Börsenschluss: Hypo und Daimler obenauf - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Hypo und Daimler obenauf

Trotz deutlicher Gewinne der Schwergewichte hat der Dax nur leicht im Plus geschlossen. Der Neue Markt ging - von einem neuen Skandal begleitet - wieder mit Verlusten aus dem Handel.
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Frankfurt am Main - Der Dax hat nach einer Berg- und Talfahrt bei 4780 Punkten geschlossen, ein Plus von 0,3 Prozent. Am Neuen Markt verringerte der Nemax 50 seine Verluste und sank zuletzt um 0,2 Prozent auf 949 Zähler. Freundlicher präsentierten sich die Nebenwerte: Der MDax kletterte um 0,7 Prozent auf 4322 Punkte.

In den USA haben die Börsen freundlich eröffnet und präsentierten sich im weiteren Verlauf uneinheitlich. Zum Handelsschluss in Frankfurt notierte der Dow Jones auf 9829 Punkten, ein Plus von 0,9 Prozent. Die Nasdaq verlor um 0,1 Prozent auf 1749 Zähler. Dabei kursierten erneut Spekulationen um einen weiteren Skandal an der Wall Street: Die US-Staatsanwaltschaft und das FBI sollen nach Presseberichten die Bilanzierungspraktiken von Computer Associates   unter die Lupe nehmen, hieß es. Der Titel fiel daraufhin im frühen Handel um 16 Prozent unter den gestrigen Schlussstand. Aus dem Unternehmen selbst hieß es, man habe keine Kenntnis von der angeblichen Überprüfung und betonte, dass man die Bilanzierungsregeln streng befolgt habe.

Inzwischen hat nach IBM   auch General Electric   angekündigt, künftig detailliertes Angaben zum Geschäftsverlauf zu machen. Am Vortag hatten vor allem die weiter schwelenden Gerüchte um angebliche Bilanzunregelmäßigkeiten beim Computerhersteller IBM die Gemüter erhitzt.

Die Stimmung bleibe auf Grund anhaltender Sorgen um mutmaßlich unsaubere Bilanzierungspraktiken von US-Unternehmen unverändert düster, sagten auch Händler in Frankfurt. Sie litten unter "Enronitis", hieß es.

HypoVereinsbank überrascht mit guten Zahlen

Nach Vorlage von Zahlen legte die Aktie der HypoVereinsbank   um vier Prozent auf 33,65 Euro zu und führte damit die Liste der Kursgewinner im Dax an. "Die Zahlen liegen deutlich über den Analystenschätzungen", sagte ein Börsianer einer ausländischen Großbank. Der Gewinn der Bank ist im vergangenen Jahr um 30 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro eingebrochen. Wegen der gestiegenen Zahl von Firmenpleiten hat die HypoVereinsbank die Kreditrisikovorsorge um 18 Prozent auf mehr als zwei Milliarden Euro aufgestockt.

Im Fokus der Anleger stand auch die Aktie des Stuttgarter Autoherstellers DaimlerChrysler: Der Titel   verteuerte sich um knapp 2,4 Prozent auf 41,72 Euro. Der Konzern hat vor Handelsbeginn seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2001 sowie für das vierte Quartal 2001 veröffentlicht. "Die meisten Zahlen waren bekannt", sagte ein Händler. Allerdings sei der Ausblick für 2002 positiv, den das Unternehmen gegeben hat. Den Kurszuwachs der DaimlerChrysler-Aktie führten Händler auch auf Shorteindeckungen von institutionellen Anlegern zurück. Die Konkurrenten Volkswagen   , die gestern ein Rekordergebnis präsentiert hatten, und BMW   schlossen etwas leichter. VW hatte zudem bekannt gegeben, wegen der schwachen Konjunktur die Fertigung in mehreren europäischen Werken während der Osterferien zu unterbrechen. Dadurch werde die Produktion um rund 15.000 Einheiten reduziert.

Unter Druck standen erneut die Aktien des Dialysekonzerns Fresenius Medical Care   , die sich um 2,2 Prozent auf 57,06 Euro verbilligten. Das Papier hatte bereits am Dienstag mehr als fünf Prozent nachgegeben. Am Markt verbreite sich Unsicherheit wegen möglicher Geldforderungen aus den USA, hieß es. Vergangene Woche hatte das Unternehmen mitgeteilt, für die Beilegung des Streits mit US-Krankenversicherern hohe Rücklagen gebildet zu haben.

Auf der Verliererseite standen außerdem MLP   , deren Aktien ihre Talfahrt der vergangenen Tage fortsetzten und um 0,4 Prozent auf 60,35 Euro fielen. Die Aktie sei dennoch immer noch relativ teuer, sagten Händler.

Positive Analystenstimmen zur T-Aktie

Nach positiven Analystenkommentaren hat die Aktie der Deutschen Telekom   um 1,7 Prozent auf 15,50 Euro angezogen. "Mehrere Analystenhäuser haben sich in den vergangenen Tagen positiv zur T-Aktie geäußert", begründete der Aktienhändler Christian Schmidt von der Helaba die Gewinne.

