Börsenschluss: Gerüchte beflügeln MobilCom - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Gerüchte beflügeln MobilCom

Dax und Nemax haben ihre Kurserholung fortgesetzt. ThyssenKrupp profitierte von guten Zahlen und legte kräftig zu. Spekulationen trieben die MobilCom-Aktie an.
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Frankfurt am Main – Der Dax präsentierte sich am Donnerstag freundlich. Marktteilnehmer haben scheinbar wieder etwas Vertrauen in die Börse gewonnen und reagieren auf negative Nachrichten nicht mehr mit großen Verkäufen. Gute Nachrichten, wie heute zum Beispiel von ThyssenKrupp  , werden hingegen mit deutlichen Aufschlägen honoriert. Bis zum Handelsschluss kletterte der deutsche Leitindex auf 3906 Punkte, ein Plus von einem Prozent.

"Der Markt ist dabei, einen Boden zu finden", sagte Robert Halver von Vontobel Asset Management. Die meisten negativen Faktoren wie Bilanzskandale und Zweifel an einer raschen Konjunkturerholung seien bereits in den Aktienkursen enthalten. Dennoch seien viele Anleger aus Sorge vor einem möglichen erneuten Kursrutsch vorsichtig geblieben, mahnten einige Börsianer. Der Händler Björn Wystrach von der Helaba sagte, trotz der Erholung sei der langfristige Abwärtstrend immer noch intakt, so lange der Dax den Widerstand bei knapp 4000 Punkten nicht nachhaltig überschreiten könne. Er rechne für Freitag mit einem Test dieser Marke.

Auch die Nebenwerte profitierten von der guten Stimmung: Der MDax gewann um 0,6 Prozent auf 3467 Zähler. Am Neuen Markt schloss der Nemax 50 mit 2,2 Prozent im Plus auf 521 Punkten. Der Auswahlindex profitierte von massiven Kursaufschlägen des Schwergewichts MobilCom  . Die Aktie ging Prozent fester auf Euro aus dem Handel.

Händler erklärten die Zuwächse mit Übernahmespekulationen, wonach sich die France Telecom   und MobilCom noch vor Veröffentlichung der Quartalszahlen am kommenden Donnerstag einigen würden. In Internet-Börsenforen soll ein Preis von zehn Euro pro MobilCom-Aktie genannt worden sein. "Daran muss nicht dran sein. Vielleicht streut hier jemand nur Gerüchte, um Gewinne mitzunehmen", warnte ein Händler. Weder France Telecom noch MobilCom waren am Abend für eine Stellungnahme zu erreichen.

US-Börsen mit leichten Gewinnen

Die US-Börsen schwankten im Handelsverlauf teils deutlich, hielten sich dabei jedoch meist im Plus. Der Dow Jones notierte zum Handelsschluss in Deutschland auf 8968 Punkten, ein leichtes Plus von 0,1 Prozent. Der Nasdaq gewann 0,2 Prozent auf 1411 Zähler.

Vor Handelsbeginn wurden enttäuschende Konjunkturdaten veröffentlicht. Die Erstanträge auf Arbeitslosenversicherung hatten sich in der Woche bis 13. Juli um 2000 auf saisonbereinigt 389.000 verringert. Volkswirte hatten im Durchschnitt jedoch mit einem Rückgang um 5000 gerechnet.

ThyssenKrupp erfreut mit guten Zahlen

Die Aktien von ThyssenKrupp   stiegen um knapp fünf Prozent auf 13,95 Euro. Analysten äußerten sich besonders erfreut über die deutlich besser als erwartet ausgefallene Entwicklung des Kerngeschäftsfeldes Stahl. Die Restrukturierungen trügen offenbar Früchte. Auch die weiteren Aussichten seien sehr gut. Der Auftragsbestand zeige nach oben und außerdem dürften sich die jüngsten Preiserhöhungen in den Geschäftszahlen der kommenden Monate niederschlagen. Die selbst gesteckten Ziele für das Gesamtjahr seien durchaus realistisch. Thyssen erwartet trotz Konjunkturflaute eine positive Entwicklung.

