Börsenschluss Gerüchte um Deutsche Bank
Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte haben am Mittwoch den Handel mit Verlusten beendet und nur knapp über ihren Tagestiefständen geschlossen. Enttäuschende Einzelhandelsumsätze in den USA für den Monat Februar hatten die Stimmung bereits am Nachmittag belastet.
Nach einem Gewinn von knapp einem Prozent rutschte der Dax ins Minus und schloss 0,6 Prozent leichter auf 5245 Zähler. Die Wachstumswerte im Nemax 50 fielen um 2,1 Prozent auf 1009 Zähler. Die US-Börsen befanden sich zu Handelsschluss in Deutschland auf Talfahrt. Der Dow Jones stand mit 1,2 Prozent auf 10.500 Punkten im Minus. Der technologielastige Nasdaq Composite notierte mit 1,8 Prozent auf 1862 Punkten im roten Bereich.
Die Einzelhandelsumsätze in den USA waren im Februar mit einem Plus von 0,3 Prozent zum Vormonat deutlich hinter den Schätzungen der Analysten (0,9 Prozent) zurückgeblieben und damit die Indizes auf Talfahrt geschickt. Insgesamt sei das Volumen am Aktienmarkt allerdings recht dünn, sagte Jan Rebehn von der Vereins- und Westbank.
Chemie und Pharmawerte waren gefragt
Nach Vorlage der Bilanz 2001 zeigte sich die Aktie des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer < BAY.ETR > lange als stärkster Wert im Dax. Dirk Thiele, Analyst bei der BHF-Bank, begründete den Kursgewinn mit dem positiven Ausblick des Unternehmens. Zum Handelsschluss gab die Aktie einen Teil ihrer Gewinne wieder ab und schloss mit rund 0,80 Prozent auf 39,36 Euro. Für das laufende Jahr erwartet Bayer eine "deutliche Verbesserung des Konzerngewinns". Darüber hinaus übertrafen die Jahreszahlen 2001 trotz eines Gewinneinbruchs um 47 Prozent auf 965 Millionen Euro überwiegend die Erwartungen der Analysten.
Der positive Ausblick von Bayer habe auch Degussa -Aktien gestärkt, sagte ein Händler. Das Papier stieg um 1,26 Prozent auf 34,58 Euro. Schering kletterten um 1,11 Prozent auf 67,14 Euro. BASF dagegen, die am Donnerstag Zahlen vorlegen, rutschten mit 1,25 Prozent auf 45,80 Euro ins Minus.
Autotitel erholten sich von des Verlusten des Vortages. "Zyklische Aktien sind nach wie vor europaweit gefragt", sagte ein Händler. Papiere von Volkswagen , BMW und DaimlerChrysler zogen zwischen 1,04 und 0,28 Prozent an. Die Aktien rangierten damit im oberen Drittel des Dax. Der Verband der Automobilindustrie hatte zuvor berichtet, dass der Marktanteil deutscher Hersteller von Personenwagen und leichten Nutzfahrzeugen in den USA um gut fünf Prozent gestiegen ist.
Siemens und Co. unter Druck
Technologiewerte standen dagegen unter Druck. Die Infineon -Aktie verlor an ihrem zweiten Jahrestag 1,74 Prozent auf 25,40 Euro. Siemens -Papiere büßten rund zwei Prozent auf 73,40 Euro ein. Epcos -Titel gaben 2,11 Prozent auf 48,75 Euro nach.
Bei Siemens hatte der Leiter des Netzwerkbereichs (ICN), Thomas Ganswindt, auf Grund der weiterhin schwierigen Marktlage weitere Stellenstreichungen nicht ausgeschlossen. "Bei Siemens ist man sich nicht sicher, wie sich die Geschäftsbereiche in der nächsten Zukunft entwickeln werden", sagte Florian Weber, Aktienhändler beim Börsenmakler Schnigge. In den Aussagen von Ganswindt sei eher Zurückhaltung zu spüren gewesen. "Und das ist etwas, was Börsianer im Moment überhaupt nicht hören wollen", fügte Weber hinzu. "Die möchten hören, dass das Geschäft anzieht und damit auch die Unternehmensgewinne".
