Börsenschluss Gewinnmitnahmen belasten Dax
Frankfurt am Main/New York Der Dax hat nach der Minirallye vom vergangenen Freitag eine Atempause eingelegt und schloss zum Wochenauftakt rund 0,9 Prozent schwächer auf 4442 Punkten. Im Tagesverlauf wurde die Marke von 4400 Punkten zweimal getestet, zum Handelsschloss zog der Leitindex jedoch wieder an.
Mit einem leichten Plus verabschiedeten sich die Nebenwerte aus dem Handel. Der MDax kletterte um 0,2 Prozent auf 3911 Punkte. Am Neuen Markt schloss der Nemax 50 auf 579 Zählern, ein Minus von 1,2 Prozent.
In den USA präsentierten sich die Börsen im Handelsverlauf schwach. Der Dow Jones rutschte bis 20 Uhr (MESZ) um 0,8 Prozent auf 9304 Punkte. Der Nasdaq notierte auf 1424 Zählern, ein Minus von 1,7 Prozent.
Enttäuschender Start in die Berichtssaison
Der Start in die neue Berichtssaison in den USA hat enttäuscht. Als erster Dow-Jones-Wert hat Alcoa von US-Börseneröffnung seine Quartalszahlen gemeldet und die Erwartungen der Börsianer nicht treffen können. Zusammen mit Gerüchten um Bilanzmanipulationen bei Merck & Co. hat dies die Stimmung an der Börse eingetrübt. Zudem kamen die Kurse auf Grund von Gewinnmitnahmen unter Druck.
"Merck ist schon eine psychologische Belastung. Es scheint immer mehr Einzelfälle zu geben", sagte der Aktienstratege Christian Kahler von der DZ Bank. Einem Medienbericht zufolge hatte Merck in den vergangenen Jahren bei einer Tochter Umsätze von insgesamt rund 12,4 Milliarden Dollar verbucht, ohne dass diese das Geld auch tatsächlich eingenommen hat. Im US-Handel fielen die Merck-Aktien dort um bis zu 4,6 Prozent.
Zu Panikverkäufen wie beim Bekanntwerdern von milliardenschweren Fehlbuchungen durch den US-Telekomkonzern Worldcom vor einigen Wochen sei es diesmal nicht gekommen, sagten Händler. Ein Großteil der Kursverluste sei auf Gewinnmitnahmen nach dem kräftigen Plus vom Freitag zurückzuführen. Der Dax hatte am Freitag 5,3 und der Nemax50 sogar 7,4 Prozent fester geschlossen.
Insgesamt werde das Thema Merck überbewertet, sagte ein Händler. Viele Anleger suchten offenbar nur eine Gelegenheit, um die Kurse auf ein günstiges Wiedereinstiegsniveau zu drücken. Die nachgebenden US-Börsen trübten die Stimmung in Deutschland zusätzlich ein, hieß es weiter.
Techwerte leiden unter Gewinnmitnahmen
Technologiewerte standen im Minus. So verloren Aktien des Software-Herstellers SAP 1,9 Prozent auf 95,20 Euro. Epcos-Papiere büßten 2,5 Prozent auf 31,66 Euro ein. Siemens verbilligten sich um 0,8 Prozent auf 62,50 Euro. Die Anteilsscheine der Deutschen Telekom fielen um 1,9 Prozent auf 10,60 Euro. Noch am Freitag waren diese Werte besonders gefragt gewesen.
Besonders sensibel reagierte der Finanzwert MLP auf die Vorwürfe bei Merck & Co.: Das Unternehmen war in den letzten Wochen wiederholt in den Verdacht unseriöser Rechnungslegung geraten. MLP hatte diese Anschuldigungen aber stets dementiert. Die Aktie war mit einem Verlust von zuletzt 3,6 Prozent auf 30,85 Euro eine der schwächsten Dax-Aktien. Das Schlusslicht bildeten allerdings Fresenius-Medical-Care-Titel , die um fünf Prozent auf 50,55 Euro abrutschten.
