Börsenschluss: Im Windschatten der Wall Street - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Im Windschatten der Wall Street

Die deutschen Aktienmärkte sind uneinheitlich aus dem Handel gegangen. Der Dax profitierte von einer Erholung der Versicherer. Auch die Technologiewerte präsentierten sich freundlich. MAN überraschte mit guten Zahlen und kletterte deutlich.
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Frankfurt am Main - Positive US-Konjunkturdaten haben im späten Handel die Standardwerte gestützt. Dank der im Juli unerwartet stark gestiegenen Einzelhandelsumsätze hob sich die Stimmung deutlich. Der Dax kletterte dank einer freundlichen Wall Street aus seinem Minus und stieg bis zum Handelsschluss auf 3683 Punkte, ein Plus von einem Prozent. Etwas schwächer präsentierten sich die Nebenwerte: Der MDax verlor um 0,4 Prozent auf 3374 Zähler. Am Neuen Markt notierte der Nemax 50 auf 489 Punkten, ein Minus von 0,5 Prozent.

Händler machten eine deutliche Kaufzurückhaltung an den Aktienmärkten aus. Der Markt schaue darauf, ob die amerikanische Notenbank die Zinsen senkt oder nicht. "Niemand will auf dem falschen Fuß erwischt werden", sagte ein Händler. Erst nach Börsenschluss gab die Fed ihren Entschluss bekannt: Wie von den meisten Marktteilnehmern erwartet, bleibt die Zinsrate vorerst auf 1,75 Prozent, dem niedrigsten Stand seit über 40 Jahren.

Die europäischen Konjunkturdaten dagegen "interessieren niemanden", sagte ein Marktteilnehmer. Die Konjunkturerwartungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung seien zwar "katastrophal", aber die Zinsentscheidung sei das "beherrschende Thema".

Die für den späten Abend geplante Entscheidung der Deutschen Börse über eine mögliche Neuordnung der Zusammensetzung des Dax spielte Börsianern zufolge keine Rolle. Diejenigen, die auf einen Ausschluss von Epcos   spekulierten, hätten sich längst entsprechend positioniert.

In den USA kletterten die Börsen nach einer schwachen Eröffnung ebenfalls ins Plus. Der Dow Jones legte bis zum Handelsschluss in Deutschland um 0,2 Prozent auf 8706 Punkte zu. Der Nasdaq notierte auf 1313 Zählern, ein Plus von 0,5 Prozent. Nach Bekanntgabe der Fed-Entscheidung gaben die Indizes leicht ab.

MAN führt nach Zahlen den Dax an

Eine wahre Flut von Quartalszahlen brachte Bewegung in ausgewählte Titel. Die MAN-Aktie   als Spitzenreiter im Dax zog um 6,3 Prozent an und kostete zum Schlussgong 19,39 Euro. Die Quartalszahlen des Maschinenherstellers waren besser als die Analysten zuvor erwartet hatten. Am Vortag war der Titel um 4,8 Prozent auf 18,25 Euro eingebrochen, weil der Markt einen Gewinneinbruch bis zu 70 Prozent befürchtet hatte.

Dagegen erfüllte die Quartalsbilanz des Spezialchemikers Degussa   die Erwartungen nicht voll. Die Aktie gab 0,6 Prozent auf 31,70 Euro ab. Allerdings werde die Aktie von nur noch wenigen Anlegern gehandelt, gab Christian Schmidt, Händler bei der Helaba Trust, zu Bedenken: "Der Markt rechnet mit dem Abschied der Aktie aus dem Dax", erklärte er, denn der Anteil frei handelbarer Aktien sei inzwischen sehr niedrig. Die RAG AG handelt derzeit eine Übernahme der Eon-Tochter   aus.

MLP rutscht wieder ab

Gewinnmitnahmen drückten die MLP-Titel   um über acht Prozent ins Minus auf 15,30 Euro. Damit hielt der Finanzdienstleister die rote Laterne im Dax. Die Anteilsscheine von Bayer   büßten leicht ein und kosteten noch 24,32 Euro. Ein amerikanisches Gericht hatte das Patent auf das Milzbrand-Medikament Cipro aufrecht erhalten. Damit muss Bayer nur keine Konkurrenz durch Nachahmer-Produkte fürchten, doch die Entscheidungen war erwartet worden und stützte den Titel nur in der Morgenauktion.

Gerüchte um Infineon

Unter den Technologiewerten verbuchten nur Infineon   Kursverluste. Die Aktien gaben 4,1 Prozent auf 11,60 Euro nach. Es gebe Gerüchte, dass die US-Investmentbank Goldman Sachs Infineon-Aktien platziere, sagten Händler. Ein Händler sagte, er habe mit seinen Kontakten bei Goldman Sachs gesprochen, die diesen Marktspekulationen widersprochen hätten. Epcos  , SAP   und Siemens   präsentierten sich mit Aufschlägen zwischen 4,5 und 2,9 Prozent sehr fest.

Die Versicherer drehten nach einem schwachen Start ins Plus. Allianz-Titel   gingen 1,1 Prozent fester aus dem Handel auf 129,50 Euro. Münchener-Rück-Papiere   verteuerten sich um 1,3 Prozent auf 196,50 Euro. "Die massiven Schäden durch die Unwetter belasten das normale Versicherungsgeschäft", erklärte ein Analyst die frühen Abschläge. Außerdem sei der Markt nach Ansicht eines Händlers "auf das Schlimmste gefasst", wenn die Allianz in dieser Woche die Halbjahreszahlen veröffentlicht.

