Börsenschluss Freundlich ins Wochenende
Frankfurt am Main Mit Unterstützung des Dow Jones hat der Dax am Mittag die Verlustzone verlassen und kletterte bis zum Handelsschluss um 1,4 Prozent auf 3712 Punkte. Auslöser für die Wende waren gute US-Konjunkturdaten. Der MDax ging mit einem Plus von 0,6 Prozent auf 3410 Zählern ins Wochenende. Der Nemax 50 verlor auf 494 Zähler, ein Minus von 0,8 Prozent.
Der starke Anstieg des Chicagoer Einkaufsmanagerindexes habe die Anleger positiv überrascht, sagten Börsianer. Insgesamt deuteten die Zahlen allerdings immer noch auf eine nur verhaltene Erholung der US-Wirtschaft hin, was negativ sei. Die Kursbewegungen dürften angesichts der niedrigen Umsätze nicht überbewertet werden.
Der Konjunkturindex der Chicagoer Einkaufsmanager stieg den Angaben zufolge im August auf 54,9 Punkte von 51,5 Zählern im Vormonat. Experten hatten lediglich ein Plus auf 52,0 Stellen erwartet. Ein Wert über 50 deutet auf wirtschaftliche Expansion hin.
Die US-Börsen reagierten auf die Daten ebenfalls positiv. Der Dow Jones notierte im späten mit über einem Prozent im Plus. Der Nasdaq behauptete sich knapp über seinem Vortagesschlusskurs.
Marktbeobachter warnten aber vor zu viel Optimismus: Die Angst vor einer erneuten Konjunkturabschwächung bestimme das Börsengeschehen weiter, sagten Händler. Im europäischen Vergleich reagiere der Dax sensibler auf Konjunkturdaten, wie zuletzt die Veröffentlichung des erneut schwachen Ifo-Geschäftsklima-Index' gezeigt habe, erklärte Robert Halver von Vontobel Asset Management. Auch das "unkalkulierbare Risiko Irak" verunsichere die Anleger weltweit weiter. Deshalb schwankten die Börsenbarometer derzeit auch wieder stärker. Erst wenn wieder mehr Sicherheit in die Märkte einkehre, könnten die Aktienmärkte nachhaltig anziehen.
Münchener Rück führt Gewinnerliste an
Die Münchener Rück ging mit einem Plus von 4,3 Prozent auf 185,69 Euro aus dem Handel. Der Rückversicherer profitierte davon, dass die US-Investmentbank Goldman Sachs die Gewinnprognosen angehoben hat. Zudem habe es sich um eine technische Reaktion gehandelt, sagten Händler. Die Titel hatten nach der erwarteten Bekanntgabe eines hohen Quartalsverlustes am Vortag um knapp drei Prozent nachgegeben. Abgesehen vom fehlenden Ausblick seien die Zahlen "gar nicht so schlecht" gewesen, sagte ein Börsianer.
Die Aktien von Adidas Salomon verloren drei Prozent auf 72,75 Euro und die MDax gelisteten Titel von Puma acht Prozent auf 54,05 Euro. Am Vortag hatten die beiden US-Sportartikel-Händler Footstar und Finish Line wegen der schwachen Nachfrage im Rahmen der traditionellen Sonderverkäufe zum Schulanfang ihre Gewinnprognosen gesenkt.
Adelsschlag für BASF oder BMW?
Vor der Entscheidung über die Neuordnung der europäischen Indizes am Montag stiegen die Titel von BASF und BMW um 3,3 Prozent auf 42,04 Euro beziehungsweise um 1,3 Prozent auf 38,54 Euro. BASF werden gute Chancen für einen Aufstieg in den Stoxx50 der wichtigsten europäischen Unternehmen eingeräumt. BMW billigten Kenner indes nur Außenseiterchancen auf eine Hereinnahme in den EuroStoxx50 der wichtigsten Firmen des Euro-Raums zu.
TUI-Aktien - am Vortag Spitzenreiter im Dax - sanken einen Tag nach Vorlage der Halbjahreszahlen um 2,1 Prozent und kosteten 22,76 Euro. Hier würden nun Gewinne mitgenommen, sagte ein Händler. Außerdem hatte die Investmentbank Goldman Sachs die Gewinnprognose für den weltgrößten Touristikkonzern gesenkt.
Gerüchte schicken Mobilcom auf Berg- und Talfahrt
Hochtief nach Zahlen im Minus
Die Halbjahreszahlen von Deutschlands größtem Baukonzern, Hochtief , wurden an der Börse zunächst verhalten aufgenommen. Der Kurs pendelte über weite Strecken um das Vortagesniveau und gab in der Schlussauktion 1,8 Prozent auf 17,57 Euro ab.
Die Papiere von Heidelberger Druck schlossen acht Prozent im Plus bei 35,91 Euro. Gerüchte um eine Übernahme des Unternehmens durch Linde hätten die Aktie beflügelt, sagten Händler. Aus Branchenkreisen wurde inzwischen bekannt, Linde sei nicht an Heideldruck interessiert. Die Linde-Papiere verloren ein Prozent auf 42,50 Euro.
Die Aktien von Cargolifter kletterten um über elf Prozent auf 0,70 Euro, nachdem sie am Donnerstag gegen Handelsende bereits um 60 Prozent in die Höhe geschossen waren. Börsianer spekulieren auf eine Rettung des angeschlagenen Unternehmens: Das Sanierungskonzept für den insolventen Luftschiffbauer soll nach Angaben des Landes Brandenburg realisiert und weiterentwickelt werden.
Gerüchte schicken Mobilcom auf Berg- und Talfahrt
Am Neuen Markt gingen die Papiere von Mobilcom mit einem Minus von über zehn Prozent auf 6.50 Euro aus dem Handel. Gerüchte schickten die Aktie zuvor auf einer Berg- und Talfahrt. Im Handelsverlauf notierte das Papier zwischenzeitlich im Plus und am frühen Abend sogar mit annähernd 20 Prozent im Minus. Am Abend dementierte die France Telecom das Gerücht, die finanzielle Unterstützung für die krisengeschüttelte Mobilcom einzustellen. Bislang sei noch keine Entscheidung gefallen, sagte ein Sprecher von France Telecom. Der Pressebericht sei falsch. Es wird erwartet, dass der französische Telekomkonzern auf seinem Verwaltungsrats-Treffen am 12. September seine weitere Vorgehensweise in der Mobilcom-Frage beschließen wird.
Sollte France Telecom ihre finanzielle Beihilfe für die Büdelsdorfer einstellen, wäre eine Insolvenz von Mobilcom unvermeidlich. Allein im zweiten Quartal überwiesen die Franzosen 290 Millionen Euro an Mobilcom.
Einem am Abend vorab veröffentlichten Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge rechnet Mobilcom mit einem baldigen Übernahmeangebot des Großaktionärs. Daraufhin war die Aktie bereits am Donnerstag im späten Handel um mehr als zehn Prozent geklettert.
Auch eine Umsatz- und Gewinnwarnung sorgte unterdessen für Bewegung am Neuen Markt: Der Filmproduzent IM Internationalmedia kündigte an, dass die Planung für das laufende Jahr verfehlt werde. Die Aktie brach um satte 19,4 Prozent ein und kostete noch 1,08 Euro.
Euro fest
Der Kurs des Euro ist am Freitag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,9833 (Donnerstag: 0,9843) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0170 (1,0160) Euro. Bis 20 Uhr verlor die Einheitswährung weiter auf 0,9815 Dollar.