Börsenschluss Gewinne zum Hexensabbat
Frankfurt am Main - Erstmals seit Januar 1997 ist der Dax am Freitag kurzzeitig unter die psychologisch bedeutsame Marke von 3000 Punkten gerutscht. Gestützt von Kursgewinnen bei den Marktschwergewichten Allianz und Deutsche Telekom erholte er sich jedoch im Tagesverlauf und schloss 1,9 Prozent im Plus auf 3065 Punkte. Zusätzlich stützten die positiven Vorgaben von den US-Börsen. Binnen Wochenfrist sank das Börsenbarometer trotz der aktuellen Kurserholung allerdings um rund neun Prozent.
Ein Fondsmanager sagte, angesichts der Konjunkturflaute und der zu erwartenden Senkung der Geschäftsprognosen durch die Unternehmen werde der Dax die 3000 Punkte bald nachhaltig unterschreiten.
Der MDax der 70 mittleren Unternehmenswerte gewann 1,3 Prozent auf 3016 Zähler. Am Neuen Markt fiel der Nemax 50 dagegen um 4,9 Prozent auf 379 Punkte.
Am so genannten "dreifachen Hexensabbat" wurden weder in der Mittagsauktion, in der Index-Optionen und -Futures an der Eurex verfallen sind, noch in der Schlussauktion für die Optionen auf einzelne Aktien dramatische Kursschwankungen verzeichnet. Die Aktienumsätze lagen allerdings bei einem Vielfachen des Durchschnitts.
Unterstützt durch den optimistischen Ausblick des US-Telekomausrüsters Qualcomm behauptete sich die Wall Street. Der Dow Jones kletterte bis zum Handelsschluss in Deutschland um 0,4 Prozent auf 7974 Punkte. Der Nasdaq notierte auf 1221 Zählern, ein Plus von 0,4 Prozent.
Qualcomm hatte am Vorabend gemeldet, er rechne im ersten Quartal des kommenden Geschäftsjahres mit einer deutlich höheren Nachfrage nach so genannten MSM-Chips für Mobilfunktelefone. Der Absatz werde "deutlich" über der Marke von 20 Millionen Stück liegen.
Allianz führt den Dax an
Dax-Spitzenreiter war die Allianz-Aktie mit einem Plus von neun Prozent auf 99,50 Euro. "Die Aktie ist total unterbewertet", sagte ein Frankfurter Aktienhändler. In den vergangenen sechs Monaten hat der Titel rund zwei Drittel seines Wertes eingebüßt. Zudem profitiere das Papier weiter von der Meldung, der Versicherer plane entgegen anders lautender Spekulationen keine Kapitalerhöhung.
Die Aktie der Deutschen Telekom gewann gleichfalls. Händler begründeten das Plus von 2,2 Prozent auf 9,61 Euro mit einer plötzlich zurückgezogenen Beschwerde des AGES-Konsortiums gegen die Vergabe des Maut-Systems für Lastwagen auf deutschen Autobahnen.
Die Aktie von DaimlerChrysler stieg um 2,5 Prozent auf 38,40 Euro. Der Konzern verbessert mit einer milliardenschweren Investition seine Position auf dem asiatischen Nutzfahrzeugmarkt. "Langfristig gesehen ist das ein gelungener Einstieg in Asien", sagte ein Händler. Auch die anderen Autowerte standen im Plus: BMW verteuerten sich um 4,7 Prozent auf 34,11 Euro. Volkswagen gewannen 2,6 Prozent auf 41,02 Euro.
SAP ein "ausgebombter Wert"
Die Aktien des Softwareherstellers SAP profitierten von einer technischen Reaktion und kletterten auf 54,47 Euro, ein Plus von 2,8 Prozent. "SAP gehört zu den ausgebombten Werten, die jetzt rein technisch gekauft werden", sagte Kristin Wenk, Händlerin von Schröder Münchmeyer Hengst. Stefan Buchholz, Händler der DZ Bank, sieht bei SAP Spielraum bis zu einem Kurs von 59 Euro, falls der Wert die Marke von 57 Euro überschreitet. Das würde starke Kaufsignale auslösen, sagte Buchholz. Bei 50 Euro sieht Buchholz eine untere Trendkanalbegrenzung. SAP sei stark überverkauft und der Chart ein "Trauerspiel".
Gegen den Trend der Technologiebranche fielen die Papiere von Infineon um 1,8 Prozent auf 46,11 Euro. Der Chiphersteller erwartet nach den Worten des Konzernchefs Ulrich Schumacher für die kommenden zwei Quartale keinen Aufschwung der Branchenkonjunktur.