Beiersdorf und BHW schmieren ab, Lion Bioscience auf Höhenflug, Euro etwas fester

Beiersdorf-Aktie gibt nach Zahlen nach

Der Kosmetikkonzern Beiersdorf   hat im ersten Halbjahr Umsatz und Ergebnis gesteigert, gleichzeitig aber seine Prognosen für das Gesamtjahr leicht nach unten revidiert. Der Umsatz solle im Gesamtjahr nur noch um rund vier Prozent auf 4,70 Milliarden Euro wachsen, teilte das im MDax notierte Unternehmen am Dienstag in Hamburg mit. Die Aktie gab mehr als sieben Prozent auf 92,90 Euro nach.

Die BHW Holding   musste ihre Gewinnerwartung für das laufende Jahr nach unten korrigieren. Trotz positiver Entwicklung beim Neugeschäft werde das Konzernergebnis "deutlich" unter dem des Jahres 2001 liegen. Vor einem Jahr hatte der Überschuss 183,6 Millionen Euro betragen. Als Gründe wurden die anhaltend schwache Verfassung der Kapitalmärkte und eine veränderte Risikosituation genannt. Die Aktie brach um über elf Prozent auf 10,55 Euro ein. Im Tagesverlauf markierte das Papier einen historischen Tiefstand bei 9.65 Euro.

Neuer Markt: Anleger schichten um

"Die Umsätze sind sehr dünn", sagte ein Börsianer am Neuen Markt. Die Marktteilnehmer hielten sich vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank zurück. Zudem stiegen Investoren vom Neuen Markt in den Dax um.

Spekulationen treiben Thiel nur kurzfristig an

Nur kurz profitierte die Aktie des im Nemax 50 notierten Luxemburger Logistikdienstleisters Thiel Logistik   von der Meldung, dass die Bad Homburger Beteiligungsgesellschaft Delton AG Thiel Logistik mit einer Beteiligung von knapp mehr als 50 Prozent übernehmen will. Der Titel verlor zuletzt sieben Prozent auf sieben Euro. "Es ist eine interessante Sache", sagte ein Düsseldorfer Händler. Hinter Delton stünde die Quandt-Familie und damit ein solider Finanzier. Allerdings sei die Nachricht schon seit Tagen als Gerücht im Markt gewesen und die Aktie hätte schon deutlich zugelegt. "Nun ist die Fantasie heraus", fügte er hinzu.

Zu den Gewinnern am Neuen Markt gehörte die Aktie der D.Logistics  , die um ein Prozent auf 2,06 Euro zulegte. "Das Unternehmen will bis Ende des Jahres entschuldet sein", begründete ein Händler den Aufschlag. Die Aktie der Microlog Logistics   verteuerte sich um über 40 Prozent auf 10,84 Euro.

Lion Bioscience deutlich im Plus

Die Gewinnerliste im Nemax 50 wurde angeführt von Lion Bioscience  . Die Anteilsscheine verteuerten sich um annähernd 43 Prozent auf 3,93 Euro. Fundamentale Nachrichten konnte bislang niemand für die Kursgewinne verantwortlich machen. Allerdings sei die Aktie in den vergangenen Tagen bei hohen Umsätzen teils stark gefallen, sagten Händler. Den nächsten Widerstand nach oben setzte ein Frankfurter Marktteilnehmer bei 3,60 Euro. Wenn sich die Aufwärtstendenz fortsetze, sei das der größte Kursgewinn des Titels in den vergangenen Wochen.

Nach Vorlage von Bilanzzahlen verbilligten sich die Aktien von GPC Biotech   um 6,7 Prozent auf 4,06 Euro und die Papiere von CE Consumer   um 3,9 Prozent auf 1,75 Euro.

Nikkei gibt wieder nach

Die Aktienbörse in Tokio hat am Dienstag schwächer geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte gab um 59,21 Punkte oder 0,6 Prozent nach und endete bei 9688 Punkten. Der breit angelegte Topix büßte fünf Punkte oder 0,5 Prozent ein und endete beim Stand von 954 Zählern.

Die Aktien der Automobilhersteller waren meist schwächer: Toyota   fielen um 75 Yen auf 2985 Yen. Suzuki   verloren 24 Yen auf 1260 Yen. Honda   legten allerdings um 50 Yen auf 5020 Yen zu. Sony   verbilligten sich um 60 Yen auf 5070 Yen.

Die Kurse der Halbleiterhersteller notierten unterschiedlich. Fujitsu   legten sechs Yen auf 611 Yen zu. Toshiba   stiegen um zwei Yen auf 414 Yen. NEC   verloren hingegen ein Yen auf 646 Yen.

Bei den Technologietiteln legten Rohm   480 Yen auf 16.750 Yen zu. Advantest   stiegen um 40 Yen auf 5510 Yen. Nikon   fielen hingegen um acht Yen auf 1.004 Yen.

Euro an der 0,98-Dollar-Marke

Der Kurs des Euro ist am Dienstag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9799 (Montag: 0,9780) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0205 (1,0225) Euro. Bis 20 Uhr stieg die Einheitswährung auf 0,9803 Dollar.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6391 (0,6386) Pfund, 116,54 (116,53) Yen und 1,4644 (1,4618) Schweizer Franken fest.