Börsenschluss Hoch, höher, Commerzbank
Frankfurt am Main Der Dax hat am Donnerstag einen Großteil seiner Verluste in dieser Woche wettgemacht. Nahe seines Tageshöchststandes beendete das Börsenbarometer den Handelstag drei Prozent fester bei 5133 Zählern. Unterstützt von einem freundlichen Handelsverlauf an den US-Börsen schoss der Nemax 50 am Neuen Markt 3,5 Prozent auf 1180 Stellen in die Höhe. In New York notierten die US-Indizes gegen 21 Uhr freundlich. Der Dow Jones stand mit 1,2 Prozent auf 9829 Punkten im Plus. Der Nasdaq Composite rückte um 1,4 Prozent auf 1970 Zähler vor.
Yahoo auf Rallye-Kurs
Händlern in New York zufolge hatten die am Mittwoch nach US-Börsenschluss veröffentlichten Geschäftszahlen, etwa die der Computerhersteller Compaq und Apple sowie die des Internetportals Yahoo Kauffreude ausgelöst. Compaq legten um 3,5 Prozent zu, Apple stiegen um mehr als sechs Prozent und Yahoo zogen um mehr als zwölf Prozent an.
Fed-Konjunkturindex über den Erwartungen
Die Kauffreude der Anleger wurde nach Händlereinschätzung noch durch einen starken Anstieg des Konjunkturindexes der Federal Reserve Bank von Philadelphia verstärkt. Der Index war im Januar auf 14,7 von revidiert minus 12,6 im Dezember gestiegen und lag somit deutlich über den Erwartungen von Analysten, die einen Anstieg auf minus 4,1 prognostiziert hatten. Damit waren die Daten im Januar erstmals seit November 2000 wieder positiv ausgefallen. Die Fed betonte jedoch, dass ein einmonatiger Anstieg noch keine Erholung der Industrieproduktion in den USA bedeute.
"Am Vorabend sah es so aus, als ob wir abtauchen würden," sagte ein Händler. Aber nach den guten Nachrichten aus den USA sei der freundliche Tagesverlauf keine Überraschung gewesen. "Nach den Ergebnissen sieht jetzt alles ein bisschen freundlicher aus", ergänzte Andreas Gartner, Fondsmanager bei SEB. Er geht davon aus, dass sich der Dax in den kommenden drei bis vier Monaten zwischen 4900 und 5300 Punkten bewegen werde.
Commerzbank-Titel im Höhenrausch
Gute Quartalszahlen der US-Bank Citigroup hatten Finanzwerte insgesamt beflügelt. Die Münchener Rück hatte mitgeteilt, sie habe ihren Anteil an der Commerzbank von fünf Prozent auf 10,4 Prozent erhöht. Bei sehr hohen Umsätzen stieg der Kurs des Geldinstituts um 9,54 Prozent auf 18,95 Euro. Anleger spekulierten dabei auf eine Fusion mit der HypoVereinsbank , an der die Rückversicherung ebenfalls mit 5,1 Prozent beteiligt ist.
Während die Aktien des Versicherers um 1,82 Prozent auf 280 Euro gewannen, legten HypoVereinsbank als drittstärkster Wert um 6,70 Prozent auf 35,82 Euro zu. Allianz rückten um 3,67 Prozent auf 263 Euro vor.
Auch Deutsche Bank kletterten um 4,47 Prozent auf 78,35 Euro. Die Aktie hatte am Vortag stark nachgegeben: Die schlechten Zahlen der US-Bank J.P. Morgan Chase hatten die Sorge der Anleger geschürt, dass die deutschen Banken ihre Risikovorsorge anheben müssen.
Gute Nachrichten von MAN und Telekom
MAN verteuerten sich um 7,91 Prozent auf 26,61 Euro. "Erfreulich gute" Umsatzzahlen hätten das Papier beflügelt, sagte ein Händler. An seiner Gewinnprognose in Höhe von 200 Millionen Euro vor Steuern für das abgelaufene Jahr hält der Maschinen- und Nutzfahrzeugbauer weiterhin fest.
