Börsenschluss: Im Tiefenrausch - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Im Tiefenrausch

Der Dax markierte am Freitag den tiefsten Stand seit sechs Jahren. Bankentitel und Aktien von Versicherern erlebten den Ausverkauf. TUI und Lufthansa hielten die Fahne hoch. Die Perle Puma punktete im MDax.
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Frankfurt/New York – Die deutschen Aktienmärkte haben Freitag mit dicken Verlusten geschlossen. Nur mit Mühe konnte sich der Dax über die Marke von 2700 Zählern retten und verlor schließlich 3,5 Prozent auf 2714 Punkte. Das Tagestief hatte 2677 Punkten gelegen. Der MDax gab 0,77 Prozent auf 2842 Punkte ab. Die Wachstumswerte im Nemax 50 rutschten um 3,2 Prozent auf 317 Punkte. Vor allem massive Verluste bei Versicherungen und Bankentiteln haben den Dax auf den tiefsten Stand seit fast sechs Jahren gedrückt.

Abwärtstrend soll weiter anhalten

Der Markt sei zwar völlig überverkauft, sagten Händler. Angesichts der anhaltend schlechten Stimmung am Aktienmarkt seien weitere Verluste jedoch sehr wahrscheinlich. Für eine Trendwende müsse die Konjunktur anspringen. Doch ein Aufschwung sei derzeit nicht in Sicht. Jeder Ansatz einer Kurserholung in dieser Woche habe gezeigt, dass es sich um rein technische Reaktionen auf vorherige Verluste handele, hieß es auch in einer Studie der Bankgesellschaft Berlin. Der Markt sei noch immer in einem intakten Abwärtstrend.

An der Wall Street tendierte nach anfänglichen Gewinnen der Dow Jones bei Börsenschluss in Deutschland rund drei Prozent schwächer auf 7485 Punkte. Der Nasdaq-Index gab 2,3 Prozent auf 1138 Punkte ab.

Der Arbeitsmarkt in den USA hat sich im September etwas besser als erwartet entwickelt. Die Arbeitslosenquote sei von 5,7 Prozent im August auf 5,6 Prozent gesunken, teilte das Arbeitsministerium mit. Das ist das niedrigste Niveau seit Januar. Volkswirte hatten im Durchschnitt mit einem Anstieg auf 5,9 Prozent gerechnet.

Allerdings sank auch die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft von August auf September um 43.000. Dies war der erste Rückgang seit April und der stärkste seit Februar. Volkswirte hatten mit einem Anstieg der Zahl der Beschäftigten um 4000 gerechnet. Für den Monat August wurde jedoch der Anstieg der Beschäftigtenzahl außerhalb der Landwirtschaft deutlich von 39.000 auf 107.000 nach oben revidiert. Dies war der größte Anstieg seit November 2000.

Bankenwerte im Tiefenrausch

Die Verliererliste wurde geschlossen angeführt von den Versicherungen und Banken. Die Aktien der Deutsche Bank   fielen um 7,2 Prozent auf 41,75 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit vier Jahren. Den Kursverlust begründeten Händler mit Spekulationen über eine mögliche Senkung der Geschäftsprognosen. Der Auslöser sei die Herabstufung der Papiere durch die Investmentbank Goldman Sachs am Vortag gewesen. Bei der Deutschen Bank war zunächst keine Stellungnahme erhältlich.

HypoVereinsbank  , die zwischenzeitlich mehr als zehn Prozent verloren hatten, schlossen mit einem Minus von 7,77 Prozent auf 12,82 Euro. Commerzbank   gaben mehr als fünf Prozent ab und waren zuletzt noch sechs Euro wert. Beide Aktien notierten zeitweilig so tief wie seit über zehn Jahren nicht mehr.

Münchner Rück zeitweilig unter 100 Euro

Allianz-Aktien   schlossen bei Verlusten von mehr als acht Prozent auf 79,33 Euro. Aktien der Münchener Rück   notierten knapp neun Prozent schwächer auf 101,30 Euro. Als die Aktie zwischenzeitlich auf 99 Euro gefallen war, gab es am Freitag zum ersten Mal seit vielen Jahren keinen Wert mehr im Dax, der dreistellig notierte.

