Börsenschluss Gewinne wieder abgebröckelt
Frankfurt am Main Der Dax schloss nur noch mit 0,1 Prozent im Plus bei 5170 Punkten. Mittags hatte der Index noch rund 50 Zähler höher gestanden. Am Neuen Markt ging der Auswahlindex Nemax 50 mit plus 0,7 Prozent bei 1180 Punkten aus dem Handel. Dagegen verlor der MDax der mittelgroßen Werte 0,4 Prozent auf 4396 Stellen.
In den USA haben die Aktienmärkte ebenfalls einen Teil ihrer Gewinne aus dem frühen Handel wieder abgeben müssen. Zum Handelsschluss in Deutschland notierte der Dow Jones rund 0,6 Prozent fester auf 9784 Punkten, die Nasdaq kletterte um 0,9 Prozent auf 1939 Zähler.
Zuvor hatte US-Notenbankpräsident Alan Greenspan vor dem US-Kongress einen verhalten optimistischen Ausblick auf die Konjunkturentwicklung gegeben. Offenbar hat er die deutschen Märkte im Gegensatz zur US-Börse nicht ganz überzeugen können. Frankfurter Händler sagten, die Rede Greenspans habe die Gewinne an den Märkten ein wenig abbröckeln lassen. "Den Investoren fehlt ein klares Signal zu einem nachhaltigen Aufschwung", sagte ein Frankfurter Händler. Einige hätten offenbar zu viel von Greenspan erwartet. Im späten Handel hätten dann Gewinnmitnahmen eingesetzt, sagte ein Börsianer.
"Es gibt Anzeichen dafür, dass einige Faktoren, die die Konjunktur im vergangenen Jahr belastet haben, abzunehmen beginnen und dass die Wirtschaftsaktivität allmählich wieder anzieht", sagte Greenspan in seiner Rede. Ein deutscher Aktienhändler sagte: "Die Greenspan-Aussagen hatten positive Ansätze, auch wenn er teilweise noch warnend ist."
Unterdessen sorgten zuvor bereits die Nokia-Zahlen für eine positive Grundstimmung am Markt. Sie seien etwas besser als erwartet ausgefallen, sagte Aktienhändler Knut Hochwald von der Hamburger Sparkasse. Der finnische Konzern hatte für das abgelaufene Quartal einen Proforma-Gewinn vor Steuern von 0,24 Euro je Aktie ausgewiesen und damit die Prognosen der Experten um vier Cents übertroffen. In Helsinki stiegen die Papiere um mehr als zehn Prozent.
Im Dax-Handel legten daraufhin die Technologiewerte zu. Epcos und Infineon schlossen um 3,2 beziehungsweise 2,9 Prozent fester. SAP verteuerten sich um 1,3 Prozent.
Die Papiere des Finanzdienstleisters MLP stiegen um 5,5 Prozent auf 75,73 Euro. MLP wird voraussichtlich am 31. Januar über das abgelaufene Geschäftsjahr 2001 berichten. Eine am Donnerstag veröffentlichte Reuters-Umfrage unter Analysten geht von einem 29-prozentigen Anstieg des Vorsteuergewinns im vierten Quartal 2001 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus.
Bayer-Aktien legten am Tag des Börsendebüts in den USA 1,9 Prozent auf 37,61 Euro zu. Auf dem New Yorker Parketthandel eröffneten die Papiere des Pharmakonzerns mit einem Kurs von 33,09 Dollar, fielen bis zum deutschen Handelsschluss allerdings auf 33,01 Dollar.
Unter Druck standen hingegen die Papiere der Deutschen Post , die sich um vier Prozent auf 15,11 Euro verbilligten. Der Bundesrechnungshof hat Medienberichten zufolge angeblich ungerechtfertigte Steuervergünstigungen für die Post kritisiert und künftig höhere Abgaben für den ehemaligen Staatskonzern gefordert.
Im MDax verloren die Papiere des Indexschwergewichts Altana 4,8 Prozent auf 56,20 Euro. Der Bad Homburger Pharma und Spezialchemiekonzern hat Marktspekulationen zurückgewiesen, wonach bei seinem umsatzstarken Magenmittel Pantoprazol gefährliche Nebenwirkungen festgestellt worden seien.
Neuer Markt: Highlight-Kurs schießt nach oben
Der Aktienkurs der Highlight Communications ist nach der Uefa-Entscheidung über die Vermarktungsrechte der Fußball Champions League am Donnerstag sprunghaft gestiegen. Die Papiere verteuerten sich um 37,8 Prozent auf 4,70 Euro. Die schweizerische Highlight-Tochter Team Marketing bekam die Rechte von 2003 bis 2006 vom Uefa-Exekutivkomitee zugesprochen. "Damit steht Highlight vor einer fundamentalen Neubewertung", sagte ein Frankfurter Analyst. "Das Geschäft mit der Champions League macht allein gut drei Viertel des gesamten Jahresgewinns bei Highlight aus", so der Händler. Von entsprechender Bedeutung sei deshalb auch die heutige Entscheidung gewesen. Das Kursziel liegt nach Meinung des Analysten nun bei sechs Euro. Frankfurter Händler sagten, dass der Aktienkurs mittelfristig auch noch weit darüber steigen könnte. "Unmittelbar vor der Uefa-Entscheidung waren die meisten Marktteilnehmer noch davon ausgegangen, dass Highlight die Rechte nicht bekommen würde. Und das bei einem Kurs von 2,70 Euro", sagte ein Frankfurter Händler.
Die Meldung von Intershop über den Aktientausch des Vorstandsvorsitzenden habe nicht zu einem bedeutsamen Kursausschlag geführt, sagte der Händler. Intershop hatte am Vormittag bekannt gegeben, dass Stefan Schambach seine Aktien an der US Tochter Intershop Communications Inc gegen Anteile der Mutter, Intershop Communications AG, getauscht hat. Ein Sprecher erklärte, es sei mit einem verwässernden Effekt von rund 14 Prozent auf den diesjährigen Gewinn zu rechnen. Die Papiere verloren 2,4 Prozent auf 1,60 Euro.
Papiere der italienischen Direktbank Bipop-Carire stiegen um 3,4 Prozent auf 1,81 Euro. Das Unternehmen hatte zuvor Fusionspläne mit der Banca di Roma bekannt gegeben. Einer Absichtserklärung zufolge sollen die Bedingungen bis zum Mai 2002 ausgehandelt sein.
Die Papiere der Kinowelt Medien kletterten um mehr als 16 Prozent auf 0,28 Euro, nachdem das Unternehmen den Verkauf seiner gesamten Beteiligung an dem Marburger Video-on-Demand-Anbieter MedianetCom bekannt gegeben hatte.
Kurs des Euro deutlich gefallen
Der Kurs des Euro ist am Donnerstag deutlich gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8767 (Mittwoch: 0,8856) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1406 (1,1292) Euro. Bis zum Handelsschluss in Frankfurt erholte sich die Währung wieder auf 0,8774 Dollar. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6169 (0,6203) Pfund, 117,95 (118,72) Yen und 1,4687 (1,4737) Schweizer Franken fest.