Börsenschluss Frankfurt: Schwergewichte im Keller - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Frankfurt Schwergewichte im Keller

DaimlerChrysler wird für seine drastische Kürzung der Dividende an der Börse abgewatscht. Von der Allianz erwarten Anleger morgen offenbar eine ähnlich schlechte Bilanz. Die T-Aktie testet neue Tiefs. Der Neue Markt droht wieder unter 1000 Punkte zu fallen.
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New York / Frankfurt am Main – Weitere Spekulationen um die fragwürdigen Bilanzen des Mischkonzerns Tyco halten die Wall Street nach der Enron-Pleite weiter in Atem. Selbst die guten Nachrichten von Cisco halfen nicht weiter. Cisco Systems wird nach US-Börsenschluss seine Zahlen vorlegen, kündigte aber bereits an, seine Prognosen bei Umsatz und Gewinn zu übertreffen.

Der Dax ging 2,7 Prozent schwächer bei einem Stand von 4804 Punkten aus dem Handel. Die Wachstumswerte im Nemax 50 schlossen 3,1 Prozent schwächer bei 1056 Zählern. Der Dow Jones notierte um 20 Uhr MEZ 0,1 Prozent im Minus, während der Technologieindex Nasdaq Composite 0,9 Prozent schwächer auf 1824 Punkte notierte.

DaimlerChrysler kürzt Dividende

Eine enorme Belastung für den Dax war am Dienstag DaimlerChrysler   . Die schwache Automobilkonjunktur hat deutliche Spuren in der Bilanz des deutsch-amerikanischen Autokonzerns hinterlassen. Der Umsatz sank binnen Jahresfrist von 162 Milliarden Euro auf 152,9 Milliarden Euro. Die Dividende soll auf 1 Euro gekürzt werden. Im Vorjahr hatte das Unternehmen noch 2,35 Euro je Aktie ausgeschüttet. Die Aktie brach am Dienstag um 4,3 Prozent ein. Auch Volkswagen   und BMW   litten unter DaimlerChrysler.

US-Telcoms und Sonera drücken T-Aktie

Zu den Verlierern im Index gehörte auch die Aktie der Deutsche Telekom   , die mit einem Verlust von 4 Prozent auf 15,30 Euro den Handel beendete. Der Telekom-Sektor wurde von den schlechten Zahlen der US-Konzerne Sprint und Worldcom belastet: Nachdem der Worldcom-Partner Embratel einen herben Verlust gemeldet hat, werden die Sorgen um die Liquiditätsprobleme bei Worldcom nicht kleiner. Außerdem meldete der finnische Telekom-Konzern Sonera schwache Zahlen und kündigte an, weitere T-Aktien aus seinem Paket zu verkaufen.

Allianz vor Zahlen enorm schwach

Schwächster Dax-Titel war der Versicherungskonzern Allianz   mit einem Verlust von 4,4 Prozent. Die Allianz legt morgen Zahlen vor. Offenbar befürchten Anleger eine ähnlich böse Überraschung wie bei DaimlerChrysler.

Flucht in defensive Titel

Anleger flohen in defensive Titel. Zu den drei Gewinnern im Dax zählten die Aktien der der Pharmakonzerne Fresenius   und Schering   sowie der Sportartikelhersteller Adidas   . Die Deutsche Post   gab nach Zugewinnen im späten Handel minimal nach: Presseberichte, nach denen die Post mit großen Umstrukturierungen Kosten sparen will, hatten der Aktie zunächst Gewinne beschert.

Neuer Markt: "Heimlich, still und leise ..."

Der Neue Mark hat am Mittwoch seine Unselbständigkeit erneut eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Mit der festen Eröffnung der US-Technologiebörse erholten sich zeitweise auch die deutschen Wachstumswerte, um mit dem ersten Zittern an der USA wieder deutlich zurückzufallen.

"Es sind zwar keine Panikverkäufe, aber so heimlich still und leise geht es auf die 1000 Punkte zu", sagte ein Händler in Frankfurt. Der gesamte Markt habe keine Kraft mehr, hieß es. Die Kurse der Nemax-Schwergewichte, die noch von Fondsmanagern beachtet werden, gaben nach: T-Online   -Papiere schlossen knapp drei Prozent schwächer, und die Aktie des Technologieunternehmens Aixtron   verlor 2,2 Prozent.

Zu den wenigen Werten, die sich in einem schwachen Marktumfeld behaupten konnten, zählte das Biotechnologie-Unternehmen Lion Bioscience   . Das Unternehmen hatte am Morgen Zahlen im Rahmen der Erwartungen vorgelegt. Auch United Internet   legte zu: Die Jobvermittler Adecco haben für Jobpilot, an denen United Internet beteiligt ist, ein Übernahmeangebot abgegeben. Der Zockerwert Carrier1   legte nach dem Kurseinbruch der Vortage am Mittwoch wieder zweistellig zu. Auch EM.TV (plus neun Prozent) ist immer mal wieder für Kurskapriolen gut.

USA: Produktivität steigt, doch Unsicherheit bleibt

Die Erholung im Dow Jones war auch am Mittwoch nur von kurzer Dauer, obwohl die Konjunktur in den USA auf gutem Wege ist. Vor Handelsbeginn hat das Arbeitsministerium unerwartet starke Zahlen zur Arbeitsproduktivität im vierten Quartal vorgelegt. Allerdings wiegt die Verunsicherung über die Bilanzierungsmethoden großer US-Unternehmen nach wie vor schwer. Die Experten von Dellbrück Asset Management betonten, die Bilanzierungsunregelmäßigkeiten würden nach wie vor einen "erheblichen Belastungsfaktor" darstellen.

Belastend könnte sich außerdem eine Studie der Rating-Agentur Moody´s auswirken. Ihr zufolge ist die Kreditwürdigkeit der börsennotierten US-Unternehmen im Januar diesen Jahres weiter zurückgegangen. Dieser Trend werde sich im laufenden Jahr fortsetzen werde. Der Dow Jones werde möglicherweise noch bis auf ein Niveau von 8.800 Punkten fallen, ergänzten die Analysten von Merrill Lynch. Eine neue Kursrally sei erst wieder ab März oder April zu erwarten.

Euro schwach, Nikkei auf 18-Jahres-Tief

Die Aktienbörse in Tokio hat ihre dramatische Talfahrt fortgesetzt. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte gab um 54,75 Punkte oder 0,6 Prozent nach und ging mit 9420 Punkten beim tiefsten Stand seit 18 Jahren aus dem Markt. Der Euro hat weiter nachgegeben. Gegen 20 Uhr kostete die Devise in Frankfurt 0,8686 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8664 (Dienstag: 0,8683) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1542 (1,1517) Euro.