Die Aktie der Lufthansa   gewann 3,6 Prozent auf 13,75 Euro. Am Vortag ging das Papier nach Vorlage der Geschäftszahlen mit einem Plus von über neun Prozent aus dem Handel. Im Sog der Airline kletterten die Anteilsscheine von TUI   um 6,2 Prozent auf 23 Euro.

Siemens erwartet ein schweres Jahr

Die Technologiewerte präsentierten sich uneinheitlich. Während Epcos   (plus drei Prozent auf 17,10 Euro) und Infineon   (plus 3,8 Prozent auf 13,49 Euro) zulegen konnten, fiel die Siemens-Aktie   um 0,5 Prozent auf 52,74 Euro. Deutschlands größter Elektrokonzern sieht derzeit kein Ende des schwierigen Umfelds. "Das nächste Geschäftsjahr wird noch härter als das laufende", sagte Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger nach Angaben der Mitarbeiterzeitschrift "SiemensWelt" auf einer Tagung von Führungskräften. Der Konzern sei mit einer schwächeren Nachfrage in vielen wichtigen Märkten konfrontiert. Die Weltwirtschaft stecke in einer tiefen und anhaltenden Rezession. "Es ist daher unser gemeinsames Interesse, nicht länger Geld mit Geschäften zu verlieren, die zu lange keine nennenswerte Rendite gebracht haben."

Mit Kursabschlägen sind die Halbjahreszahlen von Linde   quittiert worden. Die Anteilsscheine hielten mit einem Abschlag von 5,1 Prozent auf 44,05 Euro die rote Laterne im Dax. Der Anlagenbauer und Hersteller von Technischen Gasen, Linde, hat im ersten Halbjahr einen deutlichen Rückgang beim Vorsteuergewinn verzeichnet. Außerdem werde dieser im laufenden Jahr nicht das Niveau von 2001 erreichen, hieß es in einer Mitteilung. In den ersten sechs Monaten sank der Gewinn vor Steuern um fast ein Drittel auf 110 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreswert von 160 Millionen Euro.

Versicherer ziehen den Dax nach oben

Die in den vergangenen Monaten stark gebeutelten Aktien des Börsenschwergewichts Allianz   setzten ihre Erholung fort und verteuerten sich um 4,3 Prozent auf 148,50 Euro. Dabei ging rund ein Viertel des gesamten Dax-Gewinns auf das Konto dieses Wertes. Auch die Münchener Rück   präsentierte sich freundlich, die Anteilsscheine verteuerten sich um 0,7 Prozent auf 199,40 Euro.

MG Technologies nach Zahlen im Plus, Euro unter Druck

MG Technologies nach Zahlen deutlich fester

Die am Morgen vom Anlagenbau- und Chemiekonzern MG Technologies   vorgelegten Zahlen honorierte die Börse mit einem Aufschlag. Die im MDax gelisteten Titel gewannen bis zum Handelsschluss um 8,9 Prozent auf 7,62 Euro. "Die Aktie ist einfach billig", sagte ein Händler. Wenn gute Zahlen kämen griffen Anleger entsprechend zu, erklärte er das deutliche Plus. Zudem unterstütze auch die weiterhin positive Entwicklung der Aktienmärkte den Aufschwung bei MG, sagte ein zweiter Marktteilnehmer, der die Zahlen als "wie erwartet" bezeichnete.

Der Handel der MG-Aktie verlaufe derzeit "sehr munter", sagte der Händler. "Die Aktie könnte unter Umständen noch bis auf 8,20 oder 8,50 Euro laufen", prognostizierte er, erst hier lägen die nächsten Widerstände. In den ersten neun Monaten ergab sich bei MG Technologies nach eigenen Angaben ein Umsatzminus von 0,7 Prozent auf 6,18 Milliarden Euro. Der Gewinn ging parallel um knapp zwölf Prozent auf 175,8 Millionen Euro zurück. Dennoch bekräftigte mg seine Gesamtjahresprognose, einen Vorsteuergewinn von 310 bis 325 Millionen Euro zu erzielen. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Rückgang von zwölf bis 16 Prozent.