Die von Wirtschaftsprüfern angestrebte Neuregelung zur Bewertung von Aktien-, Fonds- und Anleiheanlagen bei Versicherungen konnte den deutschen Assekuranzen am Nachmittag nicht mehr aus der Patsche helfen. Ein Händler in Frankfurt sagte, dass die möglichen Abschreibungen zwar bereits in den Kursen der Versicherungsaktien steckten. Trotzdem mussten die Versicherer weiter Federn lassen. Die Spekulationen über Wertberichtigungen bei ihren Anlagen hatten die Versicherungstitel in den vergangenen Wochen stark unter Druck gebracht.

Die überraschende Senkung der Gewinnprognosen durch den US-Pharmakonzern Schering-Plough setzte international die Pharmawerte unter Druck. Der europäische Subindex für diese Branche verlor 1,5 Prozent. Die Papiere von Schering-Plough rutschten derweil knapp vier Prozent ab. Die Aktien von Bayer   und Altana   verbilligten sich derweil um 2,5 Prozent auf 18,69 Euro beziehungsweise um 3,1 Prozent auf 38,58 Euro. Bayer hatte am Morgen seine Gesamtjahresprognose bekräftigt und dabei den Verkauf seiner Rhein-Chemie-Gruppe bekannt gegeben.

Lufthansa und TUI halten die Fahne hoch

Die Aktien der Lufthansa   und des Touristikkonzerns TUI   präsentierten sich freundlich und stiegen um 1,1 bzw. 2,3 Prozent. Chim Pries, Händler von der DZ-Bank, wertete die Kursgewinne als technische Gegenbewegung, nachdem die Titel in den Tagen zuvor extrem unter Druck gewesen seien. TUI hab wohl sein Tief durchschritten. Das Unternehmen habe sich zudem verhalten optimistisch über das weitere Reisegeschäft geäußert. Allerdings befinde sich der Wert nach wie vor in einem "intakten Abwärtstrend", sagte Pries. Lufthansa zeige Ansätze, sich um die neun Euro zu stabilisieren. Die sehr niedrigen Umsätze zeigten, dass die Anleger weiter vorsichtig seien und nicht investierten.

Puma auf Höhenflug, Senator klettert kräftig, Euro deutlich leichter

Puma bleibt auf Wachstumskurs

Im MDax legten die Aktien von Puma   3,7 Prozent auf 58,30 Euro zu. Am Vortag hatte der Sportartikelhersteller abermals seine Geschäftsprognosen für das laufende Jahr angehoben. In den ersten neun Monaten 2002 wurde der Vorsteuergewinn auf 100 Millionen Euro mehr als verdoppelt, berichtete der Vorstandsvorsitzende Jochen Zeitz.

Der Umsatz stieg um 52 Prozent auf mehr als 700 Millionen Euro. Puma wolle zur begehrtesten Sportlifestyle-Marke der Welt werden, sagte Zeitz. Dazu soll das auf zwei Milliarden Euro geschätzte Potenzial der Marke aus konsolidierten und Lizenzumsätzen verstärkt genutzt werden.

Senator mit einem massiven Kursaufschlag

Am Neuen Markt schlossen die Titel des Filmproduzenten und Rechtehändlers Senator Entertainment ein Drittel fester bei 0,60 Euro. Es gebe Gerüchte um einen bevorstehenden Vertragsabschluss, der Senator einen zweistelligen Millionen-Betrag einbringen könnte, sagte ein Börsianer. Deutlich fester im Nemax 50 präsentierten sich auch IM Internationalmedia  , die Biotechnologiewerte Medigene   und Qiagen  .

Euro fällt unter 0,98 Dollar

Der Kurs des Euro ist am Freitag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9865 (Donnerstag: 0,9890) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0137 (1,0111) Euro. Zuletzt wurde der Euro für 0,9799 dollar gehandelt.