Börsenschluss Gelungener Wochenauftakt
Frankfurt am Main - Bei niedrigen Umsätzen schloss der Dax nur knapp unter der 5800er Marke. Der Index stieg um 0,7 Prozent auf 5792 Zähler. Der Nemax 50 legte um 3,3 Prozent auf 1234 Punkte zu.
In den USA gaben die Börsen nach einer festen Eröffnung nach. Der Dow Jones verlor bis zum Handelsschluss in Frankfurt 0,2 Prozent auf 10.395 Punkte. Die Nasdaq verlor 0,3 Prozent auf 2022 Zähler.
Trotz der freundlichen Kurse gaben Händler in Frankfurt keine Entwarnung. "Wir befinden uns im Sommerloch, da werden hier ein paar Schnäppchen gemacht und da ein paar Fallen Angels gekauft", umschrieb ein Börsianer einen umsatzschwachen und nachrichtenarmen Tag mit eher "zufälligen" Kursen. Allerdings sei der Markt "nicht mehr so störanfällig wie in den vergangenen Wochen".
Die Lieblinge zum Wochenauftakt waren die Technologiewerte. Als Tagesgewinner im Dax ging die Aktie von Epcos aus dem Handel. Das Papier verteuerte sich um 5,8 Prozent auf 52,52 Euro. Infineon-Titel legten 1,5 Prozent auf 29,22 Euro zu. "Offenbar hat sich die Meinung verbreitet, dass man bei den Halbleiteraktien das Schlimmste hinter sich hat. Der gegenwärtige Kurs wird nach den Hochstufungen der vergangenen Tage zum Einstieg genutzt", sagte Theo Kitz, Analyst bei Merck Finck. Siemens-Papiere verbesserten sich um 1,5 Prozent auf 62,55 Euro. Zuvor hatte sich die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein positiv zu dem Titel geäußert und räumte der Aktie gute Chancen ein, die charttechnische Widerstandslinie von 65,10 Euro zu knacken. Dass die Netzwerksparte offenbar kurz vor der Pleite steht, scheint die Investoren nicht zu stören.
Die Aktien von SAP verteuerten sich um 1,9 Prozent auf 163,20 Euro. Vor Bekanntgabe der Halbjahreszahlen am Dienstag steigerte sich die T-Aktie um 2,3 Prozent auf 25,75 Euro.
Unter Verkaufsdruck hatten zunächst Finanztitel gestanden, sie konnten ihre Verluste im Handelsverlauf jedoch reduzieren. Das Investmenthaus Morgan Stanley hatte am Vormittag den europäischen Bankensektor auf "Underperform" herabgestuft. Größter Verlierer im Dax waren die Aktien des Finanzdienstleisters MLP, die sich um 3,9 Prozent auf 89,50 Euro verbilligten. Unter Analysten gilt die Aktie trotz der deutlichen Abschlägen seit dem Dax-Start in der vergangenen Woche immer noch als überbewertet.
Volkswagen-Aktien litten unter Gewinnmitnahmen und gingen mit einem Verlust von 1,8 Prozent auf 51,80 Euro aus dem Handel. Die Aktien hatten am Freitag nach Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal zugelegt. Die Aktien von DaimlerChrysler standen mit 0,7 Prozent auf 56,04 Euro im roten Bereich. Das Investmenthaus Merrill Lynch hatte am Morgen die Aktien von "Neutral" auf "Reduzieren" gestuft.
Am Neuen Markt keimt wieder Hoffnung
Die Wachstumswerte am Neuen Markt konnten den dritten Handelstag in Folge deutlich zulegen. Vor etwa zwei Wochen sprachen technische Analysten von der Gefahr, der Index könne unter die Marke von 1000 Punkten rutschen. Heute wiederum wurden Stimmen laut, die einen Aufwärtstrend bis zu 1500 Zählern des Nemax 50 für möglich halten. Doch Händler warnen: "Die Kurssteigerung der letzten Tage ist bei den geringen Umsätzen nur eine technische Erholung. Es ist lediglich ein erster Versuch einer Bodenbildung." Bei den geringen Umsätzen hätten die Kurse derzeit kaum Aussagekraft.
Das krisengeschüttelte Medienunternehmen EM.TV hat seine Beteiligung an der Firma Crown Media verkauft. Der Verkaufserlös betrage gut 200 Millionen Mark, einschließlich sonstiger vereinbarter Zahlungen erhalte EM.TV insgesamt 103 Millionen Dollar, hieß es. Mit dem Erlös solle der Schuldenberg verkleinert werden. Die Aktie gewann 17,7 Prozent auf 3,65 Euro. "Wie an den Vortagen ist das nur eine wilde Zockerei", sagte ein Händler. Auch durch den Vorstandswechsel in der vergangenen Woche habe sich fundamental noch nichts geändert. Die Quartalszahlen seien sehr schlecht gewesen: Zudem sei das Kerngeschäft, der Filmrechtehandel, komplett zusammen gebrochen.
Gegen den Aufwärtstrend der Medientitel ist die Aktie der Kinowelt gefallen. Während der Subindex Media und Entertainment-Aktien um 2,6 Prozent stieg, verloren die Kinowelt-Papiere über acht Prozent auf 2,39 Euro. Händler begründeten dies mit Befürchtungen der Anleger, Kinowelt könne schwache Quartalszahlen in dieser Woche vorlegen. Der Kursanstieg der Medienwerte sei auf die Kursrallye bei EM.TV zurückzuführen.
Die Halbjahreszahlen von Umweltkontor kamen bei den Investoren jedenfalls gut an. Sie wiesen unter anderem eine Umsatzverdopplung gegenüber dem Vorjahr aus. Die Aktien stiegen um 16,3 Prozent auf 43,02 Euro.
Bei Brokat dagegen nähert sich die Aktie allmählich ihrem Allzeittief von 1,86 Euro. Mit einem Abschlag von 7,1 Prozent auf 2,09 Euro präsentierte sich das Papier sehr schwach. Das Software-Unternehmen steckt in argen finanziellen Schwierigkeiten und rechnet im zweiten Quartal mit einem Nettoverlust von mehr als 800 Millionen Euro. Analysten sehen das Unternehmen am Rande der Pleite.
Vom Handel ausgesetzt wurden die Aktien des Set-Top-Boxen-Herstellers Metabox. Das angeschlagene Unternehmen gab bekannt, dass es sein Kapital durch die Ausgabe von einer Million Aktien zu je einem Euro aus genehmigtem Kapital gegen Bareinlagen erhöhen wolle. Die Papiere, die zuletzt auf dem Frankfurter Parkett 0,64 Euro kosteten, sollen ab Dienstag morgen wieder in den Handel aufgenommen werden.
Kurs des Euro gefallen
Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs für den Euro auf 0,8751 (Freitag: 0,8768) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,2350 (2,2306) Mark. Gegen Handelsschluss in Frankfurt wurde die Devise mit 0,8743 Dollar gehandelt.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6136 (0,6141) Pfund, 109,45 (108,65) Yen und 1,5114 (1,5081) Schweizer Franken fest.