Fraport steigert das Ergebnis

Die Aktie des Flughafenbetreibers Fraport   gewann um 1,4 auf 23,21 Euro. Das Unternehmen gab bekannt, im ersten Halbjahr 2002 das Konzernergebnis um 37,1 Prozent auf 53,6 Millionen Euro gesteigert zu haben. Der Umsatz sei im gleichen Zeitraum um 13 Prozent auf 855,2 Millionen Euro gewachsen.

Die Aktie des Baukonzerns Bilfinger und Berger  , die in den vergangenen Tagen wegen der Flutkatastrophe im Fokus der Anleger standen, gewann nach Zahlen vier Prozent auf 22,90 Euro.

Consors verlässt den Neuen Markt

Am Neuen Markt verbuchten neben MobilCom   auch die Online-Broker DAB Bank   (plus 15,6 Prozent auf 4,68 Euro) und Comdirect   (plus 11,9 Prozent auf 4,70 Euro) deutliche Kursaufschläge. Die Consors-Aktie   verlor hingegen um 1,1 Prozent auf 10,98 Euro. Das Unternehmen hat mitgeteilt, den Neuen Markt zu verlassen und ab dem 16. September im Geregelten Markt aufgenommen zu werden. Ausschlaggebend für die Entscheidung zum Segmentwechsel seien die bei einem Streubesitz von unter fünf Prozent unverhältnismäßig hohen Kosten, die mit einer Notierung am Neuen Markt verbunden sind. Die BNP Paribas   hält nach Ablauf des Übernahmeangebotes derzeit 95,05 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte von Consors.

Um 0,2 Prozent auf 5,31 Euro zog die Aktie des luxemburgischen Logistik-Dienstleisters Thiel Logistik   an. Das Unternehmen wird nach eigenen Angaben im vierten Quartal aus den roten Zahlen kommen. Für das erste Halbjahr meldete das im Nemax 50 notierte Unternehmen vorbörslich einen um 66 Prozent auf 702 Millionen Euro gestiegenen Umsatz. Das Ebit (Ergebnis vor Steuern und Zinsen) sei auf 21,5 Millionen Euro gesunken.

Euro notiert unter 0,98 Dollar

Der Kurs des Euro ist am Donnerstag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9770 (Mittwoch 0,9762) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0235 (1,0244) Euro. Bis 20 verlor die Einheitswährung in Frankfurt weiter auf 0,9693 Dollar.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6395 (0,6406) Pfund, 116,24 (115,81) Yen und 1,4691 (1,4692) Schweizer Franken fest.

Die Zahlen zum deutschen Bruttoinlandsprodukt bewegten den Markt kaum. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im zweiten Quartal saison- und kalenderbereinigt laut Angaben des Statistischen Bundesamtes um 0,3 Prozent gegenüber den ersten drei Monaten gestiegen. Experten hatten mit einem Zuwachs in dieser Größenordnung gerechnet.

Tokios Börsen schließen fester

Die Aktienbörse in Tokio hat am Donnerstag zugelegt. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte stieg bis zur Schlussglocke um 1,8 Prozent und beendete den Handel bei 9814 Punkten. Der breit angelegte Topix erhöhte sich um 13,64 Punkte oder 1,4 Prozent auf 961 Zähler. Im späten Handel hätten Zukäufe mehrerer Renten-Fonds die Aktienkurse nach oben gekurbelt, sagten Händler. Die positiven Vorgaben von der New Yorker Wall Street seien eine zusätzliche Stütze für die fernöstlichen Börsen gewesen.

Die Aktien aus der Automobilbranche seien auf Grund ihrer relativ niedrigen Kurse sehr gefragt gewesen, sagten Händler. Die Honda-Papiere   kletterten um ein Prozent auf 5090 Yen und die Anteilsscheine von Toyota   gewannen 1,2 Prozent auf 2955 Yen.

Die High-Tech-Aktien konnten ihre Vortagesgewinne ausbauen. Die Papiere von Advantest   verteuerten sich um fünf Prozent auf 6060 Yen und die Kyocera-Aktien   stiegen um 1,5 Prozent auf 8790 Yen.