten können, was sie für das zu Ende gehende Quartal versprochen haben. Nach Oracle , Lucent Technologies , JP Morgan Chase und McDonald's enttäuschten am Donnerstag die Investmentbank Morgan Stanley und der IT-Dienstleister EDS die Erwartungen.
Experten erwarten, dass dieser Trend anhält und fürchten - wie die Investmentbank Credit Suisse First Boston - eine enttäuschende Berichtsaison. Die negativen Ausblicke überwiegen derzeit. Deshalb wagt derzeit kaum ein Anleger, Aktien anzufassen: Die Flucht in Geldmarktfonds und Staatsanleihen hält an.
"Beachtliche Abwärtsdynamik"
Auch von charttechnischer Seite ist für den Dax keine Hilfe zu erwarten. Nach Ansicht von Uwe Wagner von der Deutschen Bank sehe das Chartbild mittlerweile sehr kritisch aus. "Es gibt keine sinnvollen Unterstützungslinien mehr und die Abwärtsdynamik ist beachtlich", sagte Wagner. "28 der 30 Dax-Werte sind in einem intakten Abwärtstrend."
Starke Schwankungen zum Hexensabbat erwartet
Vor dem Hintergrund des dreifachen Verfalls an der Terminbörse Eurex am Freitag sei eventuell auch die Marke von 3000 Punkten nicht mehr zu halten. Börsianer erwarten wieder marktbreite Kurskapriolen, wenn morgen der "dreifache Hexensabbat" ins Haus steht, der Verfallstermin für Futures, Optionen und Terminkontrakte.
Leichte Erholung der Allianz
Nur wenige Aktien konnten sich gegen den Abwärtstrend behaupten. Die Anteilsscheine der Allianz haben von der Ankündigung des Allfinanzkonzerns, keine Kapitalerhöhung durchführen zu wollen, profitiert. Allerdings schmolzen die Gewinne auf zuletzt 0,5 Prozent zusammen, die Aktie ging bei 91,30 Euro aus dem Handel. Als Grund für die Erholung gab Michael Kuhlow vom Schweizer Bankhaus Julius Bär außerdem Future-Barverkäufe an. "Einige Leute machen jetzt ihre Futures zu, da ist Allianz der größte Gewinner."
Ministererlaubnis für Eon
Auch die Aktie des Versorgers Eon konnte gegen den Trend minimal zulegen. Die Ministererlaubnis für die Ruhrgas-Übernahme ist erneuert worden: An einem guten Tag würde eine solche Nachricht stärker wirken, sagten Händler. Die Auflagen sind verglichen mit der ersten Erlaubnis jedoch verschärft worden. Neben Eon und Allianz zeigten sich lediglich MAN und Degussa behauptet.
Finanztitel auf der Verkaufsliste
Erneut deutliche Verluste mussten die Finanztitel HypoVereinsbank , Commerzbank und Deutsche Bank hinnehmen. Die Aktie von MLP war mit einem Kursverlust von über acht Prozent lange Zeit der größte Verlierer im Dax, konnte die Verluste in der Schlussauktion jedoch auf 1,5 Prozent reduzieren. Die Staatsanwaltschaft Mannheim ermittelt wegen möglicher Bilanzfälschung gegen den Vorstand. Dem Nachrichtenmagazin Focus zufolge ermittelt die Justiz auch wegen des "Verdachts des Insiderhandels gegen Verantwortliche".
Hightechs unter Druck
Die Technologiewerte wurden von der Gewinnwarnung von Electronic Data Systems schwer belastet. Der zweitgrößte US-Computerdienstleister hat wegen der anhaltend schwachen Nachfrage im IT-Sektor seine Gewinnprognosen drastisch gesenkt. Lediglich die Titel des Softwareherstellers SAP konnten zum Handelsschluss ihre Verluste annähernd ausgleichen. Dagegen zeigten sich der Chiphersteller Infineon , der Bauelementehersteller Epcos und die T-Aktie weiter schwach. Bereits am Mittwoch hatte der zurückhaltenden Ausblick des US-Software-Konzerns Oracle die gesamte Technologiebranche belastet.
