Börsenschluss Gewinnmitnahmen drücken den Dax
Frankfurt am Main - Der Dax konnte sich von den deutlichen Verlusten im Mittagshandel nicht mehr erholen und schloss am Freitag rund 1,7 Prozent schwächer auf 4910 Punkten. Am Neuen Markt zeichnete der Nemax 50 ein ähnliches Chartbild nach und ging mit einem Verlust von 1,6 Prozent auf 1123 Zählern aus dem Handel.
Händler monierten einen lustlosen Handel bei geringen Umsätzen. Angesichts der deutlichen Kursgewinne in den vergangenen Börsentagen seien die Gewinnmitnahmen zu erwarten gewesen. Vor allem die in den vergangenen Tagen stark gestiegenen Technologie- und Bankenwerte standen unter Abgabedruck. Die Gewinnmitnahmen drängten die am Nachmittag veröffentlichten Konjunkturdaten aus den USA in den Hintergrund.
In den USA kamen die Börsen zum Wochenschluss nicht in Schwung. Dow Jones und Nasdaq pendelten um ihre Vortagesniveaus, hielten sich dabei aber meist leicht im Plus. Die überraschend starken Daten zum Verbrauchervertrauen konnten dem Markt jedoch keine Impulse geben. Der Index des Verbrauchervertrauens der University of Michigan stieg im November auf 83,5 Punkte nach 82,7 Punkten im Oktober. Analysten der Wall Street hatten bei den jüngsten Zahlen einen erneuten Rückgang des Index auf 78,3 Punkte erwartet.
Nur zwei Dax-Titel haben sich dem Abwärtstrend entzogen und schlossen mit deutlichen Gewinnen. Die Aktie des Tourismuskonzerns Preussag legte 1,5 Prozent auf 28,72 Euro zu. Degussa-Titel kletterten um 0,8 Prozent auf 26,25 Euro.
Mit einem leichten Plus verabschiedeten sich Schering und BMW ins Wochenende. Die Aktie des Pharmakonzerns notierte im Handelsverlauf jedoch meist freundlich, nachdem am Donnerstag gute Geschäftszahlen bekannt gegeben worden. Auch BMW profitierte noch von seiner Bilanz, die diese Woche vorgestellt wurde.
Krisenjahr für Siemens-Titel
Die Technologietitel Siemens (minus 1,8 Prozent auf 59,34 Euro), Epcos (minus drei Prozent auf 55,70 Euro) und Infineon (minus 4,9 Prozent auf 20,54 Euro) schlossen deutlich schwächer. Siemens-Chef Heinrich von Pierer legt am Mittwoch, 14. November, die Zahlen für das Geschäftsjahr 2000/2001 (per 30. September) vor. Im dritten Quartal entstand ein hoher Verlust bei Deutschlands größtem Elektrokonzern; auch für das vierte Quartal erwarten Analysten keine Trendwende. Auch Epcos und Infineon werden für das Geschäftsjahr 2000/01 laut Branchenkennern Gewinneinbrüche oder gar Verluste präsentieren. Die drei Unternehmen kündigten bereits die Streichung von 24.000 Stellen an.
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Die Titel der Commerzbank waren mit einem Minus von mehr als fünf Prozent auf 19,32 Euro Schlusslicht im Dax. Die Bank hat einen Verlust nach Steuern in Höhe von 184 Millionen Euro für das dritte Quartal gemeldet, der damit noch höher ausfiel als von Analysten befürchtet. Der Gewinn in den ersten neun Monaten 2001 sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 95 Prozent eingebrochen. Dresdner Kleinwort Wasserstein hat die Aktie der Commerzbank auf "Reduzieren" gesetzt.
Die Versicherungskonzerne Münchener Rück und Allianz haben sich mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) auf einen Verkauf ihre Anteile an der Deutsche Industriebank (IKB) geeinigt. Die Allianz AG gebe 19,8 Prozent an der IKB ab, die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft 13,4 Prozent. Während das Allianz-Papier 2,8 Prozent auf 278,10 Euro nachgab, verlor die Aktie der Münchener Rück 2,3 Prozent auf 318,68 Euro.
Neuer Markt: Positive Analystenstimmen für Aixtron
Im Auswahlindex Nemax 50 standen die Titel von Aixtron an der Spitze der Gewinnerliste. Die Aktie legte um 6,7 Prozent auf 23,35 Euro zu, nachdem die Investmentbank Goldman Sachs in einer Studie den Wert als "Outperformer" empfohlen hatte. Die Analysten äußerten sich positiv zu den vorgelegten Zahlen zum dritten Quartal.
Ebenfalls fest präsentierten sich die Titel von Constantin (plus 3,2 Prozent auf 6,50 Euro), Singulus (plus 2,2 Prozent auf 24,61 Euro) und Pfeiffer (plus 1,6 Prozent auf 36,52 Euro).
Die Aktien von Medion reduzierten ihre Verluste auf minus 0,3 Prozent und gingen auf 44,10 Euro aus dem Handel. Die gemeldeten Quartalszahlen hätten die Erwartungen getroffen, erklärte ein Händler. Die größten Verluste im Index verzeichneten Highlight (minus zehn Prozent auf 3,05 Euro) und Heyde (minus 9,9 Prozent auf 1,63 Euro).
Spannung bei Comdirect, Countdown bei Brokat
Der Online-Broker Comdirect hat die Bekanntgabe seiner Quartalszahlen vom 12. auf den 16. November verschoben. Wie aus Kreisen verlautete, ist auf der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag eine Entscheidung gefallen, die das Auslandgeschäft betreffe. Anfang der Woche hatte Comdirect erklärt, dass Partner für die Filialen in Frankreich und Italien gesucht werden. Die Aktie notierte zuletzt knapp sieben Prozent im Minus.
Auch die finanziell angeschlagene Brokat wird ihre Unternehmenszahlen für die ersten neun Monate und das dritte Quartal 2001 später als erwartet erst am kommenden Montag, dem Tag der außerordentlichen Hauptversammlung, vorlegen. Ursprünglich war die Veröffentlichung für den heutigen Freitag vorgesehen. Auf dem Aktionärstreffen in Stuttgart soll über Maßnahmen, wie das von der Insolvenz bedrohte Unternehmen zu retten sei, abgestimmt werden.
Kurs des Euro gefallen
Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8930 (Donnerstag: 0,8972) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 2,1902 (2,1799) Mark. Zum Handelsschluss in Deutschland ist die Gemeinschaftswährung wieder leicht gestiegen und notierte bei 0,894 Dollar. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6144 (0,6128) Pfund, 107,47 (108,25) Yen und 1,4667 (1,4679) Schweizer Franken fest.