Die T-Aktie baute ihre Zugewinne auf mehr 4,47 Prozent aus und notierte knapp unter der Marke von 18 Euro. Nach Meinung von Händlern waren viele Anleger überrascht über die gute Entwicklung der Kundenzahlen bei den Mobilfunktöchtern T-Mobile, One2One und Voicestream. Die Zahl der VoiceStream-Kunden ist im Jahr 2001 um 668.000 auf sieben Millionen gestiegen ist.
Infineon schwach vor Quartalszahlen
Die kurze Liste der Verlierer im Dax wurden von den Aktien des Münchener Chipherstellers Infineon und Metro (minus 0,61 Prozent auf 40,95 Euro) angeführt. Die niederländische Großbank ABN Amro hatte sich kritisch über den Einzelhandelskonzern geäußert.
Der verhaltene Ausblick des weltgrößten Prozessor-Riesen Intel drückte den Infineon-Kurs zuletzt um rund 0,74 Prozent auf 24,22 Euro. Der Halbleiterhersteller legt am kommenden Montag seine Geschäftszahlen vor. Infineon hat nach der Einschätzung von Analysten im abgelaufenen Quartal wieder tiefrote Zahlen geschrieben, die Verluste verglichen mit dem vorangegangenen Vierteljahr aber eingedämmt.
Die guten Zahlen der beiden Computerhersteller Apple und Compaq am Vorabend seien für den Kurs ohne Bedeutung geblieben, sagte ein Hamburger Händler. Lediglich Siemens habe davon profitieren können. Die Aktien des ehemaligen Mutterkonzerns stiegen um 5,34 Prozent auf 72,95 Euro.
Kurstreibend wirkten offenbar auch Aussagen von Siemens-Chef Heinrich von Pierer. Der hatte auf der Hauptversammlung am Donnerstag erklärt, er erwarte eine Verbesserung des operativen Ergebnisses im laufenden Geschäftsjahr. Für das Betriebsergebnis im ersten Quartal (31. Dezember 2001) sieht Siemens einen Anstieg verglichen mit dem schwachen Vorquartal.
Händler sieht Kaufkurse am Neuen Markt
Die Indizes am Frankfurter Neuen Markt haben am Donnerstag auf ihrem Tageshoch geschlossen. Vor allem die optimistischen Prognosen der US-Unternehmen hätten für Kaufstimmung gesorgt, sagten Händler. "Bis zum Ende der Berichtssaison sollte es am Neuen Markt tendenziell bergauf gehen", sagte ein Händler. Selbst bei Rückschlägen sollten die Anleger nicht verzagen: "Das sind Kaufkurse".
T-Online mit starkem Kundenzuwachs
Auch T-Online verbuchten ein Plus von 2,91 Prozent auf 12,04 Euro. Die Muttergesellschaft Deutsche Telekom hatte bekannt gegeben, der Internetdienstleister habe im vierten Quartal 900.000 Neukunden gezählt und damit den stärksten Kundenzuwachs des vergangenen Jahres verbucht.
Die größten Kursbewegungen seien allerdings auf technische Reaktionen zurückzuführen, sagten Börsianer. So verbuchten Singulus , ein Hersteller von CD- und DVD-Fertigungsanlagen, einen Aufschlag von 7,46 Prozent auf 32,55 Euro, ohne dass es dafür fundamentale Nachrichten gab. United Internet legten sogar um 13,85 Prozent auf 6,00 Euro zu. "Nachholbedarf" zeigten auch Dialog Semiconductor. Die Papiere verteuerten sich um 6,39 Prozent auf 6,49 Euro.
MobilCom verteuerten sich um 2,11 Prozent auf 23,69 Euro. Der norddeutsche Mobilfunkbetreiber hat wie auch die britische Vodafone die ersten kommerziellen UMTS-Dienste in Deutschland für Herbst dieses Jahres angekündigt.
Euro nahe 88 US-Cent
Der Kurs des Euro ist am Donnerstag leicht gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,8819 (Mittwoch: 0,8817) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1339 (1,1342) Euro. Am Abend wurde die Währung mit 0,8811 Dollar gehandelt.