BMW-Aktien drehen ins Plus
BMW litten im frühen Handel unter Vorwürfen des Konkurrenten DaimlerChrysler , die amerikanischen Absatzzahlen für Juni geschönt zu haben. Zuletzt drehten die Papiere jedoch wieder in Plus und stiegen um 0,3 Prozent auf 42,50 Euro. Die Aktien von DaimlerChrysler und Volkswagen gaben zwischen 1,8 und 2,4 Prozent nach.
Ein Analyst maß den Vorwürfen, "null Bedeutung" bei: Es sei normal, dass die Zahlen zunächst hochgerechnet und dann genau berechnet werden - inklusive Vorführwagen etc. Das sei ein "Sturm im Wasserglas".Ein Händler wollte die Nachrichten ebenfalls nicht glauben. BMW habe es auch gar nicht nötig, die Zahlen schön zu rechnen, weil sie schon vorher gut gewesen seien, erklärte er. DaimlerChrysler wirft BMW einem Pressebericht zufolge vor, die US-Absatzzahlen für den Monat Juni künstlich aufgebläht zu haben. Anfang vergangener Woche habe BMW anderen Herstellern für Juni 17.469 Wagenverkäufe mitgeteilt. In einer späteren Mitteilung lag die Zahl dann bei 19.868 Wagen. "Wir glauben, dass BMW nach Erhalt der Marktzahlen der Wettbewerber für Juni zusätzliche Einheiten verrechnete, die extra für diesen Zwecke zurückgehalten worden waren", zitiert die Zeitung ein internes Mercedes-Papier. Laut BMW sind die Zahlen durch den Verkauf von Vorführwagen und steuerfreie Importe zustande gekommen, die in den vorläufigen Zahlen nicht aufgeführt worden waren. Das sei eine übliche Vorgehensweise.
Bei Babcock gehen die Lichter aus - Gewinnmitnahmen belasten den Neuen Markt
Bei Babcock Borsig gehen die Lichter aus
Nachdem der Rettungsversuch für den angeschlagenen Maschinenbaukonzern Babcock Borsig gescheitert ist, stürzte die Aktie um 50 Prozent ab auf 0,84 Euro. Nach mehrtägigen Verhandlungen zur Rettung des angeschlagenen Unternehmens erklärte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement am Montag in Düsseldorf, es sei nicht möglich gewesen, ein Finanzierungskonzept mit den Gläubigerbanken und Eigentümern zu erreichen. "Wir haben keinen Erfolg gehabt", räumte Clement ein.
Die sechs Gläubigerbanken des insolventen Konzerns erwarten für sich keine bedrohlichen Belastungen durch Kreditausfälle. Über die Höhe ihrer Forderungen an Babcock hielten sich die Banken bedeckt. "Wir haben lediglich ein paar Aval-Kredite vergeben", sagte ein Sprecherin der Dresdner Bank. Dabei handelt es sich um Eventualverbindlichkeiten - etwa bei Gewährleistungen oder Garantien. Die Höhe sei aber zu vernachlässigen. "Wir stehen bei den Gläubigern nicht in der ersten Reihe", hieß es von der BHF-Bank, der West LB und der Deutschen Bank . Die HypoVereinsbank sieht die Risiken durch eine mögliche Babcock-Pleite für sich im "mittleren zweistelligen Millionen-Bereich". Bankkreisen zufolge sollen "eine Frankfurter und eine Münchener Adresse" die größten Kapitalgeber sein. Zwei der Gläubigerbanken sind zudem am Eigenkapital des Maschinenbauers beteiligt: Die West LB zu 8,5 Prozent und die Deutsche Bank zu 8,8 Prozent.
Lehman nimmt Altana in Empfehlungsliste auf
Nach positiven Analystenkommentaren haben die Aktien des Pharmakonzerns Altana zugelegt. Das Papier stieg um 1,5 Prozent auf 54,18 Euro. Altana profitiert einem Händler zufolge von der Entscheidung von Lehman Brothers, den Titel anstelle des Schweizer Konkurrenten Novartis auf ihre weltweite Portfolio-Empfehlungsliste zu nehmen. "Eine solche Nachricht beflügelt das Papier auch an einem sonst eher schwachen Börsentag", sagte ein Marktbeobachter.