Die Aktie der Deutschen Bank   schwenkte nach ihren massiven Verlusten am Vortag erneut auf die Verliererseite ein: Börsianer machten Sorgen um die Aussichten des Rentengeschäftes und die Gewinnwarnung des belgischen Mitbewerbers Fortis für die starken Verluste verantwortlich. Die Analysten der Commerzbank haben die Aktie der Deutschen Bank außerdem auf "Halten" zurückgestuft und das Kursziel auf 70 Euro gesenkt. Das Papier ging mit einem Verlust von 0,3 Prozent auf 63,80 Euro aus dem Handel.

MDax: Hugo Boss mit Zahlen

Nach Bekanntgabe der vorläufigen Jahreszahlen verlor das Papier des im MDax notierten Modedesigners Hugo Boss   rund 0,8 Prozent auf 24,80 Euro. Das Unternehmen hat sein Ergebnisziel für das Geschäftsjahr 2001 verfehlt. Der Jahresüberschuss stieg um acht Prozent auf 107 Millionen Euro. Geplant war ein Ergebnisanstieg von 14 Prozent gewesen. Der Umsatz wuchs dagegen um 19 Prozent auf 1,09 Milliarden Euro. Man habe die Marktanteile in allen wichtigen Märkten ausbauen und zum sechsten Mal in Folge zweistellig wachsen können. Erheblich belastet wurde das Ergebnis durch Verluste der neuen Damenlinie.

Neuer Markt: Fonds steigen aus - Mobilcom im Sturzflug

Neuer Markt: Fonds steigen aus

"Fonds und Banken werfen Aktien teils ohne Rücksicht auf Verluste auf den Markt", sagte ein Händler. Die Aktienfonds litten unter Mittelabflüssen und müssten daher die mit hohen Umsätzen gehandelten Papiere verkaufen. T-Online Aktien   verloren um 1,9 Prozent und kosteten 11,28 Euro.

Qiagen-Aktien   legten nach der Vorlage von Geschäftszahlen mit hohen Umsätzen um drei Prozent auf 18,40 Euro zu und beflügelten weitere Biotechnologietitel. Ein Händler sagte: "Qiagen konnte mit den Zahlen überzeugen und holt jetzt die hohen Kursverluste der Vortage teilweise auf." Die immer noch hohe Bewertung müsse das Unternehmen aber in den kommenden Jahren durch sehr hohe Umsatz- und Gewinnsteigerungen rechtfertigen, hieß es. "Auch nach dem Kurssturz an den Tagen zuvor ist Qiagen nicht billig."

Mit einem Plus von 14,7 Prozent auf 44,00 Euro setzt sich die Aktie des Biotechnologieunternehmens Morphosys   zeitweise an die Spitze der Gewinner im Nemax 50. Evotec-Papiere   legten um vier Prozent auf 8,01 Euro zu. Der Aktienkurs von Dialog Semiconductor legte20,5 Prozent zu, nachdem das Unternehmen für das laufende Jahr die Rückkehr in die Gewinnzone versprochen hatte.

Mobilcom fällt immer tiefer

Die Titel von Mobilcom   verloren hingegen 17,3 Prozent des Wertes und kosteten zuletzt 12,60 Euro. "Die Börsianer zeigen der Mobilcom, was sie von dem Widerstand des Herrn Schmid gegen die France Télécom halten", sagte ein Händler. Das Unternehmen geht nach Angaben eines Sprechers davon aus, dass die France Télécom den Kurs drücke, um billig in den Besitz des Aktienpakets des Vorstandsvorsitzenden Gerhard Schmid zu kommen.

Comroad-Aktien   wurden vom Handel ausgesetzt, nachdem die Wirtschaftsprüfer von KPMG den Beratervertrag mit dem Telematik-Unternehmen fristlos gekündigt hatten. Bei der laufenden Prüfung der Zahlen hätten sich "begründete Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit" der Gesellschaft ergeben, bestätigte KPMG einen Bericht der Zeitschrift "Börse Online". Die Aktien fielen bis zum Handelsstopp am Vormittag um 25,9 Prozent auf drei Euro.

Euro-Kurs fester - Nikkei knapp behauptet

Kurs des Euro gestiegen

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs des Euro am Mittwoch bei 0,8743 (Dienstag: 0,8692) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,1438 (1,1505) Euro. Gegen Handelsschluss in Frankfurt wurde die Einheitswährung mit 0,8712 Dollar gehandelt. Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6114 (0,6101) Pfund, 116,90 (116,30) Yen und 1,4812 (1,4786) Schweizer Franken fest.

Die Aktienbörse in Tokio hat am Mittwoch knapp behauptet geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte büßte 13,03 Punkte auf 9834 Zähler ein. Der breitere Topix verlor 3,05 Punkte und beendete den Handel beim Stand von 956 Punkten.