Börsenschluss Frankfurt Später Rausschmiss
Frankfurt am Main - Eine feste Tendenz bei Finanztiteln und die Erholung einiger Technologiewerte haben dafür gesorgt, dass sich der Dax doch noch mit einem leichten Plus ins Wochenende verabschiedet hat. Der Index schloss 0,4 Prozent fester bei 5284 Punkten, während der Nemax 50 in den letzten Handelsminuten noch einmal einknickte und mit einem Verlust von 2,4 Prozent auf 910 Zähler aus dem Handel ging.
An der Wall Street konnte sich die Aktie von Microsoft trotz enttäuschender Ergebnisse behaupten. Compaq, Ebay und Sun Microsystems haben mit ihren Quartalszahlen dagegen positiv überrascht. Der Dow Jones notierte um 20 Uhr MEZ 0,2 Prozent fester bei 10.228 Punkten, während der Nasdaq Composite noch mit 0,3 Prozent unter seinem Vortagesschluss lag.
Münchener Rück legt zu
Die feste Tendenz bei Finanz- und Versicherungstiteln hat den Dax am Freitag gestützt. So notierten die Titel von Münchener Rück , Deutsche Bank und Allianz fester. Die großen europäischen Versicherungen sind durch das Flugzeugunglück in Mailand - ein Kleinflugzeug war am Donnerstag in das Pirelli-Haus geflogen - kaum betroffen. Die Münchener Rück hat überdies Interesse an der Übernahme eines knapp 30-prozentigen Aktienpaketes an dem italienischen Versicherer La Fondaria angemeldet.
Infineon und T-Aktie robust
Technologietitel im Dax zeigten sich trotz der negativen Branchenstimmung überwiegend behauptet: Nach den starken Verlusten der vergangenen Tage scheint das Abwärtspotenzial begrenzt, und Investoren steigen bereits jetzt auf dem niedrigeren Niveau wieder ein. Der Chiphersteller Infineon legte deutlich zu: Auch die Aktien der Deutschen Telekom und des Softwareherstellers SAP gingen mit leichten Gewinnen ins Wochenende.
Siemens am Verfallstag mit Verlusten
Größte Verlierer im Dax waren die Aktien des Touristikkonzerns Preussag und des Elektronikkonzerns Siemens mit Verlusten von jeweils 1,9 Prozent. Nach Angaben von Händler leide Siemens weiterhin unter den schwachen Geschäftszahlen von Nokia. Ein weiterer Grund für die Kursschwäche sei der so genannte kleine Verfallstag: Das heißt, es laufen Optionen auf DAX-Werte aus. Und da seien Banken offenbar daran interessiert, die Siemens-Aktie "auf den jeweiligen Basispreis zu drücken". Auch die Aktien von Linde standen nach der Nominierung von Wolfgang Reitzle als zukünftigem Vorstandschef unter Druck.
Neuer Markt: Bye Bye Comroad
Biotechs schwächer
Die Aktien des Skandalunternehmens ComROAD haben an ihrem letzten Handelstag im Nemax 50 noch einmal mehr als 30 Prozent nachgegeben. Die Deutsche Börse hat das Unternehmen mit sofortiger Wirkung vom Kurszettel entfernt. Comroad soll am Montag durch den Notebook-Hersteller Gericom ersetzt werden. Die Gericom-Aktie legte mehr als zwanzig Prozent zu.
Am Freitag standen außerdem die Biotechnologiewerte unter Druck. Medigene gab um rund 20 Prozent nach, nachdem das Pharmaunternehmen am Morgen Verzögerungen bei der Entwicklung eines wichtigen Medikamentes gemeldet hatte. Die Analysten von Goldman Sachs hatten schon zuvor die Einschätzungen von Medigene, GPC Biotech , Evotec und Morphosys gesenkt, die ebenfalls schwächer notierten.
Zu den Gewinnern im Nemax 50 zählten der Mobilfunkanbieter MobilCom , der seit Tagen mit der 18-Euro-Marke kämpft, sowie der Elektronik-Händler Medion . Medion könnte bei anziehender Konjunktur einer der Gewinner sein, sagten Händler.
Wall Street: Microsoft enttäuscht
Die trüben Ausblicke des Softwareherstellers Microsoft und des Netzwerkausrüster Nortel Networks sorgten zum Wochenschluss für einen Dämpfer. Nach einem ermutigenden Auftakt der Quartalssaison mit positiven Nachrichten von General Motors , Intel und Motorola mehren sich jetzt die Enttäuschungen. Auch die reduzierten Erwartungen des finnischen Mobilfunkriesen Nokia für dieses Jahr belasten den Technologie-Sektor weiterhin. Die Indizes blieben trotz der schlechten Nachrichten behauptet: Das läßt Händler für die kommende Woche hoffen.
Sun und eBay überraschen positiv
Die Investmentbank Merrill Lynch hat die Aktie von Microsoft trotz der enttäuschenden Zahlen auf "Kauf" heraufgestuft: Microsoft hatte im dritten Quartal die Erwartungen der Analysten verfehlt und zudem die Erwartungen für das laufende Quartal gedämpft. Doch neben Merrill Lynch hat auch die Investmentbank Goldman Sachs Microsoft auf der Empfehlungsliste bestätigt. Als Grund nannten die Analysten eine vermutlich ansteigende Nachfrage für Personal Computer.
Für Lichtblicke sorgen zum Wochenschluss Sun Microsystems und eBay : Sun hat einen Vorsteuerverlust von einem Cent je Aktie bekannt gegeben, während Analysten mit einem Verlust von zwei Cent je Aktie gerechnet hatten. Das Geschäft habe sich in allen Sparten gegenüber dem Vorquartal verbessert. Auch das Internet-Auktionshaus eBay übertraf die Erwartungen von 16 Cent Gewinn je Aktie im ersten Quartal um zwei Cent. Im Gesamtjahr will das Internet-Auktionshaus 73 bis 75 Cent je Aktie verdienen.
Euro mit guten Perspektiven
Euro über 0,89 Dollar
Der Kurs des Euro notierte am Freitag Abend knapp über der Marke von 0,89 Dollar. Kurzfristig sei das Aufwärtspotenzial des Euro nach den deutlichen Kursgewinnen an den Vortagen bei 0,8950 Dollar begrenzt, sagte ein Händler in Tokio. Die langfristige Perspektive habe sich jedoch zu Gunsten der europäischen Gemeinschaftswährung gewendet. Die Europäische Zentralbank hat am Freitag den Referenzkurs bei 0,8886 (Donnerstag: 0,8895) US-Dollar festgesetzt.