Börsenschluss Gefangen im Abwärtsstrudel
Frankfurt am Main Der Börsenauftakt nach der Bundestagswahl ist gründlich misslungen: Mit einem Minus von 4,9 Prozent ging der Dax auf 2914 Punkten aus dem Handel. Es ist der erste Dax-Schlusskurs unter der Marke von 3000 Punkten seit Januar 1997. Im Handelsverlauf ist der deutsche Leitindex sogar bis auf 2890 Punkte gefallen. Der MDax verlor um zwei Prozent auf 2957 Zähler. Der Nemax 50 fiel auf 362,63 Punkte, ein Minus von 4,4 Prozent.
Der Wahlausgang sei nicht der Hauptgrund der Kursverluste, sagten Händler. "Ich denke aber schon, dass ein gewisses Quäntchen Enttäuschung mitspielt", sagte ein Marktteilnehmer. Die Börse befürchte nun eine Blockadepolitik der Opposition, hieß es in einer Markteinschätzung der HypoVereinsbank. Stoibers Anmerkung, er rechne mit einem Scheitern der Regierung binnen Jahresfrist, könne als erstes Zeichen dafür gewertet werden.
Unter Händlern verstärke sich der Eindruck, dass finanzstarke Investoren aus den USA nach dem Wahlsieg von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gerade den deutschen Markt meiden würden, berichtete Johannes Reich, Leiter des Aktiengeschäftes beim Bankhaus Metzler in Frankfurt. "Als großer US-Investor wüsste ich nicht, warum ich jetzt irgendetwas in Deutschland kaufen sollte", sagte ein Marktteilnehmer.
US-Wirtschaftsdaten enttäuschen
Enttäuschende Konjunkturdaten haben zudem die Wall Street tief ins Minus gezogen: Der Dow Jones notierte zum Börsenschluss in Deutschland auf 7858 Punkten, ein Minus von 1,6 Prozent. Der Nasdaq verlor um 2,6 Prozent auf 1188 Zähler. Der Index der zehn wichtigsten Wirtschaftsdaten fiel um 0,2 Prozent, wie das Conference Board, ein Institut der Privatwirtschaft, am Montag mitteilte. Dies folgte nach revidierten Zahlen einem Rückgang von 0,1 Prozent im Juli und war das dritte monatliche Absinken nacheinander. Im Juni war das Konjunkturbarometer um 0,2 Prozent gefallen.
Analysten sahen in der Entwicklung einen Beleg dafür, dass das Wirtschaftswachstum relativ schwach bleiben wird. Die Unternehmen zögerten mit Investitionen und Neueinstellungen. Ein Ausgleich müsse von den Verbrauchern kommen. "Es besteht die Gefahr, dass selbst die schwache Erholung ins Stocken geraten könnte, falls die Verbrauchernachfrage nachlässt", sagte Ken Goldstein, ein Ökonom des Conference Board.
Auch die Angst vor einem Krieg mit dem Irak lastete auf den Kursen. An den Rohstoffmärkten zogen die Preise für Rohöl und Gold kräftig an, nachdem der Irak am Wochenende mitgeteilt hatte, auf keine verschärften UN-Resolutionen eingehen zu wollen. US-Kreisen zufolge studiert US-Präsident George W. Bush derzeit konkrete Angriffspläne gegen den Irak. Kräftig zulegen konnten derweil auch die Staatsanleihen.
Technologietitel auf der Verkaufsliste
Im Dax standen die Technologiewerte an der Spitze der Verlierer, nachdem der Glasfaser-Hersteller JDS Uniphase seine Geschäftsprognosen gesenkt hatte. Außerdem rechnet die Deutsche Bank für die kommenden vier bis sechs Quartale mit einem nur langsam wachsenden Halbleitermarkt.
Mit einem Minus von elf Prozent auf 6,65 Euro verbuchten die Titel von Infineon die größten Verluste. Anleger rechneten mit schlechten Nachrichten beim Mitbewerber Micron , der für Mittwoch Geschäftszahlen angekündigt habe, sagte Fondsmanagerin Hellbach.
Unter den Finanzwerten waren die Titel der Münchener Rück , die sich um 10,5 Prozent auf 120,70 Euro verbilligten, die größten Verlierer. Investmentbanken hatten die Aktie zuvor herabgestuft beziehungsweise die Kursziele gesenkt.
Gerüchte treiben MLP-Aktie an
Übernahmespekulation beflügelten den Kurs von MLP . Als einziger Dax-Wert präsentierte sich das Papier im Plus und stieg um 3,5 Prozent auf 8,95 Euro. Händler sagten, es gebe Spekulationen um eine Übernahme von MLP durch die schwedische Bank SEB. MLP sei auf dem aktuellen Kursniveau und angesichts ihrer Marktanteile in Deutschland ein attraktives Übernahmeobjekt.
Unter Druck standen die Aktien von Altana , die ihren ersten Tag im Dax hatten. Die Titel verloren 5,3 Prozent auf 38,84 Euro. "Das ist die übliche Reaktion eines Dax-Neulings", sagte Analyst Kaiser. "Jetzt ist die Fantasie erst einmal raus, nachdem sich zuvor alle auf eine Dax-Aufnahme positioniert hatten."
Spekulationen um Beiersdorf-Übernahme, Bundestagswahl beflügelt Öko-Aktien
Wird Beiersdorf übernommen?
Im MDax verteuerten sich die Papiere von Beiersdorf um 13,3 Prozent auf 97,50 Euro. Einem Zeitungsbericht zufolge will Procter & Gamble der Allianz ein Angebot für deren Beiersdorf-Anteil von 43,6 Prozent unterbreiten. "Es ist durchaus wahrscheinlich, dass die Allianz verkaufen will. Das passt schon ins Bild", sagte Analyst Alfred Kaiser vom Bankhaus Nols.
Bundestagswahl beflügelt Öko-Aktien
Am Neuen Markt ragten die Kursgewinne von Umwelt-Aktien heraus. Die Titel der Windenergiefirmen Plambeck Neue Energien und Nordex zogen um 16 Prozent beziehungsweise elf Prozent an. Die Papiere von Umweltkontor verteuerten sich um knapp neun Prozent. Händler sagten, die umweltfreundlichere Politik einer rot-grünen Regierung im Vergleich zu einem konservativeren Bündnis stütze die Aktien.
Euro pendelt um 0,98-Dollar-Marke
Der Kurs des Euro ist am Montag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,9831 (Freitag: 0,9790) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0172 (1,0215) Euro. Bis 20 Uhr verlor die Einheitswährung wieder auf 0,9771 Dollar.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6319 (0,6333) britische Pfund, 121,04 (120,66) japanische Yen und 1,4636 (1,4662) Schweizer Franken fest.
Das Wahlergebnisse in Deutschland habe den Markt offensichtlich nicht belastet, sagte Ulrich Beckmann von der Deutschen Bank. Meinungsumfragen im Vorfeld hätten den Markt schon auf das Ergebnis vorbereitet.
Börse in Tokio geschlossen
Die japanische Börse ist am Montag feiertagsbedingt geschlossen geblieben. Am Freitag hatte der Nikkei-225-Index um zwei Prozent auf 9481 Punkte verloren.