Gewinnmitnahmen drücken Nemax
Der Neue Markt hat am Montag unter dem Einfluss von Gewinnmitnahmen wieder spürbar an Boden verloren. Die Abwärtsbewegung nach der sehr festen Tendenz am Freitag führten Händler auf eine technische Reaktion zurück.
Zu den größten Verlierern im Nemax 50 gehörte die Aktie von Süss Microtec . Das Papier verlor nach Vorlage der Quartalszahlen über acht Prozent auf 15,70 Euro. Der Hersteller von Fertigungs- und Prüfgeräten für die Halbleiterindustrie hat nach vorläufigen Zahlen im zweiten Quartal mit 27 Millionen Euro einen um 46 Prozent niedrigeren Nettoumsatz als noch im gleichen Vorjahresquartal erwirtschaftet. Der Auftragseingang ging gegenüber dem Vorjahr um rund 30 Prozent auf 29 Millionen Euro zurück. Im Vergleich zum vorangegangenen ersten Quartal jedoch stelle dies ein Anstieg um 20 Prozent dar. In der Steigerung deute sich eine leichte Markterholung nach einem schwachen ersten Halbjahr an, hieß es.
Deutliche schwächer präsentierten sich auch die beiden Telekomtitel Mobilcom (minus 7,6 Prozent) und Pandatel (minus zwölf Prozent). Gegen den Trend legten Ixos und Balda deutlich zu.
Tiscon verlässt den Neuen Markt
Tiscon hat bei der Deutschen Börse den Wechsel vom Neuen Markt an den Geregelten Markt beantragt. Die Notierung im Nemax All Share solle mit Wirkung vom 31. Juli eingestellt und mit Beginn des 1. August am Geregelten Markt aufgenommen werden, teilte das Unternehmen mit. Die Aktie reagierte auf die Ankündigung mit einem Kursabschlag von 8,9 Prozent auf 0,82 Euro.
Tokio schließt schwächer - Euro klettert über 0,98 Dollar
Tokio schließt schwächer - Yen drastisch gestiegen
Tokios Börse hat am Montag trotz der positiven Vorgabe der Wall Street schwächer geschlossen. Marktexperten nannten als Erklärung den Vertrauensverlust von Anlegern als Folge von immer neuen Bilanzierungsskandalen in den USA. "Die Skandale haben weltweite Auswirkungen und schüren auch in Tokio die Ängste von Anlegern", sagte ein Händler in Tokio.
Nachdem der Nikkei-Index für 225 führende Werte anfangs noch über die Marke von 11.000 Punkte gestiegen war, verlor das Kursbarometer einhergehend mit einer drastischen Festigung des Yen zum Dollar wieder an Boden. Zum Ende notierte der Nikkei-Index ein Minus von 56,89 Punkten oder 0,5 Prozent beim Stand von 10.769 Punkten. Der breit angelegte Topix fiel um 8,96 Punkte oder 0,9 Prozent auf 1033 Zähler.
Auf den Verkaufslisten standen einige Autowerte. "Der Anstieg des Yen setzt die export-orientierte Autoindustrie natürlich unter Druck", so ein Händler. Papiere von Toyota verloren zwei Prozent auf 3020 Yen, Daihatsu fielen 1,4 Prozent.
Technologiewerte konnten hingegen kräftig zulegen. Der größte japanische Chiphersteller Toshiba gewann zwei Prozent auf 510 Yen. Konkurrent NEC , der weltweit drittgrößte Halbleiter-Konzern, legte 0,7 Prozent auf 840 Yen zu.
Am Montag war der Dollar zum Yen erstmals seit dem 28. September vergangenen Jahres unter die Marke von 119 Yen gestürzt. Um 15.00 Uhr Ortszeit notierte die US-Währung mit 118,91-94 Yen, nachdem er am Freitag zur gleichen Zeit noch 120,33-36 Yen gekostet hatte.
Euro klettert über Marke von 0,98 Dollar
Der Kurs des Euro ist am Montag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9828 (Freitag: 0,9725) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0175 (1,0283) Euro. Bis 20 Uhr stieg die Gemeinschaftswährung bis auf 0,9863 Dollar.
Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6422 (0,6412) Pfund, 116,80 (116,98) Yen und 1,4688 (1,4659) Schweizer Franken fest.