Neuer Markt: Mobilcom bricht erneut ein
Am Neuen Markt präsentierte sich der Nemax 50 wieder schwach und verlor 1,6 Prozent auf 398 Punkte. Die Aktie von Mobilcom brach im späten Handel um mehr als 30 Prozent ein: Die 5.000 Mobilcom-Mitarbeiter werden erst nach der Bundestagswahl erfahren, wer von ihnen das Unternehmen verlassen muss. Das erste Gespräch über den Sanierungsplan ist für nächste Woche Freitag angesetzt. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sollen bei Mobilcom 1.800 Stellen abgebaut werden. Bisher war über 500 bis 1.600 spekuliert worden.
Zu den wenigen Gewinnern im Nemax 50 gehörte Lion Bioscience . Der Anbieter von Software für die Biotechbranche hat Aufträge von zwei französischen Crop-Science-Unternehmen mit einer Laufzeit von jeweils drei Jahren erhalten. Die Aktie legte knapp zehn Prozent zu.
Wall Street im Rückwärtsgang
Schwache Konjunkturdaten sowie die schrumpfenden Gewinne der US-Bank Morgan Stanley und des Technologiekonzerns EDS haben die US-Börsen erneut belastet. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist in den USA in der Woche zum 14. September lediglich um 9000 auf 424.000 gefallen. Erwartet war ein Rückgang um 16.000. Außerdem ist die Zahl der Baubeginne neuer Eigenheime im August überraschend stark gesunken.
Der Dow Jones gab bis 20 Uhr um 1,6 Prozent auf 8040 Punkte nach, während der Technologieindex Nasdaq Composite um 1,9 Prozent auf 1226 Punkte abrutschte.
EDS belastet Techsektor auch IBM sehr schwach
Auf Grund der lahmenden Konjunktur und der anhaltenden Spannungen mit dem Irak bleibt die Stimmung gedrückt. Der derzeit hohe Ölpreis droht jeden Ansatz einer Erholung abzuwürgen. Die jüngsten Gewinnwarnungen von Electronic Data Systems , J.P. Morgan Chase , Mc Donald´s und Oracle haben die Anleger bereits auf die Gewinnwarnungssaison eingestimmt: Weitere schlechte Nachrichten von Unternehmensseite sind zu befürchten.
Electronic Data Systems (EDS) brachen zum Handelsbeginn in New York um knapp 30 Prozent ein, nachdem das Unternehmen für das laufende Quartal statt des erhofften Wachstums ein Umsatzminus von 2 bis 5 Prozent bekannt gegeben hatte. Zudem werde der Gewinn je Aktie statt 74 Cent nur zwischen 12 bis 15 Cent liegen. Auch IBM gerieten stark unter Druck und knickten um rund sieben Prozent ein.
Enron-Untersuchung drückt Merrill Lynch und JP Morgan
Auch in der Finanzbranche bleibt die Stimmung am Boden. Der US-Kongress wird seine Ermittlungen gegen die Investmentbank JP Morgan Chase wegen deren Verbindungen zum bankrotten Energiehändler Enron fortsetzen. Auch bei Merrill Lynch könnte die Aufarbeitung des Enron-Skandals zu Kursverlusten führen. Die Bank hatte nach Handelsschluss die Entlassung von zwei leitenden Angestellten bekannt gegeben. Beide hatten vor der Börsenaufsicht SEC die Aussage verweigert.
Gute Nachrichten gab es dagegen für die Aktionäre von Bellsouth. Die Telefongesellschaft hat von der Aufsichtsbehörde die Genehmigung für das Ferngesprächsgeschäft in Alabama, Kentucky, Mississippi, North Carolina und South Carolina erhalten.
Euro legt zu
Der Rentenmarkt wurde von den sehr schwachen Börsen angetrieben. Der REX gewann 0,02 Prozent auf 116,36 Punkte hinzu. Der Bund-Future stieg um 0,3 Prozent auf 112,44 Punkte. Die Umlaufrendite wurde bei 4,13 (Mittwoch: 4,12) Prozent festgestellt. Der Euro legte zu. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9814 (Mittwoch: 0,9725) Dollar fest. Der Dollar war damit 1,0283 (1,0366) Euro wert.