Börsenschluss Frankfurt: Rückkehr zum Oktober 1999 - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Frankfurt Rückkehr zum Oktober 1999

Der Dax hält sich mit Mühe über der Widerstandsmarke von 5350 Punkten. Herbe Verluste bei MLP, T-Aktie, Bayer und BMW belasten den Index. Die US-Börsen geben vor den Dell- und HP-Zahlen nach.
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Frankfurt am Main – Der Dax ging mit einem Minus von 1,7 Prozent auf 5361 Punkte aus dem Handel. Der Index hatte zuvor bei 5334 Zählern den Stand von Oktober 1999 markiert. Sollte der Index erneut unter den Widerstand bei 5350 Zählern rutschen, droht nach Angaben von Händlern ein weiterer Ausverkauf bis unter 5000 Punkte. Die Wachstumswerte im Nemax 50 rutschten 4,6 Prozent auf 1073 Punkte ab – sieben Zähler über Jahrestief.

Obwohl die US- Konjunkturdaten etwas besser als erwartet sind, notierten die US-Börsen am Abend im Minus. Der Nasdaq Composite gab 0,7 Prozent auf 1905 Punkte nach, der Dow Jones dümpelte knapp unter dem Vortagesschluss von 10345 Punkten. Der Hardware-Hersteller Hewlett-Packard und der Computerhersteller Dell gaben nach. Beide Unternehmen geben nach US-Börsenschluss Quartalszahlen bekannt.

Versorger legen zu, MLP deutlich gedrückt

Der Finanzdienstleister MLP baute am Nachmittag seine Verluste immer weiter aus und ging mit einem Minus von 6,3 Prozent auf 84,20 Euro aus dem Handel. Andere Finanzwerte wie Münchener Rück, Allianz und Deutsche Bank konnten sich dagegen noch gegen den extrem schwachen Markt stemmen. Börsianer führten die Verluste bei MLP auf ein nach wie vor sehr hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktie zurück. Der Wert werde jetzt unter anderem von Hedge-Fonds zurechtgestutzt, vermuteten Börsianer.

Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten die Energieversorger Eon und RWE, die jeweils 2,3 Prozent zulegten. Eon erwartet für 2001 weiter ein Betriebsergebnis deutlich über Vorjahr, und von diesen Zahlen konnte auch Konkurrent RWE profitieren.

Bilanzfälschung drückt MAN

Der MAN-Konzern hat den Vorstandschef und den Finanzvorstand bei der britischen Tochtergesellschaft ERF suspendiert. Es seien systematisch Buchungen gefälscht und die Bilanz geschönt worden, sagte ein Sprecher. Die Probleme bei der britischen Lastwagen-Tochter werden das Ergebnis des MAN-Konzerns im laufenden Jahr belasten. Die Aktie gab zwischenzeitlich knapp zehn Prozent nach, reduzierte die Verluste aber auf drei Prozent und notierte zum Handelsschluss bei 25,75 Euro.

Bayer-Börsengang an Wall Street verschoben

Die Aktien von Bayer gaben dagegen auf Grund von Sorgen über die in den USA eingereichten Sammelklagen wegen des Lipobay-Skandals weiter ab und verloren 5,8 Prozent auf 32,90 Euro. Das Unternehmen hat den geplanten Börsengang an der Wall Street verschoben.

Deutsche Telekom im Zwielicht

Die T-Aktie brach als Reaktion auf die schlechten Zahlen der neuen US-Tochter Voicestream ebenfalls um 5,8 Prozent auf 18 Euro ein. Voicestream hatte am Vortag bekannt gegeben, dass sich der Verlust im ersten Halbjahr im Vorjahresvergleich auf 1,3 Milliarden Dollar verdoppelt hat.

Überdies kämpft die Deutsche Telekom gegen Gerüchte, sie habe versucht, sechs Investmentbanken von dem Verkauf von Telekom-Papiere abzuhalten. Ein Sprecher der Deutschen Telekom dementierte den Bericht. Wolfgang Gerke, Professor für Bank- und Börsenwesen, wertete Ron Sommers Verhalten im Interview mit manager-magazin.de als "Verzweiflungstat", die gleichwohl an Bestechung grenze. Die Investmentbank Goldman Sachs wollte auf Anfrage den Bericht über mögliche Absprachen nicht kommentieren. Die Investmentbank hatte die Deutsche Telekom Anfang dieser Woche auf ihre Empfehlungsliste gesetzt.

Techwerte unter Verkaufsdruck

Infineon fielen ohne neue Nachrichten um 4,4 Prozent auf 24,25 Euro. Siemens gaben 4,1 Prozent auf 57,10 Euro ab. Angehörige von US-Bürgern, die im November 2000 bei dem Bergbahnunglück im österreichischen Kaprun ums Leben gekommen sind, wollen Siemens auf Schadensersatz verklagen, meldet die "FTD".

Kursabschläge mussten auch die Titel der deutschen Automobilbauer hinnehmen. Der Höhenflug des Euro könnte den Absatz der Firmen in den USA behindern, hieß es. DaimlerChrysler gaben um 2,6 Prozent auf 51,04 Euro nach, BMW verloren sogar fünf Prozent auf 36,14 Euro.

Neuer Markt sehr schwach

Die Direkt Anlage Bank hat aufgrund der Börsenschwäche ihren Verlust im zweiten Quartal 2001 ausgeweitet und ein Ergebnis am unteren Rand der Analystenschätzungen erreicht. Die Aktie zeigte sich zuletzt 3,7 Prozent schwächer auf 13,95 Euro, war damit aber immer noch stärker als der Markt.

Der Mini-Computer-Hersteller Kontron hat Umsatz und Ergebnis im ersten Halbjahr mehr als verdoppelt. In der zweiten Jahreshälfte werde wegen der schwächelnden Konjunktur allerdings mit einem abgeschwächsten Wachstum gerechnet, berichtete die Kontron Embedded Computers am Donnerstag. Die Aktie gehörte trotz des schwachen Ausblicks mit einem Plus von 13 Prozent auf 23,504 Euro zu den wenigen Gewinnern. Größte Verlierer im Index waren Telegate (minus 21 Prozent auf vier Euro) und Biodata (minus 15 Prozent auf 9,25 Euro).

Händler spekulieren auf Euro-Stärke

Unsicherheit über die US-Konjunktur hat den Euro am Donnerstag erstmals seit fünf Monaten über 0,92 Dollar gehievt. Die Gemeinschaftswährung profitiert nach Angaben von Händlern und Analysten dabei vor allem von einer Schwäche des Dollar, so dass bisher an den Märkten noch nicht von einer Trendwende zu Gunsten des Euro gesprochen wird. Am Abend wurde der Euro mit 0,9157 Dollar gehandelt.