MLP bricht erneut ein
Mit einem Minus von zwölf Prozent auf 8,65 Euro verbuchten die Aktien von MLP einen erneuten Kurseinbruch. Die Titel hatten am Vortag in der gleichen Größenordnung verloren, nachdem die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts auf Insiderhandel aufgenommen hatte.
Altana vor dem Dax-Aufstieg im Minus
Die ab Montag dem Dax angehörenden Aktien des Pharmakonzerns Altana verloren um 2,7 Prozent auf 40,99 Euro. "Die Papiere waren in der Auktion auffällig stark gesucht", sagte ein Händler. Altana wird nach einer Entscheidung der Börse Degussa im Dax ersetzen.
Die Aktie von Jenoptik gehörte zu den größten Gewinnern im MDax. Sie verteuerte sich um über elf Prozent auf 11,62 Euro. Zuvor wurde bekannt gegeben, dass das Thüringer Unternehmen einen Millionenauftrag von der Allianz erhalten hatte.
Mobilcom führt den Nemax 50 an
Am Neuen Markt gehörte die Aktie von Mobilcom mit einem Kursaufschlag von über zehn Prozent auf zwei Euro zu den größten Gewinnern im Nemax 50. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hatte am Morgen einen Pressebericht zurückgewiesen, nach dem Mobilcom keine Kredite über die bislang zugesagten 50 Millionen Euro hinaus erhält. "Die bankübliche Prüfung der Kredite über 270 Millionen Euro ist noch nicht abgeschlossen", sagte eine KfW-Sprecherin am Freitag in Frankfurt.
Die Aktie des Biotechnologieunternehmens Farmatic reagierte mit einem Kurssturz von über 50 Prozent auf die am Donnerstagabend herausgegebene Gewinnwarnung. Wie das Unternehmen in einer Pflichtmitteilung bekannt gab, geht der Vorstand nunmehr wegen deutlich geringerer Umsätze von roten Zahlen im operativen Geschäft aus. Man rechnet für das laufende Geschäftsjahr nun mit einem Betriebsergebnis (Ebit) in Höhe von minus 15,4 Millionen Euro nach zuvor plus drei Millionen Euro. Die Umsätze würden deutlich geringer ausfallen als bisher angenommen.
Gewinnmitnahmen drücken den Nikkei, Euro pendelt um die Marke von 0,98 Dollar
Gewinnmitnahmen drücken den Nikkei ins Minus
Die Aktienbörse in Tokio hat am Freitag schwach geschlossen. Der Nikkei-225-Index büßte 188,54 Punkte oder zwei Prozent ein und schloss beim Stand von 9481 Zählern. Der breit angelegte Topix gab ebenfalls deutlich um 16,38 Punkte oder 1,7 Prozent nach und ging beim Stand von 926 Zählern in ein verlängertes Wochenende. Tokios Börse bleibt am Montag wegen eines Feiertags geschlossen.
Die Reaktion der japanischen Börse auf den angekündigten Aktienkauf der Zentralbank sei am Vortag übertrieben gewesen, sagte Michael Leichsenring von Tsubasa Securities. Nachdem klar geworden sei, dass die Regierung keine dramatischen Reformmaßnahmen ergreifen werde, sei es deshalb zu Gewinnmitnahmen gekommen.
Bankentitel unter Druck
Bankenwerte, die Gewinner des Vortags, zeigten sich schwächer. Mizuho verloren 25.000 auf 262.000 Yen, Mitsubishi Tokyo Financial gaben 41.000 auf 825.000 Yen ab und Sumitomo Mitsui Banking büßten 17 auf 637 Yen ein.
Die Verluste der US-Börsen an der Wall Street drückten auf die Kurse der Zulieferer für die Halbleiterindustrie. Rohm verbilligten sich um 670 auf 14.250 Yen, Nikon sanken um 53 auf 1001 Yen und Advantest gaben um 270 auf 5030 Yen ab.
Euro pendelt um die Marke von 0,98 Dollar
Der Kurs des Euro ist am Freitag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 0,9790 (Donnerstag: 0,9814) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0215 (1,0190) Euro. Bis 20 Uhr kletterte die Einheitswährung wieder leicht auf 0,9803 Euro.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6333 (0,6314) britische Pfund, 120,66 (118,85) japanische Yen und 1,4662 (1,4678) Schweizer Franken fest.