Unter den Technologiewerten zogen sich die Aktien von SAP mit Verlusten von 0,90 Prozent auf 164,50 Euro noch achtbar aus der Affäre. Finanzvorstand Werner Brandt hatte gesagt, dass der Konzern in den USA gut in das erste Quartal 2002 gestartet sei. Zudem schloss er die Ausgabe einer Wandelanleihe aus.
Weitere Verluste verbuchte am Tag nach der Jahresbilanz die Lufthansa -Aktie, die 0,38 Prozent auf 18,43 Euro abgab. "Die Dividendenkürzung auf Null hat schockiert", sagte ein Händler. "Das hat psychologische Wirkung." Am Vortag hatte das Lufthansa-Papier bereits rund sechs Prozent an Wert verloren.
Herabstufung belastet die Deutsche Bank
Die Aktie der Deutsche Bank büßte 2,29 Prozent auf 70,75 Euro ein und war damit zweitschwächster Titel im Dax. Eine Abstufung habe den Kurs belastet, sagten Händler. Gerüchten zufolge hat die Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) die Deutsche Bank-Aktie von 'Hold' auf 'Trading Sell' herabgestuft. Dies habe den Kurs belastet, sagten Händler. "Wir haben von bevorstehenden großen Abschreibungen bei der Deutschen Bank bei den 'faulen Krediten' gehört. Sie könnten für den Kursrückgang verantwortlich sein", sagte ein Händler einer Großbank.
Größter Verlierer war jedoch das Papier des Bad Homburger Dialyse-Spezialisten Fresenius Medical Care . Der Titel ging mit einem Abschlag von 3,25 Prozent auf 62,79 Euro als Tagesverlierer aus dem Handel.
Im M-Dax schlossen die Aktien des Sportartikelherstellers Puma mit 1,32 Prozent auf 46 Euro im Plus. Das Unternehmen hatte zuvor mitgeteilt, im vergangenen Jahr ein Rekordergebnis verbucht zu haben und 2002 erneut kräftige Umsatz- und Ergebniszuwächse zu erwarten.
Die ebenfalls im M-Dax gelisteten Aktien des Wiesbadener Graphitelektrodenherstellers SGL Carbon notierten rund ein Prozent leichter auf 24,50 Euro. Das Unternehmen hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr auf Grund der wirtschaftlichen Abschwächung sowie hoher Aufbaukosten für die Tochter SGL Technologies einen Ergebnisrückgang verzeichnet.
Neuer Markt: Comdirect verunsicherte Anleger
Thiel und Comdirect gaben nach
Die Umsätze am Neuen Markt seien gering gewesen erklärten Händler. Es mangelte an Nachrichten, die die Aktienkurse hätten bewegen können. Auch die Computermesse CeBIT habe sich bisher nicht positiv auf die Kurse ausgewirkt.
Die Aktien der Thiel Logistik sanken um 3,58 Prozent auf 17,50 Euro. Damit notierte die Aktie um den Preis, zu dem am Vortag 5,75 Millionen Anteilsscheine aus einer Kapitalerhöhung ausgegeben wurden. "Der Aktienkurs muss die vielen Papiere erst einmal verkraften," sagte ein Händler in Frankfurt.
Trotz der Vorstellung neuer Dienstleistungen und Produkte auf der CeBIT fielen die Aktien des Telekomanbieters MobilCom um 2,10 Prozent auf 12,60 Euro. Die Papiere des Internetanbieters T-Online sanken um 3,53 Prozent auf 12,56 Euro.
Die Aktie der comdirect schloss nach der überraschenden Veröffentlichung von Geschäftszahlen des abgelaufenen Jahres unter die Marke von 10 Euro gesunken. Die Aktie gab 3,23 Prozent nach und notierte bei 9,90 Euro. "Die Anleger verunsichert es natürlich, wenn aus heiterem Himmel unangekündigte Zahlen kommen, die man dann auch nicht einschätzen kann", sagte ein Händler in Frankfurt. In dieser Situation würden die Börsenprofis erst einmal verkaufen.
Spekulativ orientierte Anleger haben den Aktienkurs des insolventen Telekom-Unternehmen Carrier1 zeitweise fast verdoppelt. Die Aktien kosteten am Ende 0,37 Euro - ein Plus von 32,14 Prozent.
Kurs des Euro kaum verändert
Der Kurs des Euro blieb fast unverändert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8734 (Dienstag: 0,8733) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1450 (1,1451)Euro. Zuletzt wurde die Einheitswährung bei 0,8771 Dollar gehandelt.